Herbstliche Kräuterwanderung, Zubereitung von Frühlingssalaten, Ostereier-Verzieren im Burgenland, Auftritte mit der Tanzgruppe Virgonc, Mitwirkung bei Theateraufführungen der Unterwarter Schauspielgruppe, Plakatgestaltung oder Zeitungsredaktion – es gibt keine Tätigkeit, bei der Evelin Liszt die ungarische Volksgruppe im Burgenland nicht unterstützt. Die in Unterwart geborene Evelin ist ein gutherziges Mitglied der ungarischen Gemeinschaft. Es gibt kein Projekt und keine Aufgabe, bei der sie nicht helfen würde. Sie unterhält sich gerne mit Ungarinnen und Ungarn, hat immer ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Probleme und freut sich aufrichtig über ihre Erfolge – vor allem darüber, wenn jemand glücklich ist.
Eveline Liszt wurde in Oberwart als zweites Kind der burgenland-ungarischen Familie Liszt geboren. So lernte sie schon von klein auf die ungarische Kultur, die Bräuche und natürlich den ungarischen bzw. burgenland-ungarischen Warter-Dialekt kennen. Evelins Aussprache ist würzig und traditionsreich – und sie verbirgt das nicht, sondern verwendet diesen fast ausgestorbenen Dialekt mit Stolz. Schon im Kindergarten lernte sie Ungarisch, setzte den Unterricht in der Volksschule mit drei Wochenstunden fort und auch im Gymnasium von Oberschützen. Als Jugendliche nahm sie häufig an ungarischen Sommerlagern teil. Auf Initiative von Ireneusz Galambos, dem ehemaligen Pfarrer von Unterwart, gehörte sie zu jenen burgenland-ungarischen Jugendlichen, die ungarische Sprachcamps in Győr und Sopron besuchen konnten und die Komitate sowie die einstigen ungarischen Regionen kennenlernen durften, in denen heute Ungarischsprachige als Minderheit leben. Ihre Studien setzte sie an einer Fachhochschule für Drucktechnik in Wien fort. Heute lebt und arbeitet Eveline Liszt ebenfalls in Wien, pendelt aber an den Wochenenden ins Südburgenland, verbringt gerne Zeit in Unterwart und nimmt aktiv am Dorfleben teil. Die Urgroßeltern, Großeltern und natürlich auch ihre Eltern haben immer Ungarisch mit ihr gesprochen – auch in jener Zeit, als das im Burgenland nicht üblich war und mancherorts die Deutschsprachigen das Ungarische nicht gern hörten. Evelines Tante, Rozália Liszt, war Mitgründerin des Burgenländisch-Ungarischen Kulturvereins. So war es fast selbstverständlich, dass auch sie selbst nun schon seit mehreren Jahren dem Vereinsvorstand angehört.

Bis heute ist Eveline Liszt Mitglied der Unterwarter Tanzgruppe Virgonc. Zwar ist die Erwachsenengruppe derzeit nicht aktiv, doch erinnern sich die Mitglieder gerne an die erfolgreichen Auftritte und die gemeinsame Zeit. Die Unterwarter Volkstanzgruppe Virgonc wurde 1980 gegründet und ist eine Untergruppe des Burgenländisch-Ungarischen Kulturvereins. Eveline unterstützte die Gruppe nicht nur als Tänzerin, sondern übernahm später auch die Verantwortung für Plakate und Programme.



Bei ihren Auftritten zeigte die Gruppe originale ungarische Tänze. Sie folgte nicht nur offiziellen Einladungen in Österreich und im Ausland, sondern trat auch bei Geburtstagsfeiern und Bällen auf. Die Tänze stammen aus verschiedenen Regionen Ungarns und Siebenbürgens und trugen die Namen der Herkunftsgebiete: Kiskút, Vas, Kapuvár, Somogy, Südliche Tiefebene, Südtransdanubien, Szatmár, Palóc, Kalocsa, Nyárád, Sárköz.

Eveline sang ungarisch, feierte auf ungarische Art – die ungarische Sprache spielte stets eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Auch in ihrem Berufsleben kam ihr das zugute – und das gilt bis heute. Sie hält die vom Burgenländisch-Ungarischen Kulturverein organisierten „Heilkräuterwanderungen“ oder Kochveranstaltungen im Rahmen der „Kulinarischen Reihe“ auf Ungarisch. Evelin liebt die Natur, beschäftigt sich gerne mit Heilpflanzen, geht im Wald spazieren, fährt Rad, trifft Unterwarterinnen und Unterwarter und plaudert mit ihnen – oder wie man auf Deutsch sagt: sie „tratschen“. Romane, historische Werke und Belletristik liest sie auch auf Ungarisch, Zeitungen hingegen meist auf Deutsch.

Zu ihren Lieblingspflanzen gehören der Rote Sonnenhut (kasvirág) und der Beinwell (fekete nadálytő), da sie das Immunsystem stärken – daraus bereitet sie Tinkturen zu. In ihrem Hobby wird sie von ihrer Mutter unterstützt, die die Blumen und Pflanzen pflegt, die Eveline nach Unterwart bringt, einen reichen Gemüsegarten bewirtschaftet und Eveline freut sich immer, wenn sie reifes, gesundes Gemüse nach Wien mitnehmen kann. Wenn sie nicht in Wien oder Unterwart ist, bereist sie gerne andere Länder, entdeckt Ungarn, besucht Konzerte und Ausstellungen.

Ihre deutschsprachigen Freundinnen und Freunde nimmt Eveline nach Sopron mit ins Theater – zu deutschsprachigen Aufführungen. Natürlich dürfen dabei eine Stadtbesichtigung und ein gutes Abendessen nicht fehlen. Den Burgenland-Ungarinnen und -Ungarn wünscht sie, dass ihre Kultur und Tradition nicht verschwinden. „Das ist eine eigene kleine Welt“, sagt Eveline. „Es ist wichtig, die Vielfalt zu bewahren – das ist das Besondere unserer Volksgruppe. Und wir sollten uns immer daran erinnern, was wir von unseren Vorfahren bekommen haben.“ Zu ihren Zukunftsplänen gehört, dass sie im Ruhestand nach Unterwart zurückkehrt, alte Freundschaften wiederaufleben lässt und stressfrei mit den Menschen auf der Straße plaudern möchte – so wie früher. Ihr Wissen möchte sie auch weiterhin in den Dienst ungarischer Vereine und Organisationen stellen. Was die Kulinarik betrifft, liebt sie nach wie vor Unterwarter Bohnensterz, den von ihrer Mutter zubereiteten Himbeersirup und burgenländische Weine. Liebe Eveline – auf deine Gesundheit!
Übersetzung: Pathy











