Das unverzichtbare Gedichtfest von AMAPED fand heuer am 11. April, dem Tag der ungarischen Poesie, statt. Im Mittelpunkt des Wettbewerbs stand das Thema Freiheit – anlässlich des 70. Jahrestags der Revolution und des Freiheitskampfes von 1956 –, und genau 56 begeisterte Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten live ihr Talent. Am Vormittag traten Kinder aus der ungarischen Diaspora in Österreich auf, am Nachmittag folgten die weiter angereisten Rezitatorinnen und Rezitatoren von Gedichten und Prosatexten. Das Fest der Poesie bewegte nicht nur vor Ort viele Menschen, sondern auch online: Aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt gingen mehr als 300 Aufnahmen ein.
Seit mehr als 60 Jahren, seit 1964, feiern wir am 11. April, dem Geburtstag Attila Józsefs, die ungarische Dichtung. „Und das ist nicht nur ein Fest Ungarns, sondern der gesamten ungarischen Kulturgemeinschaft, die sich eigensinnig über die Landesgrenzen hinaus ausbreitet. Ein Fest der Muttersprache, die uns verbindet, und des gemeinsamen ungarischen Seins, das uns zusammenschweißt“ – betonte Barnabás Nagy, Pädagoge bei AMAPED, in seiner Eröffnungsrede. Szilvia Mentsik, Präsidentin von AMAPED, hob in ihrem Festgruß hervor, dass der 11. April in den Herzen all jener ein Festtag von besonderer Bedeutung sei, die die ungarische Sprache achten und lieben. Die Tradition des Gedichtvortrags sei ein echtes Hungarikum. In Österreich aufwachsende Kinder sind mit dieser Tradition kaum vertraut; einen ähnlichen Wettbewerb oder ein vergleichbares Gedichtfest gibt es dort nicht. Gerade deshalb sei es wichtig, dass AMAPED dieser Ausdrucksform Raum gebe. „Denn ein Gedicht ist ein Geschenk – für den, der es vorträgt, und auch für den, der es anhört.“
Das empfohlene Thema war heuer bei den Gedichten „Freiheit“ – zu Ehren des 70. Jahrestags der Revolution und des Freiheitskampfes von 1956. Mehrere Kinder trugen beispielsweise das Nationallied vor, viele kamen auch mit Kokarde. Ildikó Hegedűs, Jurymitglied und Leiterin des HOLD Theaters in Győr, betonte, dass es für die Kinder nicht leicht gewesen sei, zu diesem ernsten Thema ein Gedicht auszuwählen, die meisten hätten den Gedanken der Freiheit aber dennoch glaubwürdig vermitteln können. Sie unterstrich, dass es neben der Einhaltung des empfohlenen Themas noch wichtiger sei, ein Gedicht zu wählen, das zum Alter, zur Persönlichkeit und zur seelischen Welt des Kindes passe. „Wir haben es sehr geschätzt, wenn die Kinder das Gedicht gewissermaßen aus dem Herzen gesprochen haben.“ Das andere Jurymitglied, der Dramaturg Ervin Németh, würdigte ebenfalls die niveauvollen Vorträge und hob hervor, dass auch Werke seiner Lieblingsautoren für Kindergedichte – Ottó Kiss, Anna T. Szabó und Dániel Varró – im Repertoire vertreten waren.

Wie wählt man ein Gedicht aus?
Der wichtigste Aspekt bei der Gedichtwahl ist, dass es der Vortragenden oder dem Vortragenden gefällt – das zeigt auch die Geschichte von Edina Krepsz und ihrer Tochter, der Erstklässlerin Linda Sonnevend, die seit Jahren die Kurse von AMAPED besucht. Linda nahm bereits zum dritten Mal am Wettbewerb teil. Ihre Mutter erzählte, dass das Mädchen seit ihrem ersten Auftritt selbst darauf bestehe, sich immer wieder anzumelden. Jedes Jahr versuchten sie, ein Gedicht zu finden, das aus dem Mund eines Kindes glaubwürdig klingt. Die diesjährige Wahl entstand besonders spontan: „Zu Hause hörten wir Varró-Dani-Gedichte als Audioaufnahmen, und als Linda das Gedicht „Prinzessinnen- und Ritter-Limericks“ hörte, verliebte sie sich so sehr darin, dass sie es ungefähr zwanzigmal hintereinander hören wollte – und konnte den Text dann auch schon“, verriet Edina.
Zeitgenössische Werke, mutige Entscheidungen
In der Kategorie Prosavortrag empfahlen die Veranstalter zeitgenössische Texte, die nach 1980 entstanden sind. Dadurch waren heuer statt der in den Vorjahren dominierenden Volksmärchen deutlich mehr moderne Texte zu hören. Die Schülerin der 12. Schulstufe Gabriella Kiss wählte ein mutiges Werk: Krisztina Tóths Text „Grob umrissen über weibliche Sexualität.“ „Der Text hat mich so angesprochen, es war gut, ihn vorzutragen und auch zu lesen, deshalb habe ich dieses Werk gewählt“, erzählte die aus Dunaszerdahely in der Südslowakei angereiste Teilnehmerin, die bereits zum dritten Mal an dem Wettbewerb teilnahm und den 2. Platz erreichte. Gabriella nimmt gern an diesem Wettbewerb teil, weil er recht groß angelegt ist und sie sich auch von den Darbietungen anderer inspirieren lassen kann.


Wenn Kinder selbst Gedichte schreiben
Ein besonderer Farbtupfer der diesjährigen Veranstaltung war der Auftritt der Floridsdorfer Gruppe von AMAPED. Die Schülerinnen und Schüler trugen nicht nur Gedichte vor, sondern hatten sie auch selbst geschrieben. Ihre Lehrerin Ágnes Székely erzählte, dass Dániel Varró auf seiner Facebook-Seite einen Gedichtschreibwettbewerb initiiert habe, bei dem in verschiedenen Gedichtformen geschrieben werden sollte. Die Kinder arbeiteten gemeinsam daran, und obwohl es – wie sie selbst sagten – einige „Hürden“ gab, gelang es ihnen am Ende, die Zeilen aufeinander abzustimmen. Ihr Schielreim wurde vom Dichter selbst öffentlich gelobt. Szilvia Mentsik gratulierte der Kindergruppe und ihrer Lehrerin herzlich. Sie betonte, dass sich alle Pädagoginnen und Pädagogen von AMAPED darum bemühten, dass die Schülerinnen und Schüler ein wenig in der Welt der Gedichte untertauchen, sich in den Werken moderner Schriftstellerinnen, Schriftsteller, Dichterinnen und Dichter verlieren, die ungarische Sprache genießen und lernen, dass man mit der ungarischen Sprache spielen kann.




Auch im digitalen Raum lebt die Poesie
Seit der Pandemie findet der Rezitationswettbewerb von AMAPED auch online statt, und heuer gingen 305 Aufnahmen aus den verschiedensten Teilen der Welt ein. Laut Gábor Kilyénfalvi, Jurymitglied und Präsident des Wiener Ungarischen Kulturvereins Délibáb, war das Niveau außergewöhnlich hoch: Mehrere Teilnehmende hätten seiner Ansicht nach die Höchstpunktezahl verdient. Besonders hob er die Gruppe aus Csantavér in der Vojvodina hervor, die ihren Beitrag im Dialekt und in Tracht vortrug. Auch Gergely Molnár, Ungarischlehrer und Volkskundler, war an der Bewertung beteiligt. Er berichtete, dass in den Online-Kategorien die meisten Teilnehmenden aus den Gebieten außerhalb Ungarns kamen – überwiegend aus der Vojvodina, aus Siebenbürgen und aus der Slowakei –, und dass die Jury den authentischen Vortrag sowie die Verwendung von Dialekten besonders würdigte. Beide waren sich darin einig, dass es auch bei den Online-Beiträgen ein großartiges Erlebnis war, zuzuhören.
Anerkennungen und Preise
Die Leistungen der Wettbewerbsteilnehmenden wurden mit personalisierten Urkunden, Erinnerungsblättern, Buchgutscheinen und Geschenken gewürdigt. Die anwesenden Teilnehmenden von AMAPED erhielten darüber hinaus besonders wertvolle Preise, darunter Familienkarten für das Erlebniszentrum Futura, Theaterkarten und Buchpreise. Die größte Anerkennung waren jedoch wohl die lobenden Worte der Jury, die die Leistung jedes einzelnen Kindes auch mündlich würdigte. Mehrere Jurymitglieder betonten, dass alle Teilnehmenden eine beachtliche Leistung erbracht hätten, da sie ihre Freizeit der Dichtung gewidmet hätten.
Text, Fotos: Ilona Kőrösiné Forgó
Übersetzung: Pathy











