Am 7. Dezember lud der Kreis der Katholischen Ungarn Oberwarts die Ungarinnen und Ungarn des Burgenlandes zu einem traditionellen ungarischen Krippen- und Hirtenspiel in den Großen Saal des Kontaktzentrums ein. Bei der seit 1968 alljährlich veranstalteten Feier mit dem Titel „Nagykarácsony éccakáján“ gestalteten auch heuer zahlreiche burgenländisch-ungarische Vereine, Chöre, Tanzgruppen sowie Kindergruppen das abwechslungsreiche Programm. Erstmals standen dabei die Kindervolkstanzgruppe Kenderkóc des Burgenländisch-Ungarischen Kulturvereins sowie die Jugendlichen der Burgenländischen Ungarischen Pfadfinderbewegung auf der Bühne.
Anfang Dezember ist das gemeinsame Adventfest der Ungarinnen und Ungarn im Burgenland ein besonders erwarteter Höhepunkt des Jahres. Wochen, oft sogar Monate lang bereiten sich die Mitwirkenden auf dieses gemeinsame Weihnachtsfest vor, das traditionell mit einem Lied beginnt, das 1934 in Tura aufgezeichnet wurde. Die Sammlung stammt vom ungarischen Komponisten und Volksliedforscher István Volly, einem ehemaligen Schüler von Zoltán Kodály. Das namensgebende Lied „Nagykarácsony éccakáján“ wurde auch diesmal wieder gemeinsam mit dem Publikum unter der Leitung von Chorleiterin Dr.in Eszter Villányi gesungen. Die Noten dieses vor einundneunzig Jahren aufgezeichneten Liedes hatte Katharina Dowas, zweisprachige Kindergartenpädagogin, Leiterin der Gruppe Spielerische ungarische Kinderstunde des Burgenländisch-Ungarischen Kulturvereins sowie Hauptorganisatorin und Gastgeberin der ökumenischen Veranstaltung, sorgfältig auf jedem Sessel aufgelegt. In ihrem Grußwort erinnerte sie an Dr. Ferenc Iréneusz Galambos, den früheren Pfarrer von Unterwart und Benediktinerpater, der 1968 das Krippenspiel neu belebt hatte. Eine Tradition, die bis heute Jahr für Jahr die im Burgenland lebenden Ungarinnen und Ungarn zur gemeinsamen Einstimmung auf Weihnachten zusammenführt. „Die festliche Vorbereitung begann bereits Ende November mit einem Krippenbastel-Workshop des Ungarischen Medien- und Informationszentrums in Unterwart (UMIZ). Die Proben für das heutige Programm habe ich mit meiner Gruppe im Rahmen der Kinderstunden schon kurz nach dem Martinstag begonnen“, berichtete Katharina Dowas.
Die Gäste wurden vom pensionierten reformierten Pfarrer Mag. László Gúthy und vom Oberwarter katholischen Pfarrer Mag. János Schauermann herzlich begrüßt. Zum ersten Mal wirkte bei diesem Mysterienspiel die Kindervolkstanzgruppe Kenderkóc des Burgenländisch-Ungarischen Kulturvereins mit. Ihr Auftritt wurde vom Publikum besonders liebevoll aufgenommen – wie auch die Beiträge aller anderen Mitwirkenden. Die Gala war einmal mehr von einer innigen, festlichen und familiären Atmosphäre geprägt. Die Leiterin der Tanzgruppe, Laura Pozsgai, tanzt seit ihrem fünften Lebensjahr und ist Mitglied der Erwachsenenvolkstanzgruppe des Ensembles Ungaresca. Die Gruppe Kenderkóc besteht aus Kindergartenkindern, die seit September einmal wöchentlich proben; das jüngste Mitglied ist kaum älter als drei Jahre. Auf dem Programm stehen vor allem sogenannte Ugrós-Tänze, dazu ungarische Volkslieder, Kinderreime und Spiele. Bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt zeigte die Gruppe dem Publikum Kreis- und Rundtänze. Auch Natália, die Tochter von Dr.in Zsófia Thurén-Szalay, ist Mitglied der Kindertanzgruppe. Für die Familie ist die Pflege der ungarischen Traditionen von großer Bedeutung. Die Mutter wünscht sich, dass ihre Tochter ungarische Kinderreime, Lieder und Gedichte kennenlernt – auch wenn Natália in Oberwart den Kindergarten besucht.







Ebenfalls erstmals traten die Jugendlichen der Burgenländischen Ungarischen Pfadfinderbewegung vor ein größeres Publikum. Der Oberwarter Verein wurde erst vor wenigen Monaten gegründet. Das Pfadfinder-Krippenspiel wurde eigens für dieses Fest von der Gruppenleiterin und dem Gruppenleiter Éva Badacsonyiné Solt und Zoltán Badacsonyi geschrieben und zusammengestellt. Die Pfadfinderin Virág Badacsonyi erzählte: „Viele in Österreich lebende Ungarinnen und Ungarn wissen nicht, dass das Burgenland früher zu Ungarn gehörte. Es ist wichtig, dass wir das nicht vergessen. Offiziell sind wir noch keine Pfadfinderinnen und Pfadfinder, da unsere Gemeinschaft erst im Herbst entstanden ist. Die erste Prüfung haben wir jedoch bereits abgelegt, und bei der nächsten dürfen wir dann das Hemd tragen. Ich liebe die Natur und bin stolz darauf, Ungarin zu sein. Für diesen Anlass haben wir ein eigenes Krippenspiel geschrieben, das wir heute aufführen.“






Musikalisch bereicherten der Chor des Burgenländisch-Ungarischen Kulturvereins, der Gesangsverein Unterwart sowie der Kammerchor Vox Pannonia des Mittelburgenländischen Ungarischen Kulturvereins die Veranstaltung. Rezitationen von Gyöngyi Binder und László Gúthy verliehen dem Nachmittag zusätzliche Tiefe und Feierlichkeit. Das Krippen- und Hirtenspiel „Dunántúli pásztorjáték“ wurde von Mónika Lőkös, Leiterin des Ungarischen Kultur- und Tanzvereins Unterwart, einstudiert. An dieser besonderen Aufführung, die Tanz, Musik und gesprochene Texte miteinander verband, wirkten neben den Unterwarter Mitwirkenden auch Mitglieder der Kindervolkstanzgruppe Csalafinta des Mittelburgenländischen Ungarischen Kulturvereins sowie – unter der Leitung der Pädagogin Diána Mohl-Szilvágyi – Kinder der ungarischen Volkstanzgruppe der Volksschule Oberpullendorf mit.
Fotos, Videos: Mónika Gombás
Text: Mónika Gombás
Übersetzung: Pathy















