Am 12. April sangen die Gläubigen in der Pfarrkirche St. Katharina von Alexandrien in Unterwart aus einem neuen Gesangbuch. Der in 200 Exemplaren erschienene Band enthält 63 Stücke. Sofie Farkas, Kantorin der Pfarrgemeinde Unterwart, zeichnete das Material auf; die Notierung der Melodien wurde von Márton Ilyés, Obmann des Unterwarter Gesangvereins, und Chorleiterin Zsuzsanna Fasching gemeinsam vorgenommen.
Auf Initiative von Klára Liszt, der früheren Bürgermeisterin von Unterwart, begann der Prozess vor rund zwei Jahren mit dem Ziel, das bereits seit Jahrzehnten verwendete Gesangbuch neu aufzulegen. Im Laufe der Planung zeigte sich jedoch, dass ein bloßer Nachdruck nicht ausreichte: Auch eine genaue Notierung der Melodien war notwendig. Über Jahrzehnte hinweg hatte die Gemeinde die Kirchenlieder aus dem Gedächtnis gesungen, was zu Abweichungen führte, besonders bei den seltener verwendeten Stücken. Eine zentrale Aufgabe des Projekts war es daher, zu dokumentieren, wie diese Gesänge in der burgenländischen ungarischsprachigen Gemeinde tatsächlich klingen.
Sofie Farkas und Márton Ilyés wählten gemeinsam jene 63 Lieder aus, die sich am Kirchenjahr orientieren und auch tatsächlich in den Messen gesungen werden. Die Auswahl reicht vom Advent über Weihnachten bis zum Fest der Kirchenpatronin von Unterwart, der heiligen Katharina. Die Kantorin sang das Material ein, auf dessen Grundlage Márton Ilyés und Zsuzsanna Fasching die Noten erstellten.

Sofie Farkas konnte bei der kirchlichen Veranstaltung am 12. April für ihre Arbeit eine Ehrenurkunde entgegennehmen. Das hervorragend Ungarisch sprechende Pfarrgemeindemitglied, das in Wien geboren wurde, aber seit seiner Kindheit in Unterwart lebt, begann als Ministrantin, ist seit 13 Jahren Kantorin und glückliche Mutter eines eineinhalbjährigen kleinen Mädchens.
Sofie Farkas betonte: „Das frühere Unterwarter Gesangbuch enthielt keine Noten, was das gemeinsame Singen erschwerte – besonders für jene, die die Lieder weniger gut kannten. Mit dem neuen Band werden sie leichter nachvollziehbar. Nach der Auswahl wurden jene Gesänge aufgenommen, die in der örtlichen Praxis tatsächlich verwendet werden; Varianten, die nicht mehr lebendig sind, wurden nicht aufgenommen.“
Nach Einschätzung von Márton Ilyés, Obmann des Gesangvereins Unterwart, ist die neue Liedersammlung von kirchenhistorischem Wert. Er erklärte: „Die Unterwarter Gesänge unterscheiden sich in mehrfacher Hinsicht von den in Ungarn bekannten Varianten. Die Unterschiede zeigen sich nicht nur im Text, sondern auch in den Melodien, was darauf hinweist, dass sich die lokale Tradition eigenständig entwickelt hat. Es war besonders wichtig, diesen Schatz für die Nachwelt zu bewahren. Bei der Aufzeichnung der Melodien ging es nicht nur um Dokumentation, sondern in manchen Fällen auch um Korrekturen. Es kam vor, dass einzelne Lieder in veränderter Form überliefert wurden, sodass bei der Notierung die musikalische Logik und die Intervallverhältnisse berücksichtigt werden mussten, um die Melodien zu vereinheitlichen. Ziel war es, die Gesänge so in den Band aufzunehmen, dass sie einerseits der kirchlichen Praxis entsprechen, andererseits aber auch musikalisch in einer einheitlichen Form vorliegen.“




Auch die äußere Gestaltung der Publikation orientiert sich an den örtlichen Bedürfnissen. László Kelemen, Leiter des Ungarischen Medien- und Informationszentrums in Unterwart, sagte: „Das Format ist eigens an die Kirchenbänke angepasst, damit das Buch bei der Benutzung nicht über die Fläche hinausragt. Dieses Sonderformat weicht vom Standard ab und stellte auch an die Herstellung besondere Anforderungen; dennoch ist die Druckarbeit gelungen, und es konnten 200 Exemplare hergestellt werden. Die Umsetzung des Projekts wurde durch eine Förderung eines österreichischen Ministeriums ermöglicht. Das neue Buch mit dem Titel Unterwarter Kirchengesänge entstand nicht zu kommerziellen Zwecken, sondern für die römisch-katholische Pfarrgemeinde Unterwart und wird unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Die Pflichtexemplare werden an Landes- und Nationalbibliotheken in Österreich und Ungarn übergeben und damit auch der Forschung zugänglich gemacht.“ Der Institutsleiter informierte außerdem darüber, dass auch die Tonaufnahmen digitalisiert wurden. Die Gesänge sind damit nicht nur in gedruckter Form, sondern auch im digitalen Archiv des Vereins zugänglich. Langfristig kann dies die Grundlage für weitere Bearbeitungen und Vergleichsuntersuchungen bilden, auch um Parallelen zu kirchenmusikalischen Traditionen in Ungarn sichtbar zu machen.


Über das Buch, das ausdrücklich für den Gebrauch in der Kirche bestimmt ist, freute sich auch Adalbert Gáspár, Pfarrer von Unterwart, denn vielleicht weckt es auch die Freude am gemeinsamen liturgischen Singen. Nach der mit einer Buchvorstellung verbundenen Messe am Sonntag nach Ostern kamen die Gläubigen beim traditionellen Pfarrcafé zusammen, unterhielten sich und verbrachten gemeinsam Zeit.
Text, Titelbild, Fotos: Mónika Gombás
Übersetzung: Pathy











