Vom 5.–7. September veranstalteten der Runde Tisch ungarischer Organisationen in Österreich (Kerekasztal) und seine Mitgliedsvereine – unter der Leitung von Präsidentin Szilvia Mentsik – im Areal „Der Garten” im Wiener Prater, unter den schattigen Eichen, ein Festival, das die Vielfalt der ungarischen Kultur in acht Themenfeldern präsentierte. Die dreitägige Programmreihe bot eine nahezu unerschöpfliche Vielfalt: Folklore, Kunst, Wissenschaft, Geschichte, Gastronomie, Sport, Musik und Kultur trafen aufeinander – in einer Fülle, die sich kaum in einem einzigen Artikel bündeln lässt. Wir wagen es trotzdem.
„Die Grundidee ist ein Wortspiel aus Achtung und Ungarn – AchtUngarn – und soll darauf aufmerksam machen, dass die Ungarn wahrgenommen werden”, formulierte Gábor Kilyénfalvi, Vizepräsident des Kerekasztal und Ideengeber des AchtUngarn-Festivals. Schirmherrin der Veranstaltung war Edit Szilágyiné Bátorfi, Ungarns Botschafterin in Wien. In ihrer Begrüßung betonte sie, dass sich das Wortspiel „AchtUngarn” auf mehrere Arten lesen lässt: „Die Acht knüpft im Ungarischen nicht nur an die Kunstsparten an, sondern auch an die Redewendung Nekem nyolc! (‚Mir ist’s egal!‘). Zugleich steht die liegende Acht für die Unendlichkeit. Deshalb bin ich unendlich dankbar all jenen, die diese Veranstaltung organisiert haben und die hierhergekommen sind – denn Ihnen ist es nicht egal, nicht ‚acht‘, wie wir die ungarische Kultur und ihre verschiedenen Kunstsparten im Alltag leben.”

Vielfältige Kinderprogramme
Zahlreiche Mitgliedsvereine des Dachverbands (Kerekasztal) wirkten mit – darunter auch AMAPED –, sodass an allen drei Tagen Kinder- und Familienprogramme durchgehend präsent waren. Einer der am meisten erwarteten Programmpunkte war die fabelhafte Kinderstunde von Veronika Marék. Die 87-jährige Autorin fesselte unzählige Kinder, als sie ihre Heldinnen und Helden vorstellte: den Kockásfülű nyúl („Der Hase mit den karierten Ohren“), Kippkopp, Laci und den Löwen sowie Boribon und Annipanni – zu Letzteren erzählte sie auch eine kurze Geschichte, die sie live illustrierte. Mit witzigen kleinen Skizzen unterhielt sie die Kinderschar; eine Zeichnung signierte sie für AMAPED. Aus ihrem neuesten Buch, Harcsabajusz kapitány (Kapitän Welsbart), las sie ebenfalls. Selbst für Erwachsene war das Zuhören ein erhebendes Erlebnis – viele Eltern und Großeltern sind mit den Geschichten von Veronika Marék groß geworden. Eine Mutter ließ etwa ein vor 41 Jahren gekauftes Buch mit persönlicher Widmung signieren.

Auch die Gruppe Kuttyomfitty Társulat stieß mit ihrer interaktiven Kinderaufführung „Drei Märchen über König Matthias“ (Három mese Mátyás királyról) auf großes Interesse. Ein Elternteil hob hervor, wie sehr er sich freue, dass sein Kind auch fernab von Ungarn über eine herausragende Gestalt der ungarischen Geschichte – König Matthias – hören könne. Szilárd Wagner begeisterte – wie jedes Jahr – Kinder und Erwachsene gleichermaßen mit einer spektakulären Schlangenshow.
Vorstellung der AMAPED-Angebote
Für die Kleinsten gab es Ringató mit Orsolya Fodor und Judit Hochrein; die Größeren konnten die Buchpräsentation „Kalandos utazás” (Abenteuerliche Reise) der Floridsdorfer Schulgruppe erleben – ein Werk, das tatsächlich von AMAPED-Kindern in Zusammenarbeit mit ihrer Pädagogin Ágnes Székely verfasst wurde. Zu den spannendsten Programmpunkten am Sonntag zählte das Familienquiz, bei dem AMAPED-Lehrkräfte die Stationen entwickelten und leiteten – die Teilnehmenden wurden mit wertvollen Preisen belohnt. Vorgestellt wurden auch AMAPEDs Förderangebote: Vorträge zu Bewegungsförderung und Logopädie, Schnupperstunden im Frontallappen-Training mit Ildikó Tóthné Nagy sowie ApróTorna und das virtuelle Förderspiel „Sportmanji 5+” mit Tünde Pásztiné Kotrba.


Musik und Kultur
Der „Europa“-Club legt das ganze Jahr über – und speziell rund um AchtUngarn – großen Wert darauf, herausragende kulturelle und musikalische Programme zu organisieren. Einer der musikalischen Höhepunkte war die Formation HUNCLORIQUE: Boglárka Csemer (BOGGIE) und András Petruska interpretierten ungarische Volkslieder in ihrer modern, akustisch geprägten Klangwelt. Petruskas besondere Fingerpicking-Gitarrentechnik rahmte Boggies klare Stimme feinfühlig ein und hob sie hervor – ein besonderes Erlebnis, wie Tradition und Gegenwartsmusik einzigartig ineinanderflossen.
Am Schlusstag krönten das Opera Trio und das Patkoló Ensemble das Festival mit einer außergewöhnlichen Mischung aus Klassik, ungarischen Melodien und Welthits. Für die leichtere, tanzbare Atmosphäre sorgte das Programm des Bécsi Magyar Vigadó (Ungarisches Ballhaus in Wien), wo Martin Virág und The Royal Band das Publikum unterhielten. Auf der Bühne sang außerdem Aliz Molnár wunderschöne ungarische Lieder. Erika Nagy berührte mit ihrem Programm „Mindenkiben szól egy harang” („In jedem klingt eine Glocke”).
Zum geistigen Programm gehörte auch ein anregendes Gespräch: Szilvia Mentsik und der evangelische Pfarrer Szilárd Wagner suchten gemeinsam nach Antworten darauf, inwieweit sich der Glaube modernen gesellschaftlichen Fragen anpassen soll. Den Theaterpart übernahm das Soproner Jugendtheater mit „Hunyadi csillaga“ („Hunyadis Stern”) in der Regie von Ervin Németh – ganz ohne Bühnenbild und Kostüme und doch höchst eindrucksvoll.

Programme für Jugendliche
Balázs Juhász, Präsident der Polgári Magyar Fiatalok Egyesülete (Verein der bürgerlich-ungarischen Jugend), sprach mit jungen Wiener Ungarinnen und Ungarn darüber, was es bedeutet, in Österreich ungarisch aufzuwachsen. Die Magyar Diákok Egyesülete (MDE) (Verein ungarischer Studierender) bereicherte das Festival mit Sport- und Gemeinschaftsprogrammen: Am Samstag organisierten sie ein Volleyballturnier, am Freitagabend standen Beer-Pong und eine echte Wiener ungarische Party mit DJ Peter auf dem Programm.


Folklore
Die Präsentation der Volkstraditionen war eine der tragenden Säulen von AchtUngarn, denn Volkslieder und Volkstanz sind integraler Bestandteil der ungarischen Kultur. An jedem Festivaltag gab es ein besonderes Folklore-Erlebnis. Es traten auch der Abdai Dalkör (Singkreis Abda) und das Jugend-Volksmusikensemble Szélforgók auf. Der Délibáb Bécsi Magyar Kultúregyesület (Wiener Ungarischer Kulturverein Délibáb) zeigte auf der Hauptbühne eindrucksvoll die reiche Welt der Tänze aus Sárköz und Keszü und lud anschließend – geleitet von Gergő Bolgovics und begleitet von Pertis Katica és Barátai (Katica Pertis und Freunde) – Jung und Alt zu einem mitreißenden Táncház ein. Am Schlusstag vollendete die Linzer Ne-Felejts!-Volkstanzgruppe das Programm mit einer Tanzvorführung mit Tänzen aus Sárköz (Region in Ungarn).



Geschmack, Düfte, Erlebnisse
Das AchtUngarn-Festival wurde von ganztägigen Markt- und Handwerksangeboten begleitet. Kulinarisch erwartete die Besucherinnen und Besucher eine breite Auswahl: Lángos, Kürtőskalács (Baumstriezel) und Wurst; dazu Honig sowie Weine aus dem Somló rundeten die Festivalatmosphäre ab. Außerdem konnte man töpfern, Lederarbeiten ausprobieren, Henna-Malerei, Perlenfädeln sowie Arbeiten mit Maisblättern und Stroh kennenlernen.
Die vielseitige Veranstaltungsreihe bot zugleich Raum für Vertiefung, Gemeinschaftserlebnisse und unbeschwerte Unterhaltung. Drei Tage lang fanden im Prater Familien, Jugendliche und Ältere gleichermaßen ihre Lieblingsangebote. Dank der Arbeit der Organisatorinnen, Organisatoren und Mitwirkenden zeigte die ungarische Community in Wien, dass es ihr nicht egal ist – nicht „acht” ist –, wie wir ungarische Kultur im Alltag leben; und dass wir diesen Schatz gemeinsam an die nächste Generation weitergeben.

Text: Kőrösiné Forgó Ilona
Fotos: Kőrösiné Forgó Ilona
Übersetzung: Pathy


























