Der Burgenländisch-Ungarische Kulturverein veröffentlichte im Jahr 2022 in seinem Jahresmagazin „Őrség” die lokalhistorische Arbeit von János Topler aus Oberwart mit dem Titel „Felsőeőr leírása. Eredete, alakulása, története és tényállása. A felsőőri nép számára” (Beschreibung von Oberwart. Seine Entstehung, Entwicklung, Geschichte und Fakten. Für die Bevölkerung von Oberwart). Der Autor begann sein Buch Weihnachten 1946 zu schreiben und vollendete es 1960 in erweiterter und überarbeiteter Form. Die Stadt Oberwart feiert im Jahr 2027 ihr 700-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass werden wir das Werk von János Topler in Auszügen veröffentlichen.
Nachdem nunmehr die Kirche der Oberwarter Reformierten – wenn auch unter großen Schwierigkeiten – glücklich erbaut worden war, setzten sich in der Folge auch die Evangelischen in Bewegung, um dasselbe Ziel und denselben Wunsch zu erreichen. Auch sie entsandten daher im Jahr 1782 eine Abordnung mit einer untertänigen Bittschrift nach Wien an den kaiserlichen Hof, an Kaiser Joseph II. (Joseph II. war nämlich nicht gekrönter König von Ungarn, weshalb man ihn den „Hutkönig“ nannte), worin sie ebenfalls um die Errichtung einer steinernen Kirche baten. Mitglieder der Abordnung waren: Johannes Ritter von Khloyber, der tatkräftige Márton Mayer, der Adelige Mihály Benedek und György Trattner (Nr. 251). Leider erhielten sie von Joseph II. eine ablehnende Antwort; daher mussten sie eine abwartende Haltung einnehmen, bis sie einer besseren Zukunft entgegensehen konnten.
Es ist bekannt – wie aus dem Verzeichnis der deutschen Familien hervorgeht –, dass von den ältesten unter ihnen die meisten evangelisch waren. Ebenso ist bekannt, dass die Lage der Protestanten in Österreich bei weitem nicht so günstig war wie in Ungarn.
Schon im Herbst 1522 erhoben der fränkische Ritter und Söldnerführer Franz von Sickingen sowie Ulrich von Hutten, der große Dichter, die Fahne gegen den Erzbischof von Trier, indem sie Dr. Martin Luther und dessen Bekenntnis, das Augsburger, in ihren Schutz nahmen; doch scheiterten sie und wurden niedergeschlagen.
1524 stellte sich Florian Geyer von Geiersberg, ebenfalls ein fränkischer Ritter, als einer der Anführer des deutschen Bauernaufstandes an die Spitze der fränkischen Bauern. Er war der Sprecher des „schwarzen Haufens“. Er nahm an der Einnahme des Wienerbergs und an der Plünderung Heilbrunns teil. Nach der Zerstreuung des großen Bauernheeres zog er mit seiner abgehärteten und zu allem bereiten Schar nach Schwaben, fiel jedoch am 9. Juni 1525 bei Schloss Rimpar durch die Hand des Ritters Grumbach.
Am 17. Mai 1526 organisierte Stefan Fadinger, Anführer der oberösterreichischen protestantischen Bauern, im Widerstand gegen die gewaltsame Rekatholisierung durch Graf Herberstorff den Bauernkrieg und belagerte Linz mit seinem 70.000 Mann starken Heer. Am 28. Juni 1526 wurde er schwer verwundet und starb am 23. September in der Burg Ebelsberg an seinen Wunden. Daraufhin wurde das ganze Heer zerschlagen. Tausende unglückliche Protestanten bedeckten das Schlachtfeld; andere wurden zu Tausenden unter grausamsten Qualen ausgerottet und hingemordet. Nach und nach setzte in Deutschland, Frankreich, England und Österreich – ja in ganz Europa – die fieberhafte Gegenreformation ein; diese unbeschreibliche Inquisition führte zum Dreißigjährigen Krieg (1618–1648). Die böhmischen protestantischen Magnaten, denen die Katholiken die Kirchen niedergerissen hatten, warfen in ihrem verblendeten Zorn Jaroslav von Martinitz, Burggraf von Karlstein, Vilém Slavata, den Landesoberrichter, und den Sekretär Fabricius kopfüber aus einem Fenster der Prager Burg (Hradschin) in eine Tiefe von 18 Metern (Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618). Damit begann der Dreißigjährige Krieg und dauerte bis zum Westfälischen Frieden am 24. Oktober 1648. Es begann das Wirken der Folterkammern, das Leuchten lebender Fackeln, Hängungen, Kreuzigungen, Rädern und die Barbarei ausgesuchter Menschenquälereien.
1629 jedoch wendete sich das Blatt, als König Gustav Adolf von Schweden (geboren in Stockholm am 19. Dezember 1594, gefallen den Heldentod in der Schlacht bei Lützen am 16. November 1632) bei Gotzin die Truppen des Generals Armin schlug. Er griff nicht gegen den Katholizismus zur Waffe, sondern zum Schutz seiner protestantischen Glaubensbrüder; gegen die überbordende Herrschaft und Willkür der Habsburgermacht entfaltete er sein Banner. Mit ausgezeichneten Reiter-, Fuß- und Artillerieregimentern landete er in Pommern, und eine Kette von Siegeslorbeeren folgte rasch aufeinander: Kolberg, Greifswald, Frankfurt, Landsberg, Berlin, Werben, Wittenberg, Breitenfeld, Erfurt, Amstadt, Gotha, Würzburg, Mainz, Nürnberg, Donauwörth, Ulm, Raus – sie alle verkünden den glänzenden Kriegsruhm des Helden Gustav Adolf. Doch näherte sich das traurige Verhängnis. Wallenstein (Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein, Herzog von Friedland, kaiserlicher Generalissimus; geboren in Hermanice von protestantischen Eltern, ermordet in Eger in Böhmen am 25. Februar 1634) nahm Leipzig ein; Gustav Adolf näherte sich Lützen, worauf Wallenstein die Entscheidungsschlacht suchte, die bei Lützen am 16. November 1632 mit Gustav Adolfs Heldentod auch stattfand. Dennoch trauerten die Schweden nicht nur um ihren großen König, sondern erzwangen in grimmigem Zorn den Sieg aus Wallensteins Hand; so blieben am Ende doch die Schweden Herren des Schlachtfeldes. In ganz Europa löste Gustav Adolfs Tod großes Entsetzen aus. So beliebt und charakterfest war der große König, dass sogar Papst Urban eine Messe für sein Seelenheil las; ja selbst Ferdinand II., als er vom Tod seines furchtbaren Gegners erfuhr, brach unter schmerzlicher Anteilnahme in Tränen aus.
Die Sache des Protestantismus wurde im Dreißigjährigen Krieg günstiger, weil ihre Führung in den Händen von Menschen von höchster Gesinnung und Geist lag. Dennoch waren die Protestanten, besonders in Österreich und Bayern, so vielen Verfolgungen ausgesetzt, dass man sie mit Feuer und Schwert verfolgte. So ist es kein Wunder, wenn die Auswanderung protestantischer Familien aus Österreich wie auch aus Bayern einsetzte.
Darum wanderten schon zu Beginn der 1600er-Jahre aus den benachbarten wie auch aus weiter entfernten Ländern deutsche evangelische Familien massenhaft in das Gebiet Westungarns ein – so auch nach Felsőeőr (Oberwart). Das beste und treueste Beispiel dafür ist das Verzeichnis der ältesten deutschen Familien.
Da die Evangelischen hier weder Kirche noch Volksschule hatten, besuchten die evangelischen Kinder auch die reformierte Schule; daher verbreitete sich unter ihnen die Kenntnis der ungarischen Sprache so rasch, und mehr noch: infolge der Eheschließungen wurden einzelne – besonders – völlig ungarisiert.
Inzwischen hob Kaiser und König Leopold II., der milde und gutherzige Herrscher, aufgrund des Toleranzpatents bzw. auf Grundlage des Gesetzartikels XXVI die Protestanten von der Unterdrückung frei, das heißt, er stellte den Protestantismus dem römischen Katholizismus gleich. Auf diese Wendung hin beeilte sich die evangelische Kirche, von ihrem gesetzlich gegebenen Recht Gebrauch zu machen. Mit einer neuerlichen untertänigen Bittschrift traten sie beim erhabenen Herrscher vor, um den Bau von Kirche und Schule zu erbitten. Im Frühjahr 1791 traf die Bewilligung ein – mit der freudigen Nachricht, dass der Bau gestattet sei. Es blieb nun nur noch, das Geld für die Baukosten aufzubringen. Als erste gingen der Adelige Mihály Benedek und seine Gattin, geborene Mária Schranz, mit gutem Beispiel voran, indem sie ihr gesamtes bewegliches und unbewegliches Vermögen ihrer Kirche zum Zweck des Kirchenbaus vermachten. Sámuel Köhler beschaffte auf eigenes Risiko eine Orgel für 1750 Forint. Der Adelige Mihály Benedek, geboren am 29. März 1743, starb am 18. Mai 1819; seine fromme Gattin Mária Schranz, geboren 1747, starb am 4. Mai 1819. Beide starben kinderlos. Ihr Haus kaufte danach von der evangelischen Kirche János Khloyber (mein Ururgroßvater) am 23. April 1820 um 4598 Forint samt dem großen Garten (Nr. 237, C.N. 315, heute Linke Bachgasse 58). So wurde also das 1792 aus Holz errichtete und mit Schilf gedeckte Schulhaus und Lehrerwohnhaus, das baufällig geworden war, am 21. Mai 1821 durch ein aus Ziegeln erbautes und mit Ziegeldach versehenes Schulhaus mit Lehrerwohnung und Pfarrhaus ersetzt; nach dem Krieg wurde dann ein neues Pfarrhaus gebaut. Weiter hinten im Garten wurde das alte abgetragen, ebenso entstand ein neues Bethaus, das mit Kirche und Pfarrhaus verbunden ist, sodass man im Winter nicht in der kalten Kirche, sondern in einem schönen, hellen und gut beheizten Saal den Gottesdienst halten kann.
Zugleich bestellte man an die Spitze der Schule einen Lehrer, der zugleich auch die seelsorglichen Aufgaben versah. Der erste Lehrer und zugleich Pfarrer war Sámuel Beck von 1792 bis 1808. Nach ihm kam in derselben Eigenschaft Sámuel Klement bis zum 8. Juli 1810; von hier ging er nach Vasdobra (Neuhaus). Am 1. Oktober 1810 kam Mátyás Lagler aus Sopron, wo er die Lyzeumsstudien und teilweise auch die Theologie absolviert hatte. In seiner Zeit erfolgte am 22. September 1812 die Grundsteinlegung der Oberwarter evangelischen Kirche Augsburger Bekenntnisses und am 1. Oktober 1815 ihre Einweihung. Das Fundament dieser Kirche legten – wie bereits erwähnt – der Adelige Mihály Benedek und seine Gattin Mária Schranz, die kinderlos starben und ihr gesamtes Vermögen zum Zweck dieses Kirchenbaus vermachten.
Zur Einweihungsfeier am 1. Oktober 1815 versammelten sich zu diesem denkwürdigen Tag nicht weniger als 5000 Menschen. Zuerst sammelte man sich beim alten Schulhaus, in dem man 22 Jahre lang Gottesdienst gehalten hatte. Von dort zog man nach dem ersten Gebet mit Lobgesang in die neue Kirche, wo Herr Dechant Topler, evangelischer Pfarrer von Alhó (Allhau), das Einweihungsgebet sprach.
Danach hielt der evangelische Pfarrer von Felsőlövő (Oberschützen), Pál Raics, die erste Predigt aus Psalm 84: „Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth!“ Danach predigte der Kőszeger Hauptdechant Lajos Schneller aus Psalm 27: „Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?“ Danach taufte der Pfarrer von Borostyánkő (Bernstein), György Heftl, zwei Kinder, und der Pfarrer von Pinkafő (Pinkafeld), András Hutter, hielt die Einweihungsansprache und teilte das heilige Abendmahl aus. Anwesend waren auch der reformierte Pfarrer József Arany und der römisch-katholische Pfarrer Lajos Antal, ebenso viele reformierte und katholische Gläubige.
Inzwischen – von 1816 bis zum 17. Dezember 1819 – absolvierte Mátyás Lagler zur Vollendung seiner Studien in Jena die theologische Fakultät; in dieser Zeit war János Aczendorfer hier als Lehrer und Hilfspfarrer tätig. Lagler kehrte am genannten Tag nach Felsőeőr (Oberwart) zurück und wurde am 30. Mai 1820 zum Pfarrer ordiniert. Sein Verdienst ist nicht nur die Ingangsetzung und Vollendung des Kirchenbaus, sondern auch die Verselbständigung der Oberwarter evangelischen Muttergemeinde Augsburger Bekenntnisses. Denn vom 2. Jänner 1784 bis zum 29. Juni 1820 war sie nur als Filialgemeinde geführt und gehörte zu Felsőlövő (Oberschützen), wo die Kirche ebenfalls 1784 erbaut wurde; zuvor gehörten auch diese zu Szalónak (Stadtschlaining), und noch früher war die evangelische Bevölkerung dieser ganzen Gegend an Őri Sziget (Siget in der Wart) gebunden. Mit einem Wort: Die kleine evangelische Gemeinde von Siget war der „Wächter“ des Evangelischen in der ganzen Umgebung.

Der Bau der Oberwarter evangelischen Kirche Augsburger Bekenntnisses kostete samt Turm 10.903 Forint 31 Kreuzer; die zwei Glocken kosteten 1820 3.865 Forint; der Bau des Pfarrhauses kostete 1821 2.989 Forint 33 Kreuzer. Die Orgel ist ein Geschenk von Sámuel Köhler; sie ist seit dem 14. Juni 1821 in Gebrauch und kostete 1.750 Forint. Sowohl Kirche als auch Orgel wurden 1910 renoviert; die Orgel ließ Terézia Mayer renovieren. Nebenbei bemerkt: Die Einrichtungen in Felsőlövő – Hauptgymnasium, Lehrerbildungsanstalt und Internat (Schülerheim) – wurden 1845 vom damaligen evangelischen Pfarrer, dem berühmten Gottlieb Ágost Wimmer, gegründet.

Verzeichnis der Oberwarter evangelischen Pfarrer (Augsburger Bekenntnis)
1.) Sámuel Beck 1792–1808
2.) Sámuel Klement bis 1810
3.) Mátyás Lagler bis 1852, dazwischen
4.) János Aczendorfer 1816–1819
5.) Tóbiás Choriary bis 1873
6.) Ádám Mérnyi bis 1906
7.) Lajos Torday bis 1912
8.) Dechant (Esperes) Pál Geiszthinger bis 1937
9.) Ferencz Böhm bis 1940, als er zum Militär einrückte; währenddessen versah acht Monate lang der pensionierte Unterschützener Lehrer Vilmos Aikelin die seelsorglichen Aufgaben, danach János Schmidt, Pfarrer von Nagyszentmihály (Großpetersdorf), und Béla Seregély, Pfarrer von Alsólövő (Unterschützen), dann der pensionierte Lehrer János Karner aus Radafalva (Rudersdorf). Schließlich kam aus Siebenbürgen vor den Rumänen flüchtend nach Felsőeőr
10.) Albert Aikelin, derzeitiger Pfarrer, Sohn des vorgenannten Vilmos Aikelin.
Verzeichnis der Oberwarter evangelischen Lehrer
1.) Sámuel Beck 1792–1808
2.) Sámuel Klement bis 1810
3.) Mátyás Lagler bis 1825, dazwischen
4.) János Aczendorfer 1816–1819
5.) József Freyler bis 1861
6.) József Krúg bis 1876
7.) Sámuel Ritter bis 1904
8.) Gábor Kiss bis 1916
9.) Ernő Pummer bis 1921
10.) József Pleyer bis 1921
11.) Frigyes Mühl bis 1940
Zweit-Lehrer: György Zetter 1905–1910; János Bruckner bis 1912; Ernő Pummer bis 1917; József Pleyer bis 1921; Frigyes Mühl bis 1940.
Die Synagoge (Bethaus) der Oberwarter israelitischen Kultusgemeinde wurde 1905 erbaut. Ihr Rabbiner (Geistlicher) war Bódog Blau, ihr Schochet (Lehrer) Ignácz Hochfelder.
Übersetzung: Pathy
Text: BUKV, Őrség 64./2022
Titelbild: BUKV







