Pater Ernő Szabó erhielt im Vorjahr den Auftrag, die ungarisch-katholischen Gläubigen in ganz Österreich seelsorglich zu betreuen. Er ist für achtzehn verschiedene Gemeinschaften verantwortlich. Seine Aufgabe besteht nicht nur in der Feier der Gottesdienste, sondern auch darin, als Brücke zwischen österreichischen Pfarren und ungarischen Gemeinschaften präsent zu sein. Das bedeutet, dass er mit nahezu allen Konfessionen, historischen Kirchenvertreterinnen und -vertretern sowie Vereinen in Kontakt steht – stets in dem Bewusstsein, dass das gemeinsame Ziel die Bewahrung ungarischer Identität ist.
Der aus Siebenbürgen stammende ungarische Seelsorger dient seit nahezu 30 Jahren in Österreich. Wie er betont, ist ihm in seinem Wirken vor allem die persönliche Verbindung zu den Menschen wichtig. In der Diözese Linz hat er über Jahrzehnte Erfahrungen gesammelt, wie Gläubige persönlich wie auch auf Gemeinschaftsebene anzusprechen sind. Mittlerweile sucht er landesweit den Kontakt zu ungarischen Gläubigen und den Leitungen ihrer Gemeinden. „Ich habe aus fast allen Landesteilen Erfahrungen, was wo besser oder weniger gut funktioniert.“ Nach seiner Einschätzung ist die Haltung der österreichischen Pfarren entscheidend für die Aufnahme ungarischer Gemeinschaften; daher ist er den gastgebenden Pfarrgemeinden besonders dankbar. Denn ungarische Gläubige haben in Österreich zumeist keine eigenen Kirchen; die ungarischen Messen finden in sogenannten Gastkirchen statt.

„Eine Ausnahme ist Innsbruck, wo es eine schöne Kapelle gibt; überall sonst sind wir Gäste – und für diese Gastfreundschaft danke ich allen Verantwortlichen und den lokalen Gemeinden, wenn sie an diesen Feiern teilnehmen.“ Er unterstreicht: „Diese Gesten sind nicht nur symbolisch, sie gehen oft auch mit finanziellen Aufwendungen einher.“
Nach Ansicht von Pater Szabó erschöpft sich Seelsorge nicht in der Messfeier: Gemeinschaftliche Präsenz, persönliche Gespräche sowie die Ansprache von Jungen und Älteren sind ebenso wesentliche Teile seines Auftrags. Er hob hervor, dass jede Veranstaltung, an der er teilnimmt – ob Festmesse oder etwa ein Krippenspiel für Kinder – auch ein Raum zur Stärkung des nationalen Bewusstseins ist. Zugleich machte er deutlich, dass er in Österreich in einem ökumenischen Umfeld tätig ist: „Bei den ungarischen Messen sind regelmäßig reformierte, unitarische und mitunter orthodoxe Gläubige anwesend. Diese Zusammenarbeit zwischen den Konfessionen ist für mich ausdrücklich positiv.“

„Darum sage ich auch: Wir kochen nicht nur unser eigenes Süppchen“, lächelte Pater Szabó im Gespräch. „Aber wir sollten nicht nur über das Positive sprechen“, fügte er hinzu. „Die größte Herausforderung ist für mich, die sogenannte ‚gleichgültige Gruppe‘ zu erreichen.“ Es gebe Menschen, die sich weder für Kirche noch für die Wochenendschule, Kulturvereine oder die Pfadfinder interessieren – die also bei Gemeinschaftsveranstaltungen nicht oder nur selten und zufällig präsent sind. Und gerade das sind spannende und glückliche Begegnungen – spannend, weil unklar ist, wie es weitergeht und welche Prozesse dadurch angestoßen werden.
Am wichtigsten sei, dass auch die Gleichgültigen zu Interessierten werden. Dabei könne die Zusammenarbeit zwischen Kirche und Zivilorganisationen eine Schlüsselrolle spielen. Nach den Erfahrungen von Pater Szabó wenden sich Auswanderer der ersten Generation dem Ungarischen – Sprache, Kultur, Traditionen – in der Regel mit großem Empathievermögen und starkem Identitätsbewusstsein zu. Die zweite und dritte Generation sei hingegen schwerer anzusprechen; deshalb hält er Gemeinschaftsaufbau über die Kinder für besonders wichtig.


Gemeinschaftsarbeit beschränkt sich jedoch nicht nur auf kirchliche Veranstaltungen. Pater Szabó ist selbst aktives Vorstandsmitglied im Kulturverein der ungarischen Sprachgruppe in Oberösterreich und arbeitet so mit zahlreichen anderen Organisationen zusammen. Er ist überzeugt, dass gemeinschaftliche Erlebnisse den Gläubigen langfristig geistliche und geistige Nahrung bieten können. Auch künftig sieht er eine seiner Hauptaufgaben darin, all jene anzusprechen, die bisher aus unterschiedlichen Gründen auf Distanz geblieben sind – ob Familien, junge Menschen oder Ältere. Wie er sagte, bleibt das Ziel:
„Die Fernstehenden liebevoll einzuladen und aufzunehmen.“
Titelbild und Fotos: Ernő Szabó
Text: Róbert Orsós
Übersetzung: Pathy
























