Nach den höchsten Berggipfeln Österreichs und dem slowenischen Triglav entschied Ákos Major, auch den höchsten Punkt Europas, den Mont Blanc, zu erreichen. Akklimatisierung an die Hochgebirgsbedingungen, ausreichende Kondition für mehr als 4000 Höhenmeter in zwei Tagen, gründliche Planung und Organisation – all das ist für eine erfolgreiche Expedition unerlässlich. Von Europas sieben höchsten Gipfeln stehen noch drei aus, zuvor jedoch werden in Ákos’ Leben andere Herausforderungen im Vordergrund stehen.
Der in Oberösterreich lebende Ákos Major brach am 6. August gemeinsam mit seinem österreichischen Kletterpartner zu der bisher größten hochalpinen Herausforderung seines Lebens auf: der Besteigung des Mont Blanc. Dafür wählten sie die Goûter-Route, die auf der französischen Seite des Berges auf etwa 2400 Metern beginnt und von dort auf den 4800 Meter hoch gelegenen Gipfel führt. Auch wenn erfahrene Alpinisten die Goûter-Route unter allen auf den Mont Blanc führenden Wegen für die leichteste und berechenbarste halten, ist auch sie nicht frei von technisch schwierigen oder sogar lebensgefährlichen Abschnitten. Da Bergsteiger aus aller Welt die Kapazitäten der Bergrettung langsam ausschöpften und das besondere Erlebnis zunehmend den Charakter von Massentourismus annahm, wurde ab 2019 eine Beschränkung der Personenzahl auf der Goûter-Route eingeführt: Gemäß der Verordnung darf nur aufsteigen, wer eine Genehmigung hat, das heißt eine für den jeweiligen Tag gültige Reservierung in den Schutzhütten entlang der Route – dennoch brechen täglich rund 200 Bergsteiger zur Eroberung des Gipfels auf.

Der Expedition ging selbstverständlich eine gründliche Planung voraus. Ákos und sein Partner wollten nichts dem Zufall überlassen und reservierten bereits im Januar, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit, für den 6. August einen Platz in der Hütte. Wie sich herausstellte, war das gut so, denn die Plätze für diesen Sommer waren noch am selben Tag ausgebucht.
Die eigentliche Vorbereitung begann natürlich erst danach. Da Hochgebirgstouren mit beträchtlichen Höhenmetern einhergehen, meldeten sich beide zur „Bergliebe Challenge“ an, und zwar in der Extremkategorie, bei der die Teilnehmer innerhalb eines Monats insgesamt 10.000 Höhenmeter sammeln und die Touren online dokumentieren mussten. „Wir haben das fast dreifach übererfüllt; ich habe 28.000, mein Partner sogar mehr als 30.000 Höhenmeter in einem Monat gesammelt – und das, während wir gearbeitet haben. Meistens war ich um halb vier mit der Arbeit fertig und bin sofort in die Berge aufgebrochen, aber am Wochenende kam es vor, dass ich um 1 Uhr früh aufstand und um 2 Uhr schon am Berg war“, erzählt Ákos über diese Zeit.
Auf dem Weg zum Mont Blanc bestiegen sie dann am 4. und 5. August als Akklimatisationstour Italiens höchsten Gipfel, den Gran Paradiso, und nahmen anschließend Kurs auf Chamonix, wo sie einen Ruhetag einlegten. Bis zur 2400 Meter hoch gelegenen Touristenhütte Nid d’Aigle kann zwar jeder mit einer über 100 Jahre alten Zahnradbahn vom bei Chamonix gelegenen Dorf Saint-Gervais-Les-Bains aus gelangen, doch am Beginn der Goûter-Route, nahe der Endstation, kontrolliert die Hochgebirgspolizei die Genehmigungen, also die für den jeweiligen Tag gültigen Hüttenreservierungen, und schickt diejenigen, die nicht darüber verfügen, unerbittlich zurück.



Ákos und sein Partner machten sich selbstverständlich zu Fuß auf den Weg und erreichten planmäßig die erste, auf 3167 Metern gelegene Schutzhütte, die Tête Rousse, wo sie die Nacht, genauer gesagt deren erste Hälfte, verbrachten. Sie wussten nämlich, dass gleich hinter der Tête Rousse der auch als Todesrinne bezeichnete Grand Couloir auf sie wartete – eine kaum 30 Meter breite Rinne zwischen zwei Gebirgsrücken, in der durch ständige Steinschläge bereits Hunderte Bergsteiger ihr Leben verloren haben.
„Am Nachmittag habe ich den Grand Couloir und den daneben verlaufenden steilen Goûter-Anstieg lange mit dem Fernglas studiert, um zu sehen, wie und wann man aufgrund der dauernden Steinschläge am besten quert (ich beobachtete teils die durchgehenden und kletternden Menschen, teils die Schwierigkeiten des Geländes). Wir haben an diesem Tag mit vielen Leuten gesprochen und sehr viele großartige Bekanntschaften aus zahllosen Ländern der Welt gemacht“
,berichtet Ákos vom Nachmittag in der Tête Rousse.


Sie entschieden sich daher, am nächsten Tag um 2 Uhr früh in Richtung Gipfel aufzubrechen – nicht ohne Grund. Um diese Zeit ist auf den höheren Abschnitten aufgrund von gefrorenem Schnee und Eis die Gefahr von Steinschlag und Abrutschen deutlich geringer als tagsüber. Eine halbe Stunde später liefen sie durch den Grand Couloir und konnten ihren Weg bergauf fortsetzen. Es folgten zwei Stunden Kletterei an einer steilen Felswand, dann erreichten sie die zweite Schutzhütte der Goûter-Route, wo sie eine kurze Pause einlegten. Von dort an war alles von Schnee und Eis bedeckt.

„Am Freitag um 9:28 Uhr erreichten wir den Gipfel des Mont Blanc. Ein wunderschöner Ort; allein der Anblick und das Bewusstsein, wo wir sind, trieben uns Tränen in die Augen. Das ist das Dach der Alpen, das Dach Europas. Wir stehen auf 4805 Metern, es gibt keinen höheren Punkt in Europa. Das Matterhorn, der Großglockner und alles andere liegen weit unter uns. Ein wunderbares Gefühl. Wir umarmten uns; es war schön, den Erfolg zu teilen“,
– erzählt Ákos.
Der Mont Blanc und der Gran Paradiso sind zwei jener sieben Gipfel, die Ákos besteigen möchte, um die Herausforderung „7 höchste Gipfel der 7 Alpenländer“ zu vollenden. Zuvor war er bereits auf dem slowenischen Triglav und dem österreichischen Großglockner; offen sind noch die Schweizer Dufourspitze, die deutsche Zugspitze und die liechtensteinische Vordere Grauspitze.
Zuvor hat er jedoch andere Pläne. Ákos ist in Sopron aufgewachsen, wanderte schon als Kind viel, begann sich jedoch erst nach seiner Ankunft in Österreich ernsthafter mit dem Bergsteigen zu beschäftigen. Zunächst lebte er in Gmunden, wo er regelmäßig Wanderungen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade für die lokale ungarische Gemeinschaft organisierte. Bei diesen Gelegenheiten lernte er seine Frau Nikolett kennen, die ebenfalls begeisterte Bergsteigerin ist und Ákos bereits auf etliche Hochgebirgstouren begleitet hat. Das Paar erwartet im Januar sein erstes gemeinsames Kind, daher werden die Hochgebirgstouren in den kommenden Jahren durch kinderwagentaugliche und mit Trage leicht zu bewältigende Ausflüge ersetzt, die Ákos weiterhin als begeistertes Mitglied der Vätergruppe ProgramApik organisieren wird.
Titelbild: Mont Blanc, Les Bosses-Grat Fotos: Ákos Major
Text: Anna Gazdik
Übersetzung: Pathy















