Dieses Jahr steht – im Fokus der Volksgruppenpolitik – ganz im Zeichen des Volksgruppengesetzes, das vor 50 Jahren, am 7. Juli 1976, beschlossen wurde. Das Jubiläum bietet die Gelegenheit, den autochthonen Volksgruppen Österreichs sowohl aus historischer und kultureller als auch aus demokratiepolitischer Perspektive mehr Aufmerksamkeit zu geben. Aus diesem Anlass wurde im Besucherzentrum des Parlaments in Wien eine kostenlose Ausstellung eröffnet, die das ganze Jahr über zu sehen ist.
Am 7. Juli jährt sich die Verabschiedung des Volksgruppengesetzes zum 50. Mal. In Österreich leben sechs anerkannte autochthone Volksgruppen: die ungarische, die kroatische, die slowenische, die tschechische, die slowakische und die Volksgruppe der Roma. Im Besucherzentrum des Parlaments erhält das Thema ganzjährig besondere Aufmerksamkeit; das Parlament befasst sich 2026 intensiv damit, weil eine Modernisierung bzw. Novellierung des Gesetzes von 1976 notwendig geworden ist.



In der Ausstellung „Wir sind Demokratie“ werden Sprache, Bildung, Kultur, Recht und gemeinsame Geschichte thematisch aufgegriffen. Die eindrucksvoll gestaltete, multimediale und interaktive Schau zeigt, dass an nahezu hundert Schulstandorten Unterricht in Volksgruppensprachen stattfindet. Besucherinnen und Besucher können sich unter anderem über kulturelle Programme der Gemeinschaften und ihre eigenen Medien informieren; zudem sind Gedanken bekannter Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und von Künstlerinnen und Künstlern über ihre nationale Zugehörigkeit zu lesen. Das Konzept der Präsentation entstand unter Mitwirkung von Prof. Dr. Jürgen Pirker, Professor an der Universität Graz und Leiter des Arbeitsbereichs Global Governance. Bei der feierlichen Eröffnung würdigte Walter Rosenkranz, Präsident des Nationalrates, den Beitrag der Volksgruppen zur Demokratie. Er betonte, dass das Parlament im Gedenkjahr mit verschiedenen Veranstaltungen den Fokus auf die Bedeutung der Volksgruppen richten möchte. An der Veranstaltung nahmen auch Attila Somogyi, Vorsitzender des Ungarischen Volksgruppenbeirates, sowie Andrea Király, stellvertretende Vorsitzende des Ungarischen Volksgruppenbeirates, teil.

„Vor fünfzig Jahren wurde das Volksgruppengesetz geschaffen. Für uns war das ein großer Fortschritt, weil im Staatsvertrag von 1955 die ungarische Volksgruppe ausgelassen wurde – wir sind also im Grunde erst seit 1976 offiziell eine autochthone Volksgruppe. Als der Gesetzgeber das Gesetz erließ, ging er nach dem sogenannten territorialen Prinzip vor: Das bedeutet, dass Volksgruppenmitglieder dort Rechte haben, wo sie leben. Offiziell bezog sich das damals auf das Burgenland: Dort hätte man Schulen, Kindergärten und mittlere und höhere Schulen gründen müssen. Wie wir wissen, wurde das auch erst später umgesetzt – beim Zweisprachigen Gymnasium beispielsweise 1992. Das sind alles grundlegende Faktoren, die für eine Volksgruppe lebenswichtig sind, weil sie das Fortbestehen sichern.“ – sagte Attila Somogyi.
„Die Wiener Ungarinnen und Ungarn wurden 1992 als Teil der autochthonen Volksgruppe anerkannt. Dort sind jene Voraussetzungen, die im Burgenland schon länger bestehen, noch nicht verwirklicht. Wir arbeiten daran, dass eine gemeinsame Schule entsteht; aus Gründen der Effizienz lobbyieren wir dafür gemeinsam mit den anderen Volksgruppen. Ende Dezember haben wir uns mit den für Volksgruppen zuständigen Nationalratsabgeordneten der Regierungsparteien getroffen und vereinbart, dass wir im März eine Information darüber bekommen, was sich die drei Parteien vorstellen und was man gegebenenfalls in Wien – in Zusammenarbeit mit der Stadt – umsetzen könnte, denn die sogenannten Pflichtschulen fallen im Föderalismus in die Zuständigkeit der Länder. Das ist eine große Herausforderung: Sechs Volksgruppen gemeinsam eine Schule zu ermöglichen, ist nicht einfach. Wir haben unsere Vorstellungen bereits sehr konkret ausgearbeitet und auch schriftlich festgehalten: In einem offenen Brief haben wir dargelegt, dass unser vorrangiger Wunsch die Erweiterung des Volksgruppengesetzes und des Minderheitenschulgesetzes ist. Das wäre für Wien die ideale Lösung, weil dann auf Landes-, Gemeinde- und Bundesebene im Schulwesen entsprechende Optionen entstünden. Wichtig ist zu erwähnen, dass wir nicht nur mit den Regierungsparteien, sondern auch mit der Opposition in Gesprächen sind; auch auf Ministeriumsebene laufen die Verhandlungen weiter. Nach der Ernennung der neuen Regierung gab es bereits ein Gespräch mit dem neuen Minister – die Volksgruppenfrage steht auf der Agenda, konkrete Ergebnisse gibt es aber noch nicht. Wir haben außerdem angeregt, dass es ein ständiges Abstimmungsforum zwischen den Volksgruppen und den zuständigen Abgeordneten geben sollte, damit wir auf aktuelle Entwicklungen rechtzeitig reagieren und Gesetzesänderungen von Anfang an begleiten können. Ein gutes Beispiel ist das neue Matura-Gesetz, aus der die autochthonen Volksgruppen vollständig herausgefallen sind – das hat eine nachteilige Situation geschaffen. Solche Fehler ließen sich vermeiden, wenn die offiziellen Vertretungen der Volksgruppen immer eingebunden würden. Nachträglich zu korrigieren ist schwieriger, als es von Beginn an richtig zu machen.“ – ergänzte der Vorsitzende des Ungarischen Volksgruppenbeirates.






„In den 1970er-Jahren begann die Abwanderung aus den autochthonen Gebieten, weil die agrarische Gesellschaft zerfiel und sich die Menschen in Städten und Ballungsräumen ansiedelten. Auch Angehörige der ungarischen Volksgruppe leben längst nicht mehr nur in Dörfern, sondern innerhalb und außerhalb des Burgenlandes. Es ist ein allgemeines Phänomen, dass die Mehrheit der Kinder die Sprache nicht mehr zu Hause erlernt – das ist eine traurige Tatsache, aber man muss sich ihr stellen. Bildung spielt deshalb immer eine Schlüsselrolle für das Fortbestehen einer Volksgruppe. Auch die Wiener ungarische Gemeinschaft ist vielfältig zusammengesetzt: Sie besteht nicht nur aus Menschen, die aus Ungarn beziehungsweise aus anderen ungarischsprachigen mittel- und osteuropäischen Regionen zugezogen sind, sondern auch viele Burgenländerinnen und Burgenländer sind nach Wien übersiedelt. Viele leben bereits in der zweiten Generation dort, zugleich fahren sie als Pendlerinnen und Pendler oft „nach Hause“. Aufgrund des Meldegesetzes wählen viele die Hauptstadt als Hauptwohnsitz – andernfalls könnten sie etwa im jeweiligen Bezirk nicht parken –, daher melden sich viele offiziell um. Ähnlich ist die Lage auch in anderen Orten, nur in kleinerer Zahl.“ – analysierte der Vorsitzende. „Ein kardinales Ziel ist, dass die österreichische Gesellschaft die autochthonen Volksgruppen besser kennenlernt. Das ist notwendig – besonders in Westösterreich, wo man sie oft mit Migrationsgemeinschaften verwechselt. Unverzichtbar ist, dass dies auch in den Schulen vermittelt wird. Ein passendes Unterrichtsmaterial ist noch nicht ausgearbeitet; auch hier müsste man nachbessern.“ – fasste Attila Somogyi die aktuelle Situation zusammen und führte aus, dass die Ausstellung „Wir sind Demokratie“ – zu deren Entstehung auch Mitglieder der ungarischen Volksgruppe wesentlich beigetragen haben – genau diesem Ziel dient. „Im Parlament sind täglich etwa zweitausend Gäste, im Jahr rund eine halbe Million Menschen, darunter viele Schulgruppen. Wir sind dankbar für diese Möglichkeit. Gut wäre, wenn die Ausstellung nicht nur im Jubiläumsjahr, sondern dauerhaft zugänglich wäre.“ – schloss der Vorsitzende.
Anlässlich des Jubiläums fanden die Volksgruppen auch in der Parlamentsbibliothek ihren Platz: Die Volkshochschule der Burgenländischen Ungarn überreichte der Einrichtung mehrere Publikationen als Geschenk.
Fotos: Attila Somogyi
Text: Mónika Gombás
Übersetzung: Lívia Pathy































