Ab dem 14. Juli konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Mediensommerlagers des Ungarischen Schulvereins Wien (BMIE) eine Woche lang die Welt der Fotografie, Videoproduktion und Medien kennenlernen. Die Kinder fotografierten, filmten, führten Interviews, schnitten Beiträge und posteten Inhalte – und lernten: Nicht jedes süße Bild ist ein gutes Bild, und nicht jedes gute Bild gehört in die sozialen Medien.
Die glücklichen oder unglücklichen – je nach pädagogischem Blickwinkel – Kinder, die ein modernes Smartphone in der Tasche haben, verfügen über beeindruckende audiovisuelle Möglichkeiten. Umso naheliegender ist es, zu lernen, wie man diese Geräte sinnvoll einsetzt. Im fünftägigen Tageslager im Collegium Hungaricum suchten die Teilnehmenden nicht nur Antworten auf das „Wie entsteht es?“, sondern auch auf das „Warum?“: Was möchte ich zeigen und wie erzähle ich die Geschichte, die mir wichtig ist?

Balázs Kiss, der fachliche Leiter des BMIE-Mediensommerlagers, kam zwischen zwei internationalen Camps nach Wien – aus Prag kommend, weiterziehend in die Niederlande. Mit Lichtern, Kameras und einem mobilen Studio ausgestattet, zeigte er den Kindern, wie professionelle Aufnahmen entstehen. In einer Ecke des Raums warteten ein aufgebauter Hintergrund, ein Stativ mit Reflektorlampe und eine Profi-Kamera. Alle konnten sowohl in die Rolle des Interviewpartners als auch in die der Redaktion schlüpfen und bekamen Einblicke in die Welt der Kameras mit Wechselobjektiven. Gleichzeitig hielten sie die Ereignisse mit dem Smartphone fest.


„Der Schwerpunkt lag darauf, die Technik bewusst einzusetzen – egal ob Smartphone oder Kamera“, sagte Balázs. Geübt wurden Bildkomposition, der richtige Einsatz von Licht und das Finden eines guten Blickwinkels. „Diese drei Grundregeln – Komposition, Licht, Perspektive – hörten sie immer wieder.“ In den fünf Tagen entstanden unzählige Fotos, genug Material für die Abschlussalben. Im Lager lernten die Kinder nicht nur Technik, sondern mussten auch Entscheidungen treffen: Was zeigen wir her, was behalten wir für uns? Was ist guter Inhalt und wo ist die Grenze? „Ab dem zweiten Tag war der Social-Media-Auftritt ihre Aufgabe“, erzählte Kriszta Bányi, Radiojournalistin und Leiterin des Lagers. „Die Kinder entschieden, welche Bilder rausgehen, mit welchem Text – zum Beispiel schrieb Noémi die letzten Beiträge. So erhielten sie auch einen Einblick in das Redigieren und Gestalten von Inhalten.“ „In der Schulzeitung war ich eine der Redakteurinnen“, erzählte die vierzehnjährige Noémi. „Ich habe Artikel geschrieben, Interviews organisiert und auch mit Lehrern gesprochen. Das hier war aber ganz anders. Ich habe viel über Fotografie und Videoschnitt gelernt.“



Zum Programm gehörten auch Radioarbeit und Journalismus – die Kinder nahmen kurze Interviews miteinander auf und schnitten sie danach. „Ich habe ihnen gezeigt, wie wir den täglichen Nachrichtenüberblick zusammenstellen und wie wir die Reportagen auswählen. Ich erzählte, dass hinter einem fünfminütigen Beitrag oft über eine Stunde Rohmaterial steckt. Auch das ist Arbeit, Redaktion, Entscheidung“, erklärte Kriszta. „Die ganze Woche war ein Dialog: Lernen über die Welt, die Medien – und vor allem über sich selbst. Darüber, wie sie ausdrücken können, was ihnen wichtig ist. Mit Bildern, Texten, Videos, Ton. Und dass man dafür nichts weiter braucht als Neugier – und ein wenig Unterstützung.“
„Einer der Buben meinte am Ende des Lagers, er habe ein neues Hobby für sich entdeckt. Er reist viel, macht Breakdance – und von jetzt an wird er mit einem anderen Blick fotografieren und filmen. Das war eines der schönsten Feedbacks, die wir bekommen konnten“, erzählte Kriszta. Für die Fortsetzung gibt es schon Pläne: „Wir überlegen, während des Schuljahres einmal im Monat Workshops zu machen, bei denen ein Thema ausführlicher behandelt werden kann. Nicht im einwöchigen Intensivtempo, sondern ruhiger und vertiefter.“






In der heutigen digitalen Welt, in der täglich eine Flut an Bildern, Videos und kurzen Inhalten auf uns einströmt, ist es besonders wichtig, dass junge Menschen nicht nur Konsumentinnen und Konsumenten, sondern auch kompetente Gestalterinnen und Gestalter von Medien sind. Wenn sie das Smartphone ohnehin in der Hand haben, zahlt es sich aus, zu lernen, wie man es bewusst und qualitätsvoll nutzt – nicht nur zur Unterhaltung, sondern auch als Werkzeug für Selbstausdruck und Lernen. „Balázs hat ihnen sogar sein erstes Hochzeitsvideo gezeigt, welches er mit dem Smartphone aufgenommen hat. Die heutigen Handys sind von weit besserer Qualität – die Frage ist nur, ob man sie bewusst und hochwertig zu nutzen weiß. Wir haben in dieser Woche versucht, sie dabei zu unterstützen. Und ich glaube, es ist uns gelungen“, sagte Kriszta.
Text: Nóra Horváth
Übersetzung: Pathy















