Der Europäische Tag der Sprachen wird europaweit am 26. September gefeiert – das Zweisprachige Bundesrealgymnasium Oberwart ist seit über zehn Jahren dabei. Jedes Jahr werden aus den sieben an der Schule unterrichteten Sprachen vier ausgewählt; deren Teams aus Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schülern laden die Schulgemeinschaft an den jeweiligen Länderständen zu einem Sprachfrühstück ein. Was frühstückten die alten Römer? Gibt es ein typisch ungarisches Frühstück, das man in Österreich gar nicht kennt? Wir waren vor Ort im Gymnasium.
„Vom lateinischen Frühstück, das Grießbrei mit Apfelmus war, habe ich fünfmal genommen – so gut hat es geschmeckt. Natürlich war ich auch beim kroatischen Stand, aber am besten hat mir das ungarische Frühstück geschmeckt. Das war ein Paar Würstel mit Semmel und Ketchup – ich war danach richtig satt“, erzählt Markus, Schüler des Zweisprachigen Bundesrealgymnasiums Oberwart, vom Frühstücksmenü. Anlässlich des Europäischen Tags der Sprachen (26. September) wird hier seit über zehn Jahren das Sprachfrühstück veranstaltet, bei dem die Schülerinnen und Schüler aus vier Frühstücksvarianten wählen können – entsprechend den an der Schule unterrichteten Sprachen. Unterrichtssprachen sind Deutsch, Ungarisch und Kroatisch; als Fremdsprachen werden Englisch, Französisch, Spanisch und Latein unterrichtet.






Die Frage nach dem typischen Frühstück ist übrigens nicht nur im Fall von Latein eine Herausforderung. „Im ersten Jahr haben wir Strudel mitgebracht, das war aber sehr aufwendig; Pogatschen kennt man auch im Burgenland, und Grammelpogatscherl essen die Schülerinnen und Schüler sowieso nicht gern – genauso wenig wie Schmalzbrot mit roten Zwiebeln. Arme Ritter können wir vor Ort nicht frisch ausbacken, daher bleiben die Würstel – heuer haben wir über 100 Paar gekocht. Natürlich ist auch Strudel nicht ausschließlich ungarisch, und die Deutsch-Lehrerinnen bieten als typisch österreichisches Frühstück meist ebenfalls Würstel an“, fasst Marianne Seper, Lehrerin für Ungarisch und Geschichte und verantwortlich für das ungarische Frühstück, ihre Überlegungen zusammen.
Schon beim Betreten der Schule ist spürbar, dass sprachliche und kulturelle Vielfalt den Alltag prägt – und nicht nur an diesem Tag im Mittelpunkt steht. Markus ist im Burgenland geboren, seine Eltern haben Ungarisch als Muttersprache; Deutsch hat er daher im Kindergarten gelernt. Er mag das Gymnasium sehr, hat viele Freundschaften und ist mit dem Unterricht sehr zufrieden. Ähnlich denkt Samuel, der seit seinem dritten Lebensjahr im Burgenland lebt: „Ich freue mich, dass ich hier beide Sprachen verwenden kann und auch gut Englisch gelernt habe. Sprachkenntnisse bedeuten für mich vor allem einzigartige Möglichkeiten und Freiheit: Wohin ich auch gehe, ich kann mich unterhalten – und mir helfen, wenn ich einmal nicht weiterweiß.“ Es gibt auch Schülerinnen und Schüler, die als deutschsprachige Kinder bis zur Matura ein hohes Niveau in Ungarisch erreichen: „Meine Urgroßeltern waren Donauschwaben, meine Oma versteht noch Ungarisch, spricht es aber kaum. Als man in der Volksschule zwischen Englisch und Ungarisch wählen konnte, habe ich Ungarisch gewählt – vielleicht, weil es besonderer ist als Englisch. Und im Gymnasium wollte ich dann weitermachen, wenn ich vorher schon so viel Energie hineingesteckt hatte“, erzählt er auf Deutsch und Ungarisch.


Marianne Seper wurde in Unterwart geboren; mit ihrem burgenland-ungarischen Vater und ihrer aus Budapest stammenden Mutter war es selbstverständlich, dass man zu Hause Ungarisch sprach. Deutsch lernte auch sie im Kindergarten, den auch Kinder aus Eisenzicken besuchten, die kein Ungarisch konnten. In der Volksschule gab es noch Ungarischunterricht; nach ihrem 14. Lebensjahr ging sie mit ein paar Mitschülerinnen und Mitschülern nachmittags zu einer Unterwarter Lehrerin in den zusätzlichen Ungarischkurs – so konnte sie schließlich auch in Ungarisch maturieren. Ihr Leben ist von Mehrsprachigkeit geprägt; ihre Vorteile stehen für sie außer Zweifel: „Mehrsprachigkeit schult das Denken, die Fähigkeit zum Wesentlichen und zur Problemlösung – und sie erleichtert das Erlernen weiterer Sprachen enorm. Natürlich schadet es nicht, wenn alle Englisch können, aber wie viele spanische Firmen sind hier im Burgenland präsent? Wie viele französische Kolleginnen oder Kollegen werden wir haben? Auf dem Arbeitsmarkt stechen wir ganz sicher hervor, wenn wir die Sprache des Nachbarlandes sprechen. Viele pendeln nach Österreich zur Arbeit – das Betriebsklima ist völlig anders, wenn wir Kolleginnen und Kollegen in ihrer Muttersprache ansprechen und nicht nur erwarten, dass alle Deutsch sprechen“, betont sie.

„Ich würde mich freuen, wenn es in der österreichischen Gesellschaft noch mehr Offenheit für Mehrsprachigkeit gäbe. Es besteht kein Grund zur Sorge, wenn Kinder auch andere Sprachen sprechen. Und so wie wir den Deutschunterricht nicht mit 10 oder 14 Jahren beenden, sollten wir auch die muttersprachlichen Kenntnisse der Kinder bis zur Matura entwickeln“, unterstreicht Írisz Zsótér, Direktorin des Gymnasiums sowie Lehrerin für Kroatisch und Ungarisch. Sie hat beobachtet, dass das Alter von 10 bis 14 Jahren eine wichtige Phase zur Stabilisierung der Sprachkenntnisse ist: Wenn man in dieser Zeit mit dem Sprachenlernen – inklusive Rechtschreibung, Textproduktion und Leseverständnis – nicht aufhört, wird die Sprache später auch nicht vergessen. Bleibt dies jedoch aus, kann die Sprachkompetenz schwer aufzuholende Nachteile erleiden. Um den Erwerb von Ungarisch und Kroatisch – Sprachen, die im Schulalltag generell weniger verwendet werden – zu erleichtern, hat man den immersiven Unterricht, also das „Sprachbad“, eingeführt: Eine ganze Woche lang wird ausschließlich auf Ungarisch oder Kroatisch unterrichtet. Zugleich achtet die Schule nicht nur auf die ausreichenden Sprachkenntnisse der Schülerinnen und Schüler. Im nächsten Projekt „Gesunde Schule“ werden in Kooperation mit der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) mehr Sportmöglichkeiten angeboten und auch die mentale Gesundheit der Jugendlichen in den Blick genommen.
Fotos: Anna Gazdik
Text: Anna Gazdik
Übersetzung: Pathy
























