Das Wiener Collegium Pazmaneum feierte vor zwei Jahren sein 400-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass erschien ein neuer Band, der die Geschichte der Institution sowie jene herausragenden Persönlichkeiten umfassend beleuchtet, die innerhalb seiner Mauern studiert haben. Das reich illustrierte Buch wurde am 11. Dezember im Festsaal des Pázmáneums präsentiert.
Eröffnet wurde die Buchvorstellung von Pater János Varga, Rektor des Collegium Pazmaneum. Seine Ansprache war zugleich persönlicher Rückblick, institutionsgeschichtlicher Rahmen und spirituelle Deutung: Er sprach nicht nur darüber, wie der Jubiläumsband entstanden ist, sondern auch darüber, welchen Geist das Pázmáneum nach vierhundert Jahren weitertragen möchte. Bereits zu Beginn begrüßte er die Mitwirkenden des Bandes – den Historiker István Fazekas, die Grafikerin Beatrix Vertel und den Fotokünstler Apor Püspöki – und betonte, wie spürbar während des gesamten Projekts deren Engagement gewesen sei, mit dem sie sich der Geschichte des Hauses genähert hätten. Obwohl die Gründung des Pázmáneums auf 1618 beziehungsweise – üblich – auf 1623 datiert wird, war 1625 tatsächlich das erste volle Jahr, in dem durchgehend Studenten im Haus wohnten. Darüber hinaus machte der Rektor auf ein weniger bekanntes, aber wichtiges Datum aufmerksam: Am 17. Dezember 1900 wurde die Kapelle von Kardinal Emidio Taliani, dem apostolischen Pronuntius in Wien, gesegnet.

In seiner Rede zitierte Pater János Varga die bekannten Zeilen von Péter Pázmány:
„Herr, lass meine Seele deiner wahren Lehre folgen in diesem dunklen Tal der Unwissenheit, damit ich so zum Tag der ewigen Seligkeit gelange. Gib, dass auch ich mich vor jeder Unruhe, vor Trunkenheit und vor der schwachen, empfindlichen Verwöhnung meines Leibes bewahre und die Süße der himmlischen Seligkeit kosten darf; lass mich nicht viel Sorge um den Geschmack irdischer Speisen tragen, sondern mit all meiner Kraft allein nach deinem himmlischen Mahl streben. Dich aber, Herr, lass mich mit so standhaftem und glühendem Herzen lieben, dass weder Leben noch Tod, weder Armut noch Reichtum, weder Freude noch Widerwärtigkeit mich von deiner Liebe trennen können.“ Das – so Pater János Varga – sei nicht nur Pázmánys persönliches Glaubensbekenntnis, sondern jene Grundhaltung, aus der das Wiener Priesterseminar entstanden ist. Auch wenn heute weniger Priester hier studieren, versteht sich das Pázmáneum weiterhin als kirchliches und kulturelles Zentrum, das dieses Erbe weitertragen will.




Am Ende übergab Pater János Varga das Wort an László Vencser, den emeritierten Leiter der Nationaldirektion der Fremdsprachigen Seelsorge in Österreich. László Vencser erinnerte zunächst an seine persönlichen Jahre im Pázmáneum und hob die spirituelle und gemeinschaftliche Bedeutung des Hauses hervor. Im Mittelpunkt seiner Rede standen die markanten Stationen der 400-jährigen Geschichte: die Gründungszeit, die Epoche der Jesuiten, die Rückgewinnung des Gebäudes durch Maria Theresia sowie die Zeit der Verstaatlichung und späteren Rückgabe. Besonders betonte er, dass innerhalb dieser Mauern mehr als 4.300 Seminaristen studiert haben, und zitierte Kardinal Péter Erdő: „Ohne sie hätte die ungarische Kirche in schweren Zeiten nicht bestehen können.“ Zum Schluss richtete er den Blick auf Zukunft und kulturelle Weitergabe und unterstrich die Bedeutung des Jubiläumsbandes und die heutige Rolle des Hauses: „Ich wünsche, dass das Pázmáneum auch künftig eine ungarische Insel bleibt, an der die Fäden des ungarischen geistlichen und kulturellen Lebens zusammenlaufen“, schloss er.






Unter der Leitung von Pater János Varga – der selbst ein Kapitel zum Band beiträgt – entstand das Jubiläumsbuch aus der Zusammenarbeit von drei Gestaltenden. Die Arbeit von István Fazekas, Beatrix Vertel und Apor Püspöki geht bewusst über das Genre eines klassischen Gedenkalbums hinaus. Ziel war nicht ein repräsentativer Bildband, sondern ein vielschichtiger kultureller Abdruck, der Historikerinnen und Historiker ebenso anspricht wie kirchliche Akteurinnen und Akteure sowie interessierte Laien. Die Autorinnen und Autoren betonten, dass das Buch nicht „über Nacht“ entstanden sei: Neben pandemiebedingten Verzögerungen sei es eine bewusste Entscheidung gewesen, dem Material Zeit zum „Reifen“ zu geben. Wie Pater János Varga formulierte: „Es ist nicht schlimm, wenn das 400-Jahre-Buch schließlich im 402. Jahr erscheint, wenn es dafür der Geschichte des Hauses wirklich würdig ist.“
Das historische Gerüst des Bandes bildet die Arbeit von István Fazekas: Neben der Chronologie konzentriert sich seine Darstellung auf jene kritischen Momente, in denen der Betrieb des Instituts gefährdet war, das Pázmáneum jedoch in veränderter Form weiterleben konnte. Das Buch führt von der Gründung über die Jesuitenzeit, wiederholte Übersiedlungen, Schließungen und Wiedereröffnungen bis zu den politischen und kirchlichen Bruchlinien des 20. Jahrhunderts. Ein eigenes Kapitel widmet sich den Wiener Jahren von Kardinal József Mindszenty, der zwischen 1971 und 1975 im Exil im Pázmáneum lebte – dieser Teil stammt aus der Feder von Pater János Varga.




Der Jubiläumsband überschreitet bewusst die Grenzen einer reinen Institutionsgeschichte. Die visuelle Konzeption von Beatrix Vertel und die über mehr als ein Jahrzehnt entstandenen Fotografien von Apor Püspöki eröffnen eine kulturelle Lesart und zeigen das Pázmáneum als Raum, als Symbolsystem und als im Alltag erfahrbare Institution. Auf dem Cover ist die Klinke der Kapelle zu sehen, auf der Rückseite die Statue des Heiligen Petrus; die Symbolik von Schlüsseln, Türen und Übergängen führt durch das Buch. Auch die Farben tragen die Bildbotschaft: Blau steht für die Pázmáneum-Tradition, Rot für das Opfer Christi.
Mehrfach wurde bei der Präsentation betont, dass eine der größten Stärken des Buches darin besteht, die Geschichte des Hauses konsequent über menschliche Lebenswege zu erzählen. Diese Perspektive rückt den Band in die Nähe eines kulturgeschichtlichen Hintergrundwerks: Persönliche Biografien helfen, größere historische Prozesse verständlich zu machen. Neben Bischöfen und Kardinälen finden auch die Lebenswege einfacher Pfarrer Platz – jener, die über Jahrzehnte hinweg im Stillen ihren Gemeinden dienten. Am Ende der Buchvorstellung richtete sich der Blick auf Gegenwart und Zukunft: auf die Rolle des Hauses in einem Umfeld, das sich säkularisiert und zugleich nach Identität sucht. László Vencsers Schlussbotschaft war zugleich die Botschaft des gesamten Abends: „Möge das Pázmáneum weiterhin eine ungarische Insel in Wien bleiben.“
Titelbild, Fotos und Text: Nóra Horváth
Übersetzung: Pathy



























