Traditionsgemäß war das OHO (Offenes Haus Oberwart) in Oberwart Austragungsort der von der Volkshochschule der Burgenländischen Ungarn bereits zum siebenten Mal organisierten Warter Mulatság. Beim Fest am 8. November sorgte die gastgebende Őri Banda für gute Stimmung. Unter der Leitung von Ferenc Bódi entführte das Gipsy Swing Trio das Publikum in die Welt des Jazz, den Schlusspunkt setzte – ebenfalls wie gewohnt – die Partymusik der aus Ungarn angereisten Just Showband.
Die im Herbst veranstaltete Warter Mulatság ist eines der wichtigsten Programme der burgenländisch-ungarischen Gemeinschaft. Ihr Ziel ist es, den Zusammenhalt der ungarischen Volksgruppe zu stärken, ihr kulturelles Interesse zu bereichern und die musikalischen Traditionen zu pflegen und zu fördern.

„Es handelt sich um eine interkulturelle und gesamtgesellschaftliche Veranstaltung, die Jahr für Jahr das kulturelle Erbe der in Oberwart lebenden Volksgruppen feiert; neben den Ungarn sind stets Kroaten, Österreicher und Roma mit dabei.
2025 haben wir den Schwerpunkt auf die jahrhundertealten, engen Beziehungen zwischen der ungarischen und der Roma-Gemeinschaft gelegt. Das zeigen jene international renommierten Künstlerinnen und Künstler, die es angenommen haben, bei uns aufzutreten.
Neu ist, dass wir heuer auch junge Vertreter der Magyar Ifjúsági Konferencia (Ungarische Jugendkonferenz) eingeladen haben – zu meiner großen Freude haben sie die Einladung angenommen. Seit nunmehr rund fünfundzwanzig Jahren wird das Burgenland auf dem größten Koordinationsforum der ungarischen Jugendorganisationen im Karpatenbecken und in der Diaspora von der Volkshochschule der Burgenländischen Ungarn vertreten“, erklärte Attila Somogyi,Vorsitzender der Volkshochschule der Burgenländischen Ungarn. In seiner Begrüßung erinnerte er auch an Dr. László Somogyi, das vor kurzem verstorbene älteste Mitglied der Őri Banda. „Mein Vater ist in den Herbstferien verstorben. Er hätte nicht gewollt, dass wir die Veranstaltung absagen; wäre er hier, würde er mit uns singen und feiern“, fügte Attila Somogyi hinzu.

Als Gastgeber bestritt die Őri Banda den ersten Bühnenauftritt: Sie eröffneten den Abend mit einem neuen Liederstrauß, einem Block aus Unterwart, der aus den burgenländischen Sammlungen des Volkskundlers Dr. Károly Gaál sowie des Bibliografen und Heimatforschers Gyula Kertész zusammengestellt worden war und im OHO erstmals aufgeführt wurde.







Im Anschluss traten internationale Stars auf: Gemeinsam mit Ferenc Bódi spielten Josef Wawau Adler und Karol Hodas im Gipsy Swing Trio. Der aus Ungarn stammende Ferenc Bódi, einer der beliebtesten Gipsy-Swing-Jazzgitarristen Österreichs und Leiter des Franz Bodi Quartet, ist nahezu Stammgast bei der Warter Mulatság. Er bemüht sich stets, Musiker einzuladen, die noch nie in Oberwart gespielt haben. Diesmal hätte er mit Joschi Schneeberger auftreten sollen, der jedoch erkrankte, sodass er schließlich mit Karol Hodas musizierte. Der Kontrabassist bereicherte das musikalische Repertoire zusätzlich, denn er war aus Bratislava angereist. Drittes Mitglied des Trios ist der deutsch-rumänische Jazzgitarrist Josef Wawau Adler, der in einer Sinti-Familie geboren wurde, in Deutschland lebte und vor knapp eineinhalb Jahren nach Wien übersiedelte. „Meine Mission ist es – so wie es auch das Motto der Warter Mulatság von Beginn an –, durch die Musik Unterschiede zusammenzuführen. Auch diese Kunstform ist eine Form der Kommunikation. Wir alle kommen von anderswo, haben unterschiedliche Herkunft, und gerade aus dieser Vielfalt entsteht die Musik, die wir gemeinsam schaffen“, betonte Josef Wawau.






Der jüngste Somogyi, Mátyás Attila, spielt seit frühester Kindheit Zither und ist Mitglied der Őri Banda; bei jeder Warter Mulatság hat er Gelegenheit, gemeinsam mit Ferenc Bódi einige Stücke zu spielen – so auch heuer. Jenő Posch wurde 1937 in Oberwart als Kind ungarischer Eltern geboren und lebte im alten Roma-Viertel, in der Malomgasse. Er erinnerte sich an seine Kindheit und erzählte, dass das erste ungarische Lied, das er lernte, das Volkslied „Szeretnék szántani, hat ökröt hajtani“ war. Er arbeitete als Agronom und war dadurch oft in Ungarn unterwegs. „Ich liebe es, die schöne ungarische Sprache zu pflegen; Gelegenheiten wie diese bieten sich dafür ganz besonders an. Bis zu meinem achten Lebensjahr habe ich nur Deutsch gesprochen, daher kann ich auf Ungarisch nicht schreiben, aber das Lesen und Sprechen geht gut. Leider haben meine Kinder die Sprache nicht mehr erlernt“, berichtete er beim Programm am Samstagabend.


Den Abschluss der diesjährigen Warter Mulatság bildete die Just Showband. Die Gruppe war im Vorjahr erstmals bei der Veranstaltung der Burgenland-Ungarn aufgetreten; damals sorgten sie für eine bis in die frühen Morgenstunden dauernde Party – es verstand sich daher von selbst, dass sie auch 2025 wieder im Programm vertreten sein würden. Die „international tourende Partyband“ wird seit mehr als zwei Jahrzehnten durch familiäre und freundschaftliche Bande zusammengehalten – viele ihrer Mitglieder waren einst Klassenkollegen. Seit fünfzehn Jahren treten sie als professionelle Band auf, spielten über lange Zeit auf Luxusschiffen und gehören zu den regelmäßigen Acts internationaler wie auch heimischer Hotels sowie zahlreicher Firmen- und Gesellschaftsveranstaltungen. Ihre Mission ist es, kulturelle Werte mit Anspruch und qualitativ hochwertiger Unterhaltung zu vermitteln.

Fotos: Mónika Gombás
Text: Mónika Gombás
Übersetzung: Pathy















