Ein besonderes kulturelles Ereignis fand am 17. Oktober im Kulturhaus von Unterwart statt: Bei der Jubiläumsveranstaltung zum 15-jährigen Bestehen von UMIZ4KIDS wurde unter dem Titel „Tierschau“ ein einzigartiger, sechssprachiger Kinderlyrikband präsentiert. Die Jubiläumsausgabe zeigt die Mehrsprachigkeit und den kulturellen Reichtum des Burgenlands – nicht nur inhaltlich, sondern auch in der Gestaltung.
Ziel der Veranstalter mit der Publikation war nicht nur die würdige Feier der vergangenen fünfzehn Jahre, sondern auch, eine Plattform für die Vorstellung verschiedener Volksgruppen und Gemeinschaften zu schaffen. Ihre Besonderheit liegt auch darin, dass die Illustrationen von Kindern aus Kindergärten und Schulen des Burgenlandes und aus Ungarn stammen.

László Kelemen, Leiter des Ungarischen Medien- und Informationszentrums (UMIZ) in Unterwart, informierte die Leserinnen und Leser von Rólunk.at darüber, dass der Mehrsprachige Kindergartenpädagogische Ausschuss des Vereins 2010 gegründet wurde und damals das erste Buch erschien. „In der seither vergangenen Zeit folgten zahlreiche weitere, heute umfasst unser Repertoire fast fünfzig Bände; die ersten fünfundzwanzig wurden auch als Hörbücher veröffentlicht. Im vergangenen Frühjahr stellten wir zudem unsere mehrsprachige Website umiz4kids.at online, die für Kindergarten- und Schulkinder spielerische Übungen zur Unterstützung des Spracherwerbs und Lesens, zum Hörverstehen und zur Förderung der Kreativität bietet. Heute feiern wir diese fünfzehnjährige Arbeit mit dem zu diesem Anlass entstandenen, festlichen Sonderband, der in sechs Sprachen – den Volksgruppensprachen des Burgenlandes – unter der Redaktion von Katharina Dowas verfasst wurde. Die Arbeit begann vor fast einem Jahr: Wir schrieben einen Zeichenwettbewerb aus – heute setzen wir den Schlusspunkt. Unseres Wissens ist zum ersten Mal eine derartige sechssprachige Sammlung erschienen.“











Auf rund sechshundert Seiten sind die Gedichte auf Ungarisch, Deutsch, Burgenlandkroatisch, im ungarischen Dialekt des Burgenlandes, im Hianzischen und in Romani zu lesen, die Tiernamen erscheinen in der Reihenfolge des ungarischen Alphabets. Die Gedichte stammen von László Devecsery, einem aus dem Burgenland stammenden, mit dem Attila-József- und dem Radnóti-Preis ausgezeichneten Schriftsteller, sowie von Imre Lutter, Träger des Ungarischen Goldenen Verdienstkreuzes, Vortragskünstler, Dichter und Theaterpädagoge. Die Illustrationen der Pianistin und bildenden Künstlerin Prof. Viola Karal bereichern das bunte Album mit fast 450 Zeichnungen. Die deutsche Übersetzung stammt von Katharina Dowas, die Hianzisch-Version von Waltraud Schranz, die burgenlandkroatische von Siegfried Vitomir Hajszan und Marijana Wagner, die Romani-Version von Josef Schmidt. „Der neueste Band der Reihe wird – ebenso wie die bisherigen – in das Bildungssystem aufgenommen und in mehrsprachigen Kindergärten und Schulen von Pädagoginnen und Pädagogen verwendet“, fügte der Institutsleiter hinzu.







Die zweisprachige Kindergartenpädagogin Katharina Dowas, Leiterin von UMIZ4KIDS, sagte: „Wir vertreten die burgenländischen Volksgruppen, innerhalb dieser besonders die ungarische Sprache. Ungarisch wird hier seit Jahrhunderten gesprochen; für mich als Zweisprachige ist es eine Herzensangelegenheit. Seit fünfzehn Jahren ist es unsere Hauptmission, die Sprache zu bewahren und an die Jüngsten weiterzugeben, damit sie dieses reiche sprachliche und kulturelle Erbe entdecken können. Ich habe lange darüber nachgedacht, welches Thema das Festbuch haben sollte, und so fiel die Wahl auf die Tiere. Mehr als fünfhundert Zeichnungen wurden eingereicht. Nach den Rückmeldungen der letzten Jahre braucht die hiesige Bevölkerung unsere Arbeit, sie unterstützt uns. Ich habe heute versucht, allen früheren und jetzigen Helfern symbolisch mit einer Urkunde zu danken. Bei UMIZ4KIDS-Veranstaltungen verkleiden sich die Teilnehmenden gewöhnlich; auch diesmal war es so, und da Tiere im Fokus stehen, schlüpften wir in Tierkostüme. Wir tanzen und singen gemeinsam – und tun all dies mit Herz und Seele. Für mich ist das das Wesentliche“, schloss die auch für die Organisation der Jubiläumsveranstaltung verantwortliche Katharina Dowas.
Die Familie Zámbó lebt seit fünf Jahren in Oberwart, Zoel besuchte die Kindergartengruppe von Katharina Dowas. Der kleine Junge zeichnete ihren Hund Kevin, das Mädchen einen Storch mit einem Frosch – beide kamen in den imposanten Jubiläumsband. Viktória Zámbó sagte, dass sie gerne hier leben, die ungarische Gemeinschaft gut sei, und die Geschwister die zweisprachige Schule besuchen. „Wir haben zahlreiche Möglichkeiten, an ungarischsprachigen Programmen und verschiedenen Veranstaltungen teilzunehmen; wir melden uns auf praktisch jeden Aufruf und Zeichenwettbewerb, wir sind aktive Teilnehmer. Es ist uns wichtig, die ungarische Kultur und Tradition weiterzugeben und zu pflegen, unseren Kindern unsere Wurzeln nahezubringen – denn wer nicht weiß, woher er kommt, weiß auch nicht, wohin er geht.“
Die „Tierschau“ ist generationenübergreifend: Die jüngste Autorin/der jüngste Autor ist zweieinhalb, die älteste/der älteste vierundachtzig Jahre alt. Es wurden nicht nur Arbeiten aus Schulen und Kindergärten des Bundeslandes eingereicht, sondern auch aus den mehrsprachigen Einrichtungen der grenznahen, westungarischen Region – Pornóapáti, Narda, Felsőcsatár, Peresznye, Kőszeg, Horvátzsidány, Szombathely –; sogar der Kindergarten Nr. 1 der Richter Gedeon oAG. in Budapest beteiligte sich am Programm.
Alice Szalay, Lehrerin an der Volksschule Oberwart, ließ in ihrer Klasse alle Kinder Werke für das Buch anfertigen. Auch beim Jubiläumsprogramm übernahmen sie Aufgaben: Hanna Gőcze trug ein Gedicht von András Nagy Bandó vor, Emily Schirnhofer rezitierte ein Gedicht über das „Socken-Monster“. Die Pädagogin verriet, dass ihre Schützlinge vor dem Auftritt nervös waren, weil sie in ungewohntem Umfeld vor zahlreichem Publikum ihr Können zeigen mussten; dennoch erfüllten sie den Auftrag erfolgreich: Am Ende der Gedichte gab es anerkennenden Applaus. „Ich verfolge Ausschreibungen und Aufrufe und wir melden uns überall an. Mein Ziel ist, dass die Kinder die Zweisprachigkeit spüren und erleben, denn sie erhalten dadurch Werte, werden dadurch mehr; sie tragen das ungarische Kulturerbe im Burgenland weiter – das versuche ich ihnen zu vermitteln. Leider konnte in diesem Schuljahr keine ungarische Klasse gestartet werden, das ist ein großer Schmerz. Zum ersten Mal seit sechzig Jahren ist so etwas passiert; ich hoffe, das wird nicht die Richtung vorgeben und nächstes Jahr kommt die nötige Zahl zusammen!“, sagte Lehrerin Alice Szalay.
Bei der Festpräsentation wirkten auch die Schülerinnen und Schüler des deutschen Arbeitskreises der 2. und 3. Klassen der Allgemeinen Schule Gárdonyi Géza in Sárvár, Schülerinnen und Schüler der Europäischen Mittelschule Oberwart (EMS Oberwart), der Volksschule Güttenbach (Pinkóc) und der Zweisprachigen Volksschule Unterwart mit. Der Band „Tierschau“ wurde am 21. Oktober auch in der Berzsenyi-Dániel-Bibliothek in Szombathely vorgestellt.
Fotos und Videos: Mónika Gombás
Übersetzung: Pathy



























