Kürzlich tauchten in der Nähe der Roma-Wohnsiedlung in Oberwart nationalsozialistische Parolen und Zeichnungen auf. Dies traf die lokale Gemeinschaft zutiefst, denn in diesem Jahr gedachte man des 30. Jahrestags des Bombenanschlags von Oberwart, bei dem vier Roma-Männer ihr Leben verloren. Die Klasse 4.H des Zweisprachigen Bundesrealgymnasiums setzte sich zum Ziel, diese rechtsextremen Schmierereien zu beseitigen.
Die geschmacklosen Graffiti wurden an der Wand einer Unterführung angebracht, unweit jenes Ortes, an dem vor 30 Jahren vier Roma-Männer bei einem rassistischen Bombenanschlag getötet wurden. Dieser Teil der Stadt ruft bei der örtlichen Roma-Gemeinschaft noch immer starke und schmerzliche Gefühle hervor. Umso empörender war es für viele, dass neben dem Denkmal, das zum Gedenken an die Opfer errichtet wurde, Schmierereien auftauchten, darunter nationalsozialistische Parolen, Hakenkreuze, abstoßende Zeichnungen und rassistische Ausdrücke. Die meisten der Kritzeleien bezogen sich auf Adolf Hitler, denn an der Wand der Unterführung fanden sich mehrere Zeichnungen und Zitate, die ihm zugeschrieben wurden.






Diese Schmierereien mussten entfernt werden, und das Zweisprachige Bundesrealgymnasium erklärte sich bereit, den Roma-Seelsorgedienst zu unterstützen, der die Aktion unter der Leitung seiner Präsidentin Manuela Horvath organisierte. „Als Leiterin des seelsorglichen Romadienstes der Diözese Eisenstadt war es mir sehr wichtig, dass diese Tat nicht in Vergessenheit gerät. Vielmehr hätte sie Anlass sein sollen, aktiv Stellung zu beziehen und die Jugendlichen für Zivilcourage und demokratische Werte zu sensibilisieren“, erklärte Manuela Horvath. „Deshalb haben wir in Zusammenarbeit mit dem Zweisprachigen Bundesrealgymnasium ein Schulprojekt ins Leben gerufen, das genau diesen Gedanken aufgreift.“
Die Klasse 4.H übernahm die Aufgabe gemeinsam mit dem Zeichenlehrer Péter Pál Bartek. Vor dem Überstreichen sprachen die Schülerinnen und Schüler im Deutschunterricht über den Anschlag und über die Bedeutung, derartige rechtsextreme und rassistische Äußerungen zu entfernen. Die Jugendlichen waren sehr motiviert, weil sie verstanden, dass Hetze in der Gesellschaft keinen Platz hat. Die Gemeinde Oberwart stellte graue Farbe und Pinsel zur Verfügung und sperrte die halbe Straße ab, sodass für die Schülerinnen und Schüler alles bereit war, um in Aktion zu treten. Ein Gemeindearbeiter erklärte kurz, wie sie mit dem Anstreichen beginnen sollten, und anschließend machten sich die Jugendlichen an die Arbeit. Zu elft beendeten sie das Überstreichen in weniger als einer halben Stunde – von den rassistischen Aufschriften war nichts mehr zu sehen.






Mit dem Überstreichen war die Arbeit der Klasse 4.H jedoch noch nicht beendet, denn ihrer Meinung nach reicht es nicht aus, die Wand einfach grau zu streichen und darauf zu warten, dass wieder ähnliche Aufschriften auftauchen. Deshalb bemalten sie in der nächsten Zeichenstunde die Wand der Unterführung mit Friedenssymbolen und verschiedenen kreativen Motiven. Das machte den Schülerinnen und Schülern große Freude, denn sie konnten auf die Wand zeichnen, was ihnen in den Sinn kam, und damit der Gemeinschaft helfen. So widersprachen sie aktiv den früheren Aufschriften, stellten Frieden und Vielfalt in den Vordergrund und setzten – am wichtigsten – einen starken Kontrast zur erstarkenden rechtsextremen Bewegung. Darüber hinaus konnten die Jugendlichen in dieser Aktion auch ihre Kreativität entfalten, denn im Vergleich zu gewöhnlichen Zeichenstunden mussten sie sich nicht auf Papier oder Leinwand beschränken.

Text, Fotos: István Zsótér
Übersetzung: Pathy


























