In diesem Sommer veranstaltete der Verein Ungarischer PädagogInnen in Österreich (AMAPED) erstmals das Bewegungsfördernde Lerncamp – ein ganzheitliches Förderprogramm für Kindergarten- und Volksschulkinder. Ziel des Camps war nicht nur die Förderung der körperlichen Bewegung, sondern auch die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten und der Feinmotorik – all das in spielerischem, erlebnisorientiertem Rahmen. Das Programm wurde von Ildikó Tóthné Nagy – Expertin für grundlegende Bewegungsentwicklung, Stirnlappentrainerin und Volksschullehrerin – konzipiert und geleitet. Unterstützt wurde sie von Júlia Horváth-Szepesi, Tanzpädagogin, Yogalehrerin und eine der Leiterinnen der AMAPED-Kindergartenkurse am Samstag.
Das Tagesprogramm folgte jeden Tag einem ähnlichen Ablauf, was den Kindern zusätzlich ein Gefühl von Sicherheit vermittelte. Die Vormittage umfassten drei jeweils 45-minütige Bewegungseinheiten, gefolgt von Bastelstunden sowie einer Ruhepause mit Märchenhören. Die Nachmittage wurden durch abwechslungsreiche Spiele im Freien bereichert.

Hindernisparcours und Bodenturnen
Die Kinder im Camp wurden altersgerecht in zwei Gruppen eingeteilt: In der einen Gruppe befanden sich die 5–6-jährigen Kindergartenkinder, in der anderen die Schülerinnen und Schüler der 1. und 2. Schulstufe. Die Turneinheiten fanden getrennt statt – während die eine Gruppe mit Júlia einen Bewegungsparcours absolvierte, machte die andere Bodenturnübungen bei Ildikó. Diese Übungen umfassten verschiedene Bewegungsformen und führten die Kinder gezielt durch die einzelnen Stationen der motorischen Entwicklung – von der Kopfhebung über Kriechen und Klettern bis hin zum Gehen. Darüber hinaus kamen auch Stirnlappentrainings-Übungen zum Einsatz, jeweils altersgerecht angepasst. Die Aufgaben förderten nicht nur die körperliche Geschicklichkeit, sondern auch Aufmerksamkeit, Kurzzeitgedächtnis und logisches Denken.




Ein zentrales Element der Bewegungsförderung war das Absolvieren der Hindernisparcours. Die älteren Kinder meisterten dabei anspruchsvollere Strecken – etwa mussten sie Arme und Beine unabhängig voneinander bewegen und gleichzeitig die Wochentage oder Monate aufsagen, manchmal sogar rückwärts. Auch das Merken der Rundenzahl gehörte zu den Aufgaben, um gezielt Gedächtnis und Konzentration zu fördern. „Die Turnparcours, die die Kinder mit mir durchlaufen haben, wurden von Ildikó entwickelt. Schon im Jänner haben wir begonnen, das Camp gemeinsam zu planen und uns mehrfach getroffen, damit auch ich die Abläufe einüben konnte – so lief während der Woche alles reibungslos. Mir ist besonders wichtig, dass Entwicklung spielerisch geschieht – auch wenn ich Tanz unterrichte, wird bei mir sehr viel gespielt“, erzählt Júlia Horváth-Szepesi, Lehramtsstudentin, Tanz- und Yogalehrerin, der die Bewegungsförderung besonders am Herzen liegt. Neben den strukturierten Übungseinheiten blieb auch Zeit für entwicklungsfördernde Spiele wie Staffelwettbewerbe, Fangspiele oder Murmelspiele. Jeden Tag stand außerdem ein Besuch auf dem nahegelegenen Spielplatz auf dem Programm, wo weitere Outdoor-Spiele angeboten wurden – der Favorit der Kinder war eindeutig das „Wasserbombenwerfen“.






Regeln, Rückmeldungen und Gemeinschaftsbildung
Für Ildikó Tóthné Nagy war es wichtig, bereits am ersten Tag des Camps ein klares und nachvollziehbares Regelwerk zu etablieren, das den reibungslosen Ablauf der gemeinsamen Arbeit unterstützt. Am Ende jedes Tages fand eine individuelle Rückmeldung statt, bei der die Pädagoginnen positives Verhalten hervorhoben und den Kindern Feedback zu ihrer Entwicklung gaben. Etwaige Schwierigkeiten wurden einfühlsam und in der Regel im Vier-Augen-Gespräch besprochen. „Es ist wichtig, dass Kinder lernen, was eine Gemeinschaft gut funktionieren lässt – dass Höflichkeit, Hilfsbereitschaft und Zusammenarbeit wertvolle Dinge sind“, fasst Ildikó zusammen.




Kreatives Gestalten: Erlebnis und Förderung Hand in Hand
Nach den bewegungsintensiven Vormittagseinheiten nahmen die Kinder an abwechslungsreichen Bastelstunden teil. Sie knüpften Freundschaftsbänder, gestalteten Lesezeichen und Körbchen, bemalten Steine mit fantasievollen Motiven – und stellten zum Abschluss des Camps sogar eigene Seifenblasenstäbe her, die auch zu Hause mit Hilfe der Eltern ganz einfach nachgebastelt werden können. Diese Aktivitäten waren nicht nur unterhaltsam, sondern förderten ganz nebenbei auch die Feinmotorik – eine wichtige Grundlage für das spätere Schreibenlernen.

Aus der Sicht der Kinder
Auch der junge Teilnehmer Áron Farkas teilte begeistert seine Eindrücke vom Camp: „Am coolsten war das Sammeln von Stickern – und dass wir ein Stofftier bekommen haben. Mein liebstes Bastelprojekt war das Seifenblasenmachen: Wir schnitten die Flasche in der Mitte durch, zogen eine Socke über den offeneren Teil, tauchten das Ganze in Seifenwasser – und wenn man dann hineingeblasen hat, kamen durch die Socke die Blasen heraus!“ Auch die Bewegungsparcours fand Áron toll – sie beinhalteten Wippbretter, Balancierstationen, Purzelbäume, Hasensprünge und sogar einen „Dinosaurier-Absprung“. Er konnte den Tagesablauf ganz genau wiedergeben – ein Zeichen dafür, wie gut strukturiert und nachhaltig in Erinnerung geblieben diese Woche für ihn war.
Aus Elternsicht
Árons Mutter, Kata Szabó – selbst Pädagogin bei AMAPED – betonte, wie wertvoll die Teilnahme am Camp und insbesondere an der Bewegungsförderung für die kindliche Entwicklung sein kann: „Es ist wichtig, dass eine Fachperson beobachtet, wo ein Kind in seiner motorischen Entwicklung gerade steht. Laufen oder Fußball allein reichen oft nicht aus, damit ein Kind im Unterricht oder im Kindergarten gesund und konzentriert mitarbeiten kann – das erlebe ich auch regelmäßig in meinem eigenen Unterricht.“ Sie ergänzte: „Es war schön zu sehen, mit welchem Stolz Áron seine Bastelarbeiten präsentierte – und wie er in einer kindgerechten, zugleich aber fachlich fundierten Umgebung wachsen durfte.“

Bewegungsförderung bei AMAPED – Fortsetzung im Herbst
Die Erfahrungen aus dem diesjährigen Camp haben erneut deutlich gemacht, wie eng motorische Entwicklung mit Lernfähigkeit, emotionalem Gleichgewicht und Sprachentwicklung verknüpft ist – wie bereits in der Vortragsreihe zur Schulreife thematisiert und auch von Rólunk berichtet wurde. Die gute Nachricht: Ab September werden die grundlegenden bewegungsfördernden Einheiten mit Ildikó Tóthné Nagy fortgesetzt; zusätzlich startet eine schulvorbereitende Gruppe. Weitere Informationen erhält man per E-Mail unter office@amaped.at oder telefonisch direkt bei Ildikó unter +36 70 362 7726.
Fotos, Titelbild: Ilona Kőrösiné Forgó
Text: Ilona Kőrösiné Forgó
Übersetzung: Pathy




























