Der Burgenländisch-Ungarische Kulturverein veröffentlichte im Jahr 2022 in seinem Jahresmagazin „Őrség” die lokalhistorische Arbeit von János Topler aus Oberwart mit dem Titel „Felsőeőr leírása. Eredete, alakulása, története és tényállása. A felsőőri nép számára” (Beschreibung von Oberwart. Seine Entstehung, Entwicklung, Geschichte und Fakten. Für die Bevölkerung von Oberwart). Der Autor begann sein Buch Weihnachten 1946 zu schreiben und vollendete es 1960 in erweiterter und überarbeiteter Form. Die Stadt Oberwart feiert im Jahr 2027 ihr 700-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass werden wir das Werk von János Topler in Auszügen veröffentlichen.
Die Geschichte und Beschreibung der Zeiträume vor der Reformation sind – wie bereits erwähnt – für uns dunkel und unsicher. Darum lässt sich die tatsächliche Geschichte nur teilweise rekonstruieren: einerseits anhand der Flurnamen und ihrer Bedeutung, andererseits gestützt auf Schlussfolgerungen, Vermutungen und mitunter auf Überlieferungen, die durch die mündliche Tradition ausgeschmückt wurden. Die alten Schriftstücke und Urkunden sind nämlich entweder an unzugängliche Orte gelangt oder – wie auch aus den früheren Darstellungen hervorgeht – in den grausamen, oft fast mit völliger Vernichtung drohenden Zeiten wiederholter Ortswechsel, Verwüstungen und Verfolgungen schlicht verloren gegangen. So können einzig die Belege für den Grenzwachdienst uns einen Schlüssel in die Hand geben, mit dem wir dem dunklen Urnebel näherkommen. Die Batthyány, die Burghauptleute von Németújvár (Güssing), waren von Anfang an die Befehlshaber dieses Wächtergebietes. Als infolgedessen auch diese hochadelige Familie die Reformation anerkannte und annahm – was im Jahr 1550 geschah –, zögerte sie nicht, diese auch den Völkern und sämtlichen Bewohnern dieser westlichen Grenzgegenden bekannt zu machen und annehmen zu lassen.
In Sárvár wurden Tamás Nádasdy, Obergespan des Komitats Vas sowie Obergespan von Fogaras, und in Németújvár (Güssing) Orbán Batthyány Protestanten. János Sylvester Erdősi verkündete hier in diesen westlichen Grenzgegenden bereits 1534, Mátyás Dévai Bíró, der „ungarische Luther“, bereits 1535 das reine Evangelium, denn die Reformation war die Revolution der Gedankenfreiheit. Darum waren sowohl Tamás Nádasdy als auch Orbán Batthyány unter vielen adeligen Magnaten besonders eifrige geistige Vorkämpfer und Schutzherren der Reformation, weil sie sich mit der tyrannischen Willkür und der hochmütigen Machtausübung, mit der die damalige Herrschaft der katholischen Geistlichkeit die gesamte Christenheit in Schach hielt und damit deren Religionsfreiheit in Fesseln schlug, in keiner Weise vertragen und aussöhnen konnten.
In dieser eifrigen Arbeit verdient besonders die Tätigkeit von István Beythe, reformierter Superintendent von Transdanubien, besondere Erwähnung; er war zugleich ein berühmter Botaniker (Pflanzensammler, Apotheker und Arzt). István Beythe wurde 1532 in Németújvár (Güssing) geboren und beschreibt in seinem Kräuterbuch („Az Füves könüv“) 300 Pflanzenarten. Zuerst war er in Szakolca, ab 1559 in Alsólendva als Lehrer, dann in Sárvár als Lehrer; 1565 wieder in Alsólendva als Pfarrer, 1574 in Sopron als ungarischer Pfarrer; 1576 ging er nach Németújvár (Güssing) als Hofprediger zu Boldizsár Batthyány. 1585 wurde er Superintendent der reformierten Kirche in Transdanubien. Da ihm jedoch seine Gegner viele Unannehmlichkeiten bereiteten, legte er 1595 sein bischöfliches Amt nieder und lebte von da an zurückgezogen. Er starb am 3. Mai 1612 in Németújvár (Güssing).
Der Burghauptmann Orbán Batthyány nahm 1531 gemeinsam mit seinem Bruder Ferenc an der Zusammenkunft in Bélavár teil, die zwischen den Anhängern von János Szapolyai und Ferdinand stattfand; 1534 hatte er zusammen mit János Dóczy Anteil an der Ermordung des Bischofs Imre Czibak von Palota in Felmér. 1550 wurde er reformiert; Martinuzzi (György Fráter) ließ ihn deshalb vergiften, indem er einen Diener Batthyánys bestach.
Boldizsár Batthyány, der Sohn des Vorigen, wurde 1543 in Németújvár (Güssing) geboren. Als Burghauptmann von Németújvár (Güssing) war er einer der hervorragendsten Türkenbezwinger seiner Zeit. 1578 errang er bei Kanizsa, 1580 unter den Ruinen der Burg Gábornok einen glänzenden Sieg über Beg Skander (György Kasztrióta, albanischer Adliger). 1587 kämpfte er erneut bei Kanizsa; in diesem blutigen und verwüstenden Kampf fielen auch die Begs Sinán von Mohács, Mahmud von Pécs und Hasszán von Koppány. Er heiratete die anmutige Dóricza, Tochter von Miklós Zrínyi, dem Helden von Szigetvár. Er war auch Obergespan des Komitats Vas von 1561 bis 1580. Er starb 1590 im Alter von 47 Jahren.
Nachdem die Reformation in ganz Europa in solchem Ausmaß und Tempo vorangekommen war, zeigte sich ihre Wirkung naturgemäß auch bei uns. Anfangs waren die Anhänger des neuen Glaubens noch wenige, denn er verbreitete sich nur allmählich. Unter unseren Vorfahren wagte man zunächst kaum, seine neue Glaubensüberzeugung offen zu bekennen, sondern – wie überall, so auch hier in Felsőeőr (Oberwart) – hielt man die Gottesdienste an abgelegenen, kaum denkbaren Orten, draußen in den Auen und Gehölzen der Gemarkung. So beteten auch die Oberwarter auf einer schönen, vom Lärm der Welt freien Lichtung – vielleicht gerade an jener Stelle, wo vor dem Mongolensturm einst die alte Holzkirche stand – in dem wahrhaft wildverwachsenen Gehölz des Ösztörmen-Tales. Eben darum nennt man diesen Ort bis heute „Prédikátorkert“ (Predigergarten).
Nach seiner zweijährigen Auslandsreise kehrte Mátyás Dévai Bíró heim. Da Dévai Bíró inzwischen reformiert geworden war, ging er nicht mehr zu Nádasdy, dem evangelischen Magnaten, zurück, sondern folgte dem Rat von László Gyulafy, Burghauptmann von Tihany, und begab sich zu Batthyány, dem reformierten Magnaten, nach Németújvár (Güssing). (Mátyás Dévai Bíró wurde um 1500 in Déva im Komitat Hunyad geboren und starb um 1545 in Debrecen.) So erkannte unter dem Schutz des hochadeligen Burghauptmanns auch die niederadelige Bevölkerung von Felsőőr (Oberwart) und Alsóőr (Unterwart) diesmal – nunmehr gemeinsam mit ihrem Pfarrer – den reformierten Glauben 1550 an. (Einige alte Schriftstücke erwähnen noch 1548 den Oberwarter katholischen Pfarrer, danach wird er nicht mehr genannt.) Darum kam auch der Kirchenbau zum Stillstand, weil das Volk bereits den neuen Glauben bekannte – mit Ausnahme von fünf Familien:Balla, Bertha, Rába, Rácz und Vörös. Ich konnte jedoch nicht ermitteln, wer dieser römisch-katholische Pfarrer war, der den reformierten Glauben annahm. Festgehalten fand ich lediglich, dass 1576 János Gál hier reformierter Pfarrer war.
Bekannt ist auch, welchen Verfolgungen die Protestanten von Anfang an – bis zuletzt – ausgesetzt waren. Bereits am 24. August 1572 wurden in Paris im Blutbad der Bartholomäusnacht 100 000 Hugenotten niedergemetzelt (weshalb die katholische Geistlichkeit zur Freude darüber und zur Verherrlichung Gottes den Gruß „Gelobt sei Jesus Christus“ einführte); unter ihnen war auch der französische Admiral und Anführer der Hugenotten, Gaspard de Coligny, der sich in so vielen blutigen Schlachten ruhmvoll ausgezeichnet hatte. In Ungarn waren die Protestanten zwar Verfolgungen ausgesetzt, doch nicht in dem Ausmaß wie in den österreichischen Erblanden. Besonders hart war die Lage unter dem Salzburger Fürsterzbischof Graf Leopold Anton Eleutherius Firmian (geb. 27. Mai 1679). Er war Zögling des Collegium Germanicum in Rom, wurde 1718 Bischof von Lavant, 1724 Bischof von Seckau und war von 1727 bis zu seinem Tod Fürsterzbischof von Salzburg. Mit größtem Eifer betrieb er die Gegenreformation und griff dabei zu allen Mitteln. Am 31. Oktober 1731 ließ er die Protestanten vollständig ausweisen – bewusst an diesem Tag, denn der 31. Oktober gilt als Reformationstag.
Trotz alledem verbreitete sich das reformierte Bekenntnis unter unserem Volk allmählich immer stärker und weiter, so sehr, dass in 10–15 Jahren kaum mehr als einige Familien katholisch blieben. Daher nahm – wie in ganz Transdanubien – auch im Komitat Vas eine große Zahl von Gemeinden, darunter Felsőeőr (Oberwart), diesmal nun gemeinsam mit ihrem bisherigen katholischen Pfarrer das helvetische Bekenntnis an. Das damals noch einzige römisch-katholische Gotteshaus wurde zu einer reformierten Kirche umgestaltet. Die Kirche war zwar 1536 erbaut worden, doch der Turm war noch nicht vollendet; diese Umgestaltung erfolgte 1550. Wie ich gegen Ende meines Werkes bei der Beschreibung des Volkes ohnedies erwähnen werde, waren die Oberwarter niemals besonders zusammenhaltend und einig, sondern hochmütig, stur, zerstritten und zänkisch, einander neidisch – wie auch heute –, kurz: unterwürfig. Die noch verbliebenen römisch-katholischen Familien vertrieb man und schloss sie aus der Kirche aus. Darüber kam es zum Streit; damit säten sie einen Samen, der zwar 113 Jahre lang keimte, aber zu Allerheiligen 1663 aufging – in einer so furchtbaren Tragweite, wie Felsőeőr (Oberwart) sie leider zuvor schon dreimal hatte erleben müssen.
Solange die Reformation in diesen westlichen Grenzgegenden noch nicht in den Vordergrund trat, gab es nur sehr wenige römisch-katholische Kirchengemeinden und noch weniger Kirchen. Umso leichter konnte sich die Reformation ausbreiten, weil sowohl die schlechte und nachlässige kirchliche Organisation als auch einzelne Interessen sowie die damalige Anpassung der Kirchenleitung erheblich zur Ausbreitung des neuen Bekenntnisses beitrugen (Ablasshandel, Entweihung des Zölibats, Politisieren usw.). Ein Hauptgrund war aber auch, dass die alten Pfarreien zugrunde gingen, weil die damals – man kann sagen: beinahe täglichen – Einfälle der türkischen Horden vieles an Ordnung und Bestand zerstörten und zerrütteten. Man bedenke nur, wie sie andere Dörfer und Städte ausplünderten, in Brand steckten und ganze Gegenden zur Einöde machten – so auch 1532 Felsőeőr (Oberwart) und mit ihm dieses ganze Wächtergebiet, wie bereits früher im Gang der Darstellung beschrieben.
Infolge all dieser Ereignisse kann man dem unglücklichen, abergläubischen Volk, das von Anfang an erbarmungslos ausgepresst und gehetzt, verarmt und sich selbst überlassen war, seine Verbitterung nicht zum Vorwurf machen. So nahm es in jener wirren Zeit die Reformation gleichsam als Erlösung an, weil es darin – nach damaligem Verständnis – Befreiung und Wiederauferstehung sah.
Nach der damaligen Ordnung war die älteste römisch-katholische Pfarre hier in dieser westlichen Gegend die von Szombathely, die bereits 875 bestand (Savaria), gegründet vom mächtigen Frankenkönig Karl dem Großen. Máriafalva (Mariasdorf) 1030, Sámfalva (Hannersdorf) 1092, Felsőőr (Oberwart) um 1150 (die Tataren brannten es 1242 mitsamt dem Dorf nieder), Kertes 1155, Németújvár (Güssing) 1157, Szentgyörgyvölgye 1202, Pornó 1221, Izsák 1255, Martyáncz 1290, Salomvár 1300, Turnische 1302, Egyházszeg 1329, Kőszeg 1340, Tótszentmárton 1374, Gyarmat (in der Wart) 1430, Sálfa 1440, Vámoscsalád 1500, Szent-Benedek 1520, Alsó-Bagod 1530, Némethidegkút (Deutsch-Kaltenbrunn) 1531, Felsőeőr (Oberwart) zum zweiten Mal 1536 (doch stand hier bereits zur Zeit König Béla IV. eine Kirche, die beim Tatarensturm mitsamt dem Dorf abbrannte), Körmend 1537, Kenyeri 1540, Millei 1542, Pusztamagyaród 1546, Bonczódfölde 1548, Szent Elek 1550, Háshágy 1552, Pusztaszentmihály (Sankt Michael im Burgenland) 1556, Kéthely 1557, Rohoncz (Rechnitz) 1560, Pinkafő (Pinkafeld) 1561, Ikervár 1562. Insgesamt also nicht mehr als 33 Kirchengemeinden. Das ist tatsächlich wenig und lässt sich nur auf die Nachlässigkeit und Oberflächlichkeit der damaligen Kirchenleitung zurückführen. Darauf folgte – infolge der Ausbreitung der Reformation – innerhalb der römisch-katholischen Kirche eine Gegenreaktion.
Nachdem ein großer Teil der Magnaten, so auch die Grenzkapitäne von Németújvár (Güssing), Orbán, Boldizsár und Ferenc Batthyány (letzterer war auch kroatischer Ban), 1550 das helvetische Bekenntnis angenommen hatte, zögerten sie kraft ihres Einflusses nicht, es auch den Bewohnern dieses Wächtergebietes bekannt zu machen und die Ausbreitung dieses neuen Bekenntnisses zu fördern. In diese Zeit fällt die Entstehung der folgenden protestantischen Gemeinden.
Reformierte Gemeinden: Sorkitótfalu, Bőd, Kisunyom, Nagyunyom, Balogfa, Kápolnásfalu, Sorokpolány, Kiskajd, Nagykajd, Szent-Lőrincz, Táplánfa, Sálfa, Köveskút, Surány, Csákány, Egyházas Hollós, Hideg Hollós, Nemes Hollós, Rempe Hollós, Egyházas Rádócz, Puszta Rádócz, Sároslak (Moschendorf), Egyházas Szecsőd, Molna Szecsőd, Német Szecsőd, Terestyén Szecsőd, Rum, Felsőeőr (Oberwart), Németújvár (Güssing), Körmend, Iváncz, Őriszentpéter, Kisrákos, Nagyrákos, Pankasz, Dávidháza, Senyeháza, Szalafő, Velemér, Gödörháza, Németfalu, Alsószenterzsébet, Marokfölde, Péntekfalu, Nova, Millei, Szent-Benedek, Salomvár, Alsóbagod, Bonczodfölde, Barabásszeg, Kustyánszeg, Nemesnép, Szécsiszentlászló und Szentgyörgyvölgye; insgesamt 55 reformierte Kirchengemeinden.
Evangelische Gemeinden: Szent Léránt, Vép, Kolta, Nemescsó, Meszlen, Acsád, Czák, Nagy-Pöse, Doroszló, Kőszeg, Bozsok, Rohoncz (Rechnitz), Borostyánkő (Bernstein), Szalónak (Stadtschlaining), Felső- und Alsólövő (Ober- und Unterschützen), Pinkafő (Pinkafeld), Alhó (Markt Allhau), Nagyszentmihály (Großpetersdorf), Velege (Welgersdorf), Eőri-Jobbágyi (Jabing), Eőri-Szigeth (Siget in der Wart), Karasztos (Kleinbachselten oder Großbachselten), Kertes, Némethidegkút (Deutsch Kaltenbrunn), Kukmér (Kukmirn), Ókörtvélyes (Eltendorf), Újkörtvélyes (Zahling), Vasdobra (Neuhaus am Klausenbach), Rábaszentmihály, Csánig, Répcelak, Zsedény, Egyházashetye, Duka, Káld, Boba, Uraiújfalu, Kissomlyó, Sárvár, Ostffyasszonyfa, Nemesmagasi, Csönge, Kenyeri, Vönöczk, Ságh, Kemenes-Hőgyész, Kemenes-Mihályfa, Kemenes-Szentmárton, Kemenes-Sömjén, Újmihályfa, Simonyi, Domonkosfa, Őri-Hodos, Hodász (Markt Neuhodis), Csehi-Mindszent, Kám, Szarvaskend, Felső-Petrácz, Adorjánfalva (Adriáncz), Tótkeresztúr, Goricza, Puczincz, Bodoncz, Lenkócz, Háshágy, Martyáncz, Pusztamagyaród, Oroszlán, Szepetnek, Pusztaszentlászló und Alsó-Lendva; insgesamt 75 evangelische Kirchengemeinden. Somit 130 protestantische Kirchengemeinden.
All diese protestantischen Kirchengemeinden entstanden im Komitat Vas und in den nächstgelegenen südwestlichen Teilen des Komitats Zala zur Zeit Ferdinands I., besonders aber zur Zeit Maximilians, der selbst stark zum Protestantismus hinneigte. Daher erlebte der Protestantismus in seiner Zeit sowohl in Österreich als auch – vor allem – in Ungarn sein goldenes Zeitalter.
Nun aber erwachte auch die katholische Kirche aus ihrem früheren Schlummer angesichts dieses Auftretens der Reformation in so großem Maßstab. Daher trat sie in den Kampf ein, weil ihr weiteres Fortbestehen beinahe in äußerster Gefahr stand. Fieberhaft setzte nun die Gegenreformation ein, also die Zeit der katholischen Gegenbewegung. Von da an machte man sich rasch, in schneller Folge und mit großem Nachdruck – mit schönen Worten ebenso wie mit der gröbsten Gewalt – daran, die verlorenen Kirchengemeinden zurückzugewinnen und neue zu gründen; zur Zeit György Lippay Zomboris und besonders unter György Szelepcsényi, Fürsterzbischof von Esztergom. Zuallererst gewann man die Magnaten durch allerlei Bestechungen, Geschenke und hochrangige Titel samt den damit verbundenen Ehren und Vorrechten – sowohl seitens des Hofes als auch des Klerus – für den Katholizismus. In Sárvár führte man die Nádasdys, in Németújvár (Güssing) die Batthyánys zurück (Ádám Batthyány, geboren 1610, konvertierte und blieb bis zu seinem Tod 1659 katholisch). Diese wiederum bekehrten das einfache Volk und ließen es, soweit es in ihrer Macht stand, in den Schoß der römisch-katholischen Kirche zurückführen.
Zurückeroberte römisch-katholische Kirchen: 1630 Sárvár und Németújvár (Güssing). 1663 zur Zeit des Fürsterzbischofs György Lippay Zombori von Esztergom (1642–1666): Kertes, Szentgyörgyvölgye, Martyáncz, Salomvár, Sálfa, Szent-Benedek, Alsó-Bagod, Némethidegkút (Deutsch Kaltenbrunn), Felsőeőr (Oberwart), Alsóeőr (Unterwart), Körmend, Kenyeri, Millei, Pusztamagyaród, Nova, Bonczodfölde, Vép, Egyházasszecsőd, Káld, Rohoncz (Rechnitz), Őri-Hodos, Kercza, Nagy-Pöse, Kisunyom, Nagyunyom, Szent-Léránt, Szent-Lőrincz, Meszlen, Borostyánkő (Bernstein), Sorokpolány, Kukmér (Kukmirn), Kemenes-Hőgyész, Kemenes-Mihályfa, Kemenes-Szentmárton, Rábaszentmihály, Csehimindszent, Kám, Iváncz, Alsólendva, Egyházas-hetye, Egyházas-Rádócz, Pusztarádócz, Őriszentpéter, Nagyrákos, Szőcze, Velemér, Szarvaskend, Nádasd, Háshágy, Bonczodfölde, Bőd, Kolta, Egyházas-Hollós, Nagykajd, Köveskút, Surány, Bozsok, Csákány, Felsőpetrócz und Rum. Insgesamt 63 Kirchengemeinden. In diesen Kirchengemeinden wurde die alte Ordnung mehr oder minder wiederhergestellt; bis 1698 entwickelten sie sich wieder zu blühenden Pfarren.
Neu errichtete römisch-katholische Pfarren: Nagyszentmihály (Großpetersdorf) und Csém (Schandorf) 1600, Rábaszentmárton (Sankt Martin an der Raab) 1602, Baltavár 1620, Alsóbeled und Gerce 1626, Várszentmiklós 1628, Nagynarda 1640, Pinkamiske (Mischendorf) 1656, Léka (Lockenhaus) 1657, Nagyfalva 1658, Rőt-Rendek (Rattersdorf und Liebing) 1660, Gyanafalva (Jennersdorf) 1670, Lenti 1675, Szentpéterfa 1680, Csesztreg 1685, Vasvár 1686, Vasvörösvár (Rotenturm an der Pinka) 1688 (der alte Sitz der Grafen Erdődy), Inczéd 1689, Vasdobra, Csénye, Kis-Cell, Kethely 1690, Szécsény 1692, Felsőoszkó und Dozmat 1696, Dobronak, Németgencs, Szent-Király und Tömörd 1697, Pörgölény, Baksafalva, Vasfarkasfalva (Wolfau), Őriszentmárton (Sankt Martin in der Wart), Királyfalva, Rábakeresztúr (Heiligenkreuz im Lafnitztal), Német-Keresztes (Deutschkreutz), Pinkamindszent, Szentkút (Heiligenbrunn), Nagyölbő, Rábaszentgyörgy, Miske, Hosszúpereszteg, Jánosháza, Nyőgér, Kemenesszentpéter, Nagysitke, Pápócz, Ságh, Győrvár, Tissina, Felsőlendva und Vízlendva 1698, Kiczlád (Kitzladen) 1699, Mura-Szombat 1700, Felsőszilvágy 1715, Nárai 1738, Németlövő (Deutsch-Schützen) 1741, Szentgotthárd 1748 (ursprünglich schon 1183 zur Zeit König Béla III.; auch dies zerstörten die Tataren wie die Oberwarter Kirche 1242), Dolincz 1757, Ostffyasszonyfa 1774, Sároslak (Moschendorf), Lődös (Litzelsdorf), Németcsencs (Deutsch Tschantschendorf), Óbér (Olbendorf) 1788, Felsőrönök, Németszentgrót (Gerersdorf bei Güssing), Gérce und Karakó 1789, Árokszállás (Grafenschachen) und Pásztorháza (Stinatz) 1790, Nagy-Lengyel 1795, Pecsárócz 1796, Alsóőr (Unterwart) 1797, Csákány 1803, Póczaszentkatalin (Sankt Kathrein im Burgenland) 1804, Olad 1807, Vaskomját (Kemeten) 1809, Rábaszenttamás und Barátfalva (Ollersdorf im Burgenland) 1832, Újhegy (Neuberg im Burgenland) 1847, Eőri-Jobbágyi (Jabing) 1852, Eőri-Szigeth (Siget in der Wart) 1878. Bis 1852 gehörte Jobbágyi (Jabing) zur Pfarre Felsőeőr (Oberwart), und die Katholiken von Őrisziget (Siget in der Wart) gehören bis heute zur Pfarrgemeinde Oberwart.
Die römisch-katholischen Pfarreien des Komitats Vas gehören seit Maria Theresia (17. Februar 1777) zur Diözese Szombathely. Erster Bischof war János Szily (1777–1799). Er ließ die Kathedrale, den Bischofspalast und das Priesterseminar errichten. Seine Nachfolger waren: Kardinal Graf Ferenc Herzán (1799–1804), der unter Kaiser Joseph II., dem „Hutkönig“ („kalapos király“), kaiserlicher Gesandter beim Heiligen Stuhl (Vatikan) war, sowie Lipót Somogyi, András Bőle, Gábor Balassa, Ferencz Szenczy, Imre Szabó und Kornél Hidassy.

Verzeichnis der römisch-katholischen Pfarrer von Felsőőr (Oberwart):
Lajos Antal um 1815, János Ingwerth 1848, Dr. Ignácz Nagy (ging von hier nach Rohoncz/Rechnitz), Dénes Balog, Ferenc Hámor (ging von hier nach Pinkafő/Pinkafeld), Dr. Károly Michel (ging von hier nach Wien), danach Gyula Paál (kam von hier nach Loretto, dann nach Borbolya (Walbersdorf) und starb dort; die Kirche ließ ihn heimholen und hier in Felsőőr (Oberwart) in der Familiengruft neben seinen Eltern beisetzen), der derzeitige Pfarrer ist Dr. Mátyás Heintz.
Kantor-Lehrer der römisch-katholischen Kirche:
János Szőllősy 1848 (geb. 1807, gest. 1877), József Luka (geb. 1. Dezember 1851, gest. 11. November 1917), Hermann Schwartz, geb. in Vasvörösvár (Rotenturm), kam 1905 nach Felsőőr (Oberwart) und diente bis 1938, als ihn die Nazis aus seiner Stellung entfernten; 1945 wurde er wieder eingesetzt.

Kehren wir nun wieder zum eigentlichen Thema zurück: Unsere Vorfahren waren bis dahin im ungestörten Besitz ihrer freien Religionsausübung und ihrer Kirchen – ebenso in all den zuvor genannten Gemeinden –, solange die hochadeligen Familien, darunter auch die Grafen Batthyány von Németújvár (Güssing), den protestantischen Glauben nach und nach aufgaben und zur römisch-katholischen Kirche zurückzukehren begannen; damit wurden die früheren Patrone zu Verfolgern. Wie ich bereits erwähnt habe, war nicht die gesamte Bevölkerung reformiert, vielmehr blieben aus den alten szeklerischen Grenzwächterfamilien fünf Familien der römisch-katholischen Kirche treu. Weil man sie aus der Kirche ausgeschlossen hatte, erhoben sie in berechtigtem Zorn Beschwerde beim römisch-katholischen Bistum (Bischof war György Széchenyi). Er leitete die Beschwerde an den Fürstprimas und Erzbischof von Esztergom, György Lippay Zombori (1642–1666), weiter. Demnach rückte auf Befehl des Erzbischofs von Esztergom und auf Antrieb des Bischofs von Győr um Allerheiligen 1663 Péter Tormássy, Propst von Vasvár, gemeinsam mit Ferenc Káldy mit 500 deutschen Reitersoldaten gegen die Stadt Felsőeőr (Oberwart) vor, besetzte Kirche, Schule und sämtlichen dazugehörigen Besitz, und ließ das Pfarrhaus bis auf den Grund niederreißen; der Standort des Pfarrhofs verlief parallel zum heutigen Gehsteig, etwa drei Meter innerhalb des Zaunes – die Kante ist dort bis heute durchgehend zu erkennen.
Den Seelsorger Márton Fülöp schleppte man zusammen mit anderen protestantischen Geistlichen nach Pressburg vor das Festungsgericht; doch scheint er unterwegs glücklich entkommen zu sein, denn eine alte Urkunde belegt, dass er 1670 noch hier als reformierter Pfarrer tätig war.
Den Lehrer Mihály Fülöp vertrieb man ebenfalls. Die Vorsteher der Stadt ließ man an den Bärten packen, an Pferdeschweife binden und schleifen; man drang in die Häuser der Adligen ein, ließ durch die gepanzerten kaiserlichen (labanc) Büttel ihr gesamtes Gut plündern und sperrte sie schließlich in ein leeres Zimmer. Das arme Volk schlugen die gepanzerten Deutschen blutig und beraubten es; mehreren zündete man die Häuser an – und so zwang man die Menschen, ihren reformierten Glauben zu verleugnen und aufzugeben. Daraufhin erschrak das arme Volk zutiefst, und aus den Familien Adorján, Benkő, Benedek, Gaál, Leéb, Seper, Zámbó und Zarka kehrten mehrere in den Schoß der römisch-katholischen Kirche zurück. Diese blutige und erbarmungslose Strafexpedition führte zugleich dazu, dass weitere Familiennamen verschwanden; auch unser Magnat Miklós Palothay starb damals mitsamt seiner Familie aus. Als Vermächtnis erhielt die reformierte Kirche von ihm eine große Wiese bei Fövenyesrét, die noch heute Palotairét heißt.
Das war gleichsam die vierte Verwüstung unseres unglücklichen Ortes. Von hier flohen unsere Glaubensgenossen aus dem Alszer auf die Koldustelek (‚Bettelgrund‘) und zum Dombhát; dieser Flurname erhielt seinen Namen daher, weil man zu Beginn des Winters die Heimat völlig „bettelarm“ verlassen musste – hinein in die damals noch ausgedehnten Weidenauen und Sümpfe der Pinka und des Őrpatak.
Und doch: So unmenschlich man unsere Vorfahren auch behandelte – sie ließen sich nicht beirren und gaben ihren reformierten Glauben nicht auf. Die völlig ausgeplünderte und furchtbar eingeschüchterte, „hirtenlose“ Gemeinde blieb ihrer religiösen Überzeugung treu und hielt ihre Gottesdienste bis 1681 in einer Scheune ab. Denn auf dem Landtag zu Sopron wurden die übrigen reformierten Kirchengemeinden des Komitats Vas sämtlich aufgehoben; diese hier blieb als einzige bestehen – wegen ihrer alten adeligen Rechte und weil sie, fern von den übrigen verwandten Gemeinden, unter vielen andersgläubigen und andersstämmigen Bevölkerungsgruppen alleinstand. In der Annahme, dass sie sich ohnehin nicht lange halten werde, ließ man sie daher als Artikularkirche (articularis ecclesia – zugelassener protestantischer Gottesdienstort) bestehen. In Felsőeőr (Oberwart) wurde nicht nur die freie Ausübung des reformierten Bekenntnisses erlaubt, sondern auch der Bau eines Oratoriums sowie die Anstellung eines Predigers und der Betrieb einer Schule bewilligt. So errichtete man 1682 in den Weidenauen der Pinka, völlig abgelegen und einsam, ein hölzernes Oratorium mit Strohdach. Dort fanden nicht nur die Oberwarter Trost, sondern auch reformierte Glaubensbrüder aus dem ganzen Komitat Vas, die aus 40–60 km Entfernung hierher pilgerten und in der harten Zeit der Verfolgungen ebenfalls ihrer Kirchen und Gemeinden beraubt worden waren.
Nach diesen Ereignissen konnte das aus Alszer (Untertrum) mit Feuer und Schwert vertriebene, aller Habe beraubte unglückliche Volk seine Lage kaum anders wenden: Es zog sich in die damals noch weit ausgedehnten Weidenauen im Becken von Pinka und Őrpatak (Kukszipatak) zurück und fand hier – wie schon mehrmals zuvor – in Zeiten der Gefahr Schutz. Ab November 1663 gründete es der Reihe nach den Fölszer (Obertrum), und zwar die Ortsteile: Patakszer, Dombhát, Egres, Rétutca, Nagyutca, Malomszer, Vörösdomb, Tüskevár, Pinkaszer und Mezőszer. Mit einem Wort: Die Umgebung der reformierten Kirche ist der jüngste Teil der alten adeligen „Székelytelep“ – und bereits die fünfte Siedlungsstelle von Felsőeőr (Oberwart). Von den Entbehrungen, die unsere Vorfahren im Winter 1663/64 und teilweise auch in den folgenden Jahren auf dem nassen, sumpfigen Boden durchstehen mussten, bis sie sich notdürftig Unterkünfte zimmern konnten, um überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben, wollen wir gar nicht erst sprechen: Nach heutigem Maßstab ist das kaum vorstellbar; allein der Gedanke daran lässt uns schaudern.
Die katholische Pfarrgemeinde hingegen, nachdem sie unter solchen Umständen wieder frei geworden war und nicht länger der früheren Zurückdrängung unterlag, entwickelte sich bis 1700 wieder zu einer blühenden Gemeinde.
Text: BUKV, Őrség 64./2022
Übersetzung: Pathy































