Kanufahrt, Volksmusik, Volkstanz, Kerbschrift, Schifffahrt, Stadtrundgang, Hausdisco – die Kinder verbrachten eine inhaltsreiche und erlebnisvolle Woche im traditionellen Sommerlager der Volkshochschule der Burgenländischen Ungarn am Plattensee. Im Mittelpunkt des Treffens in Siófok standen auch heuer das intensive Erlernen der ungarischen Sprache, der Gemeinschaftsaufbau und das Kennenlernen der Kultur.
Die Volkshochschule der Burgenländischen Ungarn, die heuer ihr 35-jähriges Bestehen feiert, organisierte zum 19. Mal ein Sommerlager in Ungarn für Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren – und zwar vom 14. bis 18. Juli. Das einwöchige Camp am Balaton ist seit Jahren äußerst beliebt: Das bunte Programm und der intensive Ungarischunterricht ziehen viele junge Menschen aus der burgenländischen ungarischen Gemeinschaft an. Diesmal kamen auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus anderen Bundesländern – unter anderem aus Wien. Insgesamt reisten 34 Personen, darunter 21 Jugendliche, gemeinsam mit Pädagoginnen, Pädagogen und fachlicher Begleitung an das ungarische Meer.

Das Sprach- und Volkskunstlager, das seit 2007 ununterbrochen stattfindet, ist insofern besonders, als das Programm stets an das Alter und das sprachliche Niveau der Teilnehmenden angepasst wird. Der Unterricht fand in drei unterschiedlichen Sprachgruppen statt: Anfängerinnen und Anfänger mit A1–A2-Niveau, Fortgeschrittene sowie Muttersprachlerinnen und Muttersprachler konnten jeweils in eigenen Gruppen an den thematisch gestalteten Unterrichtseinheiten teilnehmen.
„Die Kinder zeigten sich in diesem Jahr besonders motiviert und begeistert. Es war eine Freude zu sehen, mit wie viel Offenheit sie auch die Volksmusik annahmen – obwohl ihre Altersgruppe normalerweise einen ganz anderen, modernen Musikgeschmack hat, der mit Volksmusik eher wenig gemeinsam hat.“
Eine bewährte Praxis im Lager ist es, dass die Teilnehmenden mit Unterstützung unseres traditionspflegenden Ensembles, der Őri Banda, burgenländisch-ungarische Volkslieder und Tänze erlernen können.
Diesmal erhielten sie auch eine Auswahl aus den Sammlungen von Siget in der Wart und Unterwart. Die Stimmung war großartig – das gemeinsame Musizieren und Tanzen aus reiner Freude wollte kaum ein Ende nehmen.“, fasste Vorsitzender Attila Somogyi zusammen.
Am ersten Tag, dem 14. Juli, machten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf den Weg nach Molnaszecsőd an der Raab, wo dank der Unterstützung von László Somogyi, dem Leiter des Bayou Bönhö Kanu Clubs, ein wasserbasiertes Teambuilding starten konnte. Auf der Raab/Rába lernten sie die Grundtechniken des Paddelns kennen, anschließend ging es mit Hilfe von Tourenleitern aufs Wasser zum Kanufahren. Am Nachmittag stand die Geschichte des ungarischen Bogenschießens auf dem Programm. Nach einer theoretischen Einführung konnten sich die Jugendlichen auch praktisch ausprobieren. Zur Sprache kamen auch die Kriegstechniken der Magyaren zur Zeit der Landnahme sowie der Einsatz des charakteristischen Recurvebogens – des ungarischen Reiterbogens. Nach dem Naturerlebnis schnitzten sie eigene Spieße, entzündeten ein Lagerfeuer, und im Kessel brodelte ein klassisches ungarisches Gericht: Gulasch. Auch das Speckbraten durfte nicht fehlen – und natürlich fehlte auch die rote Zwiebel auf dem Brot nicht.






Den Rest der Woche verbrachte die Gruppe in Siófok. Die Unterkunft – das Schülerheim Aranypart – erwies sich als idealer Ort: mit eigenen Sportplätzen, Proberäumen und Lernzimmern, und das alles nur etwa fünfzig Meter vom Ufer des Plattensees entfernt. Das Programm war klar strukturiert und bot eine ausgewogene Mischung aus Lernen und Freizeitaktivitäten. Am Vormittag standen zwei bis drei Sprachstunden auf dem Tagesplan, gefolgt von Unterrichtseinheiten in Volksmusik, Volkstanz und Gesang. Nach der Mittagspause folgten gemeinsame Nachmittagsprogramme: Baden, Tretbootfahren, Volleyballspielen – und natürlich standen auch zahlreiche Spiele im Mittelpunkt.
Auch die Abendaktivitäten waren abwechslungsreich und unterhaltsam. Die Gruppe ging ins Kino und nahm an einer Rundfahrt mit einem Ausflugsschiff teil. Den krönenden Abschluss der Woche bildete eine Hausparty: Für die Musik sorgte Balázs Csonka, Mitglied der Band Spontán – begleitet von Lichteffekten und Nebelmaschine. Zur großartigen Stimmung trug auch bei, dass die Musiker der Őri Banda ebenfalls in Siófok blieben – so wurde auch ausgiebig getanzt.
„Wir haben auch eine Stadtführung organisiert. Die Kinder konnten lokale historische und literarische Denkmäler kennenlernen – etwa das Geburtshaus von Emmerich Kálmán, und wir besuchten die Krúdy-, Jókai- und Horthy-Villen, den Springbrunnen im Rosengarten sowie die von Imre Makovecz entworfene evangelische Kirche. Unser Ziel bei diesem Spaziergang durch die Stadt am Plattensee war es, den Schülerinnen und Schülern nicht nur die Sprache, sondern auch deren kulturellen Kontext zu vermitteln. Sie konnten sich auch mit der ungarischen Kerbschrift (altungarische Schrift) vertraut machen. Fortgeschrittene vertieften dabei ihr bereits vorhandenes Wissen, während Anfängerinnen und Anfänger eine Einführung in dieses weltweit einzigartige Schriftsystem erhielten. Da es auf Lauten basiert, ist das ungarische Schriftsystem auch für die Verschriftlichung anderer Sprachen geeignet“, erklärte Attila Somogyi.






Auch kulinarisch stand das Camp ganz im Zeichen ungarischer Tradition: Gulaschsuppe, Topfenfleckerln, Nockerln, paniertes Paprikabarschfilet nach ungarischer Art – und natürlich durften die Palatschinken nicht fehlen. Am Ende der Woche fiel den Kindern der Abschied schwer. Laut den Organisatoren ist das das schönste Feedback. Die Lehrerinnen und Begleitpersonen arbeiteten gemeinsam daran, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein wirklich nachhaltiges Erlebnis zu bieten – nicht nur beim Sprachenlernen, sondern auch beim Aufbau von Gemeinschaft und der Stärkung des ungarischen Selbstbewusstseins. „Ein besonderer Dank gilt auch den Eltern, die so disziplinierte, offene und wissbegierige Kinder großziehen. Dieses Lager war für uns alle eine unvergessliche und berührende Erfahrung“, schloss der Lagerleiter den Bericht ab.

Titelbild, Fotos: Attila Somogyi/Volkshochschule der Burgenländischen Ungarn
Text: Mónika Gombás
Übersetzung: Pathy

















