Mit Szilvia Mentsik, der Vorsitzenden des Vereins Ungarischer Pädagoginnen und Pädagogen in Österreich (AMAPED), der seit 2004 seinen Sitz in der Wiener Mariahilfer Straße hat, haben wir darüber gesprochen, mit welchen Veränderungen und Schwerpunktverschiebungen Familien im Jahr 2026 rechnen können.
Eine der deutlichsten Entwicklungen ist die weitere Stärkung der Förderpädagogik. „Wenn ich eine echte Veränderung oder Ergänzung benennen müsste, dann ist es eindeutig dieser Bereich, der mehr Schwung bekommen hat als früher“, sagt Szilvia Mentsik. Das gestiegene Interesse zeigt sich nicht nur in den Angeboten während des Schuljahres, sondern inzwischen auch in der Nachfrage nach den Camps.


Die logopädischen Angebote bleiben weiterhin eine stabile Säule bei AMAPED. Darüber hinaus laufen mehrere Förderprogramme parallel, die unterschiedliche Altersgruppen und Bedürfnisse ansprechen: musikalische Eltern-Kind-Gruppen („Ringató“-Gruppen) zur Bindungsstärkung, frühe Bewegungsförderung sowie komplexe Förderangebote für Kindergarten- und Volksschulkinder.
Bei AMAPED gibt es derzeit drei einander ergänzende förderpädagogische Richtungen. Eine davon ist eine bewegungstherapeutisch basierte Förderung, die auf die Unterstützung der Reifung des Nervensystems setzt. Eine zweite Richtung umfasst heilpädagogisch orientierte Einheiten, die Kinder bei konkret auftretenden Schwierigkeiten begleiten. Die dritte Säule bildet das GECCO-Programm: Es beruht auf einer eigenentwickelten, preisgekrönten Methode und richtet sich vor allem an die Kleinsten. „Das ist eine sehr frühe Form der Förderung – schon ab sechs Monaten, typischerweise aber für die Altersgruppe 0 bis 3“, erklärt Szilvia. Das Besondere am GECCO-Programm ist, dass es die Eltern bewusst in die Einheiten einbezieht. Die gemeinsame Anwesenheit von Eltern und Kind ist nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht: Nach dieser Methode stärkt das gemeinsame Ausführen der Bewegungsübungen die Bindung und macht die Förderung wirksamer. „Das steht ein wenig im Gegensatz zur traditionellen pädagogischen Sichtweise – aber genau deshalb funktioniert es“.
Eine weitere Förderlinie begleitet Kinder ab dem dritten Lebensjahr bis ins Volksschulalter. Hier treten bereits gezielter jene Fälle in den Vordergrund, in denen es zu Blockaden oder Schwierigkeiten kommt. Es geht nicht um ein bloßes „Schlau-mach“-Turnen, sondern um eine komplexe Förderung, die motorische, kognitive und emotionale Bereiche gleichermaßen einbezieht.




Szilvia Mentsik zufolge reagiert AMAPED damit leider auf einen immer größer werdenden Bedarf: „Es ist erschreckend zu sehen, wie viele Kinder heute Förderung brauchen. Das ist eine gesellschaftliche und bildungspolitische Frage, die schon im Kindergartenalter sichtbar wird.“ Das zweisprachige Umfeld, unterschiedliche Bildungssysteme und fehlende soziale Netzwerke sind Faktoren, die eine solche Unterstützung für Familien in der Diaspora besonders notwendig machen.
Zu den Plänen für 2026 gehören nicht nur neue Angebote, sondern auch Workshops, thematische Programme und fachliche Kooperationen. AMAPED möchte weiterhin einen sicheren, fachlich fundierten und zugleich haltgebenden Raum für Kinder und ihre Eltern bieten. Wie Szilvia zusammenfasst: „Förderpädagogik ist bei uns keine isolierte Insel, sondern ein integraler Bestandteil dessen, wie wir über Kinder, Lernen und Gemeinschaft denken.“ Diese Haltung wird voraussichtlich auch 2026 eine prägende Richtung bei AMAPED bleiben.
Neben den förderpädagogischen Angeboten werden die Schülerinnen und Schüler auch 2026 weiterhin mit einem breiten Programm begrüßt. Bei gleichzeitiger Bewahrung der klassischen Bildungsbausteine setzt die Einrichtung auf sprachliche, kulturelle und gemeinschaftliche Erlebnisse. Im Laufe des Schuljahres werden die Gruppen für ungarische Sprache und Literatur fortgeführt, die im AMAPED-Verständnis nicht als muttersprachlicher Unterricht, sondern als Herkunftssprachenunterricht organisiert sind. Zusätzlich gibt es Schulvorbereitungsangebote, die gezielt auf die Herausforderungen eines zweisprachigen Umfelds reagieren.
Kinder und Jugendliche erwarten außerdem verschiedene thematische Werkstätten und kreative Programme: Bastel- und Handarbeitsangebote, märchenpädagogische Einheiten, Musik- und Bewegungsgruppen sowie für die Älteren projektbasiertes Lernen. In den Sommer- und Ferienzeiten organisiert AMAPED thematische Camps, in denen Sprachlernen spielerisch und erlebnisorientiert mit Bewegung, kreativem Gestalten und Gemeinschaftserfahrung verbunden wird.



Ein wichtiger Bestandteil des Programms sind die Vorbereitungskurse auf die ECL-Sprachprüfung, die vor allem für Jugendliche und Erwachsene angeboten werden. Ergänzt wird das durch Vorträge, Workshops und fachliche Angebote für Eltern, die sich mit Fragen der Erziehung, der Zweisprachigkeit und der Förderpädagogik befassen. AMAPED möchte auch 2026 einen verlässlichen Rahmen bieten, in dem die Lernenden nicht nur lernen, sondern sich vernetzen, sich weiterentwickeln und in der ungarischen Sprache und Kultur zuhause sein können.


Fotos: AMAPED






















