Ungarischsprachige Radiosendung, „Mesés Női Kör“ (Frauenkreis rund um Märchen und Geschichten), Sommercamp, Theater, Dramapädagogik, Lesungen und Diskussionsabende … Im vielfältigen Angebot von HungaroMedia findet jede in Oberösterreich lebende Ungarin und jeder Ungar ein passendes Programm. Nach dem Start des erstsprachlichen Unterrichts folgte der nächste große Wurf des Vereins: der Ausbau der ungarischsprachigen Abteilung der Linzer Stadtbibliothek. Dort warten nun rund 200 Kinderbücher und einmal im Monat eine spannende Lesung auf interessierte Leserinnen und Leser. Ziel des Vereins ist es, ein hochwertiges ungarisches Kulturangebot zu sichern und zugleich Kontakte zu lokalen und anderen internationalen Organisationen zu knüpfen – denn alle tragen zur Vielfalt des Donaubundeslandes bei.
Die Linzer Stadtbibliothek verfügt glücklicherweise schon seit Langem über eine Abteilung für fremdsprachige Literatur. Bislang wurden dort jedoch vor allem Bücher in englischer, französischer und italienischer Sprache ausgeliehen. Selbst wenn es bosnisch-kroatisch-serbische, arabische, chinesische oder ungarische Kinderbücher gab, verzeichneten diese deutlich geringere Ausleihzahlen. Das liegt natürlich auch daran, dass die meisten Kinder in der Schule Englisch, Französisch oder Italienisch lernen, andere Sprachen dagegen eher in der Familie als Herkunftssprache sprechen. Ein weiterer Grund für das geringe Interesse war jedoch die Auswahl: Die in den Bestand aufgenommenen Bücher wurden nicht von Bibliothekspersonal ausgewählt, sondern gelangten als Spenden in die Bibliothek – entsprechend war das frühere Angebot recht dürftig.

Das wusste auch Vera Ecser, Leiterin des Linzer ungarischen Vereins HungaroMedia – und sie wagte einen großen Schritt. Im November 2024 konkretisierte sich die Idee einer erweiterten ungarischen Kinder- und Jugendbibliothek in Linz, im März 2025 begann bereits die Katalogisierung der Bücher, ab Juni konnten sie ausgeliehen werden, und im September 2025 wurde die erneuerte ungarische Bibliotheksabteilung der Linzer Stadtbibliothek offiziell eröffnet. „Wir dachten uns: Wenn die Bibliothek von sich aus nicht an beliebte ungarischsprachige Bücher kommt, warum sollten wir sie dabei nicht unterstützen? Nach Abstimmungen mit der Bibliotheksleitung und dem Linzer Integrationsbüro starteten wir das Bibliotheksprojekt. Wir bekamen Platz für 200 Bücher, die wir vor allem mit Werken ungarischer Autorinnen und Autoren sowie Illustratorinnen und Illustratoren füllten – überwiegend zeitgenössische Titel: Märchenromane, Märchensammlungen, Reimbücher, Pappbilderbücher, wortlose Bilderbücher und auch Jugendromane kamen mit Aufkleber und Stempel in die Regale“, erzählt Vera Ecser.




Die dreistöckige Stadtbibliothek liegt gut erreichbar im Wissensturm gegenüber dem Hauptbahnhof, ist auch samstags geöffnet und für unter 19-Jährige kostenlos zugänglich. „Dass man kostenlos in Geschichten eintauchen kann, die man im Buchhandel vielleicht nie aus dem Regal nehmen würde – in der Bibliothek kann man hineinschauen, in Ruhe blättern, das Buch mitnehmen und, wenn es einem nicht gefällt, wieder zurückgeben –, das ist eine Chance, die zur Erziehung einer sozial sensiblen Gesellschaft beiträgt. So können jene, die ungarische Bücher lesen, das Angebot kennenlernen, und jene, die nicht Ungarisch lesen, treffen auf neue Illustrationen und Schriftbilder – was in dieser immer bunter werdenden Landeshauptstadt zu mehr Akzeptanz und Geduld beitragen kann“, ergänzt die Vorsitzende von HungaroMedia.




Die Eröffnung der ungarischen Abteilung wurde bewusst auf den Europäischen Tag der Sprachen am 26. September gelegt. Zu Gast bei HungaroMedia und der Stadtbibliothek war aus diesem Anlass die Schriftstellerin und Dichterin Judit Ágnes Kiss. Sie las auf Ungarisch aus den „Babaróka“-Geschichten („Fuchs-Baby“) sowie aus ihrem HUBBY-preisgekrönten Buch „Tujaszörny és Nyírfakobold“ („Das Thuja-Ungeheuer und der Birkenkobold“), das von Ausgrenzung und der Annahme des Andersseins erzählt. Die Eröffnung mit Lesung stieß auf große Resonanz – und zur Freude der Organisatorinnen und Organisatoren kamen nicht nur Familien, die schon lange Bibliotheksnutzerinnen und -nutzer sind, sondern auch neue Interessierte. Auf Initiative der Stadtbibliothek wurde unter den Teilnehmenden eine dreijährige Familienkarte verlost – und wie sich herausstellte, hatten sich die Gewinner bereits in der Bibliothek angemeldet. Nach der Lesung leitete Diána Horváth vom Linzer Mackó Kuckó (Bärenhöhle) einen Workshop für Kinder, bei dem Lesezeichen gebastelt werden konnten.

„Seit der Eröffnung organisieren wir regelmäßig, einmal im Monat, eine Lesung in der Bibliothek – auch um die ungarischen Bücher bekannter zu machen, aber einfach auch, weil es guttut, gemeinsam Geschichten zu hören. Im Oktober war Írisz Agócs unser Gast, im November brachte Katalin Szegedi in ihrem ‚Kisten-Theater‘ die sensibilisierende Geschichte ‚Lenka és Palkó‘ mit, im Dezember hatten wir Wintermärchen, im Januar zeigten wir einen Diafilm. Im Februar wird ein in Linz lebender Arzt und Vater Geschichten aus der ‚Doktorwelt‘ vorlesen, im März lernen die Zuhörerinnen und Zuhörer die zauberhafte Form des Kamishibai (Papiertheater) kennen“, skizziert Vera Ecser das Programm. Die ungarischsprachige Bibliothek wird dabei immer beliebter: Während 2024 nur sechsmal ungarischsprachige Bücher aus der Linzer Stadtbibliothek ausgeliehen wurden, lag man Ende 2025 bereits bei rund 500 Ausleihen – und bis Juni 2026, also ein Jahr nach dem Einräumen der Bücher, möchte man 1000 Ausleihen erreichen. „Wenn das Projekt erfolgreich ist und sich wie geplant entwickelt, wollen wir unsere Erfahrungen auch mit anderen Linzer Vereinen in anderen Sprachen teilen, damit auch sie die heranwachsende neue Generation, die Bibliothek – oder sogar die ganze Stadt – mit Büchern in ihrer Sprache bereichern können. Wenn wir in dieser hektischen Welt einen ruhigen Ort finden, an dem wir uns friedlich in ein Buch in unserer Sprache vertiefen können, dann fühlen wir uns dort zuhause. Das Bibliotheksprojekt geht aber noch darüber hinaus: Wir würden uns freuen, wenn auch für die lokale Bevölkerung selbstverständlich wäre, dass in Linz und Oberösterreich nicht ausschließlich Österreicherinnen und Österreicher leben“, erklärt Vera Ecser.

Die Erweiterung der ungarischsprachigen Abteilung ist jedoch nur eine von vielen Aktivitäten des Vereins HungaroMedia, die all diese Ziele verfolgen. Gemeinsam mit „ProgramApik“ ist der Verein Mitorganisator des „Generációk Farsangja“ (Generationen-Fasching) Ende Januar – die Karten waren im Nu ausverkauft. Rund um den 15. März erwartet Interessierte ein außergewöhnliches Programm: Mit Diskurstheater und kunsttherapeutischen Methoden wird der Frage nachgegangen, was dieser Feiertag für heute in Österreich lebende Ungarinnen und Ungarn bedeutet. Den „Mesés Női Kör“ erweitern sie im Frühjahr um literarische Gespräche und Lesungen mit der Psychologin Dr. Annamária Kádár, der Schriftstellerin Zsuzsa Rácz und der Märchentherapeutin Ildikó Boldizsár – die selbstverständlich auch in der Bibliothek den Kindern vorlesen wird. Nach dem vorweihnachtlichen „Csillagok Ünnepe“ (Fest der Sterne) ist im Mai zum Kindertag ein gemeinsames Fest geplant: Die Schülerinnen und Schüler des erstsprachlichen Unterrichts sowie der Wochenendschule und des Kindergartens in Wels feiern zusammen – und der Ehrengast ist niemand Geringerer als Vilmos Gryllus. Und auch im Sommer macht HungaroMedia keine Pause: Für das Camp „Rólunk szólunk“ („Wir erzählen von uns“) vom 20. bis 24. Juli kann man sich bereits anmelden – ein Angebot, das wir nach den Rückmeldungen des Vorjahres nur empfehlen können.
Fotos: Anita Csányi
Text: Anna Gazdik
Übersetzung: Pathy






















