Dániel Cséfalvay, geboren in Budapest, ist ungarischer Dirigent und Organist und lebt im Burgenland. Seit seinem vierzehnten Lebensjahr ist er mit der „Kaiserstadt“ verbunden: An der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien absolvierte er beide Studienrichtungen. Für ihn ist Musik Dienst: Sie vermittelt eine Botschaft, sie baut Brücken – ob in der Kirchenmusik oder im Konzertsaal.
Er wurde 1986 in Budapest geboren. Dort wuchs er auf und ging zur Schule. Von Kindheit an prägte Musik seinen Alltag. Mit vierzehn Jahren wurde er an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien in die Spezialklasse für hochbegabte Pianistinnen und Pianisten aufgenommen – in ein internationales Umfeld, in dem junge Menschen aus aller Welt um Plätze konkurrierten. Damals sprach er noch kein Wort Deutsch; seine ungarischstämmige Lehrerin Prof. Imola Joó unterstützte den talentierten Jugendlichen dabei, in Österreich Fuß zu fassen.

Ursprünglich wollte er an das Bartók-Konservatorium, doch die Wiener Möglichkeit änderte seine Pläne. Wegen der Altersgrenze hätte er beinahe die Chance verpasst, schaffte es aber schließlich bei einer Nachaufnahme. Wöchentlich pendelte er nach Wien, während er in Budapest über die Jahre als Externist maturierte – und das mit Auszeichnung. Danach setzte er seine Ausbildung in der österreichischen Hauptstadt im Vollzeitstudium fort: Zunächst absolvierte er Orgel, anschließend Dirigieren.
2003 gewann er den ersten Preis beim internationalen Panmusica-Austria-Klavierwettbewerb in Wien. In der ersten Hälfte der 2000er-Jahre trat er mit verschiedenen Orchestern auf und spielte Werke von Liszt, Mozart, Schumann und Mendelssohn. Er konzertierte unter anderem in Österreich, Ungarn, Deutschland, Frankreich, Luxemburg, der Slowakei, Italien und der Schweiz. Der Wiener Männergesang-Verein – ein Chor mit über 180-jähriger Tradition und bedeutendem kulturellem Erbe – beauftragte ihn mit dem Aufbau eines Konzertchores; daraus entstand später der eigenständige Wiener Gesangverein, dessen künstlerischer Leiter und Dirigent er ist. Er dirigierte unter anderem das ORF Radio-Symphonieorchester im Musikverein Wien, das Pro Arte Orchester im Joseph-Haydn-Saal der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien sowie das Franz Schmidt Kammerorchester, das in seinem Repertoire das Erbe und den Stil von Franz Schmidt pflegt. Seit nunmehr fast sechs Jahren arbeitet er als Chorleiter.
Ein wichtiger Wendepunkt in seinem Leben war die Familiengründung. Gemeinsam mit seiner österreichischen Frau entschied er vor einigen Jahren, das Großstadtleben hinter sich zu lassen und die Nähe zur Natur zu wählen – so kamen sie ins Südburgenland. „Damals ahnte ich noch nicht, wie viele ungarische Bezüge mich hier in der Wart (Őrvidék) umgeben würden. Im Gemeindeleben haben mir ungarischsprachige Gottesdienste und gemeinsames Singen geholfen, anzukommen und mich einzuleben. Unser Wohnort ist geografisch ideal – Wien und Graz, jene Städte, in denen ich aktiv arbeite, sind gut erreichbar.“

Er ist freischaffend bzw. selbstständig tätig. In mehreren Bundesländern leitet er parallel verschiedene Chöre – sowohl Amateur- als auch Profiensembles. Seiner eigenen Beschreibung nach ähnelt seine Rolle am ehesten der eines Trainers: „Ich bin nicht an ein einziges Team gebunden, sondern an mehrere Gemeinschaften. Das gibt mir Freiheit, bringt aber auch große Verantwortung mit sich. Für mich ist zentral, mit Menschen arbeiten zu können – ob mit Amateuren oder Profis. Wichtig ist mir, dass meine Arbeit nicht bloß Geldverdienen ist oder nur ein Job, sondern Werte schafft und den Menschen dient.“
Seiner Erfahrung nach gehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach einer Chorprobe „aufgetankt“ nach Hause: Sie kehren befreiter in den Alltag zurück und bewältigen die Routineaufgaben leichter. Gemeinsames Singen kann Halt geben, seelisches Gleichgewicht und innere Stabilität – es kann sogar therapeutisch wirken. „Musik kann das. Darum arbeite ich gern mit jedem Chor – auch wenn er nicht professionell ist oder wenn es um einfachere Werke geht: Amateur-Chorarbeit ist genauso wertvoll wie große Bühnenproduktionen.“
Gleichzeitig leitet er in Wien auch einen Chor, der sich zunehmend professionalisiert: Mit ihm tritt er regelmäßig an renommierten Orten auf, darunter im Goldenen Saal des Musikvereins Wien. Der nächste große Auftritt findet am 29. März 2026, am Palmsonntag, statt: Georg Friedrich Händels Messias wird erklingen. Als Dirigent leitet er dabei nicht nur den Chor, sondern auch das Orchester – er arbeitet mit dem Orchester des Volkstheaters und des Operettentheaters zusammen.

Dániel ist außerdem Gründer des Ensembles Orchester der schönen Künste, das aus hochqualifizierten Musikerinnen und Musikern aus mehreren Ländern besteht – aus Ungarn, Österreich, Deutschland, der Slowakei und Korea.
Die Kirchenmusik ist in seinem Leben besonders bedeutsam: Er spielt in Kirchen Orgel, dirigiert in Gottesdiensten und ist an manchen Sonntagen an mehreren Orten im Einsatz. „Für mich ist Musik Berufung, Auftrag. Der Kirchenmusiker hat neben dem Prediger eine Schlüsselrolle, denn durch ihn vermittelt Musik eine Botschaft und baut eine Brücke zwischen Text und Gefühl. Man kann ein wunderschönes Gedicht vortragen, das berührt – aber Musik kann noch mehr: Sie wirkt mit Mitteln, die das Herz öffnen. Im Kirchenraum kann das besonders stark entstehen.“
„Ich dirigiere Musik nicht nur als eine Art ‚Verkehrspolizist‘ – ich interpretiere sie auch: Meine Aufgabe ist nicht bloß Leitung, sondern Deutung. Ich muss wissen, warum etwas wie klingt und welches Gefühl es erzeugt. Das ist nicht ausschließlich subjektiv, es hat auch objektive Grundlagen – genau das liebe ich zu untersuchen, zu erforschen. Klassische Musik wirkt auf uns emotional und mental: Sie fördert zum Beispiel Konzentration, Empathiefähigkeit und emotionale Intelligenz, sie gibt Halt. Als Dirigent trage ich Verantwortung dafür, was ich vermittle.“
„Klassische Musik fördert die Dopaminproduktion, schenkt Lebensfreude, kann jemanden in eine andere emotionale Situation versetzen, frühere Erinnerungen wachrufen, aus der Gewohnheit herausheben, motivieren – und so im Alltag helfen“, sagte Dániel. Er interessiert sich leidenschaftlich für Theologie; schon in jungen Jahren las er die Bibel vollständig und nähert sich Glaubensfragen kritisch und reflektiert. Unverzichtbar ist für ihn auch körperliche Arbeit: Das Leben am Land brachte diese Veränderung – und zugleich die damit verbundene Harmonie – in sein Leben; Gartenarbeit und das Bestreben, möglichst selbstversorgend zu leben, sind tägliche Herausforderungen.


In seiner Laufbahn dirigierte er unter anderem Verdis Requiem, Mozarts Requiem sowie mehrere Symphonien von Schubert – wichtige professionelle Meilensteine. Doch, wie er sagt, definieren ihn nicht diese Werke. Für ihn ist Musik Dienst – an Menschen, Gemeinschaften und Werten.
Titelbild: Dániel Cséfalvay
Text: Mónika Gombás
Übersetzung: Pathy



























