Das Medgyaszay-Haus in Nagykanizsa war vom 1. bis 3. Juli Austragungsort des 52. Internationalen Kulturhistorischen Symposiums Mogersdorf. Dieses wissenschaftliche Forum, das seit Jahrzehnten – sogar während des Kalten Krieges – besteht, empfing auch diesmal Vortragende aus mehreren Ländern. Zentrales Thema der Konferenz war heuer die Stadtentwicklung im 20. Jahrhundert. Unter den Eingeladenen befand sich auch László Kelemen, Leiter des UMIZ.
Die wissenschaftliche Begegnung fand erstmals 1969 statt. Seither treffen sich – mit einigen Ausnahmen während des jugoslawischen Bürgerkrieges – jährlich Fachleute aus verschiedenen Disziplinen wie Archivwesen, Geschichtswissenschaft oder Museologie jeweils an wechselnden mitteleuropäischen Orten, um im Rahmen von Informations- und Meinungsaustausch aktuelle Fragen rund um Kultur, Geschichte, Gesellschaft und regionale Identität im Pannonischen Raum zu beleuchten. Ziel ist die Präsentation und gemeinsame Bewertung wissenschaftlicher Ergebnisse, die Stärkung lokaler und internationaler Beziehungen sowie der Ausbau und Stärkung von Kooperationen. Österreich, Ungarn, Slowenien und Kroatien übernehmen abwechselnd die Gastgeberrolle. Selbst während des Kalten Krieges wurde versucht, dieses in historisch-politischer Hinsicht bedeutende internationale Ereignis zu organisieren, obwohl es in einer Region stattfand, die unmittelbar an den Ost- und Westblock angrenzte – der Eiserne Vorhang trennte die beiden Welten. Mogersdorf hatte dabei eine besondere Rolle, da die nahe der ungarischen Grenze gelegene österreichische Gemeinde als Bindeglied die Mission der Konferenz übernahm.

Heuer war Nagykanizsa bereits zum zweiten Mal Gastgeber. Veranstaltungsort war das 1927 nach Plänen von István Medgyaszay errichtete und 2006 renovierte Medgyaszay-Haus, das nicht nur Konferenzen, sondern auch regelmäßig kulturellen Programmen Raum bietet. Bei der Eröffnung betonte Zoltán Kaposi, Doktor der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, dass die Erforschung der Stadtentwicklung ein wesentlicher Bestandteil für das langfristige Verständnis gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Prozesse sei. Mónika Tóth Bagó, Vizebürgermeisterin von Nagykanizsa, bezeichnete es als Ehre, ein so bedeutendes Ereignis ausrichten zu dürfen.
Die Konferenz knüpft eng an die in Arbeit befindliche Stadtmonografie von Nagykanizsa an. Bisher wurde die Stadtgeschichte in drei Bänden aufgearbeitet, der vierte ist in Vorbereitung. Die Vorträge des Symposiums werden voraussichtlich Grundlage für weitere Kapitel bilden.
Jede Tagung widmet sich einem zentralen Thema, und so lag beim 52. Symposium der Schwerpunkt auf der Stadtentwicklung. Die Referate behandelten die stadtgeschichtlichen Prozesse des 20. Jahrhunderts, die Auswirkungen der Industrialisierung sowie gesellschaftliche Veränderungen in der Region. Abgeschlossen wurde das Programm mit Podiumsdiskussionen und thematischen Sektionen. Während der dreitägigen Veranstaltung konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Nagykanizsa erkunden und dessen lokalhistorische Schätze besichtigen.


László Kelemen, Leiter des Ungarischen Medien- und Informationszentrums Unterwart, ist seit den 1990er Jahren regelmäßiger Gast dieses Fachforums. Er erklärte:
„Der Begriff des Pannonischen Raumes hat sich im Laufe der Jahre gewandelt, das frühere enge Verständnis wurde erweitert. Aus dem Burgenland waren das Landesarchiv, die Landesbibliothek sowie das Landesmuseum vertreten, aus der Steiermark das Landesarchiv; neben den Komitaten Vas, Zala, Somogy und Baranya kamen selbstverständlich auch kroatische und slowenische Fachleute. Aus jeder Region wurden zwei Referenten eingeladen, insgesamt waren wir fast siebzig Personen.
Die Bedeutung liegt gerade darin, dass jedes Land eine andere historische Kultur hat, die Perspektive staatlich differenziert ist und die Geschichte unterschiedlich unterrichtet wird – schließlich ist Geschichtsvermittlung fast eine nationale Angelegenheit.
Zum Beispiel enthalten die hiesigen Schulbücher keine Materialien über die ungarische Revolution und den Freiheitskampf, weil dies aus österreichischer Sicht weniger relevant ist. Jeder bringt seine eigenen, lokal verankerten Themen mit – und genau das ist wohl der Motor des Ganzen: das Kennenlernen des jeweils anderen, der Austausch von Standpunkten. So entsteht regionale Zusammenarbeit und historischer Dialog.“
Aus dem Burgenland präsentierte Brigitte Krizsanits unter dem Titel „Eisenstadt, die Landeshauptstadt – von der Gründung bis zur Erfolgsgeschichte“. Margit Fröhlich referierte über „Wachstum und Wandel im Burgenland – Entwicklungsschritte in Richtung Urbanisierung ausgewählter Bezirksvororte“. Aus Ungarn berichtete Andrea Csapláros, Altertumswissenschaftlerin und Direktorin des Savaria-Museums in Szombathely, anhand des Beispiels Szombathely über die Geschichte der Stadtentwicklung. Sándor Horváth, Museologe und Institutsleiter am Savaria Universitätszentrum der ELTE, thematisierte die Beziehung zwischen Dorf und Stadt am Beispiel Szombathely als Komitatshauptstadt.
Das Internationale Kulturhistorische Symposium Mogersdorf findet 2026 im steirischen Deutschlandsberg statt.
Titelbild, Fotos: László Kelemen
Text: Mónika Gombás
Übersetzung: Pathy


















