Der Burgenländisch-Ungarische Kulturverein veröffentlichte im Jahr 2022 in seinem Jahresmagazin „Őrség” die lokalhistorische Arbeit von János Topler aus Oberwart mit dem Titel „Felsőeőr leírása. Eredete, alakulása, története és tényállása. A felsőőri nép számára” (Beschreibung von Oberwart. Seine Entstehung, Entwicklung, Geschichte und Fakten. Für die Bevölkerung von Oberwart). Der Autor begann sein Buch Weihnachten 1946 zu schreiben und vollendete es 1960 in erweiterter und überarbeiteter Form. Die Stadt Oberwart feiert im Jahr 2027 ihr 700-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass werden wir das Werk von János Topler in Auszügen veröffentlichen.
Nun, da alle drei Mutterkirchengemeinden von der Unterdrückung befreit sind, haben sie Kirche, Turm und Glocken sowie Schulhaus, Lehrerwohnungen und Pfarrhaus. Damit besteht eine freie Kirche in einem freien Staat – zur Freude der Gläubigen aller drei Konfessionen, die so viele Prüfungen durchgemacht, gelitten und sich hindurchgekämpft haben.
Doch das Schicksal beneidete das Volk erneut um dieses friedlichere Leben, und abermals raste ein Sturm durch ganz Europa. Kaiser Napoleon Bonaparte fegte durch die Länder. Napoleon, der Sohn eines korsischen Advokaten, wurde in Ajaccio am 15. August 1769 geboren und starb in der Verbannung auf der Insel St. Helena (im Atlantischen Ozean) am 5. Mai 1821. Gott sei Dank jedoch überstand unsere Gemeinde den Durchmarsch bzw. die Besetzung durch die Franzosen ohne größere Erschütterungen, denn es lag nur eine Kompanie hier. Am 30. Mai 1809 kamen die Franzosen zum ersten Mal nach Felsőőr (Oberwart), doch zu Peter und Paul waren sie bereits wieder abgezogen. Am 2. Juli ließ der Pinkafelder Verwalter und Grenzkommissär Károly Weinhofer einen verdächtigen Menschen (einen französischen Spion) durch Felsőőr nach Szombathely eskortieren; dieser gab sich als Beauftragter der Erzherzöge Karl und Johann aus, unter dem falschen Namen des böhmischen Grafen Lichtenberg. Am 11. Juli bot Erzherzog Karl den Franzosen einen Waffenstillstand an, der am nächsten Tag, also am 12., auch geschlossen wurde. Nach dessen Bestimmungen wurde die Raab (Rába) zur Demarkationslinie; somit geriet Felsőeőr am 20. Juli erneut unter französische Invasion. Die Friedensverhandlungen zwischen Österreich und Napoleon waren jedoch bereits im Gang; am 14. Oktober wurden sie unterzeichnet – auf österreichischer Seite von Fürst Liechtenstein, auf Napoleons Seite von Graf Nompère de Champagny. Demnach wurde der westlich der Raab gelegene Teil des Komitats Vas, also auch Felsőeőr, am 20. November endgültig von der Last der französischen Besatzung befreit. In französische Kriegsgefangenschaft gerieten damals unter den Oberwartern aus der Kavallerie: Mihály Lakovics und György Benkő. Aus der Infanterie fiel: Mihály Benedek. Nach der Schlacht bei Győr (am 14. Juni 1809) verschwanden János Gángoly d. J., Mátyás Seper, Mátyás Gángoly und Mihály Szabó. Im Krankenhaus in Pest starben an ihren schweren Wunden: György Benkő und Mihály Farkas.
Text: BUKV, Őrség 64./2022
Titelbild: BUKV







