Er ist ein alteingesessener Pullendorfer Ungar, doch interessanterweise hatte er im Burgenland nie einen Arbeitsplatz. Sein ganzes Leben lang war er im wirtschaftlichen Bereich tätig, in Österreich, Deutschland und Ungarn, zugleich machte ihn sein prägendes, wertschöpfendes Wirken auch unter den Burgenland-Ungarn bekannt: Er half bei der Entstehung und Gründung des Mittelburgenländischen Ungarischen Kulturvereins. Er ist József Hofer, der im Herbst dieses Jahres achtzig Jahre alt wird.
Geboren wurde er 1946 in Pullendorf, auch sein Vater und sein Großvater stammten aus dem Ort. Für ihn war Zweisprachigkeit als Kind selbstverständlich, dennoch gab es eine Zeit, in der die ungarische Sprache in den Hintergrund rückte. „In den Jahren des Eisernen Vorhangs meinten viele, sie habe keinen praktischen Nutzen. Erst später erkannte man, dass es ein Vorteil ist, die Sprache des Nachbarn zu beherrschen. Mein ganzes Leben wurde davon geprägt.“
Mit siebzehn begann er in Wien: Sein erster Arbeitsplatz war im Handel, bei Julius Meinl, danach setzte er seinen Weg in München fort. Nach den Erfahrungen bei SPAR dort folgte wieder Wien, dann erneut Deutschland. Anfang der 1990er-Jahre kam er in die ungarische Hauptstadt: Bei einem optischen Unternehmen in österreichischem Besitz erhielt er eine Führungsaufgabe. Optiris Optika war damals als Teil der 1964 gegründeten österreichischen Familienfirma Silhouette eine der bedeutenden Brillenproduktionsstätten Europas. Während seiner achtzehn Jahre in Budapest war er auch am Start von MediaMarkt in Ungarn beteiligt; 2006 wechselte er zu MAM, wo er zehn Jahre lang eine leitende Funktion ausübte.

Als Geschäftsführer der in Vaskeresztes ansässigen MAM-Hungária Kft. wurde er zu einer angesehenen Persönlichkeit des öffentlichen Lebens in der grenznahen österreichisch-ungarischen Region. Unter seiner Leitung wurde das international tätige Unternehmen, das Premium-Babypflegeprodukte herstellt, zu einem der prägenden Arbeitgeber der Gegend und erhielt zahlreiche Fachauszeichnungen.
„Wer ein Unternehmen gut führen kann, den interessiert nicht, was eine Waschmaschine oder ein Mikrowellenherd kann; für ihn ist wichtig, wie er sein Team lenken kann und wie es effizient arbeitet. In Systemen zu denken, die richtigen Menschen auszuwählen und zu führen, ist der Schlüssel zu guten Ergebnissen.“
So formuliert er sein berufliches Credo – und dieses bedeutete mit Sicherheit Erfolg, denn er trug in mehreren Ländern und in unterschiedlichen Unternehmenskulturen Verantwortung für Organisationen mit mehreren hundert Beschäftigten. Er pendelte ständig: zwischen Wien, Budapest und Vaskeresztes, je nachdem, wo seine Anwesenheit gebraucht wurde. Eine interessante Randnotiz zu seinem Leben ist, dass er im Burgenland selbst nie gearbeitet hat.
József Hofer spielte eine prägende Rolle – und spielt sie bis heute – im öffentlichen Leben der Burgenland-Ungarn: Als früherer Obmann des Mittelburgenländischen Ungarischen Kulturvereins trug er aktiv zur Stärkung der örtlichen ungarischen Gemeinschaft bei. In seiner Amtszeit zwischen 2005 und 2011 wurden zahlreiche Ausflüge nach Ungarn und kulturelle Programme organisiert, die den Erhalt der Sprache und des ungarischen Erbes unterstützten. Er beteiligte sich aktiv an den Vorbereitungen zur Gründung des Vereins und an seiner Entstehung. Er knüpfte Kontakte dies- und jenseits der Grenze. Seine organisatorischen Fähigkeiten und seine Kommunikationsstärke setzt er bis heute ein; wohin er auch im Burgenland oder im Komitat Vas kommt, wird er herzlich empfangen und wie ein alter Bekannter begrüßt. „Aus einer lockeren Gemeinschaft formte sich nach und nach ein funktionierender Verein. Anfangs hielten wir unsere Treffen in Gasthäusern ab, später bekamen wir eigene Räumlichkeiten. Es entstand eine stabile Organisationsstruktur. Aus einer Gruppe, in der zunächst alle nur irgendwie anwesend waren, wurde eine echte Gemeinschaft. Das Ziel war eindeutig: die örtlichen Ungarn anzusprechen und zusammenzuhalten. Das ist jedoch eine immer schwierigere Aufgabe.“




Seiner Erfahrung nach wird die Lage der Burgenland-Ungarn immer schwieriger, denn für die jüngere Generation ist die sprachliche und kulturelle Identität keine selbstverständliche Kompetenz mehr. „Zweisprachigkeit ist ein Vorteil, aber heute sehen das nur noch wenige so. Zugleich ist die Situation nicht eindeutig negativ. Ungarische Arbeitskräfte, die in Österreich ihr Glück versuchen und hierbleiben, gemischte Ehen und neu Zugezogene gleichen das Schrumpfen der Gemeinschaft teilweise aus. Wir werden nicht mehr, aber wir verschwinden auch nicht von einem Tag auf den anderen.“
Sein Familienleben ist mit mehreren Ländern verbunden. Mit seiner österreichischen Frau war er 58 Jahre lang verheiratet. Ihre beiden erwachsenen Kinder leben in Österreich, beide sind technisch orientiert. Auch wenn die ungarische Sprache nicht vollständig weitergegeben wurde, blieb die Verbundenheit bestehen. In seiner Freizeit war er früher sportlich sehr aktiv: Als Fußballer spielte er in Wien und in München als Vereinsspieler, später rückten jedoch Familie und Arbeit in den Vordergrund.
Er kennt die Geschichte und die Erinnerungsorte der ungarischen Gemeinden in Nord- und Mittelburgenland sowie der ungarischsprachigen Dörfer am Eisenberg sehr gut. Im vergangenen Jahr arbeitete er etwa mit den Organisatoren an der Entstehung einer stadtgeschichtlichen Ausstellung mit. Im Mai 2025 jährten sich die Stadterhebung Oberpullendorfs zum fünfzigsten Mal sowie die erste urkundliche Erwähnung von Oberpullendorf, Unterpullendorf und Mittelpullendorf zum achthundertsten Mal.
József Hofer wird im Herbst dieses Jahres achtzig, auch wenn er mit der für ihn typischen Bescheidenheit die Bedeutung dieses runden Geburtstags nicht hervorheben würde. „Es ist kein Verdienst, geboren zu werden.“ Für ihn zählt, was ein Mensch zum eigenen Leben und zum Leben seiner Gemeinschaft beiträgt.
Titelbild: Mónika Gombás, Fotos: Mónika Gombás, József Hofer
Text: Mónika Gombás
Übersetzung: Pathy











