Die Theatergruppe organisiert traditionell jedes Jahr eine Auslandswallfahrt mit dem Ziel, dass die Teilnehmenden die Kultur anderer Länder kennenlernen, Kontakte zu ungarischsprachigen Menschen jenseits der Grenze knüpfen und nicht zuletzt die ungarischen Werte des Burgenlandes zeigen. Diesmal war das Gallische Land das Ziel: Sie folgten den Spuren des heiligen Martin.
Der Zweisprachige Theaterverein und Kulturkreis von Unterwart ist nicht nur durch seine Arbeit auf der Bühne, sondern auch durch seine gemeinschaftsbildende Tätigkeit ein wichtiger Akteur des ungarischen Kulturlebens im Burgenland. Mit einer Geschichte, die bis in die 1920er Jahre zurückreicht, bewahrt und vermittelt er seit fast einem Jahrhundert die Werte der ungarischen Sprache und Kultur. Die Theatergruppe wurde 1982 zu einem offiziellen Verein und feierte vor drei Jahren ihr 40-jähriges Bestehen. Aus Anlass des Jubiläums erschien auch eine Festschrift unter dem Titel „40 Jahre Theaterverein Unterwart – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“, die die Geschichte, Tätigkeit und Geisteshaltung des Ensembles vorstellt. Der Vorsitzende des Vereins, Ferdinand Szabo, leitet die Gruppe seit mehr als drei Jahrzehnten – seit 1994 – und erhielt in diesem Frühjahr den renommierten Applaus-Preis des Burgenländischen Amateurtheaterverbands. Die Theatergruppe organisiert traditionell alljährlich eine Auslandswallfahrt. Ziel ist es, dass die Teilnehmenden die Kultur anderer Länder und Völker kennenlernen und Kontakte zu ungarischsprachigen Menschen jenseits der Grenze knüpfen. Solche Begegnungen schaffen die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch, zu gemeinsamen kulturellen Erlebnissen, zur Stärkung sprachlicher und kultureller Beziehungen und zur seelischen Stärkung der Gemeinschaft. Diesmal begab sich die Gruppe aus Unterwart auf die Spuren des heiligen Martin.

Am 2. Oktober startete der Bus in aller Früh nach Wien, mit dem Flugzeug ging es nach Paris, von dort wieder mit dem Bus bis in die Stadt Tours: Sie besuchten das Grab des heiligen Martin. Geistlicher Leiter der Wallfahrt war Adalbert Gáspár, römisch-katholischer Pfarrer von Unterwart, der in der Basilika des heiligen Martin in Tours auch eine Messe zelebrierte. „Die Verehrung des heiligen Martin ist für uns besonders wichtig, denn er ist der Schutzpatron der pannonischen Region, sein Geburtsort ist das einstige römische Savaria, das heutige Szombathely. Sein Beispiel gibt auch heute Orientierung für das Wirken in der Gemeinschaft. Von einer kleinen burgenländischen Ortschaft zum Grab des heiligen Martin zu gelangen und gemeinsam zu beten – das war für uns alle ein bleibendes Erlebnis“, formulierte der Benediktinermönch.



Die Zeremonie war zweisprachig, die Gebete und Fürbitten wurden auf Ungarisch und Deutsch gesprochen. Dr. Ottó Osztovits, Forscher des Lebens des heiligen Martin, sprach auf Latein zu den Gläubigen. Die Reisenden aus dem Burgenland nahmen das Pilgerkreuz der römisch-katholischen Pfarrgemeinde von Unterwart mit, welches sie bereits auf mehreren Reisen begleitete: in Santiago de Compostela in Spanien, in Medjugorje in Bosnien-Herzegowina und in Fátima in Portugal. Die Herbstwallfahrt umfasste auch kulturelle und touristische Programme. Die entlang der Loire gelegenen Schlösser – darunter das berühmte Renaissanceschloss von Amboise – versetzten die burgenländischen Abenteurer in frühere Jahrhunderte der französischen Geschichte. „Wir sahen wunderschöne Gärten und Blumen, überall spürte man die Präzision, mit der die Franzosen ihre Vergangenheit bewahren“, berichtete Sylvia Szabo, die seit rund dreißig Jahren die Reisen der Gruppe organisiert.
Die Gruppe besuchte auch die Insel Mont-Saint-Michel, die an der Mündung des Flusses Couesnon am Ufer des Ärmelkanals liegt. Die zum UNESCO-Welterbe gehörende Benediktinerabtei bietet einen besonderen Anblick: Bei Ebbe ist sie trockenen Fußes zu erreichen, bei Flut hingegen ist sie vollständig vom Wasser umgeben. Hier ist das Gezeitenphänomen in Europa am ausgeprägtesten: Der Unterschied im Wasserspiegel kann bis zu 15 Meter betragen. Die Wanderer aus Unterwart legten viele Höhenmeter zu Fuß zurück: Sie besichtigten ein Kloster, dessen Spitze sie erst nach mindestens dreihundert Stufen erreichten – der Panoramablick entschädigte jedoch für alles. Zum Glück sorgte das gute Wetter für einen klaren Himmel, so dass sie fast die Küsten Englands sehen konnten.

















„Es war ein unglaubliches Gefühl, all die Stufen hinaufzugehen und dann auf die Landschaft der Normandie hinabzuschauen“, erinnerte sich die Hauptorganisatorin, die den Bericht so fortsetzte: „Zum Programm gehörte auch ein kulinarisches Ereignis in der Bretagne, wo wir die jahrtausendealten Traditionen der örtlichen Wein- und Käseherstellung kennenlernten. Wir besuchten Weinkeller, erhielten Informationen über den Prozess der berühmten französischen Weinherstellung und konnten sogar frische Meeresaustern probieren. Es war eine unvergessliche gastronomische Erfahrung“, fasste Sylvia zusammen, die auch erläuterte, dass Auslandsreisen nicht nur deshalb nützlich sind, weil wir Einblick in die Kultur anderer Nationen erhalten, sondern auch, weil wir unsere eigenen Werte zeigen und weitergeben können.




Vor der Rückreise wurde ihr Pariser Flug nach Hause überraschend gestrichen, sodass sie eine Nacht länger in der „Stadt der Lichter“ bleiben konnten. Sie besichtigten die Basilika Sacré-Cœur, spazierten durch das Künstlerviertel Montmartre, genossen die pulsierende nächtliche Atmosphäre und besuchten selbstverständlich auch das Moulin Rouge. Für den Zweisprachigen Theaterverein und Kulturkreis von Unterwart sind solche Reisen stets mehr als bloße Ausflüge: Die gemeinsamen Erlebnisse, die auf Ungarisch gesprochenen Gebete auch in fremden Ländern sowie die kulturellen Begegnungen tragen alle dazu bei, dass die Mitglieder der Gruppe gestärkt in ihren Alltag zurückkehren. Die diesjährige Reise nach Frankreich bedeutet für die Mitglieder ein weiteres Kapitel: Sie handelte zugleich von der Verehrung des heiligen Martin und vom Dialog zwischen den Kulturen.
Fotos, videos: Zweisprachiger Theaterverein und Kulturkreis von Unterwart
Text: Mónika Gombás
Übersetzung: Pathy
























