Sie kommt aus Körmend – und ist heute aus dem Alltag von Bad Tatzmannsdorf (Tarcsafürdő) kaum wegzudenken. Der Lebensweg von Beáta Németh überschreitet Grenzen nicht nur geografisch, sondern auch in ihrer Haltung: Aus der Gastronomie führte sie ihr Weg über den Sport zum Aufbau von Gemeinschaft – vom persönlichen Weiterkommen hin zu einem Engagement für eine ganze Region. Ihre Geschichte zeigt, wie Erfahrung, Ausdauer und Offenheit entlang der ungarisch-österreichischen Grenze zu einer Kraft werden können, die verbindet.
2002 begann sie in Österreich zu arbeiten. Auf eine Stelle in einem Tennis-Sportzentrum in Graz bewarben sich fast siebzig Personen – am Ende bekam sie den Job. Ein Jahr später fand sie in Güssing (Németújvár) Arbeit in der Gastronomie, wo sie – wie sie sagt – mit einem der besten Chefs ihres Lebens zusammenarbeiten durfte. Nach einigen Jahren zog sie nach Feldbach, blieb in derselben Branche, diesmal jedoch in einem Betrieb in ungarischem Besitz. An die Atmosphäre der Stadt denkt sie bis heute gern zurück; die Erfahrungen am Arbeitsplatz hinterließen hingegen weniger positive Spuren.
Das Pendeln prägte ihren Alltag über Jahre. Als gebürtige Körmenderin legte sie lange Zeit täglich die Strecke zwischen ungarischen und österreichischen Orten zurück. Feldbach liegt rund siebzig Kilometer von der Stadt an der Raab entfernt; es kam vor, dass sie nach einer Nachtschicht eine halbe Stunde im Auto am Straßenrand schlief, weil sie spürte, dass sie nur so sicher nach Hause kommen würde. Diese Erfahrungen forderten sie nicht nur körperlich, sondern auch seelisch.

Später versuchte sie sich als Unternehmerin: Sie kehrte in die Gegend um Güssing zurück und pachtete ein kleines Café, das in kurzer Zeit zu einem beliebten Treffpunkt wurde. Die Gäste liebten die Atmosphäre und ihre persönliche Präsenz – genau das wurde aber auch zur Schwachstelle: Solange sie selbst hinter dem Tresen stand, war das Lokal gut besucht; für Administration und Einkauf blieb jedoch keine Zeit. Nach eineinhalb Jahren musste sie schweren Herzens zusperren. Es folgte Saisonarbeit in Kitzbühel, später ging sie auf ein Donauschiff, um Englisch zu lernen.
Nach der Rückkehr begann erneut eine Zeit des Pendelns – nach Fürstenfeld (Fölöstöm) – und dann eine schicksalhafte Begegnung: Sie lernte ihren späteren Mann kennen. Gemeinsam entschieden sie sich, in Bad Tatzmannsdorf (Tarcsafürdő) zu leben. Seit zehn Jahren sind sie in dem Ort mit knapp 1.500 Einwohnerinnen und Einwohnern zu Hause, der vor allem vom Tourismus lebt. Zunächst arbeitete sie in einem Kaffeehaus, danach in einem Hotel an der Rezeption; außerdem übernimmt sie bis heute im örtlichen Tourismusbüro Führungen und Trainings. Zu Beátas Persönlichkeit passt, dass sie sich überall behauptet: Sie weicht keiner Herausforderung aus, löst Probleme kreativ – „unmöglich“ gibt es für sie nicht. Ihre Kommunikationsstärke ist bemerkenswert: Sie verhandelt gut, ist freundlich, klar und begegnet allen offen. Ihr Partner ist Grafiker aus Szombathely und ein bekannter Naturfotograf. Während er früher vor allem in Ungarn bei Ausschreibungen und Ausstellungen vertreten war, gelang auch ihm die Integration in Österreich: Als selbstständiger Fotograf ist er heute ein geschätztes Mitglied des lokalen Berufsverbandes – man zählt auf ihn, seine Präsenz und Expertise sind wichtig. Beide brachten sich von Beginn an in das Leben von Bad Tatzmannsdorf ein: Sie sind dabei, wirken mit – bei Veranstaltungen, Feiertagen, Ausflügen und Freiwilligenaktionen.
Sport spielt in Beátas Leben eine Schlüsselrolle: Seit ihrer Kindheit läuft sie. Ihr Vater war Marathonläufer – und sie sah früh, dass es sich lohnt, für ein Ziel alles zu geben: Das baut auf, das bringt weiter. Die Familie war unterstützend: Ihre Mutter trat selbst nicht bei Wettkämpfen an, half aber im Hintergrund; sie fuhren gemeinsam zu Bewerben – dort sog Beáta die Stimmung auf und verliebte sich in den „Zauber“ des Sports.

Der Wendepunkt kam 2018, als sie als Teil einer Gruppe aus Szombathely und Kőszeg regelmäßig im Günser Gebirge (Kőszegi-hegység) trainierte. Aus den Trainings wuchs eine ähnlich denkende, eng verbundene Gemeinschaft – und dann entstand die Idee: Der Írottkő-/Geschriebenstein-Berglauf sollte wiederbelebt werden, eine renommierte Veranstaltung mit rund vierzigjähriger Geschichte, die jedoch ein Jahr lang pausiert hatte. Für die Organisation brauchte es eine formale Vereinsstruktur – so gründeten sie in Bad Tatzmannsdorf einen Laufverein. Der Erfolg im ersten Jahr übertraf alle Erwartungen: Der Bewerb wurde freundlich, gemeinschaftlich und zog zahlreiche Helferinnen und Helfer an. Heute arbeitet der Verein mit 55 Freiwilligen und rund 30 aktiven Mitgliedern.

Der Geschriebenstein-Berglauf ist Zero Waste: Organisatorinnen, Organisatoren und Teilnehmende stehen für eine Lebens- und Denkweise, die nicht nur auf Recycling setzt, sondern vor allem Abfall vermeidet und minimiert – damit der ökologische Fußabdruck nicht wächst. Dafür wurde die Hauptorganisatorin im österreichischen Klimaschutzressort mit dem Green-Events-Preis ausgezeichnet. In Wien erhielten sie zudem drei staatliche Auszeichnungen, und darüber hinaus wurde jedes Projekt, das sie eingereicht haben, auch tatsächlich gefördert.

Die zivile Basis rund um den Lauf eröffnete neue Möglichkeiten. Beáta nahm kürzlich Kontakt zum 1997 gegründeten Verein „Írottkő Natúrparkért“ (Verein für den Naturpark Geschriebenstein) auf. Rasch zeigte sich: Zwischen dem österreichischen und dem ungarischen Partner – obwohl es inhaltlich „ein“ Naturpark ist – gibt es kaum Austausch, obwohl sie nur rund zwanzig Kilometer voneinander entfernt sind. Aus dieser Beobachtung entstand die Idee für ein gemeinsames EU-Projekt, das der Verein mit Standorten in Rechnitz (Rohonc) und Kőszeg in Kooperation mit dem Verein LAC Geschriebenstein nach langen Abstimmungen einreichte – und gewann. Das Programm läuft erst seit einem halben Jahr, bringt aber bereits greifbare Ergebnisse: Die Zusammenarbeit wurde regelmäßig, eine echte Partnerschaft ist gestartet, gemeinsames Denken etabliert sich, und ein umfassendes Naturpark-System nimmt Gestalt an. Ziel ist ein grenzüberschreitendes Netzwerk, das Freiwillige zusammenführt, die Arbeit der Gemeinden koordiniert und für lokale Produzentinnen und Produzenten sowie Dienstleisterinnen und Dienstleister ein Naturpark-Gütesiegel entwickelt.







Beáta Németh ist überzeugt: Eine gut funktionierende, ergebnisorientierte Gemeinschaft hält nicht das Geld zusammen, sondern Hingabe. Freiwillige zu finden und zu halten ist auf beiden Seiten der Grenze eine dauerhafte Herausforderung – sie glaubt jedoch daran, dass Arbeit mit Herz auch langfristig trägt. Derzeit ist sie als Projektkoordinatorin im eigenen Verein tätig und setzt ihre Ideen Schritt für Schritt um. Ihre Geschichte – von Körmend über Güssing und Fürstenfeld nach Bad Tatzmannsdorf, von der Gastronomie über den Sport bis zur Naturpark-Kooperation – zeigt: Die Grenze trennt nicht, sie verbindet, wenn es Menschen gibt, die Brücken bauen. Beáta Némeths Wirken ist genau das: eine Brücke zwischen Menschen, Gemeinschaften und Ländern.
Übersetzung: Pathy



























