Der Burgenländisch-Ungarische Kulturverein veröffentlichte im Jahr 2022 in seinem Jahresmagazin „Őrség” die lokalhistorische Arbeit von János Topler aus Oberwart mit dem Titel „Felsőeőr leírása. Eredete, alakulása, története és tényállása. A felsőőri nép számára” (Beschreibung von Oberwart. Seine Entstehung, Entwicklung, Geschichte und Fakten. Für die Bevölkerung von Oberwart). Der Autor begann sein Buch Weihnachten 1946 zu schreiben und vollendete es 1960 in erweiterter und überarbeiteter Form. Die Stadt Oberwart feiert im Jahr 2027 ihr 700-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass werden wir das Werk von János Topler in Auszügen veröffentlichen.
So wie ich den Beginn der Reformation nicht genau feststellen konnte, ebenso wenig ist es mir bisher gelungen, die Namen der ersten Pfarrer ausfindig zu machen. So viel konnte ich jedoch bereits klären, dass 1576 János Gál hier Pfarrer war, ungefähr bis 1610. Zwischen 1610 und 1618 war es Ferenc Eöry. Von 1618 bis 1626 Ferencz Pathy, von 1627 bis 1628 Jakab Gyűki Hentei, von 1628 bis 1658 János Pelsőczi Szeremley, der 1656 den Turm der weggenommenen Kirche erbauen ließ. Davon kündet in dieser Kirche eine schwarze Steintafel für die Ewigkeit. Die Inschrift lautet: 1656 „Johann Szeremley pastore & Blasio Fülöp aeditus exist. Extructa tuvecs.” Auf Ungarisch bedeutet das: Pfarrer János Szeremley und der ausgezeichnete Kurator Balázs Fülöp ließen diesen Turm im Jahr 1656 errichten. Von 1658 bis 1663 war Márton Fülöp Pfarrer; ihn vertrieb die Inquisition, doch er entkam ihnen unterwegs glücklich und war 1672 noch hier als Pfarrer tätig (in der Scheune). Mihály Szikszay 1683, István Báthory 1688, János Szenczy 1692, János Kolozsváry um 1700, Miklós Balikó von 1708 bis 1724, der zwei Jahre lang auch Lehrer war, István Szikszay von 1724 bis 1732, Márton Tölly, ein Sohn unserer Stadt, Sohn unseres Kuruzzen-Leutnants János Tölly und der Kata Szabó, von 1732 bis 1755; er begann 1732 das Kirchenbuch. Ferencz Török von 1755 bis 1764, János Szép von 1764 bis 1771, Ferencz Berényi 1771, István Törkő Szilágyi als Stellvertreter ebenfalls 1771, Ferencz Újhelyi Kovács vom 1. November 1771 bis 31. Dezember 1776, János Papp von 1777 bis 1785, András Héregi von 1785 bis 1792, Sámuel Nagy bis zu seinem Tod am 3. Mai 1805.
István Nagy diente bis 12. Mai 1806 als Kaplan, Sámuel Szép bis zu seinem Tod am 13. September 1811, Péter Parragh bis 8. März 1812 als Hilfspfarrer. Dr. József Arany wurde aus Szecsőd zu dem genannten Zeitpunkt hergeholt; er hatte dort bereits 12 Jahre als Pfarrer gewirkt und war auch bei uns ein ausgezeichneter Seelsorger – bis zu seinem Tod am 18. März 1839. Ab 1817 war er auch Dekan (Esperes) des Őrség-Kirchenbezirks. Für die Gemeinde machte er sich unvergesslich, indem er sowohl ältere als auch neuere, die Kirchengeschichte betreffende Daten fleißig aufzeichnete. Da er kinderlos starb, vermachte er auch sein Haus Nr. 317 (heute Grazer Straße 44) seiner Kirche. Aus Dank errichtete die Kirche auf seinem Grab am Pfingstmontag 1872 einen Gedenkstein. Daher wird auch die „Rőke“ [örtlicher Brauch: Eröffnung der Gartensaison der Wirtshäuser, (Anm. d. Hg.)] als Totenmahl zum Andenken an unseren frommen Seelsorger Dr. József Arany abgehalten. József Dezse diente seit 1834 neben Herrn Arany als Kaplan. Nach dem Tod von József Arany wollte ein Teil der Gemeinde ihn um jeden Preis zum ordentlichen Pfarrer wählen; da ihm jedoch ein Verbleib nicht gestattet wurde, versah er hier bis 1840 den Dienst. Von hier ging er nach Nagy Rákos, wo er 1864 starb. Sámuel Mozgay wurde aus Rádócz hierher geholt, doch in der durch die „Dezse-Angelegenheit“ aufgebrachten Gemeinde erlebte er nur sehr wenige Freudentage. So veranlasst,wechselte er nach drei Jahren Pfarrdienst in die Gemeinde Kisnémetfalu, die damals das geringste Einkommen hatte.
György Szíjj, der von 1843 bis 1850 unser Pfarrer war, ging von hier nach Kisigmánd im Komitat Komárom. Von dort kam im Rahmen eines Tauschs János Mészáros; auch er wechselte am 28. März 1857 im Tauschweg mit Sándor Gueth aus Kisnémetfalu. Gueth diente hier bis zu seinem Tod am 31. Oktober 1896. Er verfasste zum ewigen Gedenken die Geschichte der reformierten Kirche von Felsőeőr (Oberwart). Dieses kleine Heft bildet das Rückgrat und die Grundlinie auch meiner Geschichtsschreibung. Sein Sohn war Dr. Gyula Gueth, Rechtsanwalt für Zivil- und Wechselrecht sowie Abgeordneter des Wahlbezirks Felsőeőr (Oberwart); sein anderer Sohn Lajos Gueth war königlicher Notar in Felsőeőr. Eine Tochter, Zsófia, war die Ehefrau des nach ihm folgenden königlichen Notars István Hrabovsky von Hrabova; außerdem hatte er noch zwei unverheiratet gebliebene Töchter, Fanny und Jolán.
Nach Sándor Gueth war Endre Csukás aushilfsweise tätig, bis am 21. März 1897 unser hochwürdiger Pfarrer Gyula Bajcsy kam, der seit der österreichischen Besetzung bis zu seinem Tod auch Ehrenbischof der reformierten Kirche des Burgenlandes war. Er wurde in der Gemeinde Dunamocs im Komitat Esztergom am 29. April 1865 geboren. In Pápa besuchte er das Kollegium und studierte auch Theologie. Von dort kam er als Pfarrer nach Tasnád, von dort nach Nagytanya (Komitat Komárom, Csallóköz/Große Schüttinsel) und von dort zu uns; hier diente er 40 Jahre, bis zum 15. Oktober 1937.
Gyula Bajcsy war sowohl in kirchlicher als auch in weltlicher Hinsicht ein außergewöhnlich hervorragender Redner. Hin und wieder ging er bis 1947 noch gern auf die Kanzel, und wer auch immer es war – gleich welchen Glaubens –, hörte ihm gerne zu. Ja, selbst nach Őrisziget (Siget in der Wart) ging er noch hinunter, um trotz seines Ruhestands die pfarrlichen Aufgaben zu versehen. Er starb am 1. November 1957 und ruht auch hier bei uns für immer, zusammen mit seiner Ehefrau Eszter Szarka.

Gyula Fáber Kovács diente vom 15. Oktober 1937 bis 31. August 1946; von hier ging er nach Balatonkenese und starb dort auch jung. Danach kam wieder ein Sohn unserer Stadt: Sándor Tölly, bis zu seinem Tod am 26. Mai 1951, er war 36 Jahre alt. Seit dem 21. April 1953 ist unser junger Pfarrer Imre Gyenge im Amt; er wurde in Győr am 28. Dezember 1925 geboren, seine liebe Ehefrau ist Edit Somogyi, geboren in Szentgál (Komitat Veszprém) am 24. Dezember 1923. Unser derzeitiger Herr Pfarrer beherrscht auch die deutsche Sprache vollständig.

Szöveg: BMKE, Őrség 64./2022
Titelbild: Die Einsegnung der Fahne des Lesevereins der Reformierten Jugend mit Pfarrer Gyula Bajcsy, 1932 | #4069 Momentothek Oberwart, Sammlung „Leiner Maus”, Sigrid Zumpf-Kurz






















