Seit seiner Kindheit begeistert er sich für Gesteine. Neun Jahre alt war er, als er mit seinen Eltern in Garmisch-Partenkirchen Urlaub machte – schon dort sammelte er besondere Stücke aus dem Gebirgsbach. Aus dem damals begonnenen Hobby wurde inzwischen sein Beruf: Er ist Betreiber des Steinbruchs in Felsőcsatár. Mit Leidenschaft arbeitet er bis heute Tag für Tag mit dem besonderen, uralten Material. Der in Szombathely geborene, auch in Österreich bekannte Mineralienhändler und Geologe, Csanád Lóránt, lebt in Burgauberg-Neudauberg im Burgenland.
Er war jener Schüler, der sich im September aus der Schulbibliothek die Bibel der Hobbyisten, den Mineralienbestimmungsführer von Bognár László, ausgeborgt hat – und bis zum Ende vom Schuljahr überhaupt nicht mehr zurückgebracht hat. Sein Wissen erweiterte er nicht nur aus Fachliteratur, sondern auch in Mineralien-Sammlerklubs, auf organisierten Exkursionen und durch zahlreiche Alleingänge in die Natur. Als Jugendlicher verbrachte er schon einmal eine Woche im Zelt im Bakony-Gebirge. Später wurde diese Lebensform für ihn selbstverständlich: Er hat immer einen Hammer und das nötige sonstige Werkzeug dabei. An der Eötvös-Loránd-Universität schloss er sein Studium als Geologe ab. Sein Forschungsinteresse gilt den Mikromineralien. Nicht die Sammelleidenschaft treibt ihn an, sondern die Neugier auf deren Entstehung.

An der Ungarischen Universität der Bildenden Künste unterrichtete er als Lehrbeauftragter Bildhauer im Fach Steinmaterialkunde. Er vermittelte vor allem, wie sich Sedimentgestein oder vulkanisches Gestein zusammensetzen, was metamorphes Gestein bedeutet. All das ist wichtig, um Stein bearbeiten zu können. Außerdem brachte er den Studierenden verschiedene Analysemethoden bei. „In der Restaurierung ist die Kenntnis des Materials unverzichtbar. Man muss wissen, welche Art von Ersatz möglich ist, wenn man ein beschädigtes Denkmalgebäude instand setzen möchte. Der erste Schritt ist dann, den ursprünglichen Herkunftsort des Steins zu ermitteln, um denselben Stein verwenden zu können – keine einfache Aufgabe.“
Das Unterrichten war nur eine spannende Station in der Karriere des heute 48-jährigen Geowissenschaftlers. Sein Hauptfeld war immer die Mineralien-Sammlung und der Handel damit. „Ich war nie ein besonders guter Geschäftsmann, um das ins Gleichgewicht zu bringen – ich ging öfter sammeln, als dass ich mich ums Geschäft kümmerte. Auf Dauer war das nicht effektiv, so kam ich zum Bergbau. Anfangs arbeitete ich saisonal. Mit 21 begann ich im Lengenbach-Steinbruch im Binntal, Kanton Wallis, in der Südschweiz. Dort wird einerseits abgebaut, weil es ein touristischer Anziehungspunkt ist, andererseits ist er international bekannt, da der Boden rund vierzig verschiedene Sulfidmineralien birgt – manche davon gibt es weltweit nur dort. Ständig laufen wissenschaftliche Projekte, immer wieder werden neue Mineralien entdeckt.“

1998 reiste er das erste Mal dorthin und wurde bald Stammgast. Als man ihm 2016 eine Stelle anbot, war klar, dass er blieb. Seither fördert er auch im Schweizer Steinbruch Gestein. Parallel dazu betreibt er seit 2021 den Steinbruch in Felsőcsatár, der in den letzten Jahren einen immer größeren Platz in seinem Leben eingenommen hat. Er bedient die Maschinen, bohrt, schneidet, schleift, baggert und sprengt vor Ort. Abends untersucht er in seiner Werkstatt daheim die Gesteine unter dem Mikroskop. Sein Schwerpunkt liegt auf nachhaltigem, umweltschonendem Abbau. Sein Ziel ist nicht, in kurzer Zeit große Mengen an Straßenbaumaterial zu gewinnen, sondern über längere Zeit edleres Baumaterial. Er strebt danach, möglichst wenig in die Natur einzugreifen.
Sein Ziel ist es, dem einzigartigen „Csatárer Grünschiefer“ wieder Prestige zu verleihen. In Ungarn tritt dieses metamorphe – also umgewandelte – Gestein nur in der Grenzregion an die Oberfläche. Laut Forschungen österreichischer Geologen entstand es vor etwa 100–200 Millionen Jahren im Jura- und Kreidezeitalter aus ursprünglich alkalibasaltischem, vulkanischem Gestein – vergleichbar mit heutigen Gesteinsformationen etwa auf Hawaii. Geologisch betrachtet handelt es sich um ein „tektonisches Fenster“: einen Ort, an dem Fragmente des ehemaligen Penninischen Ozeanbodens an die Oberfläche gehoben wurden und erforscht werden können. Der Vas-Berg, der Steinbruch bei Rechnitz und der Kalapos-kő (Hutstein) oberhalb von Bozsok gehören zur selben geologischen Einheit, zeigen aber – selbst über wenige Kilometer hinweg – Unterschiede in der Zusammensetzung.
Mit Ausdauer erreichte er, dass der vielseitig einsetzbare Grünschiefer zunehmend in neuen Bereichen Anwendung findet: für individuell gestaltete Steintreppen, Brunnen, Mauern, Badeteiche – sogar ein Vogelfutterhaus hat er daraus gefertigt. In Szombathely haben die Ingenieure des Komitats Vas zum Beispiel im Vorjahr die Hollán-Ernő-Statue und den Gedenkpark eingeweiht, wo der Weg zur Statue mit riesigen Platten gepflastert wurde.

„Man muss den Stein kennenlernen, sehen, welchen man bearbeiten kann und welchen nicht. Und trotzdem passiert es, dass du schon halb fertig bist und plötzlich bemerkst: Da ist ein Riss drin, und er wird auseinanderbrechen – und die Arbeit war umsonst.“
Für das Sammeln von Mineralien hat er heutzutage weniger Zeit. Früher verbrachte er 60–70 Tage im Jahr im Gelände, nun beansprucht der Steinbruch seine ganze Kraft – und auch seine Familie will ihn nicht missen. Sein Sohn und seine Tochter besuchen die Europäische Mittelschule in Oberwart. „Ich möchte, dass sie auch das finden, was mir gelungen ist. Für sie ist es selbstverständlich, dass bei uns zuhause ein halber Dinosaurier-Fußabdruck liegt. Genauso wie es normal ist, dass ich manchmal in Europas Gebirgen verschwinde, um zu sammeln. Wir sind nach Österreich gezogen, damit sie in einer mehrsprachigen Umgebung aufwachsen. Das ist ein Wert, den ich ihnen mitgeben kann. Wir wohnen an einem wunderbaren Ort – unsere Gäste sagen oft, sie fühlen sich bei uns wie im Urlaub.“








Wie er einst als Kind Kiesel aus dem Bach sammelte, so betreibt Csanád Lóránt heute einen Steinbruch – und doch bestimmt der Stein noch immer sein Leben: Er macht für andere greifbar, was er längst weiß – dass die Tiefe der Erde Werte birgt.
Titelbild, Fotos: Csanád Lóránt
Text: Mónika Gombás
Übersetzung: Pathy











