Unter dem Motto „Tauchen wir ein in die zauberhafte Welt mystischer alter Schriftzeichen!“ lud die UMIZ4KIDS-Reihe am 7. März zu einem besonderen zweisprachigen Workshop ein: Mit Unterstützung von Gastreferenten konnten die Teilnehmenden am Sitz des Ungarischen Medien- und Informationszentrums in Unterwart die Geheimnisse der ungarischen Szekler-Runenschrift sowie der slawischen Glagolica kennenlernen und selbst ausprobieren.
Aus Ungarn, Wien, Kirchschlag und der näheren Umgebung kam eine interessierte Gruppe in der Alten Schule zusammen: Erwachsene und Kinder gleichermaßen zeigten Interesse an dem außergewöhnlichen Programm. Katalin Dowas, Kindergartenpädagogin und Leiterin von UMIZ4KIDS, begrüßte das Publikum, danach stellten Dr. Robert Hajszan, Direktor des Pannonischen Instituts in Güttenbach, und Siegfried Vitomir Hajszan, Vizepräsident des Kroatischen Kulturvereins (HKD) in Oberwart, die Glagolica vor, das früheste bekannte slawische Schriftsystem. Das glagolitische Alphabet wurde im 9. Jahrhundert von den Heiligen Kyrill und Method nach dem Vorbild des altgriechischen Alphabets geschaffen, vor allem, um die Christianisierung der slawischen Völker zu unterstützen. Verwendet wurde es hauptsächlich zur Aufzeichnung altkirchenslawischer Texte.
Die kroatischsprachigen Fachleute erklärten, dass sich zwei charakteristische Formen herausgebildet haben: die runde, bulgarische Form und die eckige, kroatische Variante. Letztere verbreitete sich vor allem in Dalmatien und Istrien. Die kyrillische Schrift erschien gegen Ende des 9. Jahrhunderts in der Region, während in Istrien die glagolitische Schrift weiterhin in Gebrauch blieb. Im 19. Jahrhundert, in der Zeit der kroatischen Nationalbewegung, wurde dieses Schriftsystem zu einem symbolischen Zeichen der Abgrenzung sowohl von den lateinisch-westlichen als auch von den orthodox-östlichen Kultureinflüssen.

Dr. Robert Hajszan stellte die Tafel von Jurandvor vor, eines der wichtigsten Zeugnisse kroatischer Schriftlichkeit und Kulturgeschichte. Eine kleine Kopie ließ er zur Ansicht durch die Runde gehen. Die auch als Tafel von Baška bekannte Steinplatte ist ein bedeutender mittelalterlicher Inschriftenfund aus der Kirche der Heiligen Lucia in Baška. Der Referent ging auch auf Dokumente mit Burgenland-Bezug ein und erwähnte das in Győr aufbewahrte, auf dem Gebiet von Klingenbach gefundene Messbuch mit glagolitischen Schriftzeichen sowie das glagolitische Brevier in der Sammlung des Franziskanerklosters in Güssing. Siegfried Vitomir Hajszan ergänzte die ausführliche Präsentation mit dem Hinweis, dass auch auf den kroatischen Euromünzen der Länderkennungscode HR in glagolitischer Schrift zu sehen ist.
Die Teilnehmenden des Workshops konnten das Schreiben auch praktisch erproben: Sie lösten ein Rätsel, bei dem sich der Ort der nächsten Station des Programms abzeichnete. László Kelemen, Leiter des Ungarischen Medien- und Informationszentrums in Unterwart, führte die Gruppe in den Keller und berichtete dort über die Geschichte der Alten Schule.
Im weiteren Verlauf rückte die ungarische Runenschrift in den Mittelpunkt. Dr. Zoltán Hubbes, Tierarzt und zugleich Mitglied der Őri Banda, beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Szekler-Runenschrift. Der in Siebenbürgen geborene Hobbyforscher widmet sich mit Leidenschaft der Schrift seiner Vorfahren. „Dieses alte ungarische Schriftsystem wurde von unseren Vorfahren verwendet, bevor sich das lateinische Alphabet im ungarischen Sprachraum vollständig durchsetzte. Es wird vor allem mit den Szeklern und mit Siebenbürgen in Verbindung gebracht. Das ungarische Wort róni bedeutet ritzen, einschneiden, einkerben. Die Zeichen wurden häufig in Holz, Stäbe oder andere harte Materialien geritzt, ihr Ursprung ist jedoch nicht völlig eindeutig. Eine Besonderheit ist, dass von rechts nach links geschrieben wird und die Zeichen aus geraden Linien bestehen. Es handelt sich um ein lautbezeichnendes Schriftsystem, für jeden Laut gibt es in der Regel ein eigenes Zeichen, die Selbstlaute wurden häufig weggelassen. Es ist anzunehmen, dass die ungarische Kerbschrift mit alten eurasischen Schriftsystemen zusammenhängt, im Mittelalter jedoch von der lateinischen Schrift verdrängt wurde“, informierte Zoltán Hubbes die Anwesenden. Er betonte, dass sie heute vor allem eine kulturelle und identitätsstiftende Rolle spielt und häufig auch als dekoratives Element erscheint. Mitunter ist sie auf Ortstafeln in Ungarn und Siebenbürgen, auf Denkmälern, in volkskundlichen Publikationen sowie in verschiedenen symbolischen oder national geprägten Darstellungen zu sehen. Nach dem theoretischen Teil rückte erneut die Praxis in den Vordergrund: Die Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer schrieben ihre eigenen Namen in dieser Schrift.



Tamara Mária Székely-Lónyai zog vor elf Jahren nach Ungarn und lebt seit fünf Jahren in Österreich. Die alte ungarische Schrift interessiert sie besonders; als Jugendliche benutzte sie sie oft gemeinsam mit einem Geschwisterkind. Wenn sie nicht wollten, dass jemand ihre Nachrichten lesen konnte, kommunizierten sie in diesem Zeichensystem.
Nándor Hömböli aus Pinkafeld hat väterlicherseits Szekler-Vorfahren, mütterlicherseits schwäbische Vorfahren. Schon vor fast zwanzig Jahren kam er erstmals mit den Grundlagen der Runenschrift in Berührung, seitdem hatte sich jedoch keine Gelegenheit ergeben, sein Wissen zu vertiefen. Nun konnte er das nachholen.
Zoltán Maros, ein Ungar aus der Vojvodina, lebt in Wien; die Szekler-Runenschrift stand für ihn bislang auf der Wunschliste. Als zusätzlichen Gewinn empfand er, dass er sich auch über die slawische alte Schrift von glaubwürdigen Fachleuteninformieren konnte.
Nach der Lösung eines weiteren Rätsels in Geheimschrift beendeten die Teilnehmenden die Veranstaltung schließlich im Obergeschoss in der UMIZ-Zentrale. Österreichs größtes ungarischsprachiges Bibliotheks- und Archivzentrum bot eine ausgezeichnete Gelegenheit, in historischen Büchern zu lesen und zu blättern.
Fotos: Mónika Gombás
Titelbild: Dr. Zoltán Hubbes, Siegfried Vitomir Hajszan und Dr. Robert Hajszan | Foto: Mónika Gombás
Übersetzung: Pathy





















