Bei einem Korbflecht-Workshop konnten Interessierte am Vormittag des 24. Jänner in der Alten Schule in Unterwart (Alsóőr) bei der jüngsten Veranstaltung der UMIZ4KIDS-Reihe selbst ein eigenes Werkstück anfertigen. Das zweisprachige Programm war ausgebucht – vom Kleinkind bis ins hohe Alter kamen viele zu diesem kreativen Handwerks-Workshop.
„Ein altes Handwerk mit zeitgemäßer Note“ – so wirbt die Oberwarter Korbflecht-Facebookseite Husch, Husch ins Körbchen! / Csitt, csitt a kosárba! für die Pflege dieser traditionellen Kunst. Mit genau diesem Ziel lud Katharina Dowas, Leiterin von UMIZ4KIDS, den Oberwarter Korbflechtmeister Marcell Alexander Reinstadler ein: Auch für den Verein ist es eine Kernaufgabe, Volksbräuche zu bewahren und weiterzugeben. Die Kindergartenpädagogin erklärte, dass sich die Programme vor allem an Familien richten: „Interessierte können zu uns von drei bis 93 Jahren kommen – es gibt keine Altersgrenze, wir möchten allen ein Erlebnis bieten. Unser grundlegender Anspruch ist, dass alle etwas mit nach Hause nehmen: entweder einen Gegenstand als Erinnerung oder eine geistige Botschaft. Bei der Jahresplanung ist es ein wichtiger Punkt, dass Volkskultur im Programm vertreten ist. Wir versuchen Bereiche zu zeigen, die heute vielleicht schon am Verschwinden sind – so etwa die Blaudruck-Werkstatt oder der urungarische Reittag.“ Die gemeinschaftsbildende Werkstattarbeit fand zweisprachig – auf Ungarisch und Deutsch – statt; die Teilnehmenden werkelten in guter Stimmung, kamen ins Gespräch und entwickelten dabei ihre Fähigkeiten weiter.










Der aus Tirol stammende, in Oberwart lebende Korbflechter Helmut Gabriel erzählte, dass schon sein Großvater und sein Vater dieses Handwerk ausgeübt hatten – für ihn war früh klar, dass er es weitertragen würde: „Ich war drei Jahre als Lehrling in Wien, im 2. Bezirk, danach bin ich wieder nach Hause zurückgekehrt. Damals haben wir mit vier bis fünf Angestellten große Stückzahlen gefertigt. Wir hatten eigene Weidenplantagen auf mehreren Hektar und lieferten unter anderem an die Österreichische Post oder an die Streitkräfte. Wir flochten Papierkörbe, Katzenkörbe und Wäschekörbe, Nistkörbe für Wildenten – aber auch Kartoffelkisten, Besen und Teppichklopfer verließen unsere Werkstatt. Und unsere Produkte gingen sogar bis nach England.“






Der Korbflechtmeister, der auch ungarische Wurzeln hat, erklärte den Ablauf Schritt für Schritt und zeigte, wie sich die Ruten biegen und worauf zu achten ist. Von den Jüngsten bis zu den Ältesten arbeiteten die Teilnehmenden mit leicht formbaren Weidenruten: Dünne Stäbe wurden in einen gelochten, runden Boden gesteckt, danach wurde Reihe für Reihe der Korb aufgebaut. Am Ende entstand ein Aufbewahrungsgefäß mit etwa 20 cm Durchmesser, innen mit Filz ausgekleidet.

Annamária Veress aus Csempeszkopács ist Heilpädagogin am Aranyhíd EGYMI (Einheitliches Heilpädagogisches Methodisches Institut) in Szombathely und verfolgt die Arbeit des UMIZ seit Jahren: „Handwerkliches Arbeiten ist Teil meines Alltags – wir beschäftigen uns mit Flechten und Weben. Wichtig ist uns, mit wiederverwerteten und natürlichen Materialien zu arbeiten. Kunststoffe sind heute extrem verbreitet und belasten die Umwelt. Dagegen können wir etwas tun, indem wir jungen Menschen zeigen, wie Veränderung möglich ist: wie man aus natürlichen Materialien langlebige Gegenstände herstellt, die man lange nutzen kann – so wächst die Müllmenge nicht weiter. Genau deshalb hat mich dieser Korbflecht-Workshop interessiert: In den Programmen des Unterwarter Vereins werden Kinder von klein auf bewusst in diese Richtung sensibilisiert.“

Der Oberwarter Gynäkologe Szabolcs Sali stammt aus Transkarpatien. Seit 2015 lebt er mit seiner Familie in Österreich; nach fast acht Jahren in Tirol zog die Familie ins Burgenland. Er kam mit seinem siebenjährigen Sohn zum Kurs am Samstag: „Wir waren schon einmal bei den Reittagen, und auch das heute klang spannend. Es hat meinem Sohn gefallen – mir ebenfalls. Ich erinnere mich: Meine Großmutter hat in meiner Kindheit ähnliche Dinge aus Weidenruten gemacht. Es gab Federnschleißen, die Leute kamen regelmäßig zusammen und erledigten gemeinsam die Arbeiten, die eben anstanden.“

Die Zweitklässlerin Hanna Grúber wohnt in Dozmat. Ihre Geschwister gehen in Oberwart zur Schule, und auch sie möchte später dort lernen. Sie ist seit dem Kindergarten bei UMIZ4KIDS dabei. Sie mag besonders, dass die Treffen zweisprachig sind – so kann sie auch Deutsch üben.
László Kelemen, Leiter des Ungarischen Medien- und Informationszentrums (UMIZ) in Unterwart, betonte: „Unser Ziel ist es, Volksbräuche zu bewahren und weiterzugeben. Ältere Menschen pflegen sie noch – aber wenn wir nicht aufpassen, geraten sie in Vergessenheit. Eine Aufgabe unseres Vereins ist es, diese Traditionen lebendig zu halten. Ich bin in den 1970er-Jahren so aufgewachsen, dass Korbflechten Teil meines Lebens war. Ich habe einen geflochtenen Stuhl, auf dem schon mein Großvater saß – ich benutze ihn bis heute. Solche Dinge lehren uns, nicht zu horten und nicht sofort wegzuwerfen, wenn etwas ein wenig kaputtgeht – denn vieles lässt sich reparieren.“
Das nächste UMIZ4KIDS-Treffen widmet sich am 7. März der altungarischen Runenschrift (rovásírás).
Fotos: Mónika Gombás Titelbild: Katharina Dowas
Übersetzung: Pathy































