An den heißesten Tagen des Sommers machten sich die jungen VolksmusikerInnen des Burgenländisch-Ungarischen Kulturvereins (BUKV) und Mitglieder des Volksmusikensembles „Szélforgók“ auf den Weg zu einer sechstägigen Studienreise nach Siebenbürgen, Rumänien. Unter der Leitung der Musiklehrer János Földesi und Bence Horváth griffen die Musiker zu ihren Instrumenten und stürzten sich in ein einzigartiges Abenteuer: 1.300 km entfernt entdeckten sie Perlen der ungarischen Volksmusik und Volkskunst.
Am letzten Julitag machte sich die neunköpfige Gruppe noch vor Tagesanbruch auf den Weg und kam nach einer 15-stündigen Reise in Gyimesfelsőlok an. An diesem Abend fand gerade die Abschlussfeier des Internationalen Gyimes-Tanzlagers in Gyimesközéplok statt. Es war ein fantastisches Erlebnis, 200 Menschen und 20 MusikerInnen beim Héjsza-Tanz rund um das Lagerfeuer zu beobachten – das stimmte die Gruppe richtige auf die bevorstehenden Tage ein. Neben Tänzen aus Gyimes gab es im Tanzhaus auch einige aus Mezőség und aus Moldau zu erleben. Letztere waren auch deshalb interessant, weil die Reiseroute am nächsten Tag nach Pusztina führte und sie unterwegs die „Tausendjährige Grenze“ sowie die Rákóczi-Burg besichtigten. Gegenüber dem imposanten Gebäude des Bahnhofs von Gyimes befindet sich das Heimatmuseum von Gyimesbükk, wo sie im Rahmen einer Führung die Geschichte, die Trachten und die Arbeitsgeräte der EinwohnerInnen von Gyimes kennenlernten.
Gegen Mittag kamen sie in Pusztina an, wo sie von Mihaela Veres und deren Großmutter Magdolna Tímár empfangen wurden. Die Instrumente – Geige, Koboz und Trommel – wurden hervorgeholt und es wurde gemeinsam musiziert und gesungen. Anschließend hörten sie von Tante Magdi wunderschöne Lieder aus Pusztina, und sie erzählte den Jugendlichen die Geschichte der „Schamblume“, die anderorts „Kásafű“ genannt wird. Es war ein großartiges Erlebnis für die ungarischen Jugendlichen aus dem Burgenland, dass es etwa 1.300 km entfernt Dörfer gibt, in denen rein Ungarisch gesprochen wird.



Am dritten Tag ging die Reise weiter, und zwar mit dem Besuch der „Esztena“, einer Sennerei. Nach der Csángó-Messe machten sie sich mit zwei Pferdewagen auf den Weg zu den Wohnstätten der Hirten auf dem Gyimeser Bergrücken. Die Bedeutung der Begriffe „Esztena“ und „Turma“ konnten sie hautnah erleben. Zu dieser Jahreszeit wird hier auf dem Bergrücken die Schafherde gemolken, und hier werden auch der Käse und der Frischkäse „Orda“ hergestellt, von denen sie reichlich probieren durften. Die siebenstündige Kutschfahrt wurde durch die Erzählungen und Lieder der beiden Kutscher, Béla und Fülöp, bereichert. Für die Jugendlichen war dies ein großartiges Erlebnis. Natürlich kamen auch an diesem Abend in der Unterkunft die Instrumente zum Vorschein, und dem Klang folgende kamen auch die Einheimischen vorbei, um der Musiker zu lauschen.
Das Highlight des vierten Reisetages war der Besuch beim Geiger Hunor Román in Csíkszentdomokos. Dieser überaus liebenswürdige und hervorragende Musiker empfing sie in der Scheune, und die Jugendlichen lernten von ihm Melodien aus Felcsík. Keine Aufnahme kann die Atmosphäre und den Stil wiedergeben, die sie vor Ort live erlebt haben. Die kleinen Feinheiten, die Klangbildung, die Kraft, die Geschwindigkeit – kurz gesagt: der Stil – lassen sich nur so perfekt vermitteln. Er lehrte die Jugendlichen Bescheidenheit und Demut, indem er ihnen bewusst macht, dass es immer noch viel zu lernen gibt. Schließlich erhielten die jungen MusikerInnen auch großes Lob dafür, wie schnell sie Neues aufnehmen und sogleich geschickt umsetzen. Anschließend stand ab dem frühen Nachmittag ein Ausflugsprogramm auf dem Plan: die Békás-Schlucht und der Gyilkos-See. An diesem Tag blieb sogar noch Zeit für ein Bad im Szépvízi-See.


Den Vormittag des fünften Tages verbrachte die Gruppe im Warmwasserfreibad „SkiGyimes“, um ihre müden Muskeln zu entspannen. Am Nachmittag empfing sie Szabolcs Molnár, Geier aus Gyimes, im Freilichtmuseum in Borospatak und brachte ihnen Note für Note traditionelle Hejsza-Melodien bei. Der Musiker zeigte ihnen auch das Spiel und die Rhythmen des Schlaggardons, sodass die Jugendlichen auch in diesen Stil hineinschnuppern konnten. Schließlich stiegen alle in den Bus und fuhren nach Csíklázárfalva, wo auf dem Veranstaltungsgelände von Mihály András, dem Leiter des Hargita-Volkstanzensembles, gerade ein Volkstanzcamp stattfand.
Am sechsten Tag besichtigten sie die Kirche und die Wallfahrtsstätte in Csíksomlyó, badeten im „Barátok“-Bad und kosteten das kohlensäurehaltige Quellwasser. Anschließend besuchten sie die Lebkuchenwerkstatt der Familie Szántó in Kézdivásárhely, wo sie im Rahmen eines vorab gebuchten Programms nicht nur die Herstellung von Lebkuchen kennenlernten, sondern auch die bereits vorbereiteten roten Lebkuchenherzen individuell mit weißer Zuckerglasur verzierten, welche sie als Andenken mitnahmen, weitere Lebkuchen konnten sie als Geschenke kaufen.


Nach dem Workshop suchten sie auf dem trapezförmigen Hauptplatz das László-Incze-Zunftmuseum auf, wo sie die Werkzeuge, Arbeitsabläufe und Fahnen der mittelalterlichen lokalen Handwerker sowie die Geschichte der Kupferkanone von Áron Gábor kennenlernten. Am interessantesten war die Sammlung mit Puppen, die in Trachten aller Regionen Siebenbürgens gekleidet waren. Danach genossen die Reisenden noch etwas freie Zeit in Gyimesfelsőlok und ließ am Abend die Woche mit einer musikalischen Abschiedsfeier ausklingen.
Auf dem Heimweg machte die Gruppe noch Halt in Korond und Szováta sowie in Körösfő. Nach einer anstrengenden, aber erlebnisreichen Woche kamen alle wohlbehalten nach Hause. Die unzähligen unvergesslichen Erlebnisse werden die Jugendlichen in ihrer Musik weiterleben lassen.
Text, Fotos: János Földesi







