Der Burgenländisch-Ungarische Kulturverein veröffentlichte im Jahr 2022 in seinem Jahresmagazin „Őrség” die lokalhistorische Arbeit von János Topler aus Oberwart mit dem Titel „Felsőeőr leírása. Eredete, alakulása, története és tényállása. A felsőőri nép számára” (Beschreibung von Oberwart. Seine Entstehung, Entwicklung, Geschichte und Fakten. Für die Bevölkerung von Oberwart). Der Autor begann sein Buch Weihnachten 1946 zu schreiben und vollendete es 1960 in erweiterter und überarbeiteter Form. Die Stadt Oberwart feiert im Jahr 2027 ihr 700-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass werden wir das Werk von János Topler in Auszügen veröffentlichen.
Am Ort bzw. innerhalb der Gemarkung von Felsőeőr hat es niemals ein Dorf oder eine Stadt gegeben; daher beginnt seine Geschichte erst mit der Ansiedlung aus dem Szeklerland, also ab dem Jahr 895.
Wie der Ort der ersten Ansiedlung, so liegen auch ihr Vollzug und ihre Zeit im uralten Dunkel der Ungewissheit. Da jedoch die Wache stets von höher gelegenen Stellen aus zu spähen pflegte, und sich der höchste Punkt der Gemarkung von Oberwart (Felsőőr) im Duplatilos befindet (400 m), konnte die Wache nur hier Stellung bezogen haben – umso mehr, als die dortigen Hügel einst die Plätze der Wachhütten beim Grenzdienst waren (Eörség, Eőrnagyság). Hier standen auch die Apfelbäume und Obstgärten der Wächter; daher nannte man zugleich den Osthang Almásberek (Apfelhain). Umso weniger wäre es glaubhaft, dass die alte adelige Ansiedlung, also das Dorf, am Platz des heutigen Städtchens entstanden sei; denn dieses Gelände war noch vor 300–500 Jahren ein derartiger Schwemmsumpf, ein rechtes Moor und Sumpfgebiet, eine Wildnis aus Urwald, bedeckt mit riesigen Eichen, Pappeln, Erlen und Weidenauen.
Denn wenn wir bedenken – wie aus der vorigen Beschreibung bereits ersichtlich –, dass vor 2000–3000 Jahren, als die Pinka (Penic) in Richtung des Eisenbergs (Vas-hegy) kaum einen Abfluss fand, Csapota, Défort (Szaszi útja), Sárosberek, Urrét, das ganze Fölszer, Gyepők, Hangyásberek, Adránszer, Dunarét und Kárász, ebenso die Ebenen beziehungsweise Niederungen von Unterwart (Alsóőr), Rotenturm an der Pinka (Vörösvár), Jabing (Jobbágyi), Mischendorf (Pinkamiske) und Kotezicken (Sárosszék) – man darf wohl sagen: zusehends – in Richtung des Eisenbergs einen großen See bildeten. Auch der Teich von Rotenturm an der Pinka (Vörösvár) ist uns aus jener Zeit geblieben. Kárász erhielt seinen Namen gleichfalls von daher, denn es war voll von Karauschen. Weiter lässt sich darauf auch daraus schließen, dass die gesamte Pinka-Niederung in ihrer ganzen Breite und Länge ein nasses, sumpfiges und morastiges Gebiet war: Der Fluss, mangels eines größeren Bettes, und bei Wolkenbrüchen, die an der südöstlichen Seite des Wechsels herniedergehen, wechselte ständig seinen Lauf; und da es an einem genügenden Abfluss fehlte, teilte er sich in zahllose Arme und Blindarme, sodass sich oft Inseln und eben dadurch wieder kleinere und größere Seen bildeten.
Das viele Schwemmmaterial, das die Hochwässer herantrugen, häufte sich stellenweise an, blieb zwischen den riesigen Bäumen hängen, lagerte sich ab und füllte sich gleichsam von selbst auf: Sand (Fövenyesrét, Sárosberek, Keréktövis), feiner Sandboden (Urrét), Schlamm (Hangyásberek), Humus (Urrét, Kertek, Berdákkert), Lehm und Stampflehm (beim Patak, bei Kamparga, bei Kanparlagja), Stein und Geröll (Koldústelek) – in begrenzter oder unbegrenzter Form bzw. in Schichten. Denn nach jedem Hochwasser entstand eine neue Ablagerung; ja, sogar Torf kommt vor (bei Szoros und Csapota sowie bei Kisandrásokrétje).
Das beste Zeugnis und der beste Beweis dafür sind die Funde. So wurde 1933 beim Hausbau beim Haus Nr. 515 (C.N. 502, heute Rechte Bachgasse 43) zur Sandgewinnung bis in 6 m Tiefe gegraben; dabei fand man eine sechs Meter lange, kantig behauene, für einen Ziehbrunnen (gémeskút) passend ausgeschnittene Tränkrinne, die einst ebenfalls durch die gewaltige Kraft des Hochwassers dorthin verschleppt und im Lauf der Zeit durch wiederholte Überschwemmungen überdeckt worden sein muss. Der zweite Fund: Im Jahre 1901 wurde bei der ersten Regulierung des Őri-Baches (früher „Kukszi“) in zweieinhalb Metern Tiefe ein drei Meter langer, vollständig erhaltener Nussbaumstamm mit 80 cm Durchmesser gefunden. Der Einwohner János Mérth, Haus Nr. 612 (C.N. 491, heute Johann-Strauss-Gasse 30), brachte ihn auf seinen Hof; verarbeitet wurde er vom Tischler János Pfeiler. Wenn sich also über Jahrhunderte derart viel angeschwemmt hat, dass die Pinka-Niederung um 3 bzw. 6 Meter höher wurde, und man das nun mit Jahrtausenden in Verhältnis setzt – wie viel tiefer muss dieses sumpfige Gebiet einst gewesen sein! Nach unserem heutigen Maß können wir uns das kaum vorstellen. Ein weiterer Beweis sind die Spuren der alten Flussbetten: der Deforti-ér, das Schilfgebiet von Sárosberek (wo heute der 1933/34 völlig neu regulierte Fluss verläuft), ferner die Bachbetten, Vertiefungen, sumpfigen Mulden und Gräben von Kisandrások, Vadegres, Keréktövis und Úrrét sowie von Zámbókert und Kamparga (Kanparlagja) – kreuz und quer, ungestüm sich windend infolge der Hochwässer –, die am äußeren Ende der Rét utca weitergehen und am äußeren Rand des Trattner-Gartens im Kukszi-Bach fortsetzen; ferner die längst vergangenen Betten und Vertiefungen von Gyepők, Bertákkert und Adránszer (Rábák utcája), das westlich von Hetesváros gelegene, bis heute wasserstehende Moor sowie auf den Alszer-Wiesen der Kárászi ér.
Schon allein die Flurnamen reichen aus, um die damaligen Verhältnisse zu belegen: Sárosberek, Fövenyesrét, Almáslanka, Dongóklanka, Szoros, Vadegres, Tölfák, Keréktövis, Egres, Domhát, Tüskés, Tüskevár, Mezzőszer, Patakszer, Pinkaszer, Gyepők, Hangyásberek, Imarét, Kárász – allesamt Benennungen, deren Bedeutung auf längst vergangene Zeiten verweist. Doch gibt es außerhalb der Niederung der Pinka und des Őri-Bachs auch bei Nadas (ungarische geographische Bezeichnung: Kisszék; deutscher Name: Rohrbach) an den Seitengewässern und an deren Ursprüngen, ja auch in der Gegend von Ösztörmen (ungarische geographische Bezeichnung: Csíkpatak; bei den Römern „Fluvius Esturmen“; deutsch: Strem-Bach) sowie beim Derespatak Sümpfe verschiedener Größe, die sich ebenfalls in Flurnamen ausdrücken: Szárazér, Csollányos, Nadasfej, Fongárkút, Osbánbükki ér, Csurgóskút, Felső-Nadas, Alsó-Nadas, Tégyárvölgyi-ér, Felső-Kutér, Alsó-Kutér; ferner die nasse, quellige Fläche und der Graben des Derespatak beim Bámpelkert sowie die direkt an der Grenze liegende Quelle Kútfej. Dazu kommen – bereits in der Gemarkung von Kemeten (Komjáti) – Szávavölgy (Heutal), Hagonharaszt, Ösztörmenvölgy, Gémespatak, Gémeskút, Káváskút, Herczegága, Vides, Lapos, Szehenri und Dombos. Ferner das torfige Moor in Székalja (bei Egerkút). Der ungarische geographische Name von Szék ist Nagy-Szék, deutsch Zicken.
Sogar die ausgedehnte Csapota (deutsch Warthenau/Wartenau, ungarisch etwa: „das Gesträuch der Wachsoldaten“), die einst ebenfalls zur Gemarkung von Oberwart (Felsőőr) gehörte, wurde den Wartleuten später entzogen. Da die Katholiken damals in heftigem Zorn gegen die Calvinisten standen, stachelte ein Mann namens Mihály Imre (Inka) den zum Katholizismus übergetretenen Ádám Batthyány an, den Wartleuten die Csapota zu nehmen. Als Lohn erhielt er in einem Krug, statt dicker Milch, Goldmünzen; Batthyány hingegen erhielt den Grafenstand. So wurde den Wartleuten die Csapota im Jahr 1648 entwendet, als man unter dem Vorsitz von Ferencz Nádasdy eine Kommission zur Grenzbegehung entsandte, um die Grenze zwischen Felsőőr (Oberwart), Alsólövő (Unterschützen) und Rödöny (Riedlingsdorf) zu untersuchen. Die Kommission beschloss – obwohl die Einwohner von Alsólövő (Unterschützen) evangelisch waren –, die reformierten Oberwarter zu benachteiligen, und verfügte, dass das Csapota-Gut, das der verstorbene Palatin Miklós Esterházy bei einer von ihm durchgeführten Grenzbegehung den adeligen Einwohnern von Felsőőr (Oberwart) zugesprochen hatte, mit ewigem und unwiderruflichem Recht auf Graf Ádám Batthyány bzw. auf dessen Untertanen in Alsólövő (Unterschützen) übergehe. Auf dieser Rechtsgrundlage gelangte Csapota in die Hände der deutschsprachigen Untertanen von Alsólövő (Unterschützen). Daher ist Csapota bis heute sehr flach und ohne Abfluss, folglich dauerhaft nass und dringend entwässerungsbedürftig. Noch heute führen dort stellenweise Teiche und Tümpel, alte Bachbettarme sowie moorige, löchrige und unebene Wiesen (wie etwa beim Kárász auf der Alszer-Wiese) und das Wasser von Czencz – besonders bei Wolkenbrüchen – zu Überschwemmungen; mangels eines ordentlichen Abflusses bzw. einer Entwässerung entstehen versumpfte, einsinkende Flächen.
Erst seitdem Sándor Páll, Einwohner Nr. 241 (C.N. 312, heute Grazerstrasse 22), der frühere Bürgermeister der Stadt, Ende des vorigen Jahrhunderts an der Grenze von Csapota und Fövenyesrét jenen Graben ausheben ließ, der sich mit dem Wasser des Őrpatak vereinigt und bei Vadegres abführt, wurde das Gebiet für die Wiesenwirtschaft brauchbar. 1901 wurde auch das Bachbett weitergeführt, denn zuvor floss und rieselte das Wasser ohne richtiges Bett über die Straße, in alle Richtungen verteilt.
Nun hat sich also – gestützt auf all diese Beweise und unter Heranziehung der mündlichen Überlieferung – als erwiesene Tatsache ergeben, dass die erste Ansiedlung in den Fluren Herczegága und Szehenri, kurz: im Ösztörmen-Tal, lag: Dort befand sich das uralte Felsőeőr, nach damaliger Bezeichnung „Felseöeör“. Umso eher ist dies anzunehmen, weil man sich sonst fragen müsste, woher und wie die Bezeichnung „Herczegága“ stammt. Diese lässt sich – zumindest meiner Ansicht nach – so erklären: Die Bewohner des Warter Gebiets (Őrség) traten als Grenzwächter (Wartleute) auf; dafür erhielten sie ihren Adel und ihre Freiheiten (Dienstbarkeitsrecht, servitas). Infolgedessen versahen sie gegenüber den Burghauptleuten von Németújvár (Güssing) bzw. den Grenzgrafen als deren untergeordnete Wache, das heißt als Soldaten, den Grenzdienst. So war die Felsőőrer (Oberwarter) Adelschaft gleichsam ein „Zweig“ und die wichtigste Stütze des Herzogs bzw. Hauptmanns; und weil sie sich an diesem Ort niederließ, nannte man diesen Platz Herczegága, also gewissermaßen „Herzogs-Zweig“.
So verfügten sie im Ösztörmen-Tal über kleine Wiesen und Weiden; oben auf dem Plateau an der Ostseite lagen karge Äcker und Weingärten. Den schriftlichen Quellen zufolge waren diese Weingärten sogar im Jahr 1776 noch bewirtschaftet, und zwar an der Stelle der heutigen Weingärten. Ja, Spuren alter Keller sind in den Weingartenwäldern bis heute erkennbar. Auch am Pogányhegy gab es Weingärten (Alszeri szőllők). Der mündlichen Überlieferung nach suchte sogar unser großer König Mátyás Hunyadi (Matthias Corvinus) die Weingärten und Weinkeller am Pogányhegy häufig auf, wenn er von seinem Jagdschloss zur Jagd aufbrach und unterwegs durch Berekalja kam. Aus jener Zeit stammen auch die folgenden Flurnamen: Kasznár, Fongárpart, Hosszúvölgy, Kelemen-Szőlleje, Gazsivölgye, Szeremley szőlleje, Adorján méhese, Szőllőkalja, Pusztaszőllők, Bikari (bei der Beweidung), Alsóoldal, Túrószsák („Topfensack“). Dieser Name kann nur aus der Zeit der Altmagyaren stammen. Bekanntlich trugen die Altmagyaren die Stutenmilch in einem kleinen Sack aus gewachstem Tuch am Sattel und ritten so lange damit, bis sie durch das ständige Schaukeln eindickte und zu Topfen wurde. Und weil auf diesem Gelände ein Reiter einen solchen „Topfensack“ verlor, nannte man das Gebiet Túrószsák.
Es ist bekannt, dass unsere Vorfahren unter Árpád (895), Zoltán (907), Taksony (947), Géza (972) und Vajk (von 997 bis 1000) noch Heiden waren. In Berekalja hielten sie ihre heidnischen Kulthandlungen ab, wenn sie aus dem Ösztörmen-Tal über die Grenze von Komjáti (Kemeten) hinweg bis Richtung Kutér ritten, dabei beim Túrószsák etwas verloren und in Berekalja das Weißpferd-Opfer für Hadúr, den Kriegsgott, darbrachten. Daher nannte man den Ort auch Berekalja. Dort weissagte der Táltos, das heißt der heidnische Priester, aus den Eingeweiden des Pferdes; das Pferdefleisch wurde am Spieß gebraten, und danach hielt man ein Opfermahl, nach der so verstandenen gottesdienstlichen Handlung.
Wo es in den Wäldern auf den alten adligen Gütern auch nur ein wenig ebener wird, stößt man auf Schritt und Tritt auf Ackerflächen, die schon vor Jahrhunderten wieder zu Wald geworden sind. Die ältesten, und zugleich am stärksten eingeebneten, gehen auf die Zeit des Tatarensturms zurück, dann folgen die aus der Zeit der Raubritter, danach die aus der Türkenverwüstung; und erst als auch die Pinka-Niederung für die Landwirtschaft vollständig nutzbar geworden war, wurden die zuletzt aufgegebenen Flächen wieder zu Wald. Sie sind also in verschiedenen Epochen verlassen worden.
Wiewohl unsere Vorfahren, besonders anfangs, nur wenig den Hof bestellen konnten – denn die Männer standen als Grenzwächter im Dienst, von Borostyánkő (Bernstein) bis Németújvár (Güssing), ja manche je nach Einteilung sogar bis Szentgotthárd. Weshalb denn auch die Bewohner der umliegenden deutschen Dörfer als Untertanen verpflichtet waren, die Oberwarter Adligen (die Armalisten) vom Zehent zu unterhalten und ihnen alle möglichen Fron- und Handdienste abzuleisten, alles, was an „Sorgenarbeit“ anfiel. Natürlich fühlten sich darüber – vor allem anfangs – unsere sogenannten „Hiencz-Herren“ (so nannte man die deutschen Dorfleute) tief gekränkt; darum hassten sie den Oberwarter Adel und sahen ihn stets mit bösem Auge an, ja, auf der Straße mussten sie ihm sogar aus dem Wege gehen. Und wenn sich eine Gelegenheit bot, steckten sie die Köpfe mit ihren steirischen Glaubensbrüdern zusammen – doch alles vergebens.
Wie bereits zuvor erwähnt, bestätigten König Szent István (Stephan der Heilige) im Jahr 1000 (Vajk erhielt im Jahr 1000 bei der Taufe den Namen Stephan), Szent László (Ladislaus der Heilige) 1092, Béla IV. 1246, V. István (Stephan V.) 1272 sowie König Róbert Károly (Karl Robert) 1327 die Bewohner des Warter Gebiets (Őrség) in Schenkungsurkunden in ihren Adelsrechten und Privilegien – ebenso wie in ihren Verpflichtungen. König Stephan der Heilige war es, der als Erster den christlichen Glauben unter dem ungarischen Volk verbreitete; weshalb er in der Kirchengeschichte als Apostel der Ungarn erscheint. Als Anerkennung dafür zeichnete ihn Papst Silvester II. mit der goldenen Krone und den Insignien aus – dem apostolischen Doppelkreuz, Reichsapfel und Zepter; daher rührt der Titel „apostolischer König von Ungarn“, der im Selbstverständnis unserer Könige fortlebte.
Nachdem unsere Vorfahren unter König Stephan dem Heiligen Christen geworden waren, änderten sie ihren Siedlungsplatz bis zur Zeit Béla IV. überhaupt nicht; ja, um 1150 errichteten sie im Ösztörmen-Tal sogar eine Kirche – freilich zunächst aus Holz –, an jener Stelle, die das Volk heute als Prédikátor rétje in der Herczegága kennt. Im Frühjahr 1242 jedoch, beim Tatarensturm, mussten sie diese Siedlung verlassen: Wie die Tataren das ganze Land verwüsteten, so verschonten sie auch Felsőőr (Oberwart) nicht vor Raub, Zerstörung und Niederbrennen. So waren sie gezwungen zu fliehen und unter der Obergespanschaft Balduins (1240–1244) ihre erste Niederlassung aufzugeben. Über Bófokfenyves, Hosszúvölgy und Ráczokirtás flohen unsere unglücklichen Vorfahren nach Csollányos, ins Kúnpétervölgy und nach Osbánbükke, wo sie unser zweites Dorf gründeten. Da die Tatarenhorde ausschließlich aus Reiterei bestand, mied sie – soweit es ihr möglich war – die Sümpfe sowie die waldigen, dicht verstrüppten Gegenden vorsichtig. Darum flohen unsere Vorfahren in solche verlassenen, unwirtlichen Winkel und zwischen große Wälder: Hier nahm sie die Natur selbst am besten und sichersten in ihren Schutz vor dem Angriff, ja vor dem überraschenden Auftauchen der Mongolen.
Im Jahr 1271, als Máté Csák, der mächtige Herr des Oberlandes (Oligarch), mit ungarischen und kumanischen Truppen Österreich wie Ungarn verheerte, raubte und verwüstete, und hier in den westlichen Teilen Iván von Németújvár wütete, dabei ebenfalls nach Steiermark und nach Österreich hinein- und wieder herausstieß – und in dessen Hand sich damals die Burgen Rohoncz (Rechnitz), Kőszeg (Güns), Szent-Vid (Sankt Veit), Léka (Lockenhaus), Borostyánkő (Bernstein), Szalónak (Stadtschlaining) und Németújvár (Güssing) befanden –, da brachen zur Vergeltung die Österreicher, aus den Adlerhorsten dieser Raubritterburgen frisch hervorgestoßen, nach Ungarn ein, zahlten es mit gleicher Münze heim, drangen bis zur Raab (Rába) vor und plünderten und verbrannten Győr (Raab), Szombathely (Steinamanger), Körmend (Kirment) und alle umliegenden Städte und Dörfer, darunter auch Felsőőr (Oberwart). So beunruhigten schon diese Kriegshändel – zwischen Herzog Albrecht von Österreich und dem ungarischen König Kun László (Ladislaus dem Kumanen), wie auch mit dem böhmischen König Ottokar – den ganzen westlichen Grenzraum. Besonders, als Ottokar selbst mit großer Macht Ungarn angriff, Pozsony (Pressburg) und sein Umland schrecklich verwüstete und beraubte, und mit seinem Heer entlang der ganzen Westgrenze bis in unsere Gegend vordrang.
König Stephan V. sandte damals Gergely, den Obergespan von Vas, an der Spitze eines großen Heeres gegen Ottokar. Derselbe Gergely vertrieb in Gemeinschaft der Brüder Jakab und Jort den räuberischen böhmischen König tapfer aus unserem Land, von diesen Westgrenzen. Da unsere armen Vorfahren nun wieder ohne Obdach waren, zogen sie von dort über Nadas hinweg in die Alszeri-Szőllők und nach Rendes. Hier lag die dritte Siedlung unserer Vorfahren, zum Teil auch beim Derespatak im Bámpelkert, bis zum 1. September 1532.
Allerdings war – wie bereits beschrieben – die Ebene der Pinka nahezu ohne Abfluss, lauter Moor, Sumpf und Morast: wilde Urwälder aus riesigen Eichen, Pappeln, Erlen, Ginster und Weiden, stellenweise mit dornigem Gebüsch und Lianen überwuchert. Erst als der große König, „Mátyás Hunyadi der Gerechte“, der in dieser Gegend öfter zu tun hatte, die niedrigere Ostseite des Eisenberg (Vas-hegy) (415 Meter hoch) bei Pinkaóvár (Burg) durchstechen ließ, begann der Sumpf nach und nach auszutrocknen. Zugleich füllte er sich durch das viele Hochwassergeschiebe auf; das Wasser fand Abfluss, und die Leute lenkten den Lauf, rodeten und lichteten den Wald – sodass man nach ungefähr hundert Jahren stellenweise zu schönem Ackerboden kam. In derselben Zeit ließ König Mátyás auch ein schönes Jagdschloss in Bozsok (Poschendorf), bei Pinkaóvár (Burg) und bei uns am Vártahegy, beim Halom, erbauen. Und an all diesen Orten stellte er auch Wachen auf. Daher stammt die Bezeichnung Vártahegy, weil dort auf der Warte eine Wache stand.
Bekanntlich hatte König Mátyás viele Auseinandersetzungen mit seinem falschen Nachbarn, dem deutschen Kaiser Friedrich III. (III. Frigyes), umso mehr, als die ungarische Heilige Krone durch den früheren König V. László (Ladislaus V.) bei ihm verpfändet war, und er sich daraus, ja gerade deshalb, sogar ein Recht auf den ungarischen Königsthron anmaßte. So lag es im Interesse König Mátyás’, das Pinka-Tal wenigstens im Großen und Ganzen trocken zu legen; indem er das Wasser der Pinka durch die Regulierung bei Pinkaóvár (Burg) ableiten ließ, begann dieses sumpfige Gelände auszutrocknen. Daher kam es während seiner Kriegszüge gegen Kaiser Friedrich zu einem rechten Handgemenge hier in der Csapota zwischen Felsőőr (Oberwart) und Pinkafő (Pinkafeld).
Mátyás’ Feldherren waren Simon Nagy, Ban von Bosnien, und László Egerváry; Friedrichs Feldherr war Ulrich von Grafeneck. Aus dieser mörderischen Schlacht musste Kaiser Friedrich über Friedberg nach Wiener Neustadt (Németújhely) und von dort nach Linz fliehen, da Mátyás bereits Wien, die Steiermark, Kärnten und Krain bis hinab zur Meeresküste, bis Triest, besetzt hatte; und vom treulosen Polen und vom böhmischen König nahm er Mähren (Morvaország) und Schlesien (Szilézia) samt Breslau (Boroszló) und der Lausitz (Lusáczia).
Diese denkwürdige Schlacht fand am 11. April 1459 hier bei den Halmak statt; bis Pinkafő (Pinkafeld) erstreckte sich das Kampfgebiet. Damals lagen die gefallenen Deutschen hügelweise auf dem Schlachtfeld; daher nennt das Volk von Oberwart (Felsőőr) diesen Ort bis heute Halmak, obwohl dieses Wissen – wie so manche andere Tatsache – bereits aus dem Gedächtnis des Volkes verschwunden ist. Die deutschen Soldaten flohen damals weinend und klagend vor der siegreichen ungarischen Streitmacht in die Sümpfe von Défort und Csapota. Daher stammen die Namen Csapota, ebenso Németrí und Défort, weil hier Kaiser Friedrich samt seinem Heer in eine Falle geriet und auf der Flucht kaum seine Haut retten konnte.

Nach dem Tod des großen Mátyás Hunyadi am 6. April 1490 geriet das Land an den Rand des Ruins und begann unter dem kraftlosen König Ulászló II., dem „Dobzse László“, zu verfallen. Ganz anders bei den Türken: Gerade damals stand der Halbmond in seiner glänzendsten und zugleich furchterregendsten Zeit, unter dem großen Sultan Süleyman II. (II. Szolimán). Von 1520 bis 1566 erreichte das Osmanische Reich seine größte Ausdehnung und seine Blüte. Zur Zeit König Ulászlós II. nahm Süleyman II. nacheinander unsere Balkanprovinzen und Grenzfestungen ein: Jajcza (Jajce), Szabács (Šabac), Nándorfehérvár (Belgrad), Szendrő (Smederevo), Galambócz (Golubac), Szörényvár (Drobeta-Turnu Severin); und 1526 brach er dann geradewegs nach Ungarn ein. Auf dem Feld von Mohács kam es zur unheilvollen, unglücklich ausgegangenen Schlacht: am 29. August 1526, nachmittags von 13 bis 15 Uhr, als Sultan Süleyman II. mit 300.000 Mann und 300 Geschützen das unglückliche Ungarntum im Blut erstickte. Doch auch dies hing – so heißt es – an der Zwietracht der Ungarn: Zápolya János (Johann Zápolya), der Gegenkönig, eilte König Lajos II. nicht zu Hilfe, sondern blieb bei Szeged mit seinem 70.000 Mann starken Heer liegen und ließ – um seines eigenen Vorteils willen – die Sache der Nation untergehen. Die Blüte des ungarischen Volkes ging dort, zusammen mit König Lajos II., auf dem Schlachtfeld von Mohács zugrunde: 24.000 ungarische Kämpfer, sämtliche Feldherren und Erzbischöfe, mit allen Großen des Landes. Und zugleich „weinte“ ein furchtbarer Wolkenbruch das Urteil dieser Schlacht aus; so ertrank der König auf der Flucht im angeschwollenen Csele-Bach (Csele-patak). Im Jahr 1532 zog Süleyman II. erneut mit 260.000 Mann direkt gegen Wien. Ehrgeiz und Hochmut ließen ihm keine Ruhe: Er wollte die damals bekannte Welt erobern. Auf seinem Weg verwüstete, plünderte und verbrannte er Dörfer, Städte und Burgen. Der Großwesir Ibrahim zog voraus und nahm Székesfehérvár, Pápa, Bélavár, Ikervár, Sárvár, Rum, Rábahídvég und auch Szombathely ein – bis schließlich die kleine Burg von Kőszeg den gewaltigen Heeren Süleymans II. Widerstand leistete, unter der Führung von Miklós Jurisics. Die Belagerung begann am 5. August 1532 und dauerte 25 Tage, bis zum 30. August. Als die Burg fast nicht mehr zu halten war, geriet die Besatzung in furchtbare Angst, in türkische Gefangenschaft zu geraten, und begann zu schreien und zu klagen. Als die Türken das hörten, erschraken auch sie plötzlich: Wer weiß, welch riesiges Heer aus der Burg hervorbrechen würde! Sie zogen unter der Burg ab und begnügten sich damit, dass die Burgleute einige türkische Halbmondfahnen und Pferdeschweife auf die Zinnen steckten.
Während Süleyman II. sich 25 Tage lang mit der Belagerung dieses unbedeutenden Städtchens abmühte, sammelte sich in der Gegend von Wien unter der Führung erfahrener Befehlshaber ein ausgewähltes Heer von 80.000 Reitern und 30.000 Fußsoldaten; und in der Gegenwart des mächtigen Kaisers Karl V. erwartete man den Angriff der Türken. (In Kaiser Karls V. Reich ging die Sonne niemals unter, denn ihm gehörten nicht nur das Heilige Römische Reich, sondern auch die Niederlande, Norditalien, Spanien und Mexiko.)
Auf diese Nachricht hin brach Süleyman II. rasch sein Lager ab, und einen Teil seines Heeres schickte er in Richtung Fertő (Neusiedler See); doch diese Truppen wurden bei Purbach am Neusiedler See (Feketeváros) – wo „der Türke“ bis heute, freilich aus Beton, oben auf einem Kamin steht – bei Türkensturz gründlich geschlagen. Den türkischen Gesandten stieß man dort in die Tiefe; daher nennt man diesen Ort Türkensturz. Er selbst aber drang mit dem Hauptteil seines Heeres über Rohoncz (Rechnitz), Felsőőr (Oberwart) und Pinkafő (Pinkafeld) in die Steiermark ein und stieß bis Graz vor; Raub und Plünderung, Auspressung, Mord und Versklavung, dazu brennende Dörfer und Städte, zeichneten seinen Weg.
Furchtbare Kämpfe lieferten unsere armen Vorfahren mit der marodierenden Türkenhorde im seither so genannten Antal- und Lyka-Tal, in Rendes, in Berekalja, am Pogányhegy und beim Pogánytemető. Süleyman II. selbst führte am 1. September 1532 seine Janitscharen zum Angriff gegen die Leute des Warter Gebiets (Őrség). Ein erschütterndes Zeugnis, ein Beispiel für dieses blutige Gemetzel und die Verwüstung: Das ganze Dorf in Rendes verbrannte zu Staub und Asche; nur beim Derespatak im Bámpelkert blieben jene vier elenden Hütten stehen. Lange Zeit danach flohen auch die Bewohner dieser vier Hütten, wie die anderen, in den heutigen Alszer, in den sumpfigen und dornigen Urwald, zwischen Gestrüpp und Dickicht. Doch der heidnische und listige Türke: Obwohl er unseren Vorfahren große Verluste zufügte und gewiss nicht ohne Beute abzog, übertraf er an Menschenverlusten dennoch die Blutverluste unserer heldenhaften Vorfahren um ein Vielfaches; unsere Vorfahren blieben den räuberischen, mordenden und plündernden Türken also nichts schuldig. Ein Beispiel dafür ist der Ort des Pogánytemető: das war der südöstliche Hang des Sűrűhegy, nordwestlich vom Cseresnyés-Tal. Darum nennt man diesen Hang bis heute Pogánytemető und den davon südöstlich gelegenen Höhenzug Pogányhegy.
Bekannt ist bereits, dass König Mátyás hier am Vártahegy ein schönes Jagdschloss hatte, das damals von der heidnischen Türkenhorde geplündert und zerstört wurde. So wurde dieses Schloss ebenso wie das bei Pinkaóvár (Burg) und das in Bozsok (Poschendorf) niedergerissen. Daher stammt die Benennung Halom für diesen Teil des Vártahegy. Die armen Leute aber, deren man habhaft werden konnte, schleppte man, aneinandergefesselt, in die Gefangenschaft: die Frauen in die türkischen Harems, die Alten erschlug man, unsere Jungen zog man als Türken auf und reihte sie unter die Janitscharen ein. So stellte man aus den Söhnen fremder Völker die damals so berühmte und gefürchtete Janitscharentruppe auf, das heißt die türkische Fußtruppe; die Spahis bildeten die Reiterei. Das war das damals wohl abgehärtetste und furchterregendste Heer der Welt.
Nachdem die räuberische Türkenhorde abgezogen war, geschah es, dass unsere Vorfahren – viel hin und her geworfen, durchgekämpft und gequält – aus Rendes und vom Pogányhegy in den heutigen Alszer auf den Telek zogen und, auf die Hälfte zusammengeschmolzen, sich dort niederließen: Hier gründeten sie nun, zum vierten Mal, das alte Felsőőr (Oberwart). Zugleich errichteten unsere Vorfahren um 1536 die noch heute bestehende römisch-katholische Kirche. Zunächst jedoch ohne Turm, denn dazu reichte ihre Armut nicht aus – und doch zum Gedächtnis daran, dass die erhabene Vorsehung sie abermals vom Bösen befreit hatte. Zugleich stellten sie sowohl die Kirche als auch das Gotteshaus unter den Schutz des Evangelisten Johannes, als Patron.
So entstand nun, zum vierten Mal, das alte Felsőőr (Oberwart), mit uralten Adelsrechten ausgestattet. Das Volk aber machte sich, unter mühsamster Arbeit, an die Kultivierung der Unterdrumer (alszeri) – und, wie sich aus späteren Angaben zeigen wird, auch der Oberdrumer (fölszeri) – Meierebene. So entstanden dann im Lauf langer Zeiten und Jahrhunderte die verschieden benannten Flurnamen, je nachdem, wie viel früher oder später das betreffende Gebiet aus dem sumpfigen, bewaldeten, dornigen und buschigen Wildwuchs frei wurde.
Solche Flurnamen entstanden etwa nach der Beschaffenheit, der Lage, oder einer Besonderheit des Ortes, oder nach Familiennamen, alphabetisch geordnet:
(Die folgenden Bezeichnungen sind Flurnamen und werden als Eigennamen wiedergegeben; vorhandene deutsche Entsprechungen stehen – wie im Original – in Klammern.)
Almásberek (Apfelleiten), Almáslanka, Alsóberda (Wartäcker), Alsókertek, Alsókutér, Alsórét, Alsórév, Alszer, Alszeri rét, Alszeri szőllők, Alszeri telek, Átol (Általút), Avas, Békakurgó, Berdamellék, Berekalja, Bikarét, Bikarí, Cigányszer, Cukrászdomb, Csapota, Csapotaalja, Csarita, Csollányos, Csurgóskút, Derespatak, Défort, Disznókörtvélyfa, Dobogósi, Dombhát, Dombos, Dombosrét, Dunarét, Duplatilos, Egerkút, Egres, Erdőkalja, Faiskola, Falurét, Felsőhegy, Felsőkertek, Felsőkút, Felsőkútér, Felsőkishíd, Felsőnadas, Felsőrétek, Fenéklap, Fenyőfák, Fölszer, Fövenyesrét, Függő, Gémeskút, Gémespatak, Görbe, Gyalogút, Gyepők, Gyöp, Halmak, Halom, Hangyásberek, Hegy, Herczegpápa, Hetesváros, Hidegoldal, Homor, Hosszú, Hosszúföldek, Hosszúrét, Hosszúvár, Hosszúvölgy, Irtás, Jézushegy, Kanparga, Kaszálások, Kasznár, Kárász, Káváskút, Kerékdomb, Keréktövis, Kép, Kétér, Kétútköze, Kisfektető, Kisharaszt, Kishidak, Koldustelek, Komjáti Berda, Konyha, Kornabékes, Körtefák, Kövesbörcök, Középhegy, Kuruczvölgy, Lapos, Lármaárka, Lencséskút, Léckapu, Magyarós, Major, Malom, Malomkert, Malomszer, Mezőkapu, Mezőszer, Mélyút, Mézesharaszt, Nadas, Nadasfej, Nagyfektető, Nagyrét, Nagyutcza, Németárok, Németrí, Nyíres, Ösztörmen, Patak, Patakszer, Pásfelett, Pérnyafokla, Papnyírfája, Piacz, Pinkaszer, Piroshársokfa, Pogányhegy, Pogánytemető, Prédikátorrét, Puszta, Pusztamalom, Pusztaszőllők, Rendes, Rétoldal, Rétutcza, Rongyosutcza, Sárosberek, Sempereg, Sintérház, Sötétvölgy, Sűrő, Sűrőalja, Szaróberek, Szárazér, Szeglethatár, Szehenri, Szentmártoniút, Székalja, Szélkúr, Szoros, Szőllők, Szőllőkalja, Telek, Téglaszin, Tégyárvölgy, Tölfák, Tövises, Túrószsák, Tüskevár, Tüskés, Újpóstaút, Újtilos, Urrét, Vadalmafák, Vadegres, Vájdli, Vártahegy, Vásárosút, Vénpostaút, Vides, Vörös, Vörösdomb.
Die nach Familiennamen benannten Fluren:
Adorjánhegy, Adrán avara, Adránszer, Alsóbalikókhegy, Antal, Bámpelkert, Benkőkhegy, Bertákkert, Bokatelek, Bokákkert, Bófokfenyves, Bófokrét, Cseresnyés, Fábjánvölgy, Felsőbalikókhegy, Fongár, Fongárkút, Fongárpart, Fülevölgy, Gazsivölgy, Gerőcsökvölgy, Hagonharaszt, Höbölök földje, Imrekhegy, Jankókkert, Kelemen szőlleje, Kerekesrét, Kisandrásokrétje, Kondorok földje, Kovácsoldal, Kovácstölfái, Kozmorokárka, Kúnpétervölgye, Likavölgy, Osbánbükke, Pálhegy, Pálokkert, Palotai rét, Papvölgye, Prücsökvölgy, Ráczavara, Ráczirtás, Ráczokszőlleje, Seperekhegy, Szabó János árka, Szeremleyszőlleje, Törökház, Trattmerkert, Vargavölgy, Vörösök erdeje, Zarkakút, Zámbókert.
So beträgt die Fläche der Gemarkung von Oberwart (Felsőeőr) 3212 Hektar, und insgesamt sind 250 Flurnamen bekannt. Im Grundbuch sind jedoch nur die deutschen Namen verzeichnet; die übrigen Bezeichnungen leben (und lebten) nur im Volksmund. Die Bedeutungen dieser Namen sind – soweit sie in der Geschichtsschreibung nicht ohnehin vorkommen – die folgenden:
Alsóberda: stammt aus der Zeit König Mátyás’, als er beim Halom ein Jagdschloss hatte und seine Vorposten den deutschen Ankömmlingen zuriefen: „Holt! Wer da?!“
Csollángos: Da hier unser zweites Dorf 1271 von den Raubrittern (Oligarchen) zerstört wurde, wuchern auf den feuchten und „stichigen“ Stellen über den Ruinen bis heute Brennnesseln in großer Menge.
Csúrgóskút: Hier entspringen mehrere Quellen, ja zwei sogar nur drei Schritte voneinander entfernt; und weil das Gelände ein gutes Gefälle hat, rinnt das Wasser.
Disznókörtvélyfa: Am Ende der sandigen Wiesen, die bis an die Grenze von Unterschützen (Alsólövő) hinausführen, stand einst ein auffallend großer Weißdornbaum.
Dombhát: Höher gelegenes Gebiet östlich vom Őrpatak, der Teil des Ortes oberhalb der Balkán utca.
Derespatak: Diese Benennung bedeutet „ausgetrockneter Altbach“; das kleine Bächlein schwillt bei starken Regenfällen an, trocknet sonst aus.
Piroshársokfa: An dieser Stelle stand einst eine auffallende Linde mit rötlicher Rinde.
Dobogósi: Hier stampfte und dröhnte im Januar 1271 der beschlagene Hufschlag der Pferde, als unsere obdachlosen Vorfahren aus Kovácsoldal und dem Kúnpétervölgy über das Nadas-Tal flohen. Sie ließen ihre zweite Siedlung zurück – von den Raubrittern (Oligarchen) zerstört und geplündert – und schlugen in den Alszeri-Szőllők, in Rendes und zum Teil im Bámpelkert ihre Zelte, ihr neues Zuhause, auf.
Dombos: Bewaldetes Hochplateau an der Grenze von Markt Allhau (Alhó).
Dunarét: Hier flossen die Hochwässer „wie die Donau“ ab.
Egres: Benannt nach einst riesigen Erlen.
Faiskola: Benannt nach einer früheren Baumschule.
Csarita: Früher hochgrasiges Gelände, wo die „csar/cser“-Vögel hausten; im Zigeunerischen „csér“, ein möwenartiger Vogel.
Fenyőfák: Früher standen dort verstreut Nadelbäume.
Fövenyesrét: Durch die Überschwemmungen der Pinka wurde dieses Gelände mit sandigem Schwemmmaterial aufgefüllt; ebenso auch bei Keréktövis, beim Bach. Dort gab es einst auch Massengräber, die zur Zeit der Auseinandersetzungen zwischen König Mátyás und Kaiser Friedrich ausgehoben und mit Kalk übergossen wurden. Hier wälzten sich die Hochwässer radförmig durch das dornige Schlehengebüsch – daher Keréktövis.
Gyepők: Die Grenze dieses Gebietes war einst mit Gyepű (Schutzhecken und Sperren) versehen, damit die auf die Weide getriebenen Herden nicht in den Tilos gelangen konnten. Solche Gyepű standen an mehreren Stellen, so auch bei Dunarét; dort stellte man, damit Wagen passieren konnten, jenseits der Gyepű ein einfaches Lattengatter auf – daher heißt dieser Ort bis heute Léckapu.
Hagonharaszt: Einst grasiges, baumloses Gebiet zwischen Bámpelkert und Nadas, bis zur Grenze von Unterwart (Alsóőr) reichend; in alten Zeiten mit Farn und Waldgras bewachsen, stellenweise mit kleineren Sträuchern.
Halmak: Hier fiel Kaiser Friedrichs Heer am 11. April 1459 „wie eine gelöste Garbe“ auseinander; die gefallenen deutschen Soldaten lagen in Haufen, niedergetreten von der siegreichen ungarischen Streitmacht. Seine Truppen flohen halsüberkopf, weinend und klagend in das Sumpfland von Défort. Daher stammt seitdem zugleich auch der Name Németrí.
Hangyásberek: Da dieses Gelände ständig im Lauf der Hochwässer lag, füllte es sich stellenweise mit Schlamm; und auf diesem Schlamm laufen nach Regen in warmer Sonne viele Ameisen umher, sodass zahlreiche Ameisenhügel entstanden.
Hetesváros: Oder nach alter Benennung „Rábák utcája“: bestand aus sieben Häusern, nämlich den Nummern 55, 56, 57, 58, 59, 60 und 61.
Hidegoldal: Die Nordseite eines Berges oder Hügels ist stets kälter als die Südseite.
Homor: Bezeichnet die westlich der Pinka gelegenen Äcker und Wiesen, benannt nach dem einstigen Eisenhammer des Károly Fuith (Nr. 85, C.N. 64; heute Steinamangerer Straße 56). Sowohl dieser Eisenhammer als auch der von Riedlingsdorf (Rödöny) lieferten 1809, in den Kriegen gegen Napoleon, fokos (Streitäxte) für die zum Kriegsdienst aufgebotenen Adligen.
Hosszúvár: Name der westlich von Nadas liegenden Wiesen- und Ackerfläche, auch wegen der oft grundlos schlammigen Wege.
Hosszúvölgy: Benannt nach dem mächtigen Ösztörmen-Tal, das sich westlich davon von oben nach unten hinzieht.
Kasznár: Die Aufsicht über die gewaltige städtische Waldung lag einst beim Oberförster, dem „kasznár“; an jener Stelle stand auch sein kleines Forsthaus.
Kamparga, Kanparlagja: Die alte Mundart ist „zu faul“, Wörter so lang auszusprechen, wie sie geschrieben stehen; darum nannte man Kanparlagja „Kamparga“. Dort lagerte einst die Schweineherde; weiter oben stand das Schweinehirtenhaus am Westufer des Baches – ich selbst erinnere mich gut daran und kannte auch den alten Józsi bácsi noch.
Kép: (Rotes Kreuz) Äcker westlich der Eisenbahn und östlich der Poststraße.
Kerékdomb: Der Hügel endet rundlich.
Kutér: Quellige, nasse Stelle.
Kétér: Hier vereinigen sich zwei Arme des Ösztörmen-Baches.
Komócsi: Benannt nach dem zarten, schilfartigen Gras komócsin, einer Art Pferdegras (lóperje).
Kövesbörczök: Benannt nach dem plötzlich ansteigenden, steinigen, steilen Hang.
Lapos und Vizes: Der Name sagt, was es ist. (flach und nass)
Lencséskút: Hier ist ein Brunnen oder eine Quelle mit Entengrütze (békalencse), Algen und „Froschschleim“.
Major: Benannt nach einem Meierhofgebäude an der Grenze von Oberwart (Felsőőr), aber schon im Kemeter Gemeindegebiet, in Kemeten (Vaskomját), inzwischen abgetragen. Weiter unten in der Nähe liegt nach der Volksüberlieferung auch der Túrószsák.
Malom: Östlich der Pinka; Malomkert sind die westlich der Pinka liegenden Äcker und die darüber liegende Flur (heute: Müller Gusztáv Stieber).
Malom- oder Cigányszer: Die Straße, die zur obersten Mühle oder zu den einstigen Häusern der Zigeuner führte; zugleich der Weg nach Buchschachen (Őribükkösd), nach Sárosberek und nach Défort.
Mézesharaszt: Benannt nach einem früheren „honig“-Birnbaum.
Kisharaszt: Unterhalb dieses Weges; benannt – wie auch der darunter liegende Abschnitt – nach einst baumlosem, farnigem Gestrüpp.
Nyíres: Benannt nach einem früheren Birkenwald.
Ösztörmen: Eine Benennung aus der Römerzeit; ungarische Verformung von „Fluvius Esturmen“, vom Volk durch mündliche Überlieferung übernommen. Bedeutet sonst Wasserufer, Flussbett, großes Flusstal.
Pásfelett: Name der Flur oberhalb der Weide („pás“) bzw. der Schanze. Anfang Februar 1706 hoben die Leute des Warter Gebiets (Őrség) und die Kuruzzen diese Schanzen zur Verteidigung der Stadt aus. Der kaiserliche Generalissimus Sigbert Heister griff die Kuruzzen mit gewaltiger Macht an. Darauf eilte der Oberwarter Adel den Kuruzzen zu Hilfe, an der Spitze ihr 48-jähriger Leutnant János Tölly. Die Schanzen blieben bei Hőbölök, bei Pásfelett, hinter Tüskevár und rund um den reformierten Friedhof, oben und unten; doch die Erinnerung an ihre Bedeutung ist aus dem Volk entschwunden. Für die Nachkommen wird nur diese Geschichtsschreibung für eine Zeitlang das blutige Gedenken der Vorzeit lebendig halten. Die kaiserlichen (labancz) Schanzen lagen beim Fektető, bei Fenyőfák, bei Sempereg am südöstlichen Rand von Irtás und Sürő; diese wurden jedoch erst ausgehoben, als die Kaiserlichen schon fast auf der Flucht waren. In dieser blutigen und mörderischen Schlacht fiel eine ganze Hundertschaft Oberwarter adeliger Kämpfer samt ihrem Leutnant János Tölly im Sürői Nagyerdő am 11. Februar 1706.
Aus dieser Zeit stammen auch die Namen Vörös und Vörösdomb – als abschreckendes Beispiel für die blutrote Flut der Vergangenheit, denn auf diesem Gelände floss das Blut vieler unschuldiger Vorfahren (nach dem eigenen Manuskript von Sámuel Tölly, des Sohnes unseres einstigen reformierten Pfarrers Márton Tölly; ich schreibe nach dieser Handschrift, die sich in meinem Besitz befindet – der Verfasser). Mit diesem Dokument widerlege ich die Behauptung Gusztáv Thirrings im Révai Nagy Lexikon. Der Oberwarter Adel trat nämlich bereits unter den Fürsten und Árpáden als Adel auf und kämpfte nicht auf Seiten der Kaiserlichen, sondern auf Seiten der Kuruzzen. János Tölly, der Kuruzzenleutnant, war der Großvater Sámuel Töllys.
Papnyirfái: Weil dieses Gebiet Eigentum des Pfarrers war und dort einst vereinzelt Birken standen.
Rétoldal: Weil es neben der Wiese liegt.
Salátáskert: Früher hatten die Páls hier einen Salatgarten; daher heißt es zugleich auch Pálokkert.
Sárosberek: Name aus uralter Zeit, als die Pinka in Richtung Eisenberg (Vas-hegy) noch nicht reguliert war; allerdings ist es auch heute noch recht schlammig.
Sintérház: „Schinterhaus“ 647 und die darum liegende Flur.
Sötétvölgy: Dunkles, tiefes Tal, mit Nadelwald bedeckt.
Szárazér: In Trockenzeiten trocknet das Rinnsal aus, sonst ist es eine nasse, wasserstehende Fläche.
Sürő: Früher große Waldung, später ein dichtes Birken-, Pappel- und Haselgestrüpp.
Szaszyútja: Früherer Name von Défort.
Szehenri: Beim Tatarensturm brannte hier unser Dorf zu Staub und Asche; darüber floh das arme Volk, weinend und klagend und um alles beraubt, ins Kúnpétervölgy und nach Kovácsoldal.
Szoros: Hier verlief die Pinka bis 1933/34 am nächsten beim Őripatak und bei dessen Quelle.
Téglaszin: Unterhalb des reformierten Friedhofs, wo der Teich mit Ginstergebüsch und Pappeln liegt, stand einst die Ziegelei des Sándor Radovics, die bis 1902 in Betrieb war.
Tölfák: War einst Urwald mit riesigen Eichen und Erlen; ebenso auch Vadegres.
Tüskés und Tüskevár: Benannt nach einem burgähnlichen, früher kaum zugänglichen Dornengestrüpp, vor allem aus Schlehdorn; dachartig von Lianen überwachsen und von stacheligen Brombeerranken und Farn bewachsen – daher der Name Tüskevár.
Ursprünglich Fadárvölgy, vom Volk jedoch Tégyárvölgy genannt: Wie schon unter Gyepők erwähnt wurde – und noch öfter erwähnt wird –, hielt man früher weder die Rinderherde noch die Schweineherde zu Hause bei den Häusern wie heute, sondern vom frühen Frühjahr bis zum späten Herbst auf der Weide. Solche Weiden waren Falurét, beim Ösztörmen die Prédikátorrét, die Bikarí, der Szárazér usw. Zum Überwintern brachte man die Rinderherde auf den Nagyfektető und in das Tégyárvölgy, wo man im Winter die vielen Kühe molk; darum nannte man diesen Ort Tégyárvölgy.
Text: BUKV, Őrség 64./2022
Übersetzung: Pathy



























