Unvergessliche Erfahrungen konnten jene 31 Kinder machen, die sich für das vom Verein HungaroMedia Linz organisierte Erlebniscamp „Rólunk szólunk“ angemeldet hatten. Das hochwertige und vielfältige Programm stand unter dem Motto ‚Worin bin ich gut?‘ und unterstützte die Teilnehmenden mit Theater, Tanz, Sport und Handwerk dabei, ihre Selbsterkenntnis zu vertiefen und Kontakte mit Gleichaltrigen zu knüpfen. Und als wäre das nicht genug, konnten die in Österreich lebenden Kinder in den fünf Tagen auch ihre Ungarischkenntnisse deutlich erweitern.
Das heuer in Linz Mitte Juli abgehaltene Erlebniscamp „Rólunk szólunk“ übertraf alle Erwartungen der Organisatorinnen und Organisatoren und fand mit 31 Kindern statt. Für die 8–15-jährigen (Vor-)Teenager gestalteten vier Lehrende – Melinda Milák, Theaterpädagogin und Schauspielerin am Káva Színház in Budapest, Tímea Székely, Art Coach und Mentaltrainerin sowie ungarische Erstsprachenlehrerin in Linz, Júlia Borbála Farkas, Tänzerin für zeitgenössischen Tanz, und Bence Juhász, Turnlehrer – abwechslungsreiche, niveauvolle und interessante Einheiten.


Die Kinder kamen mit unterschiedlichem Ungarisch-Niveau, vor allem aus Linz und Umgebung, aber auch aus St. Pölten, Wals (Salzburg) und sogar aus Budapest. An den fünf gemeinsamen Tagen sprachen die Campteilnehmenden konsequent Ungarisch miteinander. Laut Tímea Székely war das besonders wichtig, weil in Österreich aufwachsende Kinder die Sprache oft nur zuhause in der Familie verwenden und ihr Wortschatz daher auf Familienthemen beschränkt bleibt. Im Camp wurden viele weitere Themen berührt, wodurch sich ihr Wortschatz auch in Bereichen wie Geschichte und Geografie erweiterte. Außerdem entstanden grenzüberschreitende Freundschaften – eine zusätzliche Motivation, Ungarisch zu verwenden und Freundinnen und Freunde in Ungarn zu besuchen.
All das wäre jedoch nicht möglich gewesen ohne einen von Beginn an aufmerksamen, respektvollen, akzeptierenden und sicheren Rahmen, in dem sich die Teilnehmenden einander gegenüber offen zeigen konnten. Die Camp-Thematik war rund um die Frage „Worin bin ich gut?“ aufgebaut – die Organisatorinnen und Organisatoren wollten damit die Grundsteine für einen Weg der Selbsterkenntnis legen.
Wir betrachteten die Frage aus verschiedenen künstlerischen Richtungen, über Bewegungsformen sowie durch kreative Angebote in Klein- und Großgruppen und auch individuell. Dabei achteten wir darauf, wobei sich die Kinder besonders wohlfühlen: mit welchen Farben und Materialien sie gerne arbeiten, ob sie lieber ein Match spielen oder anfeuern, eine Bewegungssequenz anleiten oder sich lieber führen lassen, ob sie in der Gruppe gestalten oder allein arbeiten, und ob sie vertiefende Aufgaben spannender finden oder körperlich aktive Übungen – erzählt Vera Ecser, Obfrau des Vereins HungaroMedia Linz und eine der Organisatorinnen des Camps.


Júlia Farkas hätte ursprünglich Tanz unterrichtet, entschied sich dann aber, auf dieser Bewegungsform aufbauend die Teilnehmenden auf andere Weise in ihrer Selbsterkenntnis zu begleiten. Sie ist überzeugt, dass der Kontext bestimmte Bewegungsabläufe in Tanz verwandelt. Daher führte sie die Kinder dahin, einander bis ins Detail aufmerksam wahrzunehmen, die Rolle des Führens oder Folgens zu erleben und dynamisch zwischen beiden zu wechseln.
Die Theaterpädagogin Melinda Milák näherte sich der Frage mit den Mitteln der Bühne. Theaterformen und die Werkzeuge der Theaterpädagogik eignen sich hervorragend, ein Thema aus mehreren Perspektiven zu betrachten und unser Verhältnis dazu – Gedanken und Gefühle – verbal wie nonverbal auszudrücken und sichtbar zu machen. Standbilder, szenische Situationen und gemeinsames Geschichtenerzählen wirken stresslösend und befreiend. So ermöglichen sie auch zurückhaltenderen, gehemmteren oder sprachlich unsicheren Kindern, sich auszudrücken, ihre Gedanken zu formulieren und zu teilen sowie mit den anderen Kindern und Jugendlichen in Verbindung zu treten.
Anknüpfend an die Theaterpädagogik bot Bence Juhász Sporteinheiten drinnen wie draußen an. Dabei setzte er auf möglichst bunte und abwechslungsreiche Aufgaben, damit die Teilnehmenden entdecken konnten, worin sie wirklich gut sind.



Am dritten Tag besuchte auch Tina Blöchl, Vizebürgermeisterin von Linz, das Camp. Bei ihrer Ankunft stellten die Kinder gerade Talismane als Symbole für mehr Selbstvertrauen her. Die für Integrationsagenden mitverantwortliche Politikerin setzte sich zu den Kindern an den Basteltisch, während zweisprachige Kinder spontan anboten, für sie und ihre Assistentin zu dolmetschen, und den Gästen auf Deutsch vom bisherigen Campverlauf berichteten. Tina Blöchl betonte die Bedeutung zwei- und mehrsprachiger Erziehung und bekräftigte, dass mehrsprachige Kinder ein wichtiges Potenzial und eine Ressource für die Stadt darstellen.
Alle konnten mit positiven Eindrücken nach Hause gehen. „Für mich war der Abschluss ein besonders prägender Moment“, erinnert sich Melinda Milák. „Als wir die Jugendlichen baten, die Hand zu heben, wenn sie das Gefühl hatten, Neues über sich selbst gelernt zu haben oder Rückmeldungen von anderen bekommen zu haben, durch die sie beim Thema ‚Worin bin ich gut?‘ gewachsen sind – da hob jede und jeder die Hand.“
Der Verein HungaroMedia und das engagierte Lehrerteam schmieden sogar noch mutigere Pläne: Im August 2026 könnte ein sechstägiges Übernachtungscamp für alle mit Interesse an Theater, Bühne, Tanz und den Künsten entstehen. Informationen dazu gibt es unter der Adresse: kapcsolat@hungaromedia.at.
Die Durchführung des Camps wurde von der FAS Network GmbH, der Stadt Linz und der Ungarischen Regierung unterstützt.
Fotos: HungaroMedia egyesület
Text: Anna Gazdik
Übersetzung: Pathy
























