Am 23. August fand im Wiener Stephansdom eine ungarischsprachige Festmesse statt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gedachten des Staatsgründers, König Stephan des Heiligen, und es erfolgte auch die Segnung des neuen Brotes. Entgegen den Erwartungen der Veranstalter nahmen heuer mehr als 700 Menschen an der Feier teil.
Zur Zeit des heiligen Königs Stephan wurde das Fest noch am 15. August, dem Tag Mariä Himmelfahrt, begangen. Damals berief Stephan in Stuhlweißenburg den Königlichen Rat ein und leitete einen Gerichtstag. Erst König Ladislaus verlegte das Fest auf den 20. August: An diesem Tag wurden im Jahr 1083 mit Zustimmung von Papst Gregor VII. die Reliquien Stephans I. in der Basilika von Stuhlweißenburg erhoben. Ein untrennbarer Bestandteil des 20. August ist die Brotsegnung. Das Brot mit der rot-weiß-grünen Schleife wird feierlich gesegnet, anschließend angeschnitten und in Stücken an die Anwesenden verteilt. Der Tradition nach wurde am Stephanstag stets das erste Brot aus dem neuen Getreide nach der Ernte gebacken. Daher galt der August auch als Monat des neuen Brotes. Schon damals wurden an diesem Tag Erntefeste gefeiert: Nach Abschluss der Ernte banden die Schnitter aus Ähren und Feldblumen einen Erntekranz oder eine Erntepuppe und überreichten sie in feierlichem Zug dem Bauern. Danach begann das ausgelassene Fest, das die Erntezeit beschloss. Das Brot – wichtigstes Grundnahrungsmittel des Menschen – symbolisierte stets Existenz, Heimat und Leben. Am 20. August bringt das mit den ungarischen Nationalfarben geschmückte Brot bis heute zum Ausdruck, dass Leben und Heimat untrennbar miteinander verbunden sind.

Seit Jahrzehnten ist es Tradition, dass Ungarinnen und Ungarn aus aller Welt am Wochenende nach dem 20. August im Wiener Stephansdom gemeinsam den heiligen König Stephan, die Staatsgründung sowie die Segnung des neuen Brotes feiern. Entgegen den Erwartungen der Veranstalter nahmen in diesem Jahr mehr als 700 Personen – so viele wie nie zuvor – an der Feier teil. Der Stephansdom war erfüllt von ungarischem Gesang und Fürbitten in ungarischer Sprache. Punkt 12 Uhr begann die Festmesse mit einem feierlichen Einzug: Kronwächter der Stephanskrone, Pfadfinder und Fahnenträger nahmen im Altarraum Aufstellung, wo auch die im Stephansdom aufbewahrte Reliquie des heiligen Stephan gezeigt wurde.




Hauptzelebrant der Festmesse war Gábor Mohos, Weihbischof von Esztergom-Budapest, der die Gläubigen zu diesem besonderen Anlass herzlich begrüßte. Unterstützt wurde er von Pater János Varga, Rektor des Collegium Pazmaneum, und Pater László Pál, bischöflicher Vikar für die burgenländischen Ungarn. Auch in diesem Jahr wurde das Programm in enger Zusammenarbeit gestaltet: Erzsébet Wurst, Initiatorin der Feier und Präsidentin des Kaláka-Clubs, organisierte die Gedenkveranstaltung gemeinsam mit dem Kaláka-Club, dem Collegium Pazmaneum und dem Programm „Brot der Ungarn“. Schirmherrschaft übernahmen in diesem Jahr Edit Szilágyiné Bátorfi, ungarische Botschafterin in Wien, und István Jakab, Vizepräsident des Ungarischen Parlaments. Unter den Ehrengästen befand sich auch Barna Pál Zsigmond, ungarischer Vizeminister und Parlamentarischer Staatssekretär für Europäische Angelegenheiten.
In seiner Predigt sprach Weihbischof Gábor Mohos über die Bedeutung des starken Glaubens und über König Stephan den Heiligen als Vorbild:
„In der heutigen Welt geraten viele ins Wanken – doch unser König Stephan war nie unsicher, das ist der schönste Teil seines Erbes. In ausweglosen Situationen wurde er von seinem Glauben getragen, da er sich den himmlischen Mächten zuwandte. Sein Erbe darf nicht nur bestehen bleiben, wir müssen es für unsere Zeit deuten und die ewigen Werte bewahren. Wenn wir wirklich seine Erben sind, dann handeln wir – der Glaube allein genügt nicht. Stephan der Heilige betrachtete seine Herrschaft als Dienst. Mit Demut diente er dem Volk, und Demut ist heute ein selten gewordenes Wort. König Stephan der Heilige bleibt auch für uns heute ein Vorbild.“
Die feierliche Stimmung wurde durch den musikalischen Beitrag des Sankt-Gellért-Chors und Orchesters des Doms zu Szeged verstärkt. Geleitet wurden sie von Szabolcs Szamosi, ungarischem Organisten und Träger des Liszt-Ferenc-Preises, zugleich Geschäftsführer der Philharmonie Ungarn. Nach der Segnung des neuen Brotes erklangen die päpstliche, die ungarische und die szekler Hymne – ein Zeichen dafür, dass uns zwar gezogene Grenzen trennen mögen, unsere gemeinsame Sprache, Kultur und Traditionen aber alle Ungarn miteinander verbinden








Fotos: Nóra Horváth
Text: Domonkos Tóth
Übersetzung: Pathy





























