Nach der Niederschlagung der Revolution und des Freiheitskampfes von 1956 floh er nach Österreich. An der Universität Graz erwarb er das Lehramtsdiplom für Leibeserziehung und Geographie und wurde später Lehrer am Bundesgymnasium Oberschützen sowie am Zweisprachigen Bundesgymnasium Oberwart. In letzterem war er der erste Lehrer für Geographie und Sport. Aus seiner mehrjährigen Forschungsarbeit entstand seine Doktorarbeit, die in Buchform veröffentlicht wurde und zu einem wissenschaftlich bedeutenden Werk über die Burgenländischen Ungarn wurde. Neben der Humangeographie galt seine Leidenschaft dem Fußball.
Dr. László Somogyi wurde 1937 im oberungarischen Kismácséd (Mátyusföld) geboren. Im Alter von zehn Jahren wurde er gemeinsam mit seiner Familie aufgrund der Benes-Dekrete aus seinem Heimatdorf vertrieben. Die Familie kam nach Kisdorog, ein schwäbisches Dorf im Komitat Tolna. Während der Revolution und des Freiheitskampfes von 1956 war er Schüler des Gymnasiums in Bonyhád, wo es ebenfalls zu Aufständen kam, an denen er teilnahm. Nach der Niederschlagung der Revolution emigrierte er nach Österreich. Bei Lutzmannsburg überschritt er die Grenze und gelangte von dort ins Flüchtlingslager Traiskirchen. Da österreichische Hilfsorganisationen für die Flüchtlinge eigene Schulen einrichteten, konnte László in Wiesenhof in Tirol die Matura in ungarischer Sprache ablegen.

Als Flüchtling verfügte er über keinen stabilen familiären Rückhalt und keine finanzielle Absicherung. Da er jedoch ein talentierter Sportler und hervorragender Fußballspieler war, wurde seine Leidenschaft zugleich zu einer Möglichkeit, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er spielte bei Austria Graz und trat mit der Mannschaft auch in der damaligen Bundesliga an. Zu jener Zeit galt dieser Verein als erfolgreicher als das bis heute bekannte Sturm Graz. Auch in Liezen und Weiz war er aktiv. Damals beschäftigten Sponsoren ihre Sportler direkt, wodurch er die Gelegenheit erhielt, in den Stahlwerken von Donawitz zu arbeiten. Durch den Fußball fand er seinen Platz in der österreichischen Gesellschaft und integrierte sich rasch.
Seine berufliche Laufbahn begann er mit der Ausbildung zum Bundessportlehrer in Graz, wo er gemeinsam mit mehreren später in Österreich bekannt gewordenen Sportlern und Trainern lernte. Während dieser Ausbildungszeit schloss er Freundschaft mit Gunnar Prokop, dem international anerkannten und erfolgreichen Leichtathletik- und Handballtrainer (Hypo Südstadt), sowie mit Otto Wanz, dem Profiboxer und mehrfachen Weltmeister im Ringen. Er war der erste Fußballtrainer mit einer „A-Lizenz“ im Burgenland. Mit großem Erfolg trainierte er Mannschaften in Pinkafeld, Siget in der Wart, Oberschützen, Deutsch Kaltenbrunn und Stegersbach und führte seine Teams mehrfach zu Meistertiteln. Als er die deutsche Sprache bereits gut beherrschte, inskribierte er an der Universität Graz in den Fächern Sport und Geographie, die er 1966 mit der Promotion abschloss.

1966 erhielt er sein Lehramtsdiplom in den Fächern Leibeserziehung und Geographie. Zwei Jahre später, 1968, begann er an der HTL in Pinkafeld – der heutigen Höheren Technischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt – zu unterrichten und war gleichzeitig als Lehrer für Sport und Geographie am Bundesgymnasium Oberschützen tätig. Fußball, Orientierungslauf, Geräteturnen, Handball – ganz gleich, in welcher Ballsportart ein Bewerb ausgeschrieben wurde, László meldete seine Schüler an, und in den meisten Fällen gewannen sie die österreichische Meisterschaft. Den Orientierungslauf führte László erstmals am Gymnasium Oberschützen ein; 1973 wurde seine Mannschaft österreichischer Bundesmeister.
Aus seiner Fußballmannschaft gingen auch junge Menschen hervor, die später zu prägenden Persönlichkeiten des burgenländischen und österreichischen Sports wurden. Zu seinen ehemaligen Schülern zählten unter anderem Harald Gamauf, Spieler des GAK und von Austria Wien sowie Spieler und Trainer des SV Oberwart; Kurt Maczek, Sportprofessor an der HTL Pinkafeld und Tormann des SV Oberwart; Hugo Grandits, Spieler und Trainer des SV Oberwart; Heinz Thek, Sportlehrer an der EMS Oberwart, ebenfalls Spieler und Trainer des SV Oberwart; sowie Christian Buchhas, Sportprofessor und ehemaliger Leiter der BSSM Oberschützen.

In den 1970er-Jahren schrieb er mit Oberschützen und dem Burgenland Sportgeschichte im Schulfußball. Damals nahm man Mannschaften aus dem Burgenland noch nicht wirklich ernst – doch mit dem Team des Gymnasiums Oberschützen besiegte er Schulen, die mit namhaften Fußballvereinen zusammenarbeiteten. Er führte die Oberschützener Mannschaft nicht nur zum Bundesmeistertitel, sondern erreichte mit ihr 1972 – als erste burgenländische Schulmannschaft überhaupt – die Teilnahme an der Europameisterschaft der Schulteams in Belgien, wo sie den sechsten Platz belegte.
László setzte sich stets für die Anliegen ein, die ihm am Herzen lagen. So etwa, als man im Hof des Gymnasiums Oberschützen das Fußballspielen verbieten wollte – oder als er den Ungarischunterricht gefährdet sah. Das Volksgruppengesetz von 1976 führte die Möglichkeit ein, die Sprachen der Volksgruppen – darunter auch Ungarisch – an Schulen zu unterrichten. Der Ungarischunterricht war jedoch durch verschiedene Umstände erschwert, etwa durch ungünstige Unterrichtszeiten oder den Mangel an qualifizierten Lehrpersonen. In den 1970er-Jahren gab es im Burgenland noch keine geprüften Ungarischlehrer, was darauf zurückzuführen war, dass weder an den Universitäten noch an den Pädagogischen Akademien ein Studienfach Ungarisch angeboten wurde.
Am Gymnasium Oberschützen wollte man schließlich wegen mangelnden Interesses den Ungarischunterricht abschaffen. László las darauf das Volksgruppengesetz genau durch und stellte fest, dass es den „schulübergreifenden Ungarischunterricht“ erlaubte – also die Möglichkeit, Unterrichtsgruppen auch außerhalb des jeweiligen Schulgebäudes zu organisieren. Mehr brauchte László nicht: Anstatt in Oberschützen – das keine Volksgruppenortschaft war, da dort nur wenige ungarische Familien lebten – organisierte er den Unterricht in Unterwart, in der Bibliothek des Gemeindehauses. Gemeinsam mit seinem Sohn Attila setzte er sich ins Auto, nahm unterwegs einige Schüler aus Oberwart mit, und für die Unterwarter Kinder war es eine große Erleichterung, die Ungarischstunden im eigenen Dorf besuchen zu können.
„Das war ganz typisch für meinen Vater. Er gab nie auf, sagte: Wir probieren es trotzdem – und wenn es sein musste, sammelte er die Kinder mit seinem eigenen Auto ein“,
erzählte sein Sohn, Attila Somogyi.
László organisierte und leitete den außerhalb der Schule abgehaltenen Ungarischunterricht in Unterwart. Durch seine Erfahrung als Sportpädagoge war er ein geborener Organisator – nicht zuletzt deshalb funktionierten auch die Ungarischstunden ausgezeichnet. Die Gruppe bestand über viele Jahre hinweg, und neben der Sprache lernten die Kinder auch ungarische Geschichte und Kultur kennen.


Die burgenländischen Magyaren
László wurde 1966 an der Universität Graz im Fach Geographie und Ethnographie zum Doktor promoviert. Seine Dissertation verfasste er unter dem Titel „Die Burgenländer Ungarn aus geografischer Sicht“. Auf das Thema aufmerksam gemacht wurde er von seinem Professor für Geographie, Herbert Paschinger
„Sie freuten sich, dass endlich jemand da war, der auch die ungarischen Quellen auswerten konnte“
,erzählte sein Sohn Attila.
Die Forschung widmete sich der Humangeographie der burgenländischen Ungarn. Sie beruhte auf Haushaltsstatistiken der ungarischen Gemeinden des Burgenlandes – Unterwart, Oberwart, Siget in der Wart und Oberpullendorf – und wurde durch eigens angefertigte Karten ergänzt. László bezog auch die Ortschaften des Seewinkels mit ein, da in dieser Region ungarische Landarbeiter beschäftigt gewesen waren, deren Nachkommen in den 1960er-Jahren – also zur Zeit seiner Forschung – noch lebten.
Diese wissenschaftliche Arbeit bildete die Grundlage für zwei Buchveröffentlichungen. Zunächst erschien im Jahr 2000 das deutschsprachige Werk Die burgenländischen Magyaren. Der Publikation ging eine dreijährige Überarbeitung der ursprünglich in den 1960er-Jahren entstandenen Dissertation voraus, bei der die Daten aktualisiert und ergänzt wurden. Große Unterstützung erhielt László von Erich Imrek, einem aus Siget in der Wart stammenden Diplom-Geometer, der ihm bei der Erstellung der Karten behilflich war. Während in den 1960er-Jahren Haushaltsdaten noch verarbeitet werden konnten, war dies in den 2000er-Jahren aus Datenschutzgründen bereits nicht mehr möglich. Lászlós Ehefrau, Gizella Buda, unterstützte ihren Mann nicht nur moralisch, sondern arbeitete aktiv an der Fertigstellung des Buches mit: Sie zeichnete Karten zur Bevölkerungsverteilung und berechnete die statistischen Tabellen. Diese geben im Detail Aufschluss über die wirtschaftliche, sprachliche und religiöse Zugehörigkeit der ungarischen Siedlungen.



Die Präsentation des Buches zu Beginn der 2000er-Jahre stieß bei der lokalen Bevölkerung auf großes Interesse und fand sowohl in Siget in der Wart als auch in Oberwart statt. Im Anschluss an die Präsentationen folgten zahlreiche Vorträge in Ungarn und in Österreich, wo das Werk insbesondere in der wissenschaftlichen Fachwelt auf große Resonanz stieß.
Im Jahr 2004 folgte die ungarischsprachige Ausgabe unter dem Titel A burgenlandi magyarság (Die burgenländischen Ungarn). Diese Ausgabe wurde im Vergleich zur deutschen Version um weitere Forschungskapitel erweitert. Der Untertitel des Buches lautet: Geschichte – Geographie – Siedlungsformen – Ethnikum – Sozialökonomie – unsere vorgeschichtlichen und landnahmezeitlichen Ortsnamen in Österreich und Bayern.

Die Erforschung der ungarischen Ortsnamen stützte sich auf wissenschaftliche Untersuchungen in Niederösterreich. Österreichische Fachleute kamen dabei zu dem Ergebnis, dass es in Niederösterreich mindestens sechzehn Ortsnamen gibt, die aus dem Ungarischen stammen. So bedeutet etwa der Ortsname Ockert „Ókút“ („Alter Brunnen“) – ein Ausdruck ungarischen Ursprungs aus der Zeit der Landnahme. Dieses sprachwissenschaftliche Forschungsergebnis weckte Lászlós Interesse, woraufhin er die betreffenden Gebiete auch aus geographischer Sicht untersuchte. Die Ungarische Akademie der Wissenschaften verfasste ein anerkennendes Gutachten über das Buch; ein Exemplar befindet sich auch in ihrer Bibliothek.
„Ich hatte ungarische Gefühle, ich fühlte mich als Ungar und wusste, dass auch die hier lebenden Ungarn erhalten bleiben wollen“
– sagte László Somogyi über seine Motivation, sich jahrelang mit diesen Forschungen zu befassen. Nach seiner Überzeugung trägt wissenschaftliche Forschung wesentlich zum Fortbestehen des Burgenlandungarntums bei, da die Kenntnis der Tatsachen – und damit der eigenen Geschichte – die Identität stärkt.
Auch den jungen Forschern gab er einen Rat: Man könne die Daten aus den 1960er-Jahren mit den heutigen Fakten vergleichen, um die Entwicklungen und Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte zu untersuchen. Die Bücher wurden von der Volkshochschule der Burgenländischen Ungarn herausgegeben.

Dr. László Somogyi pflegte über viele Jahre hinweg den Kontakt und die Freundschaft mit den Grazer „56ern“, unter ihnen auch Mihály Ugri, der 2022 verstorben ist. Seine Geschwister lebten in Siófok, weshalb er häufig nach Ungarn reiste. Am Zweisprachigen Bundesgymnasium Oberwart trat er in den Ruhestand. Seine Jahre als Pensionist widmete er dem Schreiben: Er verfasste ein Buch über sein Geburtsdorf Kismácséd in der heutigen Slowakei (Region Mátyusföld), das von den Bewohnerinnen und Bewohnern mit großer Dankbarkeit aufgenommen wurde – die Gemeinde ernannte ihn daraufhin zum Ehrenbürger. Die ruhigen Jahre des Ruhestands verbrachte er gemeinsam mit seiner Ehefrau Gizella in ihrem Haus in Oberschützen. Seine Kinder sind László Somogyi jun. (geboren 1961), Sozialpädagoge, und Attila Somogyi (geboren 1968), Lehrer für Sport, Geographie und Ungarisch, Präsident der Volkshochschule der Burgenländischen Ungarn sowie Vorsitzender des Ungarischen Volksgruppenbeirats.
Fotos: Attila Somogyi
Text: Barbara Molnár
Übersetzung: Pathy




























