Der Burgenländisch-Ungarische Kulturverein veröffentlichte im Jahr 2022 in seinem Jahresmagazin „Őrség” die lokalhistorische Arbeit von János Topler aus Oberwart mit dem Titel „Felsőeőr leírása. Eredete, alakulása, története és tényállása. A felsőőri nép számára” (Beschreibung von Oberwart. Seine Entstehung, Entwicklung, Geschichte und Fakten. Für die Bevölkerung von Oberwart). Der Autor begann sein Buch Weihnachten 1946 zu schreiben und vollendete es 1960 in erweiterter und überarbeiteter Form. Die Stadt Oberwart feiert im Jahr 2027 ihr 700-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass werden wir das Werk von János Topler in Auszügen veröffentlichen.
Kaum hatte unser Volk die in der vorstehenden Darstellung beschriebenen Nöte und Mühsale überstanden, da türmten sich bereits neue Gewitterwolken über Felsőeőr (Oberwart) auf. Kaum mehr als vier Jahrzehnte waren vergangen, als man 1704 schrieb, als jene berühmte Kuruzzenzeit anbrach, die in der Geschichte der bedeutenderen Ereignisse unserer Stadt Felsőeőr ebenfalls eine epochemachende Zeit darstellt. Im Zusammenhang damit wird von der Schlacht unseres 48-jährigen Oberwarter Kuruzzen-Leutnants, des uradeligen, angesehenen und tapferen János Tölly, des dritten Sohnes von Jakab Tölly und Ilona Gerőcz, berichtet.
Die Kuruzzen trafen große Vorbereitungen zur Verteidigung unserer Stadt, denn Sigbert Heister, österreichisch-labancischer Generalissimus (Feldmarschall), bereitete im Winter 1706 eine entscheidende Schlacht gegen die Kuruzzen vor. Daher errichtete man jene berühmten Kuruzzen-Schanzen, die die Ränder von Vargavölgy, Hőbölök, Pásfelett, Vörösdomb und Sűrő betrafen. Zugleich bleiben sie Felsőeőr (Oberwart) als ewiges Andenken an die bravouröse Schlacht der Kuruzzenzeit erhalten – gleichermaßen der ruhmreichen Vergangenheit, wie auch der trägen, feigen und duckmäuserischen Gegenwart, ja selbst der Zukunft, die noch schwerer auf die Hoffnung zu warten scheint! Das Kuruzzenlager lag beim noch heute so genannten Kuruczvölgy, die Labanc (die Kaiserlichen) lagerten hingegen im Duplatilos und im Almásberek. Die nordöstliche Ecke des Almásberek zur Défort-Seite hin erscheint unter unseren Flurnamen bis heute als „Konyha“ („Küche“), denn hier befanden sich die Feldküche und die Schmiedewerkstatt der Labanc. Als der Défort-Graben ausgehoben wurde, grub man dort, nicht tief unter der Erde, auch viel Schlacke aus Schmiedekohle aus – die jedoch im Laufe der Zeit durch Überschwemmungen überdeckt wurde und daher aus dem Blickfeld des Wissens verschwand.
Gerade in dieser Zeit lebte auch der weitum bekannte, berühmte und angesehene György Szeremley, der von 1698 bis 1754 als Generaldirektor der gräflichen Familie Batthyány in Németújvár (Güssing) wirkte. Dieser Herr György Szeremley hatte einen Kutscher namens János Radavics (weshalb man die Radavics bis heute auch scherzhaft „Kutscher“ nennt). Diesen schickte der Herrschaftsverwalter mit einem großen Sack Pfeifentabak und einem großen Bündel Pfeifen ins Kuruzzenlager, damit die Kuruzzen ein wenig Zerstreuung hätten. Doch wie es kam: Labanc-Vorposten fassten ihn, verdächtigten ihn als Spion und führten ihn samt Gespann ins Labanc-Lager. Dort hielt man unter Führung des Labanc-Kommandanten Weichler sogleich Kriegsrat, verurteilte ihn umgehend zum Tod durch den Strang und wollte das Urteil bereits am nächsten Morgen im Morgengrauen vollstrecken.
Dabei war das Rauchen damals noch bei Todesstrafe streng verboten, denn man hielt rauchende Menschen für jenseitige Wesen, für Geister, für Belzebube. Deshalb belegten die Päpste die Raucher sogar mit Kirchenbann und erklärten sie zu Ketzern. Trotzdem verfiel das ganze Labanc-Lager in fröhliches Pfeifenrauchen; da sie aber das Rauchen nicht gewohnt waren, wurden alle wie berauscht, ihnen wurde übel, Bauchschmerz, Kopfschmerz, entsetzliche Benommenheit und Brechreiz überkamen sie. So sanken sie geschwächt und krank in tiefen Schlaf. Als ob die erhabene Vorsehung Gottes selbst Partei für die Kuruzzen ergriffen hätte, kam diese unerwartete Wendung unserem Kutscher János gelegen: Er machte sich rasch davon und berichtete dem Kuruzzenlager den Stand der Dinge. Daraufhin schwangen sich die Kuruzzen sofort zu Pferd, fielen wie der Blitz über das geschwächte Labanc-Heer her. Diese, im ersten Augenblick vom nächtlichen, blitzschnellen Überfall überwältigt, gerieten in Panik – der eine blieb liegen, der andere rannte davon – und wichen zurück. Bald jedoch erkannten sie die Lage, waren ohnehin in Übermacht und erhielten sogar weitere Verstärkung; so drängten sie die Kuruzzen bis zum von ihnen so genannten Schönberg zurück, dessen deutschen Namen unser Volk seither verballhornt Sempereg nannte. Als der Oberwarter Adel dies sah – der selbst stark kuruzzisch gesinnt war –, entflammte in ihm, empört über das schnelle Vorrücken der Labanc, die alte Vaterlandsliebe und die Sehnsucht nach kriegerischer Ehre; begeistert eilten sie den Kuruzzen zu Hilfe. Und zwar am allerletzten Punkt, denn bereits im großen Wald von Sűrő sowie bei Vörös und am Vörösdomb tobte der unbeschreiblich erbitterte Kampf zwischen den Labanc des Feldmarschalls Sigbert Heister und den Kuruzzen des Dániel Esterházy – Köpfe wurden abgeschlagen, es wurde gehackt und zerlegt wie roher Krautstrunk.

Gegen Ende Jänner 1706, an einem sternenklaren Abend um 11 Uhr nachts, setzten die Kuruzzen Nagyszentmihály (Großpetersdorf) und Kethely (Mannersdorf an der Rabnitz) in Brand, weil sie bemerkt hatten, dass diese mit den Labanc gemeinsame Sache machten; dann jagten sie auf ihren flinken Pferden weiter in Richtung Felsőőr (Oberwart). Die Labanc-Wache schlug jedoch bei Pinkafő (Pinkafeld) ihr Lager auf und steckte Rödöny (Riedlingsdorf) in Brand, um die Kuruzzen einzukesseln – umso mehr, als die Felső-Őrség (die Obere Wart) während des Rákóczi-Freiheitskampfes ein sehr wichtiger Stützpunkt der Kuruzzen in den Operationen gegen Österreich war. Der Graf Sándor Erdődy von Vasvörösvár(Rotenturm an der Pinka) war anfangs ebenfalls Anhänger Thökölys gewesen; da er jedoch ein unerbittlicher Feind der Protestanten war, schlug er sich auf die Seite des Kaisers. Als Obergespan des Komitats Vas drohte er den Oberwartern 1706 mit der Einziehung von Leben und Vermögen, ließ sogar einige Oberwarter festnehmen und in seinem Schloss zu Monyorókerék (Eberau) verprügeln. Gerade dieser Graf Sándor Erdődy bewog auch die Leute von Nagyszentmihály (Großpetersdorf) und Kethely (Mannersdorf an der Rabnitz) dazu, mit den Labanc zu paktieren. Heisters Sigbert Feldlager schlug in Pinkafő (Pinkafeld) Quartier; am nächsten Morgen in aller Frühe, noch bei Tagesanbruch, während sich der Oberwarter Adel – mit seinem Leutnant an der Spitze – ebenfalls zu einem Lager zusammenschloss und, auf Gegen Ende Jänner 1706, an einem sternenklaren Abend um 11 Uhr nachts, setzten die Kuruzzen Nagyszentmihály (Großpetersdorf) und Kethely (Mannersdorf an der Rabnitz) in Brand, weil sie bemerkt hatten, dass diese mit den Labanc gemeinsame Sache machten; dann jagten sie auf ihren flinken Pferden weiter in Richtung Felsőőr (Oberwart). Die Labanc-Wache schlug jedoch bei Pinkafő (Pinkafeld) ihr Lager auf und steckte Rödöny (Riedlingsdorf) in Brand, um die Kuruzzen einzukesseln – umso mehr, als die Felső-Őrség (die Obere Wart) während des Rákóczi-Freiheitskampfes ein sehr wichtiger Stützpunkt der Kuruzzen in den Operationen gegen Österreich war. Der Graf Sándor Erdődy von Vasvörösvár(Rotenturm an der Pinka) war anfangs ebenfalls Anhänger Thökölys gewesen; da er jedoch ein unerbittlicher Feind der Protestanten war, schlug er sich auf die Seite des Kaisers. Als Obergespan des Komitats Vas drohte er den Oberwartern 1706 mit der Einziehung von Leben und Vermögen, ließ sogar einige Oberwarter festnehmen und in seinem Schloss zu Monyorókerék (Eberau) verprügeln. Gerade dieser Graf Sándor Erdődy bewog auch die Leute von Nagyszentmihály (Großpetersdorf) und Kethely (Mannersdorf an der Rabnitz) dazu, mit den Labanc zu paktieren. Heisters Sigbert Feldlager schlug in Pinkafő (Pinkafeld) Quartier; am nächsten Morgen in aller Frühe, noch bei Tagesanbruch, während sich der Oberwarter Adel – mit seinem Leutnant an der Spitze – ebenfalls zu einem Lager zusammenschloss und, auf
In diesem blutigen Kampf fiel eine ganze Hundertschaft Oberwarter adeliger Kuruzzen, an ihrer Spitze János Tölly, der 48-jährige Kuruzzen-Leutnant, der Sohn von Jakab Tölly – am 11. Februar 1706, im großen Wald von Sűrő, als sie das tapfere Hauptheer der Kuruzzen deckten. So opferten sie dem Vaterland – und ihrer lieben Heimat Felsőeőr (Oberwart) – ihren teuersten Schatz: ihr Leben. Doch Gott sei Dank: Die Kuruzzen fassten dadurch erneut Mut, folgten dem Beispiel unserer heldenhaften Vorfahren, fielen wie ein Sturm auf den erbitterten Feind und zerstreuten ihn. Das Labanc-Heer wurde großteils niedergemacht, ein Rest zersprengte sich in alle Richtungen. So verlangte die Heftigkeit der Schlacht sowohl von Kuruzzen als auch von Labanc große Blutopfer, besonders aber vom Oberwarter Adel. Darum nannte man den Ort dieses schrecklichen Schlachtfeldes – weil es vom vielen Blut rot schimmerte – Vörös und Vörösdomb. Auch die Bezeichnung „Labanc“ stammt aus jener Zeit: Denn auf der Flucht schrien die deutschen Soldaten „Lauf Haus! Lauf Haus! Lauf Haus!“ – und daraus entstand, ungarisch verformt, das Wort lafancz bzw. labancz.
Text: BUKV, Őrség 64./2022
Titelbild, Foto: BUKV











