Sein Studium der Wirtschaftswissenschaften absolvierte er in Budapest. Für ihn nimmt Pater Ferenc Iréneusz Galambos, der einst als Pfarrer in Unterwart tätig war, die Rolle eines bedeutenden Mentors ein. Obwohl die Leitung des Ungarischen Medien- und Informationszentrums (UMIZ) für ihn ursprünglich nur ein Versuch war, ist seine Person heute untrennbar mit der Institution verbunden – ebenso wie seine Persönlichkeit mit Büchern oder der Aufarbeitung der Ortsgeschichte von Unterwart. Ein Interview mit László Kelemen, dem Leiter des UMIZ, ist auf unserer Podcast-Seite zu hören.
Kelemen László stammt väterlicherseits aus einer alteingesessenen Familie in Unterwart (Alsóőr), seine Mutter kommt aus der Tiefebene (Alföld). Sein Großvater war Dr. László Bihari, der zunächst eine Waagenfabrik in der Tiefebene leitete und später Direktor der MEDICOR-Werke in Budapest wurde. In seiner Kindheit verbrachte László die Sommer, Feiertage und alle Ferien bei seinen Großeltern. Obwohl er erst sechs Jahre alt war, als sein Großvater starb, hat er dennoch viel von ihm gelernt.

„Meine persönliche Bibliothek zählt mehrere Tausend Bücher, der Großteil davon stammt von ihm.“
Sein Großvater war ein Intellektueller, der unermüdlich las und gerne mit seinem Enkel Museen besuchte. László – nach eigenen Angaben – interessierte sich als kleines Kind nicht immer für Museen, doch rückblickend hält er das, was er von seinen Großeltern mitbekommen hat, für äußerst wertvoll. Die Zeit in Budapest war nicht nur der Bildung gewidmet, es gab auch Raum für Unterhaltung, wie Theater- und Zirkusbesuche. Die Großeltern ermöglichten ihrem Enkel kulturelle Erlebnisse, welche in Unterwart und in der Region nicht zugänglich gewesen wären. „Ich kann meinen Großeltern unendlich dankbar sein, dass sie solche Dinge in mein junges Leben gebracht haben.“
Während seines Aufenthalts in der ungarischen Hauptstadt lernte er auch solche „Klassiker“ kennen, wie den Túró Rudi, das Márka-Erfrischungsgetränk und natürlich erlebte er das Lebensgefühl am Balaton aus erster Hand.
„Das sind Erlebnisse, die man nicht durch Lesen gewinnen kann. In gewissem Maße war ich als Kind Teil des damaligen Systems. Das prägt einen Menschen – auch meine Sprachkenntnisse verdanke ich dieser Zeit, dass ich so gut Ungarisch spreche.“

In seiner Familie wurde ausschließlich Ungarisch gesprochen. László kam im Kindergarten zum ersten Mal mit der deutschen Sprache in Kontakt. Nach eigener Aussage hatte er große Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung – mit fünfzehn bekam er sein erstes Sehr gut (1) in Deutsch, was damals eine große Sache war. Er besuchte das Gymnasium in Oberschützen, wo man Ungarisch als Wahlfach mit zwei Wochenstunden lernen konnte, und darin auch die Matura ablegen durfte. „Ich habe keinen Unterricht bekommen, wie die heutigen Jugendlichen. Die Universität und die Hochschule haben viel zu meinem Wortschatz beigetragen, vor allem im Bereich der Fachbegriffe.“ László absolvierte nämlich sein Hochschulstudium in Ungarn. Einerseits wollte er seine Stärke nutzen, dass er zweisprachig ist, andererseits schien es Anfang der 90er-Jahre, im Zuge des politischen Wandels, viele Möglichkeiten zu geben.
„Damals war man zuversichtlich, dass die Angleichung in wenigen Jahren erreicht sein würde.“ Es würde praktisch keinen Unterschied mehr machen, ob man hier oder in Ungarn lebt.“ Von 1991 bis 1999 lebte er in Ungarn. Er absolvierte eine Hochschule und Universität und wurde Fachökonom im Bereich Außenwirtschaftliche Beziehungen. Das allererste Semester war jedoch nicht einfach für ihn. „Ein Kulturschock war es vielleicht nicht ganz, aber fast. Doch nachdem ich das überwunden hatte, bin ich froh, dass es so gekommen ist.“
Während seiner Studienzeit verbrachte er die Wochenenden in Unterwart und unterstützte Pater Ferenc Iréneusz Galambos, den damaligen Pfarrer von Unterwart, tatkräftig. Pater Galambos betreute seit 1973 die Bibliothek von Unterwart und führte sie unter dem Namen „Ungarisches Institut“. Das Ungarische Institut war kein eingetragener Verein, doch Pater Galambos organisierte Konferenzen und nahm selbst an wissenschaftlichen Tagungen zu verschiedenen Themen (Linguistik, Volkskunde, Geschichte) teil. László half Pater Galambos in vielerlei Hinsicht, begleitete ihn als Fahrer zu den Veranstaltungen und lernte dabei Vertreter des wissenschaftlichen Lebens und verschiedene Fachkreise kennen.
„Der Pfarrer erzählte viel, er verstand sein Benediktinerdasein immer als Lehrer. Meiner Meinung nach war er in erster Linie Lehrer und erst in zweiter Linie Pfarrer.“
Ende der 1990er Jahre, als Pater Galambos sich aus Altersgründen in den Benediktinerorden zurückziehen musste, stellte sich die Frage, was mit dem Buchbestand geschehen sollte. Aus dieser Fragestellung heraus wurde schließlich das UMIZ – das Ungarische Medien- und Informationszentrum Unterwart – gegründet. 1999 erhielten sie eine INTERREG-Förderung, die Fachbibliothek wurde von der Pfarrkanzlei in die Alte Schule verlegt, und das alte Gebäude wurde zu neuem Leben erweckt – mit Bibliothek, Archiv und kulturellen Aktivitäten. Für László ergab sich die Möglichkeit, die Leitung des UMIZ zu übernehmen. Obwohl er damals in Ungarn nicht nur studierte, sondern auch arbeitete, musste er entscheiden, ob er in sein Heimatdorf zurückkehren oder in Budapest bleiben sollte.
„Aus einem Hobby wurde eine Verpflichtung basierend auf dem Projekt, und daraus schließlich ein Beruf. Ich sage es ganz ehrlich: Ich sagte, wir probieren es aus und schauen, was passiert. Dieser Versuch dauert nun schon seit 20 Jahren an.“
László spielt in seiner Freizeit gerne Golf, reist viel, und eines seiner Hobbys ist das Sammeln antiquarischer Bücher. Er besitzt mehrere tausend Bände, die er teils geerbt, teils selbst gesammelt hat. Besonderes Augenmerk legt er auf die Geschichte, insbesondere auf die Zeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Er besitzt auch seltene Stücke aus Auktionen. „Ich verfolge den antiquarischen Buchmarkt, kenne die Werte, und wenn nötig, beschaffe ich auch Bücher – ich habe dafür ein gut funktionierendes Netzwerk in Ungarn. Ich muss nicht einmal vor Ort sein und habe trotzdem Zugang zu den Büchern.“

László ist auch Mitglied des Sankt-Georg-Ritterordens in Visegrád, genauer gesagt ist er seit über zehn Jahren der Großprior für Österreich. „Der Orden beschäftigt sich mit verschiedenen Dingen: historische Forschung, Pflege von Traditionen. Durch die Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Schwarzen Kreuz widmen wir uns auch grenznahen Angelegenheiten – das ist in den letzten Jahren zu einem unserer Schwerpunkte geworden. Diese Tätigkeit lässt sich auch gut mit der Arbeit des UMIZ verbinden.“
László betont, dass sein Interesse in den meisten Fällen nicht von der Tätigkeit des UMIZ zu trennen ist. Er betrachtet die Institution als ein Unternehmen, in dem er neben seinen Pflichten auch Freiheit genießt – er müsse lediglich darauf achten, diese gut einzuteilen.
„Mein persönliches Leben lässt sich nicht von der Tätigkeit des UMIZ trennen. So war es, so ist es, und so wird es auch bleiben.“
– betonte László im Interview.

Das Gespräch mit László Kelemen kann man hier anhören.
Übersetzung: Pathy
Fotos: Rólunk.at, UMIZ




















