Die slowenische Stadt Lendava war vom 22. bis 25. Mai Gastgeberin der 44. Neuwahl-Vollversammlung der Ungarischen Jugendkonferenz (Magyar Ifjúsági Konferencia, MIK). Bei diesem größten Koordinierungsforum ungarischer Jugendorganisationen aus dem Karpatenbecken und der Diaspora wurden nicht nur ein neuer Vorstand gewählt, sondern auch die strategischen Leitlinien für künftige Projekte festgelegt. Das Burgenland wird seit nunmehr 25 Jahren von der Volkshochschule der Burgenländischen Ungarn vertreten. Attila Somogyi wurde in den Ständigen Ausschuss gewählt.
Die Ungarische Jugendkonferenz (MIK) wirkt als übergreifende Dachorganisation aktiv an der Gestaltung der gesamtnationalen Jugendpolitik mit. Sie wurde im Jahr 1999 von der Ungarischen Regierung mit dem Ziel gegründet, ungarische Jugendliche im Karpatenbecken und in der Diaspora miteinander zu vernetzen und Initiativen zur Bewahrung der Identität zu fördern. Diese Mission wird seither ungebrochen verfolgt. An dem vom Ungarischen Jugendorganisation der Murregion (Muravidéki Magyar Ifjúsági Szervezet) organisierten Treffen nahmen über 80 Personen teil. Von den Mitgliedsorganisationen aus Transkarpatien waren acht vertreten – sieben davon persönlich vor Ort, eine nahm online teil.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz wurden von Janez Magyar, Bürgermeister der Gemeinde Lendava, Dr. Veronika Varga-Bajusz, Staatssekretärin im Ministerium für Kultur und Innovation mit Zuständigkeit für Hochschulbildung, Berufs- und Erwachsenenbildung sowie Jugend, Ferenc Horváth, dem slowenischen ungarischen Parlamentsabgeordneten und ehemaligen Mitglied des Ständigen Ausschusses der MIK, Dušan Orban, Präsident der Ungarischen Selbstverwaltungs-Nationalgemeinschaft der Murregion, Richárd Bodrogi, Generaldirektor der Tempus-Stiftung, Zsófia Nagy-Vargha, stellvertretende Staatssekretärin für Jugendfragen, sowie dem scheidenden MIK-Vorsitzenden Attila Edmár begrüßt. Einer der zentralen Programmpunkte der Vollversammlung war die Neuwahl. Dabei wurden die neuen Regionalvorsitzenden sowie die Mitglieder des Aufsichtsgremiums bestimmt. Zum neuen Präsidenten wurde Ádám Turi gewählt, zu seinen Stellvertretern Attila Hatos und Adrián Tuba. Als Regionalvorsitzende erhielten die meisten Stimmen: Alexander Zsolt Németh für die westliche Diaspora, Adrián Tuba für Transkarpatien, Walter Heringes für Oberungarn, Éva Albert für die Vojvodina, Attila Hatos für Banat-Regat, Dóra Emese Szilágyi für Siebenbürgen, Attila Somogyi für das Burgenland, Patrik Bogar für die Murregion, Ádám Turi für Ungarn. Die scheidenden Vorstandsmitglieder und die Mitglieder des Ständigen Ausschusses berichteten über die Aktivitäten und die finanzielle Lage der vergangenen Periode. Zudem wurde eine Änderung der Satzung beschlossen.
Die Volkshochschule der Burgenländischen Ungarn (BMN) festigt Jahr für Jahr ihre Rolle in der gemeinsamen Arbeit innerhalb der MIK. Der heuer sein 35-jähriges Bestehen feiernde Verein war bereits dreimal Gastgeber einer Vollversammlung der Ungarischen Jugendkonferenzim Burgenland – zuletzt im Jahr 2019, als die 36. ordentliche Sitzung in Oberwart stattfand.









Attila Somogyi, Vorsitzender der Volkshochschule der Burgenländischen Ungarn (BMN), erklärte: „Diese Gelegenheiten bieten unseren Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, aktiv an der Gestaltung der Jugendpolitik mitzuwirken und Erfahrungen mit Vertreterinnen und Vertretern anderer Regionen auszutauschen. Unser Fokus liegt auf der Pflege der ungarischen Sprache und Kultur – unser Verein übernimmt eine Brückenfunktion zwischen den ungarischen Gemeinschaften im Karpatenbecken und in Westeuropa. Neben dem Ungarischunterricht, der Bildungsorganisation und den kulturellen Programmen sehen wir es auch als unsere Aufgabe, die burgenländisch-ungarische Jugend aktiv in die Arbeit der MIK einzubinden


Die Tagung dient nicht nur als formales Entscheidungsforum, sondern bietet auch Raum für Zusammenarbeit unter ungarischen Jugendlichen, für kulturellen Dialog und zur Stärkung des Gemeinschaftsnetzwerks. Die Mitglieder hoben besonders die Weiterentwicklung grenzüberschreitender Kooperationen hervor, ebenso die Organisation thematischer Jugendcamps und die Schaffung neuer digitaler Plattformen, die zur Identitätsbewahrung und zum kulturellen Austausch beitragen sollen.
„Das Ministerium für Kultur und Innovation startet – in Kooperation mit dem Nationalen Jugendrat sowie zahlreichen Partnerorganisationen – ab Juni eine landesweite Dialogreihe unter dem Titel ‘Was meinst du dazu? – Jugend-Roadshow’. Ziel des Projekts ist es, jungen Menschen Gehör zu verschaffen und sie zu gemeinsamem Nachdenken über strategische Fragen anzuregen, die die zukünftige Generation unmittelbar betreffen. Die Gemeinschaft der Ungarischen Jugendkonferenzmöchte sich aktiv an diesem Prozess beteiligen und ruft daher ihre Mitgliedsorganisationen dazu auf, sich möglichst zahlreich in das Programm einzubringen.“ – heißt es in der Abschlusserklärung, die traditionsgemäß zum Ende der Vollversammlung veröffentlicht wird.Die Erklärung nimmt auch Stellung zu aktuellen Ereignissen: „Wir danken den ungarischen Jugendlichen in Rumänien, dass sie in großer Zahl an der wiederholten rumänischen Präsidentschaftswahl teilgenommen und für ein positiveres Zukunftsbild gestimmt haben. Gleichzeitig betrachten wir es mit Sorge, dass in Rumänien erneut landesweit eine zunehmend antimagyarische Stimmung herrscht, die zuletzt sogar in körperliche Übergriffe mündete – wie der Fall ungarischer Studierender in Klausenburg, die wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit verprügelt wurden. Solche und ähnliche Taten verurteilen wir aufs Schärfste und fordern im Interesse einer langfristigen Prävention die Zusammenarbeit ungarischer politischer und zivilgesellschaftlicher Organisationen. Wir begrüßen die Normalisierung der slowakisch-ungarischen bilateralen Beziehungen im öffentlichen Leben, verurteilen jedoch die Messerattacke in Pressburg sowie jegliche Handlung, die diese Beziehungen gefährdet oder zum Nachteil anderer nationaler Gemeinschaften geschieht. Unsere Ablehnung gilt außerdem der geplanten Lobbyistenregelung, durch die Kultur- und Jugendorganisationen benachteiligt würden. Die MIK-Gemeinschaft hofft weiterhin auf eine baldige Lösung des Kriegs in der Ukraine und erwartet mit Zuversicht, dass im kommenden Frühjahr eine nächste Vollversammlung in Transkarpatien stattfinden kann. Unser besonderer Dank und unsere Solidarität gelten den Mitgliedsorganisationen in Transkarpatien, die selbst in dieser herausfordernden Zeit standhaft bleiben und die Werte der ungarischen Gemeinschaft vor Ort bewahren.“






Neben dem offiziellen Programm hatten die Teilnehmenden auch die Möglichkeit, bei mehreren fakultativen Programmpunkten die kulturellen und volkskundlichen Werte der ungarischen Gemeinschaft in der Murregion kennenzulernen. Sie besuchten unter anderem den Tündérkert (Feengarten) in Kapornak, das örtliche Heimatmuseum in Domonkosfa, die reformierte Kirche in Szentlászló, die Handwerkshäuser in Dobronak sowie das Generalkonsulat und das Gebäude der Ungarischen Selbstverwaltungs-Nationalgemeinschaft der Murregion in Lendava. Ebenfalls auf dem Programm standen die Kapelle der heiligen Dreifaltigkeit, die Burg von Lendava und das örtliche Theater. Die nächste Sitzung der MIK findet am 22. November in Székesfehérvár, Ungarn, statt.

Text: Mónika Gombás
Übersetzung: Pathy











