Der heilige Martin ist der Schutzpatron des Burgenlandes. Mit einem römischen Dekret vom 10. Dezember 1924 wurde er zum Landespatron erhoben, er ist zugleich der Schutzheilige der 1960 gegründeten Diözese Eisenstadt. Anlässlich des 101-jährigen Jubiläums wurde am 10. November in Unterwart mit einem Gottesdienst und einer besonderen Ausstellung gedacht – zunächst in der Pfarrkirche der heiligen Katharina von Alexandrien, danach in der „Alten Schule“.
Der heilige Martin wurde in der antiken römischen Stadt Savaria geboren, die auf dem Gebiet des heutigen Szombathely lag. Als Soldat ließ er sich in Gallien taufen, später wurde er zum Bischof des französischen Tours gewählt. Der bekanntesten Legende nach teilte er seinen Mantel mit dem Schwert und gab die eine Hälfte einem frierenden Bettler. Diese Tat wurde zum Symbol für Nächstenliebe und Menschlichkeit. Zu seinen Ehren wurden in Österreich und Ungarn zahlreiche Kirchen errichtet, seine Gestalt ist seit Jahrhunderten ein prägender Bestandteil der christlichen Kultur.

„Der heilige Martin zerstörte die Tempel des heidnischen Irrglaubens, erhob hoch die Banner der Frömmigkeit, erweckte Tote zum Leben, trieb die bösen Dämonen aus den Körpern der Besessenen aus und heilte mit dem Heilmittel des Heils all jene, die an vielerlei Krankheiten litten. So vollkommen erachtete man ihn, dass er in der Gestalt eines Bettlers Christus selbst zudecken durfte und mit dem Mantel, den der Elende von ihm empfing, den Herrn der Welt bekleidete. O selige Freigebigkeit – welch göttliche Kraft liegt in ihr! O herrlicher, zerteilter Mantel, der zugleich den Soldaten und seinen König umhüllt! O welch unschätzbares Geschenk, dass er würdig war, Gott zu bekleiden! Mit Recht gabst du ihm, Herr, zum Lohn, dass du dich ihm offenbart hast. Mit Recht beugten sich vor ihm die in die Irre gegangenen Arianer, und um der Liebe zum Martyrium willen fürchtete er sich zu Recht nicht vor den Qualen des Henkers. Welche Belohnung wird er einst für die Hingabe seines ganzen Leibes empfangen, wenn er doch schon für ein kleines Stückchen Stoff gewürdigt wurde, Gott zu bekleiden und ihn um dessentwillen zu schauen. Die Hoffenden heilte er: die einen durch sein Gebet, die anderen durch seinen Blick.“
Bild: Diözese Szombathely/Martinus.hu
Textquelle: Sulpicius Severus: Vita Martini / Übersetzung: Edit Madas / Ungarische Elektronische Bibliothek



Im Rahmen der Pfarrveranstaltungsreihe „Pfarrcafé“ wurde jene Ausstellung eröffnet, die bis 16. November – bis zur nächsten gemeinschaftlichen Veranstaltung nach dem Gottesdienst – zu sehen ist und anschließend nach den derzeitigen Plänen in weiteren Pfarren der Umgebung gezeigt werden soll. Eröffnet wurde die Schau von Hannes Nemeth, Bürgermeister von Unterwart: „Der heilige Martin ist unser Schutzpatron – das ist für das Burgenland und unsere Gemeinde Unterwart von besonderer Bedeutung. Es ist unerlässlich, diese Tradition zu bewahren und weiterzugeben. Das Lebenswerk von Dr. Otto Osztovits und diese Ausstellung schlagen eine Brücke zwischen unserem Ort und dem heiligen Martin. Diese reichhaltige Sammlung ist das Ergebnis jahrelanger, gründlicher und präziser Forschungsarbeit und wurde heute für alle sichtbar gemacht.“

Dr. Otto Osztovits, Unterwarter Amateur-Historiker und Kurator der Ausstellung, geht davon aus, dass der heilige Martin im heutigen Burgenland, in Rumpersdorf (Rumpód), geboren wurde und seine Kindheit sowie – nach den Soldatenjahren – noch einige Jahre im heutigen Burgenland und in der römischen Stadt Savaria, im Gebiet des heutigen Szombathely und dessen Umgebung verbrachte. „Das heute präsentierte Material habe ich mit drei Zielsetzungen ausgewählt. Erstens möchte ich darlegen, dass der heilige Martin nicht im heutigen Szombathely, sondern hier im Burgenland geboren wurde – dass er also ein Burgenländer ist. Der Legende nach hat er mit seinem Schwert den Mantel geteilt und eine Hälfte einem Bettler gegeben. Ich bin der Auffassung, dass diese kaum fünfzehn Minuten dauernde Szene nicht ausreicht, um das Bild, das wir uns von ihm machen, umfassend zu bestimmen. Als Psychoanalytiker habe ich mich intensiv mit der Psychodynamik Martins beschäftigt; meine grundlegende Frage lautete: Wie wird aus einem zweisprachigen keltisch-römischen Jungen ein römischer Soldat, und wie wird aus einem römischen Soldaten später ein Christ? Wie sehen wir heute den Mönch, den Bischof, ja den wohl bekanntesten Heiligen, dessen Namen jedes Kindergartenkind kennt?“ Die Forschungen von Dr. Otto Osztovits spiegeln nicht nur seinen Glauben, sondern auch sein persönliches Engagement wider. Auch wenn seine Thesen Anlass zu Diskussionen geben mögen, stellt sein Werk dennoch einen wichtigen lokalen Wert dar.








Pfarrer Adalbert Gáspár aus Unterwart betonte die Bedeutung des Martinus-Kults: „Als Schutzheiliger des Landes ist er Symbol für Hilfsbereitschaft und Menschlichkeit; seine Verehrung verbindet die historischen Wurzeln mit den heutigen Gemeinschaftswerten. Sein Fest erinnert daran, dass Nächstenliebe und Uneigennützigkeit zeitlose Werte sind, die uns auch heute Orientierung geben. Dr. Otto Osztovits beschäftigt sich mit großer Leidenschaft mit dem Leben des heiligen Martin, er investiert Zeit und Energie, um ihn in ein neues Licht zu rücken. In der Ausstellung sind seine Texte, Fotografien, archäologischen Illustrationen und Überlegungen gleichermaßen zu sehen. Über die Details kann man unterschiedlicher Meinung sein, doch seine Intention – die Verehrung und Liebe zum Schutzpatron – ist unbestritten“, führte der Benediktiner aus, der auch erwähnte, dass tags zuvor, am 8. November, eine neunköpfige Delegation aus Unterwart nach Ungarn gereist war.






„Heuer haben wir in der Römisch-Katholischen Pfarre Unterwart sieben Firmkandidatinnen und Firmkandidaten; sie haben sich bereits im September bei der traditionellen Erntedankfeier vorgestellt. Gemeinsam mit Bürgermeister Hannes Nemeth haben wir die Jugendlichen zu einem eintägigen Ausflug in die Erzabtei Pannonhalma begleitet, wo uns Erzabt Cirill Hortobágyi empfangen hat. Nach einem ersten Kennenlernen und Gespräch haben wir die Abtei besichtigt, an einer Mittags-Hore mit der dortigen benediktinischen Gemeinschaft teilgenommen, die Räumlichkeiten und Kunstschätze des Klosters bewundert und auch eine Ausstellung mit Goldschmiedearbeiten gesehen“, berichtete Adalbert Gáspár.
Im April 2026 wird der Erzabt von Pannonhalma die Firmung der Jugendlichen aus Unterwart in der Pfarrkirche der Gemeinde vornehmen.


Text: Mónika Gombás
Übersetzung: Pathy















