In den Mauern der 750 Jahre alten Burg von Szalónak/Schlaining nahmen am 2. Oktober österreichische und ungarische Pädagoginnen und Pädagogen an einem besonderen Treffen teil: Der Workshop „Life Skills im Heimatland Erde“ fand im Rahmen des grenzüberschreitenden Projekts BOUNCE BACK im Zeichen von Frieden, Verständnis und Zusammenarbeit statt. Der historische Ort, der heute das Österreichische Friedenszentrum (ACP) beherbergt, bot einen würdigen Rahmen für das Programm, das die psychische Gesundheit von Schulkindern und die Entwicklung ihrer Lebenskompetenzen in den Mittelpunkt stellte.
Ziel der ganztägigen Veranstaltung war es, die Zusammenarbeit in den Grenzregionen Österreichs und Ungarns zu stärken – mit dem Fokus auf den Begriff des Friedens. Am Ereignis nahmen sowohl die österreichischen als auch die ungarischen Projektpartner teil: das ELTE Savaria Regionale Pädagogische Dienstleistungs- und Forschungszentrum in Szombathely, die Pädagogische Fakultät Benedek Elek der Universität Sopron, das Europa-Büro der Bildungsdirektion Wien, die Private Pädagogische Hochschule Burgenland (PPH Burgenland) sowie Vertreterinnen und Vertreter der Bildungsdirektion Burgenland. Die Aufgabe des grenzüberschreitenden Projekts besteht darin, für die Altersgruppe der 6–14-Jährigen ein pädagogisches Programm zu entwickeln, das die für die alltägliche Lebensführung notwendigen Kompetenzen – unter anderem Empathie, Selbsterkenntnis, Problemlösung und emotionale Intelligenz – fördert und damit auf die durch Pandemie und Klimakrise entstandenen neuen Herausforderungen reagiert.










Im Rahmen der EU-Initiative wird gemeinsam ein pädagogisches Life-Skills-Programm entwickelt, mit dem Lehrpersonen unterstützt, vorbereitet und geschult sowie Schülerinnen und Schüler trainiert werden. Ziel der Life Skills ist es, dass Kinder jene grundlegenden Lebenskompetenzen erwerben, die sie für das tägliche Leben in der Schule, in der Gemeinschaft, am späteren Arbeitsplatz und in ihren persönlichen Beziehungen benötigen. Es basiert auf den zehn von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) definierten Schlüsselkompetenzen: Problemlösung und Entscheidungsfindung, kritisches Denken, Selbsterkenntnis und Empathie, effektive Kommunikation, Emotionsregulation, Stressbewältigung, soziale Kompetenzen und Kooperationsfähigkeit.
Die thematische Verknüpfung des Workshops in Schlaining mit dem Begriff Frieden ist kein Zufall. Im Laufe des Tages machten die Lehrpersonen nicht nur in der Theorie, sondern auch anhand praktischer Beispiele Erfahrungen mit Methoden der Konfliktlösung, der assertiven Kommunikation und der gewaltfreien Problemlösung. Die fachliche Leitung des Workshops übernahm Lisa Telek, diplomierte Mediatorin und Lebensberaterin, die mit verschiedenen teambildenden, spielerischen und kreativen Situationen auch praktische Instrumente psychologischer Unterstützung der österreichisch-ungarischen Gruppe zeigte.
Nach Ansicht von Andrea Hütler, Mitarbeiterin der Bildungsdirektion Burgenland und Fachinspektorin für den Ungarischunterricht an Pflichtschulen, soll Frieden nicht nur auf weltpolitischer Ebene verstanden werden, sondern auch im Klassenzimmer: „Frieden bedeutet für mich, dass wir in Ruhe und ohne Angst leben können. Auf Kinder prasseln heute Unmengen an Informationen ein, die oft Angst und Sorgen auslösen. Die Aufgabe der Lehrperson ist es, ihnen bei der Orientierung zu helfen. Hier in Schlaining haben wir dafür praktische Werkzeuge erhalten – man muss im Kleinen beginnen.“ Die Teilnehmenden reagierten in interaktiven Situationen darauf, wie strittige Lagen friedlich und mit Kompromissen gelöst werden können und wie sich diese Haltung jungen Menschen weitervermitteln lässt.

Am BOUNCE BACK Projekt nimmt die Zweisprachige Volksschule Unterwart als Pilotschule teil. Lehrerin Judit Horváth berichtete: Das Programm hat spürbare Veränderungen im Schulleben bewirkt. „Kinder spiegeln die Unruhe der Gesellschaft wider. Es ist wichtig, dass sie lernen, ihre eigenen Gefühle zu erkennen, Ziele zu setzen und zusammenzuarbeiten. Im Alltag achten wir darauf, sie mit positiven Rückmeldungen zu stärken. Schon am Morgen, wenn sie ankommen, können sie ausdrücken, wie sie sich fühlen – das hilft auch uns zu erkennen, wie wir an diesem Tag mit ihnen arbeiten.“ Die Lehrerin betonte zudem die Schlüsselrolle der Zusammenarbeit von Elternhaus und Kollegium. In der kleinen Gemeinschaft kennt jeder jeden, dadurch lassen sich Probleme leichter besprechen und gemeinsam Lösungen finden.


Angéla Bognár, Deutschlehrerin an der Mittelschule Singrienergasse in Wien, arbeitet mit Jugendlichen aus zahlreichen Ländern mehrerer Kontinente. Ihrer Erfahrung nach ist kulturelle Vielfalt zugleich Herausforderung und Chance: „Wir veranstalten regelmäßig Thementage – etwa zur Akzeptanz der Andersartigkeit, der religiösen Unterschiede oder verschiedener Krankheiten. Dabei sprechen wir gemeinsam darüber und verarbeiten das Thema. Diese Anlässe tragen sehr viel zur Entwicklung von Empathie bei und helfen außerdem, dass diese jungen Menschen sich leichter anpassen, einander verstehen und zu selbstbewussten, erfolgreichen Erwachsenen werden.“
Veronika Szegleti, Volks- sowie Ungarischlehrerin, Direktorin der Nationalitätengrundschule mit Sprachenunterricht in Felsőcsatár und pädagogische Expertin des ELTE Savaria Regionalen Pädagogischen Dienstleistungs- und Forschungszentrums, erklärte, dass an ihrer Schule Kroatisch, Deutsch und Ungarisch unterrichtet werden. „Unsere Pinnwände und Veranstaltungen sind stets dreisprachig – so lernen die Schülerinnen und Schüler nicht nur die andere Sprache, sondern auch die Kultur kennen.“
Im bis 31. Jänner 2027 laufenden Life-Skills-Pädagogikprogramm erfolgt auch eine Entwicklung von Instrumenten; zudem gehören die Vorbereitung und Fortbildung von Lehrpersonen sowie die Organisation von Schülertrainings zur Mission – alles gemeinsam, mit grenzüberschreitenden fachlichen Veranstaltungen.





Der burgenländische Projektpartner, die Pädagogische Hochschule Burgenland (PPH Burgenland), vertreten durch HS-Prof. Mag. Dr. Klaus Novak, Leiter des Instituts für Fort- und Weiterbildung, erläuterte, dass das pädagogische Programm Life Skills demnächst abgeschlossen, die Arbeit jedoch weitergeführt wird. „Wir möchten die Initiative fortführen und bereiten daher bereits den nächsten Schritt vor, den man scherzhaft auch Bounce Forward nennen könnte. Unser Auftrag ist es, das erworbene Wissen und die gemachten Erfahrungen noch breiter anzuwenden.“
Die Teilnehmenden des Workshops in Schlaining waren sich einig, dass Frieden, Akzeptanz und Geduld nicht nur die Grundlage für das Miteinander der Gesellschaften bilden, sondern auch für die alltäglichen menschlichen Beziehungen. Und Bildung spielt eine Schlüsselrolle dabei, dass künftige Generationen lernen, in Frieden zu leben – mit sich selbst und miteinander.
Fotos: Mónika Gombás
Text: Mónika Gombás
Übersetzung: Pathy


























