Der Burgenländisch-Ungarische Kulturverein veröffentlichte im Jahr 2022 in seinem Jahresmagazin „Őrség” die lokalhistorische Arbeit von János Topler aus Oberwart mit dem Titel „Felsőeőr leírása. Eredete, alakulása, története és tényállása. A felsőőri nép számára” (Beschreibung von Oberwart. Seine Entstehung, Entwicklung, Geschichte und Fakten. Für die Bevölkerung von Oberwart). Der Autor begann sein Buch Weihnachten 1946 zu schreiben und vollendete es 1960 in erweiterter und überarbeiteter Form. Die Stadt Oberwart feiert im Jahr 2027 ihr 700-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass werden wir das Werk von János Topler in Auszügen veröffentlichen.
Beschreibung von Felsőeőr.
Sein Ursprung, seine Entwicklung, seine Geschichte und seine tatsächlichen Verhältnisse.
Für die Bevölkerung von Felsőeőr.
Verfasst von János Topler.
Felsőeőr, am 25. Dezember 1944
Vorwort
Schon seit langer Zeit bewegte sich in meinem Kopf der Gedanke an die Geschichte meines Heimatstädtchens – viele Bücher habe ich zu diesem Thema bereits gelesen, doch als ergänzendes Material fand ich nur sehr wenig, und auch das ließ sich nur aus umschreibend gewonnenen Angaben schöpfen.
Ausführlicher befasst sich damit einzig die Geschichte der reformierten Kirche von Felsőeőr aus der Feder des einstigen Pfarrers Sándor Gueth¹. Da dies jedoch für die gesamte Geschichte von Felsőeőr bei weitem nicht ausreicht, musste ich die Grundzüge des „Szhematismus venerabilis Cleri”² heranziehen; ferner die dafür geeignete Rubrik im Buche von János Böngérfy³, gelegentlich die Rubriken des „Thérmes kis tükör“, einzelne Angaben in István Kincs’⁴ Buch „Tarka világ“⁵; weiters das Meisterwerk „Tolnai Világtörténelme“⁶ und einige seiner Artikel über Ungarn, sowie aus der Reihe „Magyarország vármegyéi és városai“ den Band über das Komitat Vas⁷, das Buch „Magyarország főispánjai“⁸; die Umschreibungen von Gyula Balogh⁹, einzelne Angaben von Elemér Schwarz¹⁰, ebenso einzelne einschlägige Daten aus den großen Lexika von Pallas¹¹ und Révai¹², sowie die Geschichte der evangelischen Kirche Transdanubiens¹³ von Sándor Payer. Ebenso habe ich zahlreiche uralte Urkunden beschafft und gelesen, dadurch Aufschluss gewonnen und auch die Auslegung einzelner Gebildeter erbeten und in Anspruch genommen, wodurch ich zu sehr vielen Daten gelangt bin.

Trotz all dieser Hilfsquellen erwies sich der Ablauf der Geschichtsschreibung noch immer als nicht völlig ungestört und frei von Hindernissen, denn ich kam nicht in den Besitz ganz genauer Daten, die meinen so heftigen Wissensdurst hätten stillen können. So wandte ich mich folglich der Lebensart und den Sitten der Menschen zu und suchte vor allem die Bedeutung der in der Gemarkung unserer Stadt gelegenen Fluren (Rieden) zu entschlüsseln. Indem ich mich bemühte, die in deren Benennungen verborgenen Geheimnisse aufzudecken und mich auch auf die mündliche Überlieferung stützte, fand ich die reife Frucht meiner Arbeit: den Schlüssel nämlich, mit dem ich viele geheime Schlösser öffnen konnte. So veranlasst, habe ich nun in mir den Entschluss gefasst, eine sachgemäße und der Reihenfolge nach geordnete Darstellung meiner Heimatstadt Felsőeőr zu geben, um die Verwirklichung dieses alten Wunsches in Buchform auf den Weg zu bringen.
Soweit es nur immer anging, habe ich alle wissenschaftlichen Belege und Daten, der Reihe nach aus Tatsachen, Umschreibungen und Schlussfolgerungen gesammelt (ja, vielleicht sogar vor Phantasie oder Sage nicht zurückschreckend) und die jahrtausendalte Geschichte unserer Stadt von Alpha bis Omega, das heißt bis in unsere Tage, niedergeschrieben – einzig, um mein Werk zu einem Abschluss zu bringen, nunmehr nicht nur in meinem eigenen Interesse, sondern auch für spätestmögliche Nachkommen.
Ausgestellt in Felsőeőr, am 20. Dezember 1946.
Der Verfasser
Quellenverzeichnis nach den Aufzeichnungen von János Topler:
1Gueth Sándor: „A felső-eőri evang. reform. egyház története” (Szombathely, 1863).
2Schematismus Venerabilis Cleri Dioecesis Sabariensis (Szombathely, 1863).
3Böngérfi János (Pest, 1. April 1859 – Budapest, 16. Jänner 1950), Volks- und Gewerbeschullehrer in der Hauptstadt, Jugendschriftsteller.
4Kincs István (Felsőőr, 20. Dezember 1867 – Kőszeg, 2. Juni 1942), katholischer Priester, Journalist, Jugendschriftsteller.
5Kincs István: „Tarka világ, Tizenkilencz apró novella” (Szombathely, 1895).
6Mangold Lajos, Horváth Cyril: „Tolnai Világtörténelme” (Budapest, 1908).
7Borovszky Samu: „Magyarország vármegyéi és városai. Vas vármegye” (Budapest, 1898).
8Medgyesi Somogyi Zsigmond (Hrsg.): „Magyarország főispánjainak története 1000–1903” (Budapest, 1902).
9Balogh Gyula (Ihászi, 20. Mai 1837 – Szombathely, 20. April 1921), Archivar, Schriftsteller, Journalist.
10Schwartz Elemér (Vasvörösvár, 25. August 1890 – Würzburg, 21. Jänner 1962), Sprachwissenschafter, Universitätsprofessor.
11Bokor József, Gerő Lajos: „A Pallas nagy lexikona” (Budapest, 1893).
12Révay Mór János, Varjú Elemér: „Révai nagy lexikona” (Budapest, 1911–1935).
13Payr Sándor: „A Dunántúli Evangélikus Egyházkerület története” (Sopron, 1924).
Text, Fotos: BUKV, Őrség 64./2022















