Ihr 25-jähriges Bestehen feierten der Ungarische Wochenendkindergarten und die -schule in Oberösterreich Ende Mai in der Pfarre Zum Guten Hirten in Linz. Derzeit besuchen rund 60 Kinder die Kindergartengruppe sowie die drei Schulklassen der Einrichtung, betreut von fünf ausgebildeten Pädagoginnen. Das Erfolgsgeheimnis liegt eindeutig in der großartigen Atmosphäre und der starken Gemeinschaft, dank derer mittlerweile sogar Schülerinnen und Schüler aus Niederösterreich und Deutschland den Weg hierher finden. Darüber berichtete Mónika Kladek Antal, die Leiterin der Schule, gegenüber Rólunk.
Der Glaube der Pädagoginnen, die Begeisterung der Kinder und das Engagement der Eltern – auf diesen drei Grundpfeilern beruht der ungebrochene Erfolg des Ungarischen Wochenendkindergartens und der -schule in Oberösterreich – seit nunmehr 25 Jahren. Alle zwei Wochen werden in Wels Schülerinnen und Schüler empfangen, die die ungarische Sprache erlernen möchten.
Das Jubiläum wurde mit einem vielfältigen und festlichen Programm im Gemeindesaal der Pfarre Zum Guten Hirten in Linz gefeiert. Gäste reisten nicht nur aus Wien, sondern sogar aus Ungarn an. Die Feier begann mit dem Segen von Pfarrer Ernő Szabó und der Begrüßung durch Enikő Tőkés, Präsidentin des Kulturvereins der ungarischen Sprachgruppe in Oberösterreich. Die Bedeutung der Schule für den Gemeinschaftsaufbau und ihren Beitrag zur Bewahrung der Muttersprache würdigten auch Dr. Péter Szilágyi, stellvertretender Staatssekretär für Nationalpolitik, sowie Dr. Andrea Hanzséros, Erste Botschaftsrätin der Ungarischen Botschaft in Wien. In ihrer Festrede betonte Mónika Kladek Antal, die Leiterin der Wochenendschule und des -kindergartens: „Dort, wo die ungarische Sprache lebt, wo ungarisch gesungen, gereimt, Traditionen gepflegt und Feste gefeiert werden, gehen die Wurzeln nicht verloren.“

sowie Pfarrer Ernő Szabó
Anschließend traten ehemalige und aktuelle Schülerinnen und Schüler auf: Csanád Tatos, ein ehemaliger Schüler, teilte seine Erinnerungen mit dem Publikum. Die Volkstanzgruppen aus Kindergarten und Schule präsentierten ihre Programme unter den Titeln „Mulatság Daniéknál (Feier bei der Familie von Dani)“ und „Tänze aus Moldau“. Mátyás Erőss und Anna Erőss trugen Gedichte vor, Kornél Tóth spielte auf dem Baritonsaxofon den Abschied von Lusta Dick aus dem Filmklassiker Macskafogó (Katzenfänger). Olívia Tősér erfreute das Publikum mit einem Strauß aus Gedichten und Liedern, Gergő Bohner beeindruckte mit seinem Zitherspiel. Den festlichen Abschluss bildete der Auftritt der von Henriett Mitnyan geleiteten Orchidea-Majorettengruppe. Am Ende der Feier durften die Kinder die Kerzen auf der Geburtstagstorte der Schule ausblasen – und als einer der Höhepunkte des Abends wurde das Puppentheaterstück „Das Schweinchen und der Wolf“ in der Inszenierung von Tamás Pille aufgeführt.
Am 4. März 2000 nahmen der Ungarische Wochenendkindergarten und die -schule in Linz ihren Betrieb auf und übersiedelten 2012 nach Wels. Aktuell besuchen rund sechzig Kinder im Alter von 3 bis 16 Jahren den ungarischen Wochenendunterricht – aufgeteilt in eine Kindergartengruppe und drei alters- und sprachstufengerechte Schulklassen. Zu den alle zwei Wochen samstags von 10 bis 13 Uhr stattfindenden Unterrichtseinheiten kommen Familien aus ganz Oberösterreich. In diesem Jahr dürfen sie erstmals auch ein Kind aus Niederösterreich begrüßen – und sogar aus der Region rund um Passau (Deutschland) waren schon Kinder dabei.
Die drei Unterrichtsstunden alle zwei Wochen reichen natürlich nicht aus, um dem ungarischen Lehrplan vollständig zu folgen. Deshalb legen die Pädagoginnen den Lernstoff eigenständig fest und erstellen auch das nötige Unterrichtsmaterial selbst. Darüber hinaus nutzen sie mit großem Gewinn die speziell für in Österreich Ungarisch lernende Kinder entwickelten burgenländischen Schulbücher – die Lehrbuchreihe Magyarul tanulunk. Die Kinder werden von fünf ausgebildeten, erfahrenen Pädagoginnen – Ágnes Nyitri Gulyás, Ágnes Farkas, Orsolya Simon-Mair, Rita Sztojanovics und Mónika Kladek Antal – auf freiwilliger Basis betreut. Im Kindergarten liegt der Schwerpunkt naturgemäß auf Reimen, traditionellen Kinderliedern, Geschichten und Bastelarbeiten. In der Unterstufe lernen die Kinder – in Anlehnung an den österreichischen Lehrplan – die Buchstaben des ungarischen Alphabets, wobei besonders auf die Unterschiede zwischen den beiden Sprachen hingewiesen wird. Es wird weiterhin viel gelesen, gereimt und vor allem viel Wert darauf gelegt, dass die Kinder miteinander Ungarisch sprechen. In der mittleren Schulstufe kommt die Grammatik hinzu, außerdem werden Gedichte und andere literarische Texte gelesen. In der ältesten Gruppe werden regelmäßig geschichts- und geografiebezogene Themen behandelt – orientiert an den Interessen der Jugendlichen. Den Schülerinnen und Schülern steht zudem eine Schulbibliothek mit über 500 Büchern zur Verfügung.

Und was ist das Geheimnis? Warum stehen selbst Teenager jeden zweiten Samstag freiwillig früh auf, um am ungarischen Unterricht teilzunehmen? „Ich glaube, es ist die gute Stimmung und die Kraft der Gemeinschaft, die sie hierhält. Oft spielen wir mit allen drei Klassen gemeinsam, lösen Aufgaben zusammen, führen Gespräche – aber auch unsere gemeinsamen Feiern wie Nikolaus, Weihnachten oder Muttertag schweißen die Gruppe zusammen“, meint Mónika Kladek Antal. „Ganz nach ungarischer Tradition halten wir sogar eine feierliche Schuljahreseröffnung und einen Schuljahresabschluss ab“, erzählt sie weiter. Mónika unterrichtet seit neun Jahren an der Schule und leitet sie seit sechs Jahren. Vor 13 Jahren zog Mónika mit ihrer Familie nach Österreich – zunächst nach Wien, wo es kein Problem war, ungarische Angebote und Gemeinschaften für ihre Kinder zu finden. Einige Jahre später übersiedelte die Familie nach Gmunden in Oberösterreich. Auch dort war es Mónika ein großes Anliegen, dass ihre Kinder Ungarisch weiterhin im institutionellen Rahmen lernen konnten. So kam sie zum Ungarischen Wochenendkindergarten und der -schule, die unter dem Dach des Kulturvereins der ungarischen Sprachgruppe in Oberösterreich arbeitet – und wurde selbst Teil des pädagogischen Teams. Unter der Woche ist sie in zwei Schulen in Gmunden tätig – an einer Volksschule und einer Mittelschule –, wo sie als Bildungsberaterin arbeitet. „Meine Aufgabe ist es, die Kommunikation zwischen Schule und Familien zu fördern und neu zugezogenen Familien dabei zu helfen, sich im österreichischen Bildungssystem zurechtzufinden. Dass ich aus der Vojvodina stamme, ist dabei ein großer Vorteil – neben Ungarisch spreche ich auch Serbisch, Kroatisch, Bosnisch und Englisch. Ich übersetze häufig bei Elterngesprächen und unterstütze Kinder beim Deutschlernen. Es ist eine sehr spannende und verantwortungsvolle Arbeit. In ganz Oberösterreich gibt es nur vier Bildungsberaterinnen und Bildungsberater – aber ich mache diesen Job wirklich sehr gerne“, erzählt sie.
Mónika Kladek Antal und ihre Kolleginnen möchten ihre bisherige Arbeit auch in Zukunft mit ebenso viel Begeisterung fortsetzen – bereichert durch noch mehr Erfahrung.
Titelbild, Fotos: der Ungarische Wochenendkindergarten und die -schule in Oberösterreich
Übersetzung: Pathy
Text: Anna Gazdik











