Im Burgenland – wie auch in anderen Bundesländern Österreichs – zogen tausende Kinder von 27. Dezember bis 6. Jänner, bis zum Dreikönigstag, im Rahmen der großen Sternsingeraktion durch das Land und halten damit eine alte Tradition lebendig: Mit Gedichten, Gesang, guten Wünschen und Segenssprüchen verkündeten sie die frohe Botschaft von der Geburt Jesu. Das Programm ist – wie immer – zugleich eine Spendenaktion: 2026 ist Tansania das Schwerpunktland. Die Sternsingerinnen und Sternsinger aus Unterwart und Oberwart folgten außerdem einer besonderen Einladung: Sie besuchten Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Bei der Feier in Wien stellten sich die autochthonen Volksgruppen Österreichs vor – eine außergewöhnliche Möglichkeit, bei der die Ungarinnen und Ungarn durch Kinder aus dem Burgenland vertreten werden konnten.
Das Sternsingen ist in Österreich nicht nur religiöse Tradition, sondern seit Jahrzehnten auch eng mit internationaler Entwicklungszusammenarbeit verbunden. Der Einsatz der Sternsingerinnen und Sternsinger dient jedes Jahr der Unterstützung von Kindern in Not: Die im Rahmen der Aktion gesammelten Spenden werden weltweit für soziale, bildungsbezogene und humanitäre Zwecke eingesetzt. Burgenlandweit beteiligten sich auch heuer rund 5.200 junge Menschen an der landesweiten Aktion zwischen 27. Dezember und 6. Jänner. Die Teilnehmenden gingen traditionell von Haus zu Haus, brachten die Friedensbotschaft von Weihnachten und Segenswünsche für das neue Jahr – und sammelten dabei Spenden. Im Vorjahr kamen in Österreich rund 20 Millionen Euro zusammen, im Burgenland knapp 870.000 Euro – ein Rekordergebnis. 2026 steht Tansania im Fokus: Hunger, Klimakrise und Armut machen im ostafrikanischen Staat das Leben von Hunderttausenden Menschen unsicher.

Die Sternsingerinnen und Sternsinger der Pfarren Unterwart und Oberwart erhielten kürzlich eine besondere Einladung: Beim Jahresabschluss-Empfang von Bundespräsident Alexander Van der Bellen konnten sie die ungarische Volksgruppe vertreten – ein bedeutender Moment für die burgenländische ungarische Gemeinschaft. Bei der Wiener Zeremonie am 30. Dezember präsentierten Kaspar, Melchior und Balthasar – und ihre Begleiterinnen und Begleiter – ihr Programm auf Ungarisch. Mit ihren traditionellen Segensworten und Liedern machten sie auf die Bedeutung von Solidarität, Nächstenliebe und gesellschaftlichem Zusammenhalt aufmerksam. Der Besuch unterstrich nicht nur das weltweite Engagement der Sternsingerinnen und Sternsinger für Kinder in Not, sondern auch ihre brückenbauende Rolle zwischen Volksgruppen und Kulturen. Der Bundespräsident brachte seine Anerkennung für die Arbeit der Sternsingerinnen und Sternsinger zum Ausdruck, betonte die Werte von Vielfalt, gegenseitigem Respekt und Zusammenleben in Österreich und sprach auch die Bedeutung gesellschaftlicher Verantwortung an.
Die Delegation aus dem Burgenland – die Geschwister Peter und Nora Seper, Rut Szabo, Nóra Számedli sowie ihre erwachsenen Begleiterinnen Judit Seper (Mitglied des Pfarrgemeinderats Unterwart) und Gabriele Szabo, Direktorin der zweisprachigen Volksschule Unterwart – erlebte einen unvergesslichen Ausflug in der „Kaiserstadt“ und besuchte auch den Adventmarkt in Schönbrunn. Gabriele Szabo schilderte dies so: „Es war ein außergewöhnliches Erlebnis, als Gäste des Bundespräsidenten in Wien die ungarische Volksgruppe zu vertreten – auch für die Kinder bleibt das eine bleibende Erinnerung. Wir kamen gegen Mittag an, um 13 Uhr trafen der Bundespräsident und seine Gattin ein. Davor erhielten wir eine detaillierte Information zum Ablauf, danach kamen nacheinander die verschiedenen Gruppen an. Aus fast allen Bundesländern waren Sternsingerinnen und Sternsinger vertreten. Bei dieser jährlich stattfindenden Zeremonie werden immer wieder andere Orte eingeladen. Bei dem Treffen wurde erneut deutlich, wie wichtig die Mission der Sternsingerinnen und Sternsinger ist: Sie sammeln Spenden, die in Länder gelangen, in denen Kinder unter besonders schwierigen Bedingungen leben. Ich habe sogar Schülerinnen und Schüler, die so engagiert sind, dass sie jedes Jahr regelmäßig von ihrem Taschengeld etwas zurücklegen und den Betrag dann auf das Konto der Sternsingeraktion einzahlen. Für uns war es auch besonders wichtig, dass wir als Delegation der ungarischen Volksgruppe in Wien auftreten konnten. Natürlich haben wir auf Ungarisch rezitiert und gesungen. Den Kindern habe ich ein klassisches Unterwarter Lied beigebracht, ‚A három király megy az úton‘ („Die drei Könige sind unterwegs“) – ich bin stolz auf sie, sie haben die Darbietung wunderbar präsentiert“, schloss die Direktorin.

Die Weisen aus dem Morgenland gingen am 3. Jänner in Unterwart sowie am Dreikönigstag in Oberwart durch die Straßen: Sie zogen von Haus zu Haus. An der traditionellen Aktion beteiligten sich auch Kinder und Jugendliche, die sich auf Firmung und Erstkommunion vorbereiten. Mit Gesang und guten Wünschen lebten sie den Dreikönigsbrauch auf, der im Burgenland ein wichtiges Gemeinschaftsereignis ist. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Ortschaften pflegen diese Tradition aktiv, sodass sie von Generation zu Generation weitergegeben wird.


Titelbild: Gabriele Szabo
Text: Mónika Gombás
Übersetzung: Pathy



























