Unter dem Titel „Változatos magyar nyelv“ („Vielfältiges Ungarisch“) organisierten das Imre Samu Sprachkompetenzzentrum in Unterwart und der Lehrstuhl für Ungarische Sprachwissenschaft der Eszterházy Károly Katholischen Universität in Eger am 3. November eine Konferenz. Das wissenschaftliche Symposium wurde unter dem Motto „200 Jahre im Dienst von Wissen und Gesellschaft“ als Teil der Veranstaltungsreihe Fest der Ungarischen Wissenschaft abgehalten. Thema waren der Sprachgebrauch, die Sprachrechte und die Bildungssituation der ungarischen Gemeinschaft in Österreich; vorgestellt wurden das Ungarische Medien- und Informationszentrum (UMIZ) in Unterwart, das Imre Samu Sprachkompetenzzentrum sowie der Wiener Verein Ungarische PädagogInnen in Österreich (AMAPED).
Die vor drei Jahren gestartete Konferenzreihe „Vielfältiges Ungarisch“ befasste sich zunächst mit der Sprache der Ungarinnen und Ungarn in Transkarpatien, beim zweiten Termin mit jener der Ungarinnen und Ungarn in Kroatien. Diesmal stand das Thema „Die ungarische Sprache und die ungarische Volksgruppe in Österreich: Streifzug am westlichen Rand des Sprachgebiets“ im Mittelpunkt. Das Fachprogramm veranschaulichte den Sprachgebrauch, die Kultur und den gesellschaftlichen Kontext des Ungarischen jenseits der Landesgrenzen.

Beim in Eger veranstalteten Jubiläums-Symposium hielt Szilvia Szoták, Präsidentin des Imre Samu Sprachkompetenzzentrums, den Einführungsvortrag; sie stellte die allgemeinen Merkmale des in Österreich gesprochenen Ungarischen sowie den Sprachgebrauch der lokalen Gemeinschaften vor – mit besonderem Augenmerk auf die autochthonen (alteingesessenen) und allochthonen (zugewanderten) Gruppen. Sie gab einen Überblick über die Arbeit des Instituts von der Gründung 2007 bis heute, hob die 2021 durchgeführte Online-Diasporaforschung in Österreich sowie das im Vorjahr gestartete Projekt zur Terminologiestrategie hervor, das zu den national prioritären Forschungsprogrammen der Ungarischen Akademie der Wissenschaften zählt. Darüber informierte sie das Publikum in ihrem Bericht „Von der Erforschung der sprachlichen Landschaft zur Terminologie“.

„Das vierjährige Programm, an dem fünfundzwanzig Forscherinnen und Forscher mitarbeiten, hat zum Ziel, eine neunsprachige Datenbank aufzubauen, die die Bildungsterminologie aus dem gesamten Karpatenbecken sammelt. Diese Informationsbank wird in Zukunft kostenlos zugänglich sein und nicht nur Übersetzerinnen, Übersetzer, Dolmetscherinnen, Dolmetscher und Pädagoginnen sowie Pädagogen unterstützen, sondern als wertvolle Quelle allen Interessierten zur Verfügung stehen“, erklärte Szilvia Szoták, die auch auf die 2021 gestartete soziolinguistische Erhebung einging: „Fast 1.500 Ungarinnen und Ungarn in Österreich haben den Fragebogen ausgefüllt, der elf Themenbereiche umfasste – unter anderem mehrgenerationellen Sprachgebrauch, den Zusammenhang zwischen wirtschaftlichen Faktoren und Sprache, die Rolle zivilgesellschaftlicher Organisationen und des religiösen Lebens sowie Namensgebungs- und Namensgebrauchspraktiken.“ Die Leiterin des burgenländischen Sprachinstituts ist überzeugt: „Die Bewahrung der ungarischen Sprache ist nur dann möglich, wenn Kinder von klein auf auch im Bildungssystem mit ihr in Berührung kommen. Häufig bevorzugen die Eltern die deutsche Schule in der Annahme, dass die Kinder die Sprache ohnehin zu Hause lernen. Die Forschung zeigt jedoch, dass der Einfluss der Umgebungssprache enorm stark ist – sobald die Kinder ins Schulsystem eintreten, kommunizieren sie in fast allen sprachlichen Lebensbereichen auf Deutsch. Und wenn sie nicht in eine ungarische Gemeinschaft, eine Nachmittagsschule oder etwa zu Pfadfinderaktivitäten gehen, bleiben immer weniger Gelegenheiten, Ungarisch aktiv zu gebrauchen.
Die Familie allein kann die Rolle der institutionellen Bildung nicht ersetzen. Es ist unerlässlich, dass sich junge Menschen so früh wie möglich in ein ungarischsprachiges Umfeld einbringen – sei es durch Lernen oder durch gemeinschaftliche Erlebnisse“,
– betonte Szilvia Szoták.






Das Imre Samu Sprachkompetenzzentrum(ISNYI) wurde am 23. November 2007 als interne Organisationseinheit des Ungarischen Medien- und Informationszentrums (UMIZ) in Unterwart gegründet und fungiert als sprachwissenschaftliche Kommission des Vereins. Es ist Mitglied des Netzwerks ungarischsprachiger Forschungsinstitute im Ausland (TERMINI-Forschungsnetzwerk) und arbeitet mit der Ungarischen Akademie der Wissenschaften sowie mit ungarischen Forschungsgruppen in Kroatien und Slowenien zusammen. Die wissenschaftliche Arbeit des Instituts macht auf die verbindende Kraft von Kulturen und Sprachen sowie auf die Pflege und Bewahrung sprachlicher Vielfalt aufmerksam – ein Wert, der zum kulturellen Erbe des Burgenlandes gehört.

Über den Ungarischunterricht in der Diaspora referierte Szilvia Mentsik, Präsidentin des Wiener Vereins Ungarische PädagogInnen in Österreich (AMAPED), die in ihrer Präsentation die sprachbewahrende Bedeutung des 2004 gegründeten Vereins hervorhob. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz in Eger erhielten ein umfassendes Bild davon, wie der Ungarischunterricht in Wien funktioniert, in welchen Rahmenbedingungen er stattfindet und welche Ergebnisse der Verein in den vergangenen Jahrzehnten erzielt hat.
„Derzeit nehmen an unseren Kursen knapp dreihundert Schülerinnen und Schüler teil; rund vierhundert Eltern sowie zwanzig Pädagoginnen und Pädagogen gehören zu unserer Gemeinschaft. In unserer Einrichtung kommt der modernen Sprachvermittlung eine besonders wichtige Rolle zu, ebenso wie der Kontaktpflege mit jungen Menschen und Lehrpersonen ungarischer Herkunft in aller Welt.
Ein Beispiel dafür ist der internationale Rezitationswettbewerb, den wir seit mehr als 25 Jahren organisieren. In unserem Ringató-Programm erleben Mütter und Väter gemeinsam mit ihren Kleinkindern die Freude am Singen, an der Bewegung und am gemeinsamen Spiel mit dem reichen Repertoire ungarischer Volkslieder und Spiele. Unsere vorschulische Bildung basiert auf einem komplexen pädagogischen Konzept; die Einheiten sind spielerisch aufgebaut, Bewegungsförderung ist integraler Bestandteil und unterstützt gleichermaßen das körperliche und seelische Gleichgewicht der Kinder. Die Zenemanók-Einheiten für 3- bis 6-Jährige fördern gleichzeitig die muttersprachlichen Kompetenzen und das musikalische Empfinden der Kinder. Seit 2013 ist unser Verein aktives Mitglied des internationalen Netzwerks der Tehetségpontok (Talentepunkte). Darüber hinaus bieten wir verschiedene Sommerlager für Schulkinder an, in denen neben dem Lernen vor allem Gemeinschaftsbildung und erfahrungsorientiertes Lernen im Mittelpunkt stehen“, fasste die Wiener Expertin zusammen. Sie wies das Publikum auch darauf hin, dass die Arbeit der AMAPED nur durch eine starke gesellschaftliche Zusammenarbeit möglich ist: Pädagoginnen, Pädagogen, Eltern und freiwillige Helferinnen und Helfer arbeiten gemeinsam daran, dass die ungarische Sprache und Kultur für die in Wien und Umgebung lebenden ungarischen Kinder erhalten bleibt und weiter gestärkt wird.
Die Veranstaltung war nicht nur für Fachleute, sondern auch für die Studierenden der gastgebenden Universität eine wertvolle Erfahrung: Sie konnten sehen, dass qualitativ hochwertiger Ungarischunterricht nicht ausschließlich im staatlichen Rahmen, sondern auch in Vereinsform verwirklicht werden kann.


László Kelemen, Regionaler Vizepräsident sowie Leiter des Ungarischen Medien- und Informationszentrums in Unterwart, erläuterte in seinem Vortrag, wie das Institut zur Stärkung des kulturellen, bildungsbezogenen und gemeinschaftlichen Lebens der burgenländisch-ungarischen Volksgruppe beiträgt. Er sprach über die historischen, gesellschaftlichen und sprachlichen Besonderheiten der Ungarinnen und Ungarn im Burgenland sowie über die gemeinschaftsbildende und kulturelle Funktion der Einrichtung. Die Arbeit des Zentrums umfasst Medienarbeit, Informationsvermittlung und die Unterstützung von Projekten, die der Bewahrung der ungarischen Sprache und Identität dienen.
„Die Aktivitäten des UMIZ erstrecken sich auf mehrere Bereiche: Es betreut Bibliotheks- und Archivbestände, baut Datenbanken auf, organisiert kulturelle und künstlerische Programme und gibt unter dem Namen UMIZ4KIDS eine mehrsprachige Kinderbuchreihe heraus.
In die Arbeit des Zentrums sind Kommissionen zur Orts- und Regionalgeschichte, Literatur, Kunst, Sprachwissenschaft und Vorschulpädagogik eingebunden. Über das Imre Samu Sprachkompetenzzentrum ist das UMIZ aktiv an wissenschaftlicher Forschung, Konferenzen und an der Arbeit des TERMINI-Forschungsnetzwerks beteiligt. Die Einrichtung betreibt zudem Medienarbeit, hält über mehrere Online-Kanäle Kontakt zur Öffentlichkeit und widmet der Bewahrung der ungarischen Sprache, Kultur und Identität im Burgenland besondere Aufmerksamkeit. Unsere Arbeit spielt eine bedeutende Rolle bei der Stärkung des kulturellen Selbstverständnisses der ungarischen Gemeinschaft in Österreich, bei der Pflege der Muttersprache und bei der Aufrechterhaltung grenzüberschreitender Fachkontakte“, skizzierte der Institutsleiter.

Das wissenschaftliche Symposium in Eger vermittelte anhand der Arbeit von drei Institutionen – des Imre Samu Sprachkompetenzzentrums, der AMAPED und des UMIZ – ein umfassendes Bild über die Bedeutung der Bewahrung von Muttersprache und Identität sowie über die Rolle bildungsbezogener und gemeinschaftlicher Initiativen.
Titelbild: László Kelemen
Text: Mónika Gombás
Übersetzung: Pathy















