Mit einer besonderen Zeitreise begann am 7. Februar der traditionelle Ungarnball in Oberpullendorf (Felsőpulya) im Restaurant Domschitz: Die Tanzgruppe Csalafinta ließ mit einer Tanzproduktion, die fast sieben Jahrzehnte umspannte und mit Bühnenelementen angereichert war, die Volksbräuche der Oberpullendorfer wiederaufleben. Am Jubiläumsball, das inzwischen bereits zum 20. Mal veranstaltet wurde, nahmen rund 170 Gäste teil: Einheimische sowie Besucher aus der Region und aus Ungarn verabschiedeten gemeinsam den Winter.
Der vom Mittelburgenländischen Ungarischen Kulturverein organisierte Ball spielt im Gemeinschaftsleben Oberpullendorfs eine zentrale Rolle – er ist nicht nur ein wichtiger Treffpunkt der burgenländischen Ungarn, sondern zugleich der einzige Faschingsball der Stadt. Im Namen des Vereins begrüßte Elizabeth Hausmann-Farkas, Obfrau des Vereins, die Anwesenden und führte auch als Gastgeberin durch den Abend. Bürgermeister Johann Heisz, Vizebürgermeister Miklós Dominkovits sowie Vertreter der größten burgenländischen Faschingsgilde, der Krebsler Faschingsgilde, eröffneten den Ball.






Krisztián Marczis, Tanzpädagoge und Leiter der Tanzgruppe Csalafinta, erzählte mit Freude von den Vorbereitungen: „Für uns ist der Ball immer ein wichtiger Meilenstein, weil wir das, was wir unter dem Jahr wöchentlich erarbeiten, hier zum ersten Mal zeigen – hier ist die Premiere. Diesmal haben wir zwei Nummern vorbereitet. Die eine ist eine Zusammenstellung auf Basis von Szatmár-Tänzen – Paartänze, Verbunk und frischer Csárdás – nach den Tanzfolgen des Oberen Theißgebiets. Der zweite Teil ist ein größer angelegtes Vorhaben; so etwas gab es weder in der Geschichte der Gruppe noch in unserer pädagogischen Arbeit bisher. Bei der Entstehung spielte eines unserer Mitglieder eine Schlüsselrolle. Wir arbeiteten mit ihren persönlichen Erlebnissen, Erinnerungen, Geschichten und alten Aufzeichnungen und bauten alles ein, was sie erlebt oder gesammelt hat. In Oberpullendorf hat es bislang keine vergleichbare volkstänzerische oder volksmusikalische Sammlung gegeben.“

Die ungarisch verwurzelte Gertrude Gazilj-Toth lernte als Kind von ihrer Großmutter ungarische Gebete; ungarische Folklore war ein selbstverständlicher Teil ihres Lebens. Von ihr kam die Idee, dieses außergewöhnliche Programm auf die Bühne zu bringen. „Ich habe mit älteren Menschen aus Oberpullendorf Interviews geführt. Sie erinnerten sich daran, was sie früher gesungen haben, wie sie als Jugendliche getanzt haben. Ich habe Tonaufnahmen angehört, die Oberpullendorfer vor etwa fünfzig Jahren auf Kassetten festgehalten hatten; dabei konnte ich etliche Melodien und Schritte sammeln. Unsere Lehrer, Krisztián und Magdi, haben daraus die Aufführung gestaltet – und wir möchten sie nach unseren Plänen im Herbst auch beim Háromtánc zeigen“, berichtete Gertrude Gazilj-Toth. Oberpullendorf ist eine Stadt mit mehreren Nationalitäten – Kroaten, Ungarn, Österreicher und Roma leben hier –, und genau diese Vielfalt brachten die Csalafinta-Mitglieder auf die Bühne. In den Szenen wurde das frühere bäuerliche Leben wiederaufgerufen, unter anderem auch das Federnschleißen dargestellt. Die Zeitreise durch fast sieben Jahrzehnte wurde beim Ball zu einem großen Erfolg.










Bei der großen Veranstaltung waren auch zahlreiche eingeladene Gäste anwesend. István Horváth, Vorsitzender der Roma-Landesnationalitäten-Selbstverwaltung des Komitats Vas, nahm erstmals teil. „Beziehungsaufbau ist für uns sehr wichtig – er gehört zu meiner Arbeit. Eine solche Veranstaltung ist eine gute Gelegenheit, damit sich Kooperationen mit den Anwesenden entwickeln können, die später fortgesetzt werden“, sagte er.

Für die Tanzmusik sorgte das Trio Lustige Buam aus der Umgebung von Sopron. Der Leiter der „Lustigen Buam“, Konrád Baranyai, erzählte: „Wir kommen aus Ágfalva, Fertőrákos und Brennbergbánya – aus Orten, in denen deutsche Traditionen bis heute lebendig sind. Wir sind alle drei deutschstämmige Ungarn, daher liegt uns ungarische wie deutsche Musik gleichermaßen nahe. Wir kennen einander schon lange, und jeder von uns spielt mehrere Instrumente. Zum ersten Mal musizieren wir bei diesem Ball, und wir haben ein gemischtes Repertoire mitgebracht: ungarische, deutsche und burgenländische Musik. Von Cha-Cha-Cha und lateinamerikanischen Rhythmen über Twist und Rock’n’Roll bis hin zu Csárdás und Polka – unser Angebot ist vielfältig.“

Elizabeth Hausmann-Farkas, Obfrau des Ungarischen Kulturvereins Mittelburgenland, blickte anschließend auf das vergangene Jahr zurück: „Für uns war 2025 in vielerlei Hinsicht ein aktives und ereignisreiches Jahr. Wir haben bei der ganzjährigen Jubiläumsreihe der Stadt Oberpullendorf mitgewirkt – sie erinnerte an das 50-jährige Jubiläum der Stadterhebung und zugleich an den 800. Jahrestag der ersten urkundlichen Erwähnung der Region, also Oberpullendorf, Unterpullendorf und Mittelpullendorf. Darüber hinaus haben wir auch unsere eigenen, gewohnten Programme umgesetzt: im Februar den Ungarnball; auf den Háromtánc und den traditionellen Ferenc-Tag-Kirtag im Herbst haben wir uns über mehrere Wochen hinweg vorbereitet.Das ist nicht nur eine unserer größten Veranstaltungen – wir organisieren ihn seit 2005 –, sondern auch einer der wichtigsten Begegnungspunkte der autochthonen burgenländisch-ungarischen Gemeinschaft und ein fixer Bestandteil des kulturellen Angebots der Stadt. Besonders war heuer, dass auch Künstler aus Ungarn aufgetreten sind. Wir haben Familien und Kinder gezielt angesprochen: Oster- und Muttertags-Basteln sowie unsere Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit Kirche und Gemeinde haben die Gemeinschaft gestärkt. Als neues Element kam eine Operettengala hinzu, die das Genre vor Ort zugänglich machte – vor allem für die ältere Generation. Auch die Weihnachtsfeier war herausragend: Zum ersten Mal führten wir gemeinsam mit den Volkstänzern des Ungarischen Kultur- und Tanzvereins Unterwart (UKTU) ein Hirten- und Krippenspiel auf. Bei unseren Auftritten waren auch unsere eigenen traditionspflegenden Kulturgruppen präsent – darunter der Chor Vox Pannonia, der zweite Chor, die früheren ‚Csárdás-Mädchen und -Burschen‘, die heute unter dem Namen Csalafinta auftreten, die Colourful Dancers sowie die Schülerinnen und Schüler der Volksschule Oberpullendorf unter der Leitung von Diána Mohl. Unsere Tätigkeit war auch im vergangenen Jahr – unter Einbindung eines immer breiteren geografischen und generationenübergreifenden Kreises – geprägt von Traditionspflege, Gemeinschaftsarbeit sowie der Pflege bestehender und dem Aufbau neuer Partnerschaften; wir stehen etwa in engem Kontakt mit Zsira und Lutzmannsburg.
Auch organisatorisch gab es eine Erneuerung: Bei der Neuwahl im Oktober wurde ein neuer Vorstand gebildet, in dem sowohl bisherige als auch neue Mitglieder Verantwortung übernehmen. Mit neuem Schwung und innovativen Ideen setzen wir die begonnene Arbeit fort.“ sagte die Obfrau.
„Die monatlichen Seniorennachmittage sind weiterhin sehr beliebt: Musikalische Beiträge, gemeinsames Kochen und Backen sowie ungezwungene Gespräche erwarten die interessierten älteren Besucher. Der heurige Jubiläumsball beginnt mit einer einzigartigen kulturellen Kostprobe: Die Csalafinta-Gruppe nimmt die Ballgäste mit auf eine außergewöhnliche Zeitreise. Sie schöpfen aus dem Volksgut Oberpullendorfs – mit Volksliedern und Volkstänzen. Auch das Bühnenbild ist bemerkenswert: Es stammt vom Oberpullendorfer ungarischen Volkskünstler, Holzschnitzer und Maler Rezső Maurer. Die Möbel haben am Vereinssitz einen dauerhaften Platz gefunden“, ergänzte Elizabeth Hausmann-Farkas.
Auch 2026 wird ein lebendiges Programm erwartet. Der Verein wird den Schwerpunkt auf den 70. Jahrestag der Revolution und des Freiheitskampfes von 1956 legen und bereitet eine Festkonferenz sowie eine Gedenkveranstaltung unter Einbeziehung mehrerer Gemeinden und Schulen vor.
Fotos: Mónika Gombás
Übersetzung: Pathy






















