Der Oberpullendorfer Heimatforscher József Kraxner hat ein Buch über Sándor Kozina verfasst. Der vor allem für seine Porträts bekannte Biedermeier-Maler lebte von 1849 bis 1857 im Ort. Die knapp hundertseitige Gedenkschrift mit dem Titel „Hommage an Alexander Kozina (1808–1873) – Ein Biedermeiermaler aus Oberpullendorf“ wurde am 22. Juni im Haus der Nachkommen des Künstlers präsentiert.
Das Jahr 2025 ist ein Jubiläumsjahr im Leben von Oberpullendorf: Die Stadt feiert heuer den 50. Jahrestag ihrer Stadterhebung sowie das 800-jährige Jubiläum ihrer ersten urkundlichen Erwähnung. Aus diesem Anlass wird mit zahlreichen Veranstaltungen an die bedeutenden Daten erinnert – im Rathaus wurde bereits eine regionalgeschichtliche Ausstellung eröffnet, bei einem Musikfestival präsentierten sich Volksgruppenvereine sowie kulturelle und künstlerische Gemeinschaften. Im Rahmen der Festreihe fand nun auch die Buchpräsentation über den vor 150 Jahren verstorbenen Biedermeier-Maler Sándor Kozina statt – in das Oberpullendorfer Haus der Familie Feichtinger–Altdorffer waren Interessierte dazu herzlich eingeladen.

Mehrere Bücher über die Stadt stammen aus der Feder des Oberpullendorfer Geodäten und Ingenieurs József Kraxner, der sich selbst als Hobby-Heimatforscher bezeichnet. Heuer erschien von ihm unter dem Titel „Hommage an Alexander Kozina (1808–1873) – Ein Biedermeiermaler aus Oberpullendorf“ eine knapp hundertseitige Gedenkschrift. Das reich bebilderte Album zeichnet den Lebensweg des ungarischen Malers nach, beleuchtet seine Reisen durch Europa und berichtet auch über jene Zeitabschnitte, die er jenseits des Atlantiks – in Amerika und Mexiko – verbrachte.




József Kraxner begann im Jahr 1980, sich mit der Erforschung lokaler Erinnerungen zu beschäftigen – er durchforstete alte Urkunden und Dokumente. Als Oberpullendorf 1975 offiziell zur Stadt erhoben wurde, erschien zwar ein Buch, das ihm jedoch unvollständig erschien. Er wurde zum regelmäßigen Besucher der Archive in Sopron und Szombathely, oft war er auch in Győr und Budapest anzutreffen. Da er gut Ungarisch spricht, gab es für ihn keinerlei Hindernisse, schriftliche Quellen zu studieren und wertvolle Informationen zu sammeln. Über 35 Jahre widmete er sich mit wachsender Leidenschaft seinem Hobby – der historischen Recherche. Er veröffentlichte bereits fünf Bücher über die Vergangenheit Oberpullendorfs, vor zwei Jahren auch eines über Mittelpullendorf. Die Eigentümer der Häuser in der Gemeinde kennt er teilweise bis zurück ins 16. Jahrhundert.
Sándor Kozina wurde 1808 im westungarischen Felsőság geboren (heute: Simaság). Sein Vater war Verwalter bei den Grafen Festetics, seine Mutter, Terézia Rohonczy, stammte aus einer adligen und baronialen Familie aus Oberpullendorf. Seine geisteswissenschaftlichen Studien begann er in Pest, später setzte er sie in Wien fort, wo er unter der Anleitung eines zeitgenössischen akademischen Malers die Grundlagen der Porträtmalerei erlernte. Anschließend unternahm er Reisen nach Frankreich und Italien, wo er seine technischen Fertigkeiten und künstlerische Perspektive weiterentwickelte. Ab den 1830er-Jahren war er in Pest tätig, später auch im Ausland. Auf seinen Russlandreisen verbrachte er mehrere Jahre in Odessa und Sankt Petersburg, wo er durch seine aristokratische Auftraggeberschaft große fachliche Anerkennung erlangte. Im Laufe seiner künstlerischen Laufbahn hielt er sich unter anderem in Paris, London sowie in den Vereinigten Staaten und in Mexiko auf. Nach 1849 ließ er sich in Oberpullendorf nieder, das damals zum Komitat Ödenburg gehörte. 1857 kehrte er endgültig nach Ungarn zurück. Den letzten Lebensabschnitt verbrachte er zurückgezogen auf dem Land; er verstarb im Jahr 1873.


In Ungarn wie auch im Ausland galt er als erfolgreicher Porträtmaler. Seine Werke sind bis heute in mehreren öffentlichen Museen – darunter in der Ungarischen Nationalgalerie – sowie in privaten Sammlungen zu finden. Sein Malstil bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Romantik und Biedermeier; seine Kompositionen belegen eine außergewöhnliche technische Meisterschaft. Am bekanntesten ist er für seine Porträtkunst – seine Miniaturporträts, Aquarelle und Ölgemälde entstanden meist im Auftrag des zeitgenössischen Bürgertums und Adels. Charakteristisch für seine Arbeiten sind die Liebe zum Detail und die harmonische Farbgebung. Zu seinen herausragenden Werken zählen zahlreiche Frauen- und Kinderporträts ebenso wie Darstellungen politischer und gesellschaftlicher Persönlichkeiten.

Der aus Sopron stammende Kunsthistoriker Endre Csatkai (1896–1970) gehörte zu den ersten Biografen von Sándor Kozina. Er schrieb über ihn: „Es stellt sich die Frage: Was war das Geheimnis von Kozinas Erfolg? Vor einigen Jahren war eines seiner schönsten Werke, das Porträt von Ferenc Horváth aus Zalabér, im Déri-Museum in Debrecen zu sehen – inmitten einiger schwacher Porträts lokaler Maler. Dabei ließ sich gut erkennen, wie weit Kozinas Kunst über jener der kleinstädtischen Pinselschwinger stand. Im Gegensatz zu den flachen, leblosen Gesichtern anderer Künstler waren Kozinas Dargestellte angenehm, ausdrucksstark, voller Leben und innerer Anteilnahme. Während sich andere Maler mit vielen Details jenseits des Gesichts befassten, konzentrierte sich Kozina auf das Gesicht – darin spiegelte sich die Seele. Die Farben waren harmonisch abgestimmt, die Gesichter hervorragend modelliert. Barabás beschäftigte sich stärker mit dem äußeren Erscheinungsbild seiner Porträtierten, bei ihm dominieren festliche Kleidung und Pracht. Bei Kozina hingegen steht das innere Leben im Mittelpunkt.“ (Quelle: KOGART.hu)

Eines seiner bekanntesten Werke ist ein Porträt dreier Kinder – es zeigt die Nachkommen einer vornehmen Familie in einer mit außergewöhnlichem Feingefühl komponierten Darstellung. Ebenso bemerkenswert sind seine Porträts bedeutender Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens seiner Zeit, die auch einen dokumentarischen Wert besitzen.
Die Malerei von Sándor Kozina aus Oberpullendorf stellt ein wertvolles, jedoch bislang wenig beachtetes Kapitel der ungarischen Kunst des 19. Jahrhunderts dar. Seine Werke sind nicht nur visuelle Zeugnisse ihrer Zeit, sondern zugleich einfühlsame Belege für eine Welt, in der künstlerische Perspektive und technisches Können eine untrennbare Einheit bildeten.

Text, Fotos: Mónika Gombás
Übersetzung: Pathy















